Mobilität in Grün

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.. in Osnabrück und umzu

Vergleich Stadtbahn mit dem Sungliderkonzept -

Größere Transportkapazität ist nur einer von vielen Vorteilen der Stadtbahn

Der Rat der Stadt Osnabrück hat am 15.3.2022 als verbindliches Ziel Klimaneutralität beschlossen. Das macht einen Neuanfang in der Verkehrspolitik notwendig. Der Klimabeirat fordert für eine echte Verkehrswende die Verdreifachung der Fahrgastzahlen im ÖPNV. Mit Bussen allein ist das nicht möglich. Zwei Systeme zur Leistungssteigerung sind in der Diskussion: Entweder die moderne Stadtbahn, mit der weltweit viele Städte gute Erfahrungen machen, oder das Zukunftskonzept des Sungliders.

An dieser Stelle haben wir einen Vergleich der beiden Systeme zu fünf zentralen Kriterien erstellt. Erläuterungen und Quellen finden Sie auf der Rückseite.

  1. Transportkapazität

Eine mittellange Stadtbahn kann 220 Fahrgäste aufnehmen, eine lange 300. Im 5-Minutentakt können daher stündlich 2.640 oder sogar 3.600 Personen befördert werden.

Der Sunglider transportiert nach eigenen Angaben je Kabine maximal 22 Personen und kann wenn nötig im 3-Minutentakt fahren. Das ermöglicht den Transport von 440 Personen pro Stunde.

Für die rush-hour viel zu wenig, die Stadtbahn hat eine um 600-800 % höhere Beförderungskapazität.


  1. Kosten, insbesondere Investitionskosten

Stadtbahn: Es liegen verlässliche Erfahrungswerte vor. Über 50 Städte in Europa haben seit 1980 Stadtbahnen eingeführt. Ein Citadis XL derStadtwerke Leipzig kostete 2017 3 Mio€ in Lyon 2021 ebenfalls. Ein Kilometer Trasse (inklusive Haltestellen) kostete 2021 in Berlin ca. 15 Mio€

Für den Sunglider gibt es nur projekteigene Kostenschätzungen. Die Kalkulation des gesamten rollenden Materials beim Sunglider basiert auf dem Shuttlebus Olli. Aber die Herstellerfirma Local Motors ist zurzeit in Konkurs. Ein vergleichbares Produkt von Alstom ist circa 14-mal so teuer.

Nach Angaben des Sunglider-Teams soll ein Kilometer Trasse 1 Mio € kosten. Die bereits im Bau befindliche Trasse der Ottobahn, direkt vergleichbar mit dem Sunglider, ist mit Kosten von 5 Mio € pro Kilometer geplant.


  1. Bau der Trassen / Haltestellen und Linienführung

Stadtbahn: Sie kann alle Brücken im Stadtgebiet über- oder unterfahren. Der Zugang zur Stadtbahn erfolgt über technisch einfach auszuführende Niederflurbahnsteige. Eine Stadtbahn mit Normalspur kann bei Bedarf auch auf DB-Gleisen ins Umland geführt werden.

Sunglider: Er muss Eisenbahnstrecken immer überqueren, dafür sind circa 20 m hohe Pylone erforderlich. Weil das Stadtgebiet rund um die Hase ehemaliges Schwemmland ist, braucht es massive, tiefgründende Fundamente. Das gilt ebenso für die Mittelpylone in den Straßen. Außerdem liegen in den Osnabrücker Hauptstraßen bereits viele Versorgungsleitungen und Kanäle. Der Zugang zum Sunglider ist nur mit Treppen/Rolltreppen und Fahrstühlen zu verwirklichen: störanfällig mit (hohen?) Folgekosten. Der Sunglider kann zur ÖPNV-Versorgung des Umlands nicht das bestehende Schienensystem nutzen.


  1. Technische Innovation

Der Sunglider wird als einmalige, sensationelle, nachhaltige Spitzentechnologie beworben. Tatsächlich ist er der Ottobahn sehr ähnlich. 3D-Druck ist technisch zwar hochinnovativ, aber für Serienprodukte nicht wirtschaftlich. Das Sunglider-Team behauptet für seine Kabinen eine Recyclingquote von 100%. Eine moderne Stadtbahn hat tatsächlich eine Recyclingquote von 98%. Autonomes Fahren ist bald auch mit Stadtbahnen möglich. Siemens will bis 2026 autonome Stadtbahnen realisieren.


