Kultur für alle im dreistrom.land mv
Ein Raum für Begegnung, Kreativität und Zukunft.
Ein Raum für Begegnung, Kreativität und Zukunft.
Das dreistrom.land - man fragt sich, wo ist das eigentlich? Zwischen der Ostseeküste und der Mecklenburgischen Seenplatte liegt eine Region mit großen Chancen – aber auch mit Herausforderungen. Gelegen im Dreieck zwischen Demmin, Altentreptow und Malchin, ist es eine Landschaft, die von Wasser, Weite und Wandel geprägt ist. Unsere drei Flüsse Peene, Tollense und Trebel verbinden Natur, Geschichte und Menschen, die hier leben. Doch die dünne Besiedlung, lange Wege und der demografische Wandel stellen die Bevölkerung und die Verwaltungen vor besondere Aufgaben. Viele junge Menschen ziehen fort, soziale und kulturelle Angebote nehmen ab, während Pendlerverbindungen zunehmen. Menschen, die bleiben, sind zum Teil in den unterschiedlichsten Vereinen, losen Gruppen und Dorfgemeinschaften organisiert und leisten, oft im Ehrenamt, Großartiges. Trotzdem ging die eigene Identität der Region seit der Kreisgebietsreform und der Auflösung alter Grenzen etwas verloren. Auch die Corona-Krise sorgte monatelang für eine kulturelle Vollbremsung.
Der Demminer Verein T30 hat sich mit engagierten Mitstreitern in einer 18-monatigen Entwicklungsphase mit dem Thema befasst und das Projektes “dreistrom.land - Kultur für alle” auf die Beine gestellt. Vorab fanden dazu sieben Arbeitstreffen an wechselnden Orten im definierten Gebiet statt. Unterstützt von einer Prozessbegleiterin wurden Themen, Bedarfe und Ressourcen analysiert. Kleine Arbeitsgruppen entwickelten eigenständig Inhalte weiter, während ein Treffen mit dem damaligen Landrat die Aufgabenverteilung bei einer möglichen Umsetzung klärte. Das Vorhaben wurde zudem in der LEADER-Aktionsgruppe und im Regionalbeirat der Mecklenburgischen Seenplatte vorgestellt, um eine breite Vernetzung sicherzustellen. Ein Höhepunkt war die praktische Erprobung des Konzeptes mit 24 geladenen Gästen aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft. Drei thematische Reiserouten führten entlang der Flüsse Peene, Trebel und Tollense. Vor Ort begegneten sich Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und erlebten Beteiligung hautnah. Diese Reisen öffneten neue Perspektiven, förderten Selbstwirksamkeit und zeigten, wie Kultur Beteiligung anstoßen kann. Mit dem Projekt bewarb sich die Initiative beim Kulturförderprogramm ”Aller.Land” und wurde von einer Fachjury als eines von 30 Projekten in Deutschland für die Umsetzungsphase ausgewählt.
Die Region leidet unter geringer kultureller Vernetzung und fehlenden Anlaufstellen. Dadurch fehlen zentrale Strukturen, die Identifikation und kulturelle Teilhabe ermöglichen. Viele Angebote erreichen das dreistrom.land nicht. Oft fehlt auch das Wissen darum. Das neue Projekt möchte das ändern: Es soll Menschen verschiedener Lebensrealitäten zusammenbringen und künstlerisch inspirierte Beteiligungsformate schaffen, die Mitgestaltung fördern und neue Räume für Selbstwirksamkeit öffnen. Natürlich kann das nur gelingen, wenn man vorhandene Netzwerke nutzt und bestehende Ideen und Formate der Region mit ins Vorhaben einfließen lässt.
Ein zentrales Ziel ist die Professionalisierung von Kunst- und Kulturschaffenden. Sie sollen stärker mit Verwaltungen zusammenarbeiten – etwa bei der Stadtentwicklung, beim Umgang mit Leerstand oder in Beteiligungsprozessen. So kann eine gestaltende Verwaltung entstehen, die Kreativität als Ressource versteht. Das dreistrom.land soll sich zu einem lebendigen, zukunftsorientierten Kulturraum entwickeln, der die Identität stärkt, touristisch attraktiv ist und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht.
Unsere kultur.schulen in den Städten des dreistrom.landes sind nicht nur Lernorte, sondern bieten auch Räume für Veranstaltungen, Netzwerktreffen und Fortbildungen und sind zentrale Anlaufpunkte für Ideen, Kooperationen und Projekte. Ein weiteres Ziel des Programms ist es, unsere Standorte in Malchin, Altentreptow und Demmin zu Kulturknoten in der Region des dreistrom.landes weiterzuentwickeln. Somit könnten sie dauerhaft als Beratungs- und Vernetzungsstelle, als verlässlicher Partner für Kulturschaffende, Vereine und Einrichtungen agieren. Damit erfinden wir das Rad nicht neu, aber wir setzen es wieder in Gang.
Vorstellbar ist, dass bestehende dritte Orte – Gutshäuser, Dorfläden, Kirchen, Vereinsräume oder Waldkindergärten – geöffnet und für neue Zielgruppen zugänglich gemacht werden. Durch partizipative Formate entstehen Begegnungen zwischen Menschen, die sonst kaum zusammenkommen. Filmclub trifft auf Chorprobe, Kunstausstellung trifft auf Nachbarschaftsfest, Lesebühne trifft auf Handwerkerstammtisch und vieles mehr kann realisierbar sein. Hierzu sollen, wenn möglich, auch Leerstandsimmobilien als temporäre Präsentationsräume für künstlerische Projekte dienen. So stellen wir uns das dreistrom.land auch als Experimentierraum für neue Ideen, Zusammenarbeit und kreative Selbstbestimmung vor.