Bei der Mitfahrt in einem Zug lässt nur ein kurzer Lichtschein zwischen zwei Tunneln einen Einblick in ein tiefes Tal und ehe man es übersieht, ist man auch schon im nächsten Tunnel. Es versteckt sich. So ist es mir einige Male auch schon ergangen, bis ich mich ins Bietschtal begab, um das eindrückliche Bauwerk zu besichtigen. Es wurde in einem Seitental des Rhonetales im Wallis erbaut, dem Bietschtal. Auf beiden Talseiten sind steile Felswände zu erblicken. Die einzige Möglichkeit hinzukommen sind zwei Wanderwege, welche sich teilweise durch kleine Tunnels entlang der Felswand schlängeln. Erst nach dem letzten Tunnel erblickt man sie, die Rede ist von der Bietschtalbrücke. Eingeklemmt vom Berg überbrückt das knapp 80 Meter hohe und 110 Meter lange Bauwerk den Bietschbach. Es ist eine Zweigelenkbogenbrücke, erbaut aus 1’400 Tonnen massiven Stahlträgern und mehr als 125’000 Nieten. Auf der linken Seite in Richtung Berg gesehen, befindet sich der Bietschtaltunnel I mit seinem imposanten Betonbrückenvorbau, welcher beim Ausbau auf zwei Fahrtrassen entstand. Auf der anderen Seite ist der Bietschtaltunnel II mit einer Signalbrücke. Wie schon angetönt, wurde die Brücke erst eingleisig während nur drei Jahren erbaut. Bauherrin war die 1906 frisch gegründete Bern – Lötschberg – Simplon – Bahn, kurz BLS. Das beauftragte Bauunternehmen, die Albert Buss & Cie. aus Basel, erschuf zwischen 1910 und 1913 somit eine bis heute auf der Welt einzigartige Brückenkonstruktion. Die Planung der Brücke war sehr anspruchsvoll, da zusätzlich zur abgelegenen Lage, die Streckenführung nicht wie üblich gerade, sondern im engsten Radius (300 Meter) in einer Kurve verlief. Ausserdem, befindet sich die Brücke im Eisenbahnmaximalgefälle von 27 Promille. Dadurch wurde die einseitig, statische Belastung zu einer Herausforderung die erfolgreich gemeistert wurde. Aus Kostengründen erbaute man nur eine Spur der ursprünglich zwei geplanten Trassen, jedoch bereitete man die Brücke für den Doppelspurausbau vor und so konnte man 1986 in kurzer Zeit auf zwei Gleise erweitern. Dabei wurde die Brücke mit zusätzlichen Stahlträgern verstärkt und alle Nieten ersetzte man durch stabilere Schrauben. Zudem wurde der Wanderweg im Bietschtal über die Brücke verlegt und so ist es heute möglich, bequem von der einen zur anderen Talseite zu gelangen.
Als die Pläne für den Simplontunnel und die Gotthardbahn vom Bund akzeptiert wurden, sah sich der Kanton Bern gezwungen seine wirtschaftlichen Anbindungen auszubauen, denn nun wurde man von den wichtigen Nord-Süd- Eisenbahnverbindungen umfahren. Da der Bund alle seine Geldressourcen für andere Eisenbahngrossprojekte einsetzte, musste gespart werden, und man entschied sich für einen einspurigen Bau mit Vorbereitung auf Doppelspur. Schlussendlich kostete der Bau mehr als 120 Millionen Schweizer Franken. Das Herzstück der Strecke ist der 14,6 Kilometer lange und auf über 1240 M. ü. M. gelegene Lötschbergtunnel. Während im Norden die Strecke über Kehrtunnels durchs Berner Oberland führt, schlängelt sich südseitig die Bahn entlang vom Rhonetal. Erst von 1976 bis 1992 wurde das geplante zweite Gleis erbaut und heute verkehren die meisten Züge durch den 2007 fertiggestellten Lötschbergbasistunnel.