  1. Stadtbild

Eine moderne Stadtbahn fügt sich harmonisch in verschiedene Verkehrsflächen ein: möglich sind z.B. Rasengleis und Fahren ohne Oberleitung. Der Sunglider dagegen braucht hohe Pylone und eine breite, mächtige Dachkonstruktion, die jedes Stadtbild stark dominiert. Auch dann, wenn der Sunglider nicht fährt. Man kann davon ausgehen, dass Bewohner der 1. und 2. Obergeschosse in den betroffenen Straßenzügen gegen den Sunglider klagen werden, der ihre Privatsphäre beeinträchtigt.

Eine Doku der Neuen Züricher Zeitung zu technischem Stand und Betrieb moderner

Stadtbahnen findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=wQvrkuSMGxE

(zu 1.)Quelle zur Kapazität von Stadtbahnen: http://www.strassenbahn-online.de/Betriebshof/LF100/CITADIS_x02_Technische_Daten/index.html

Quelle der Sunglider-Daten: Galeria Showroom des Sunglider-Projekts.

Link zur Stadtbahn der Partnerstadt Angers mit weiteren Links zu allen französischen Städten mit Stadtbahnen: https://dewiki.de/Lexikon/Stra%c3%9fenbahn_Angers ; Regelmäßig werden bei Stadtbahnprojekten in Frankreich die geplanten Fahrgastzahlen übertroffen.

(zu 2.) Quelle Kosten Stadtbahn Leipzig: https://www.youtube.com/watch?v=Ec1CIwG1Q_k . Quelle Lyon: https://www.lyoncapitale.fr/actualite/le-sytral-etoffe-son-parc-de-tramways-avec-lacquisition-dune-trentaine-de-nouvelles-rames . Quelle Kosten Trasse Berlin: https://www.urban-transport-magazine.com/berlin-neubaustrecke-adlershof-ii-in-betrieb-genommen/

Die Kostenschätzung des Sunglider-Teams für den Olli liegt bei 22.000 Euro. Quelle: Galeria Showroom des Sunglider-Projekts. Im Internet sind keine Kostenangaben der Herstellerfirma zu finden. Ein äquivalenter autonomer Kleinbus, der EZ10 des französischen Herstellers Easy Mile (im Alstom Konzern) kostet 300.000 € / Stück und ist damit 14 mal so teuer. Quelle: Taz, Kastenbrote auf Reifen, 29.6.2021. Der EZ10 hat sich für Tests der DB in Bad Birnbach (Bayern) gegen den Olli durchgesetzt. Quelle: https://www.ace.de/autoclub/ace-lenkrad/verkehr-und-umwelt/verkehr-und-umwelt-artikel/artikel/autonomer-elektrobus-erster-halt-bad-birnbach/ Die Kostenschätzung für die Trasse des Sungliders liegt bei 1 Mio € pro Kilometer. Quelle: Galeria Showroom. Ein Kurzporträt der Ottobahn mit der Kostenangabe zur Strecke findet sich in diesem Text der Bethmann Bank, https://tenor.bethmannbank.de/hoch-hinaus/ und beim Bayrischen Rundfunk https://www.br.de/nachrichten/bayern/gondelbahn-teststrecke-in-taufkirchen-geplant,Sf7B54A

(zu 3.) Quelle der Aussage zur Trassenführung einer Stadtbahn: Fachgespräch der Stadtbahninitiative mit der städtischen Verkehrsplanung in 2021.

Schätzung zur Höhe der Sunglider-Pylone über die Bahnstrecken:

Höhe der Pylone = Höhe des Bahndamms oder einer Brücke + Lichtraum DB + Lichtraum Sunglider. Für Osnabrück ergibt sich daraus für die Überquerung der Bahnstrecken eine Höhe der Pylone von ca. 20 m.

Beispiel zur Tiefe der Fundamente für Pylone einer Hängebahn: Für die H-Bahn – die Hängebahn in Dortmund – werden Löcher mit 1,8 m Durchmesser bis auf die tragende Mergelschicht gebohrt und dann mit Beton verfüllt. Quelle: Auskunft der Abteilung Systemtechnik der H-Bahn. Im Gebiet der Haseniederung gibt es tragende Schichten erst in größerer Tiefe.

(zu 4.) Link zur Ottobahn vgl. Erläuterungen (zu 2.).

Zur Recyclingquote einer Stadtbahn vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Alstom_Citadis .

Der Kostenvorteil einer lokalen 3D Produktion und die Geschäftsidee von Local Motors wird in diesem Fachartikel in Frage gestellt: https://3dprint.com/288734/why-local-motors-failed-the-local-3d-printing-factory-myth/ Für einen Überblick über die Einsatzbereiche von 3D-Druck vgl. Fachartikel https://www.bitkom.org/Themen/Technologien-Software/3D-Druck/Einsatzbereiche.html Zum Projekt „Autonome Stadtbahn“ von Siemens und den Stadtwerken Potsdam vgl. https://www.nd-aktuell.de/artikel/1155862.autonome-tram-strassenbahn-ganz-ohne-fahrer.html .

