Halbnomade, Mechaniker und Sammler von elektrotechnischen Artefakten
Mohdra lebt in einer großen und sehr einsamen Welt. So verwundert es auch nicht, dass eine seiner herausragendsten Charaktereigenschaften, seine innere Ruhe und Gelassenheit, ihn schon vor so mancher Gefahr bewahrt oder gerettet hat. Als Wanderer zwischen mehreren Rast- und Wohnplätzen in einem Gebiet, das mehrere tausend Quadratkilometer umfasst, ist er fast immer auf sich und seine mannigfaltigen und für mich oft erstaunlichen Fähigkeiten angewiesen.
Die Weite des Landes, das einsame, nomadische Leben und die alles bestimmende überbordende Natur seiner Welt haben tiefe Spuren im Wesen und Denken von Mohdra Umbaal hinterlassen. Ein Umstand, der es Anfangs durchaus schwierig machte, einen vertrauensvollen Kontakt zu ihm herzustellen. Erst als es mir gelang Mohdra eine kurze Zeit auf seinen Streifzügen zu begleiten und mehr über seine Lebensweise und einige der äußerst komplexen Zusammenhänge auf seinem Planeten zu erfahren, konnten wir unserer Beziehung das wichtige Element des Vertrauens hinzufügen.
Er selbst ist keine sehr gedeihliche Quelle über die Herkunft und den Ursprung seiner Art. Einerseits richten sich Mohdras äußerst aufmerksame Sinne auf das Hier und Jetzt, andererseits sind seine profunden Kenntnisse, neben seiner bewundernswerten Überlebensfähigkeit unter den härtesten Bedingungen, hauptsächlich auf den Gebieten der Elektrotechnik, der Jagd und dem einfachen Maschinenbau zu finden. Zusammen mit seinem untrüglichen Sinn für Gefahren aller Art, ist Mohdra Umbaal sicherlich die beste Gesellschaft in den wilden und dunklen Waldgebieten oder den gefährlichen Ruinen einer vor Hunderten Jahren ausgelöschten hochtechnisierten Zivilisation - davon jedoch später mehr.
Meine privaten Recherchen und Beobachtungen ergeben das Bild einer langen Evolution insektoider Wesen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit unseren irdischen Motten und Großfaltern hatten. Über Jahrmillionen scheint sich auf diesem Planeten eine Art insektoider Primaten entwickelt zu haben, die ursprünglich noch mit Flügeln ausgestattet, recht rasch den aufrechten Gang, Werkzeuggebrauch und in weitere Folge die meisten der uns vertrauten Kulturtechniken erlangten. Von da an dürfte es nur einige Hundert Jahre benötigt haben, um eine äußerst fortschrittliche, unserer aktuellen menschlichen Entwicklungstufe weit voraus seiende Gesellschaft zu formen.
Mohdra ist sehr wahrscheinlich ein entfernter Nachfahre dieser hochmodernen Protagonisten aus einer verlorenen Vergangenheit. Allerdings reagiert er durchaus empfindlich und verschlossen auf konkrete Fragen z.B. zu seiner dichten Körperbehaarung oder seinen großen Facettenaugen, obwohl ihn zeitweise die merkwürdigen Ähnlichkeiten unserer Hände oder Gesichts-Mimik spürbar beschäftigen. Seine eher introvertierte Wesensart und natürlich auch seine abgeschiedene und isolierte Lebenssituation hindern ihn jedoch ganz offensichtlich daran, seine Neugier in Worte zu fassen, oder mir direkte Antworten auf allzu direkte Fragen geben zu können. Hier musste ich meinen Forscherdrang des Öfteren bändigen und durch geduldiges Schweigen, bedeutsame Blicke oder diplomatische Formulierungen andere Wege zum Erkenntnisgewinn beschreiten. Nicht immer mit Erfolg.
Das die erwähnte Einsamkeit Mohdras nicht nur Schicksal, sondern möglicherweise auch selbst gewählt sein könnte, erfuhr ich einige Tage später bei einer überraschenden Begegnung mit einer eindrucksvollen Jägerin, die sich ganz ungezwungen als Freundin Mohdras vorstellte.
Zwar stimmte das Bild der einsamen wandernden Halbnomaden, dieses wird jedoch durch unterschiedlichste soziale Interaktionen der weit auseinander lebenden Individuen durchbrochen. So erfuhr ich von verstreut liegenden kleinen Ansiedlungen, Freundschaften und Liebesbeziehungen, die auch über sehr große Distanzen hinweg gepflegt werden und als stabil bezeichnet werden können. Meine Erleichterung speiste sich auch aus der Tatsache, dass ich offen gestanden schon etwas besorgt um die Erhaltung der Art und damit der gesamten faszinierenden Zivilisation dieser Welt war.