ursprünglich:
Dassierius Aurel Prudenz Príncipe de Portaestandarte
Rennfahrer, Bergbauunternehmer und Sammler seltener Fahrzeuge
Dassy wuchs in einer märchenhaften Schein-Welt aus Luxus und Freiheit auf. Sein Vater, ursprünglich ein unbekannter Laborassistent in einer Provinzhauptstadt, wurde durch eine Verkettung wunderlicher Zufälle zum reichsten Mann seines Landes. Am Höhepunkt seines Reichtums und seiner politischen und gesellschaftlichen Macht erfolgte im Morgengrauen eines harmlosen Juni Tages eine von seinen Widersachern rund um den Minister für Volkszufriedenheit angezettelte paramilitärische Aktion, die fast allen Bewohnern, des Hauses de Portaestandarte das Leben kostete. Der Vorfall wurde damals in der nationalen wie internationalen Presse als “das Gemetzel von Portaestandarte” bezeichnet und schrieb sich auf unrühmliche Weise in die an blutigen Auseinandersetzungen nicht eben armen Geschichte des Landes ein. Einziger Überlebender des Massakers war der damals gerade 7 Jahre alte Dassy, der von Heißhunger geplagt schon vor Sonnenaufgang zum nahe gelegenen Fluß ausgebüxt war um sich ein paar seiner Lieblings-Snacks in Gestalt von schmackhaften Wasserwanzen zu fangen. Eine Idee, die ihm an diesem Morgen unzweifelhaft sein junges Leben bewahrte, ansonsten jedoch die tragischen und äußerst traumatischen Erlebnisse des jungen Dassy in keinster Weise beeinflussen oder abmildern konnte.
Der kleine Dassy war an diesem frühen Morgen jedoch nicht alleine – ein Stück flussaufwärts hatten sich zwei Bauern am Vorabend gründlich betrunken und kühlten ihre noch brummenden Gürteltierschädel im kühlen Wasser des Flusses. Vom Lärm des Gemetzels in der riesigen Hacienda oberhalb des Tals angelockt wurden die Beiden vermutlich aus der Ferne die einzigen Zeugen des Überfalls, stolperten dadurch über den zurecht völlig verängstigten Dassy, am Flussufer stehend mit einigen besonders saftigen Wanzen in den Händen und nahmen ihn kurzerhand mit zu ihren Wohnhöhlen, die versteckt in nur wenigen Kilometern entfernt im Dschungel lagen. Der genaue Hergang dieses Moments wird wohl für immer im Dunklen bleiben, führte jedoch dazu, dass Dassy Aufnahme in eine für seine Begriffe zwar sehr einfache, aber liebevolle Gürteltier-Familie fand.
Die eigentlich sehr große und geräumige Erdhöhle seiner neuen Familie war natürlich ein harscher Bruch im Leben unseres jungen Überlebenden, der kurz zuvor noch auf feinstem Seidendamast gebettet, seinen kindlichen Spieltrieb auf über 1.000 Quadratmetern edelst ausgestatteter Hacienda austoben konnte, gefüttert, gebadet und gepudert in einen sorglosen Vormittag blickte und ansonsten vom Leben außerhalb eines riesigen Landsitzes keine blasse Ahnung von weniger als dem blanken Nichts hatte.
Ein Baum, der Äste durch einen Sturm oder durch Beschnitt verliert, reagiert darauf oft mit stärkerem Wachstum und höherer Widerstandskraft, so erging es auch Dassy in der Zeit nach dem Massaker bei seiner neuen Familie. Unerkannt und somit in relativer Sicherheit vor den Häschern des Ministers wurde aus einem schmalen stillen Bürschchen ein respektables Gürteltier mit einem starken Willen, ehrlichem Charakter und einem guten Händchen für alles, was mit einem Motor betrieben werden kann. Zunächst fiel in der näheren Umgebung nur auf, wie reibungslos die altersschwachen Außenborder der kleinen Boote am Fluss vor sich hin schnurrten, sobald Dassy einen kurzen Blick darauf geworfen und ein paar rasche Handgriffe getan hatte. Bald schon war allen klar: hier schlummert ein großes, unentdecktes Talent.
Die nächstgelegene Kleinstadt war zu weit entfernt von den Wohnhöhlen seiner neuen Freunde und Familie, als dass es möglich gewesen wäre, den Weg an einem Tag hin und zurück zu bewältigen. So kam es, dass Dassy sogar für ein Gürteltier ungewöhnlich jung aufbrach, um in der Stadt “Tapata” seinen weiteren Weg als begabter Mechaniker zu beschreiten. Es war ein herzergreifender Abschied von allen Bewohnern der Wohnhöhlen, begleitet von guten Wünschen, einigen Lieblingswerkzeugen in einer eigens hergestellten Ledertasche und dem Versprechen, baldigst von sich hören zu lassen. So verließ er raschen Schrittes die rettende und behagliche Zuflucht seiner vergangenen Kindheitsjahre.
Der Ortswechsel machte es erstmals seit jenem schicksalhaften Morgen des Gemetzels notwendig, einen Vor- und Nachnamen sein Eigen zu nennen, weshalb Dassy sich spontan für Poda entschied. Sowohl als Referenz als auch in Gedenken an seine frühkindlichen, unbeschwerten Jahre innerhalb einer der bedeutendsten Familien des Landes. Niemand in der Stadt ahnte auch nur seine wahre Herkunft oder wusste von seiner düsteren Vergangenheit, die dem auffallend geschickten Mechaniker und “Maschinen-Flüsterer”, wie er schon nach kurzer Zeit genannt wurde, manchmal den offenen, in sich ruhenden Blick verdunkelte.
Obwohl zum Zeitpunkt des Verbrechens erst 7 Jahre jung, wusste Dassy Poda sehr wohl, was ihm genommen worden war. Auch einige Hauptverantwortliche vom “Gemetzel von Portaestandarte” waren noch in Amt und Würden, so auch der Minister für Volkszufriedenheit, der höchst dekoriert und ohne die Konsequenzen seiner schändlichen Taten fürchten zu müssen seiner unverschämt großzügig bemessenen Pension entgegen dämmerte. Auch einige seiner Vollstrecker, die das Anwesen nach dem Gemetzel ungestraft plündern und abfackeln konnten, waren auf freiem Fuß und unbescholten wie kleine Erdferkel.
Die Osteoderme, die starren Teile des Rückenpanzers eines Gürteltiers, haben eine einmalige individuelle Musterung, dem Fingerabdruck eines Homo Sapiens ähnlich. Dassy Poda ahnte noch nicht, wie wichtig diese Tatsache und der Umstand für ihn noch werden könnte, da sein Vater von ihm als Säugling einen traditionellen “Rollenstempel-Abdruck” seines noch weichen Panzers hat machen lassen. Hierbei wird das kleine Gürteltier mit einer lauwarmen, duftigen Brühe aus dunkelblauen Kräutern benetzt, um anschließend quer über einen großen ausgebreiteten Bogen Leinenpapier abgerollt zu werden. Zurück bleibt ein kleines, aber unverwechselbares blaues Druckbild, dass es ermöglicht, jedes Gürteltier individuell und zu 100% sicher zu identifizieren ...
... mehr dazu demnächst.