(zu 5.) So sieht eine moderne Stadtbahn ohne Oberleitung, mit Stromschiene im Boden, aus:

https://www.alstom.com/fr/press-releases-news/2018/8/alstom-fournira-5-tramways-citadis-supplementaires-bordeaux-metropole

Moderne Stadtbahn mit Batterietechnik, mit noch weniger ständig sichtbarer Technik-Struktur:

https://www.railway-technology.com/projects/nice-trams/

Für die Wirkung des Sungliders auf das Stadtbild gibt es eine Bildergalerie in der NOZ vom 23.02.2022: https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/osnabrueck-verkehr/galerie/entwuerfe-in-der-bildergalerie-vision-neumarkt-2035-solar-schwebebahn-sunglider-faehrt-durch-osnabrueck-21143764.



Stadtbahn-Initiative sieht Vorgutachten mit großer Hoffnung entgegen


Die Stadtbahn-Initiative (SBI) setzt hohe Erwartungen in das Vorgutachten, dass jetzt in Arbeit ist und bis zum Herbst seine Ergebnisse veröffentlichen will. Nach allem, was die Initiative über die Verkehrsdaten für die Region weiß, ist sie ziemlich sicher, dass das Gutachten den verkehrspolitischen Nutzen einer Stadtbahn bekräftigen wird und auch zu einer positiven Nutzen-Kosten-Abschätzung gelangen müsste.


„Wir sind erleichtert, dass jetzt endlich konkret untersucht wird“, erklärt Wolfgang Seyfert für

die Aktivisten. „Der Klimawandel wartet nicht, und die Verkehrswende als wichtiger Baustein des Klimaschutzes ist längst überfällig“, betont der pensionierte Professor für Controlling und Rechnungswesen, der aktuell einen Vergleich erarbeitet zwischen der Stadtbahn und anderen Vorschlägen zur Erhöhung des ÖPNV-Anteils in der Region Osnabrück.


Die SBI erinnert daran, dass rund ein Jahrzehnt verspielt wurde, weil das von der PlaNOS (Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück) betreute Lindschulte-Gutachten zu einem Ergebnis kommen musste, das die Stadtbahn ausschloss und den Obus favorisieren sollte, der seinerseits aber dem Batteriebus das Feld räumte. „Hätte Lindschulte offener untersuchen dürfen, könnte in diesen Jahren womöglich schon die erste Stadtbahnstrecke in Betrieb genommen worden sein“, erinnert Thomas Polewsky an die fatalen Wirkungen einer Begutachtung im Jahre 2013, die mehr denn weniger hinter verschlossenen Türen erfolgt sei.


Umso erleichterter ist die Initiative deshalb, dass ihr Vorschlag aufgenommen wurde, in regelmäßigen Sitzungen eines Beirates den Austausch zwischen Gutachter, Verwaltung, PlaNOS, sachkundigen Bürgern und der Öffentlichkeit zu verstetigen. Damit werde das Risiko erheblich verringert, dass das neue Vorgutachten zu einer Gefälligkeitsaussage wie sein Vorgänger kommen könne, so Polewsky.


Wichtig ist der SBI, dass sich der Landkreis an der Finanzierung des Gutachtens beteiligt. „Schließlich sollen die Pendler*innen von und nach Georgmarienhütte, Belm, Wallenhorst, Bissendorf, Hasbergen und Lotte sowie entfernteren Orten mit einer attraktiven Alternative zum Auto angesprochen werden“, erklärt Johannes Bartelt. Dabei gehe es immerhin um bis zu 70-80.000 Menschen, die je nach Verlauf der Trasse für die Stadtbahn zu gewinnen seien.


Wenn im Herbst ein positives Ergebnis vorliegen sollte, beginnt nach SBI-Auffassung die Arbeit aber erst. „Da es sich um ein Vorgutachten handelt, öffnet es nur die Tür zu den weiteren Planungs- und Realisierungsschritten“, erklärte Rolf Brinkmann. Dann nämlich sei eine „Standardisierte Bewertung“ erforderlich, die schon in die genauere Streckenplanung gehe und ein positives Nutzen-Kosten-Ergebnis belegen müsse. Davon sei die Unterstützung durch Landes- und Bundesmittel abhängig, die den Löwenanteil der Finanzierung ausmachen würden.


Die SBI weist dazu auf das ganz aktuelle Beispiel Augsburg hin. Dort wurde im Dezember 2021 die Straßenbahnlinie 3 über knapp fünf Kilometer in den Nachbarsort Königsbrunn verlängert – mit einem außerordentlich hohen Nutzenfaktor von 6,78 und Förderungen von 90 Prozent. Augsburg und Königsbrunn selbst trugen 10 Prozent der Kosten [vgl. Stadtverkehr 1-2/2022, S. 4-11].


