Die Ideen der Schüler:innen sind ohne großes Vorwissen unter Zeitdruck entstanden und nicht in Stein gemeißelt. Oft trauen sich die Schüler:innen auch nicht, größer oder kleiner oder um die Ecke zu denken. Zwei Beispiele aus der Praxis:
Es muss nicht der kommunale Hochseilgarten über der Altstadt sein - ein selbstgebauter, inklusiver Niedrig-Seilgarten auf der Wiese hinter dem Jugendtreff taugt ebenso.
Der Antrag lautete: “Ein Spaßbad bauen.” Aufgrund der Haushaltslage war die tatsächliche Umsetzung des Antrags undenkbar. Allerdings musste nur eine zusätzliche Bushaltestelle eingerichtet werden, um das Bad in der Nachbargemeinde einfach zu erreichen. Oder es reichte sogar, ein paar aufblasbare Wasser-Tiere für das kommunale Freibad anzuschaffen und einmal im Jahr durch den Jugendtreff eine Wasser-Disco zu veranstalten.
Bei allen Anträgen können Sie sich fragen:
Wie lassen wir uns davon inspirieren?
Was steckt wohl dahinter?
Wie können wir die Idee mit etwas Vorhandenem verbinden?
...Anfragen stellen.
Anfragen können zutage fördern, dass eine Kommune vielleicht bereits an dem Thema dran ist. Eine gute Gelegenheit, die Ideen der jungen Menschen aus der fiktiven Sitzung mit realem Verwaltungs-Handeln zu verbinden. Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit, eine im Verfahren befindliche Vorlage noch um weitere Aspekte zu ergänzen?
Wer fragt, läuft natürlich Gefahr, Antworten zu bekommen. In einer Kommune hat die Politik ihre Fachverwaltung um Stellungnahmen zu allen 45 Anträgen gebeten. Das Ergebnis: 45x “geht nicht”, “können wir nicht”, “haben wir kein Geld für”, “haben wir schon mal versucht, hat nicht geklappt”. Nicht ein einziger positiver Bescheid. Tatsächlich so passiert.
...interfraktionelle Anträge stellen.
Unser Tipp: Bitte achten Sie darauf, dass die Anträge möglichst gemeinsam gestellt werden. Niemandem ist damit geholfen, wenn eine kleine Minderheits-Fraktion alle Anträge auf ihr Antrags-Papier setzt und ins Verfahren gibt. Die Wahrscheinlichkeit ist dann hoch, dass alle Anträge von der Mehrheit abgelehnt werden. In einigen Kommunen war die Erfahrung. den Anträgen dann nicht mehr zustimmen zu wollen/dürfen, so prägend, dass sich daraus interfraktionelle Abläufe ergaben, die bis heute tragen.
...alle Anträge in den Gremien behandeln.
Es gibt tatsächlich eine Kommune, die alle 45 Schüler:innen-Anträge auf die Tagesordnung der Stadtvertretung setzt. Wir würden spontan davon abraten, weil es wirklich viel Zeit bindet - aber wo es passt und man sich darauf einigen kann, ist es sicher eine Bereicherung für die Arbeit.
...die Klassen besuchen.
Zu einzelnen Themen kann man sich einfach wieder mit der antragstellenden oder einer interessierten Klasse verabreden: Besuchen Sie die Klasse doch mit Ihren Ratskolleg:innen in der Schule und sprechen Sie über die Anträge. Die Lehrer:innen laden Sie sicher gern für eine Politik-Stunde in die Schule ein!
...Schüler:innen in den federführenden Fachausschuss einladen.
Viele Geschäftsordnungen lassen zu, die Schüler:innen als sachkundige Bürger:innen im Ausschuss sprechen zu lassen. Oft bedarf es dafür nur des Beschlusses des Gremiums zu Beginn der Sitzung. Wo das nicht möglich ist, kann man die Sitzung einfach unterbrechen, um die Schüler:innen zu ihren Anträgen zu Wort kommen zu lassen:
“Habt Ihr auch noch Fragen an die Verwaltung zur Anfrage?”
“Haben wir die Idee richtig im Antrag formuliert?”
“Habt Ihr noch Argumente für den Antrag?”
...zu Vor-Ort-Terminen einladen.
Fachleute aus den Fraktionen und der Verwaltung können sich vor Ort mit den Schüler:innen verabreden. Es ist am besten, den Termin mit der antragstellenden Klasse abzusprechen und dort über die Lehrer:innen für Verbindlichkeit sorgen. Vor Ort kann man noch besser über die Ideen der Schüler sprechen, Planungen zeigen, weiterspinnen.
...dem Jugendparlament / Jugendforum das Weiterverfolgen der Anträge überlassen
Die Arbeit eines bestehenden Jugendparlaments kann durch den Input von Außen sehr bereichert werden. Wichtig ist, das Jugendgremium von Anfang an mit einzubinden (LINK). Danach kann das Gremium überlegen:
Mit welchen Anträgen fangen wir an? Was ist uns wichtig?
Wie müssen wir jetzt weiter vorgehen?
Wen brauchen wir?
Wer hat Wissen?
Wer muss das letztendlich beschließen?
Wer kann uns unterstützen?
Solche konkreten Aufgaben wie das Umsetzen der PYT!-Anträge führen häufig zu einer stärkeren Zufriedenheit bei den Aktiven.
Super! Nichts besser als das! :-) Jetzt müssen die Schüler:innen ja nur noch davon erfahren.
Sie haben vor oder mit dem Planspiel PLACEm eingeführt oder haben bereits ein Jugend-Portal:
Dann planen Sie ein paar Beiträge. Geben Sie den Posts einen einheitlichen Kopf, z.B. “ANTRAGS-NEWS” o.ä. und berichten Sie: Dies haben wir bereits beschlossen, dann und dann passiert das, dort kannst du dich informieren, zu dieser Veranstaltung möchten wir dich einladen.
Natürlich können Sie über diesen Weg gleich noch Beteiligung ermöglichen: Fragen Sie nach Argumenten, Meinungen, lassen Sie abstimmen. Das gibt Ihnen zusätzliche Anregungen für Ihre weiteren Beratungen!
Sie möchten die Schüler:innen klassisch informieren:
Gibt es ein schwarzes Brett in der Schule?
Gibt es ein Mitteilungs-Board im Jugendtreff?
Gibt es einen Schaukasten der Gemeinde?
Dann hängen Sie die entsprechenden Anträge aus PYT! aus und machen jeweils Begleitzettel dazu: Dies haben wir bereits beschlossen, dann und dann passiert das, dort kannst du dich informieren, zu dieser Veranstaltung möchten wir dich einladen. Vielleicht wird das ja ein neuer Ort, wo regelmäßig über interessante Vorlagen informiert wird?