Osnabrück dürfe aber nicht auf die Stadtbahn warten und bis dahin tatenlos bleiben, betont die SBI. Der Anteil des ÖPNV am Verkehrsmix müsse erheblich gesteigert werden, das verlange allein der Klimaschutzplan. Deshalb sei es zwingend erforderlich, den vorhandene Busverkehr attraktiver und mit den 38 von der PlaNOS ermittelten Maßnahmen schneller zu machen.



Die Petition ist erfolgreich abgeschlosen. Sie brachte bis zum 31. Oktober insgesamt 3155 Unterschriften, davon 2242 online, der Rest per Liste an Infoständen und auf Wochenmärkten. Allein die jungen Leute von Fridays for Future haben in den Herbstferien knapp 250 Unterschriften in der Innenstadt gesammelt. Danke dafür!

Die Listen wurden am 11. November Herr Oberbürgermeister Griesert überreicht. Er hat sich für die Perspektive einer Stadtbahn sehr aufgeschlossen gezeigt und die Listen und unser Anliegen inzwischen an die Fraktionen weitergereicht. Diese entscheiden in ihren Haushaltberatungen darüber, ob im nächsten Jahr Gelder für die von uns geforderte Untersuchung bereitgestellt werden. Die Fraktionen von Grünen, FDP und Linken haben uns definitiv zugesagt, dass sie unser Anliegen unterstützen.

Wahlhearing zur Kommunalwahl


Die Veranstaltung, die wir gemeinsam mit dem ADFC, dem VCD, der Initiative Haller Willem und dem Netzwerk Nachhaltige Mobilität auf die Beine gestellt haben, war ein großer Erfolg. Der Abend war sehr informativ und dank des Moderators Sören Hage auch unterhaltsam. An 1 Stunde 09 geht es um die Stadtbahn.

Plakat_Wahlhearing_72dpi.pdf

Der erste Schritt ist geschafft, das Tabu vorerst gebrochen: Über eine Stadtbahn soll endlich nachgedacht und gesprochen werden. Unsere Petition war erfolgreich. Der Stadtrat hat in seinen Haushaltsberatungen Gelder für ein Vorgutachten zur Stadtbahn bereitgestellt: https://ris.osnabrueck.de/bi/to020.asp?TOLFDNR=1082881

Jetzt kommt es darauf an, dass unnötige Verzögerungen vermieden werden. Da der Landkreis sich an den Kosten des Gutachtens beteiligen soll – die Stadtbahn soll nicht an der Stadtgrenze enden – muss noch die Kreistagssitzung am 22. März 2021 abgewartet werden.

Eine Anfrage der Grünen für den städtischen Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt (StUA) wurde darum bisher nur vage beantwortet: https://ris.osnabrueck.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1015962

Wir wollen unser besonderes Augenmerk darauf richten, dass bei der Erstellung des Gutachtens Transparenz und Bürgerbeteiligung gesichert sind und nicht hinter verschlossenen Türen gearbeitet wird. (vgl. dazu unsere FAQ Nr. 13)

Bis vor Kurzem galt in der Osnabrücker Verkehrspolitik: Es genügt, das Bussystem zu verbessern. Aber da tappte man noch ziemlich im Dunkeln, was die genauen Zahlen anging. Seit 2013 wissen wir: Osnabrück und das Umland haben einen viel zu geringen ÖPNV*-Anteil am Verkehrsmix, nämlich nur 8 Prozent. Dieser Anteil muss allein aus Klimaschutzgründen bis 2050 auf 40 bis 50 Prozent vergrößert werden.

Das bedeutet eine Erhöhung des Platzangebots um das Fünf- bis Sechsfache. Will man aber zwei, drei oder vier Gelenkbusse statt einer Bahn fahren lassen? Das ist nicht nur eine Platz-, sondern auch eine Personalkostenfrage.

*ÖPNV = Öffentlicher Personennahverkehr

"Das animierte Video soll keine konkrete Streckenführung im Detail darstellen. Das ist eine Aufgabe für Fachleute. Es zeigt aber das gegenwärtige und zukünftige Fahrgastpotential einer Stadtbahnlinie quer durch Osnabrück."

Dokumentation "Tram im Trend"


In der sehenswerten Dokumention "Tram im Trend" werden Städte in Europa und Nordafrika vorgestellt, die sehr erfolgreich Stadtbahnen neu eingeführt haben und damit postive Impulse für die Stadtentwicklung gesetzt haben. Klicken Sie hier:


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