Günter Hüdepohl, Ralf Tönjes
Am 12. und 13. Mai 2026 fand zum 30. Jubiläum die ITG-Fachtagung Mobilkommunikation an der Hochschule Osnabrück statt. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat die Einführung des digitalen Mobilfunks die Kommunikation grundlegend verändert und ermöglichte eine Vernetzung, die heute selbstverständlich ist - von den ersten digitalen Mobiltelefonen bis zu leistungsstarken Smartphones, die permanente Interaktionen über soziale Medien ermöglichen. Über 50 Forscher, Entwickler und Anwender aus Industrie, Hochschulen und Forschungsinstituten präsentierten und diskutierten an zwei Tagen ihre aktuellen Forschungsergebnisse und Erfahrungen u. a. zu den KI‑gestützten Interaktionsmöglichkeiten oder das Mobile Cloud Computing im Kontext des 6G‑Mobilfunks.
Der Bericht wird auch in den ITG News veröffentlicht.
Teilnehmer der 30. ITG Fachtagung Mobilkommunikation
Tagungsleiter Prof. Tönjes eröffnete die Veranstaltung mit einem Rückblick auf die Historie der Jubiläumstagung. 1996 organsierte Prof. Pehl die erste Fachtagung „Mobilfunk“, die sich damals ausschließlich mit GSM-Netzen befasste. Heute stehen die 5G Erweiterungen und Ausblicke auf die sechste Mobilfunkgeneration im Fokus. Neben 18 Fachvorträgen gab es vier Key‑Notes, einen invited Talk und eine Poster‑Session, die das zweitägige Programm abrundeten. In der ersten Key Note stellte Herr Heyn vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) neue Konzepte für nicht-terrestrische Netzwerke in 5G/6G vor. Im invited Talk entwickelte Herr Kunzmann von Nokia ausgehend von 5G ein intelligentes IT-Sicherheitskonzept für 6G basierend auf agentic AI. Die Konferenz bestand aus insgesamt sechs Sitzungen, mit jeweils drei Vorträgen. In der ersten Sitzung wurden die Themen „Cell Free and Non-Terrestrial Networks“ behandelt. Eine Machbarkeitsstudie untersuchte Optimierungen für den Mehrbenutzer-Zugang in zellfreien Massive-MIMO-Systemen. Ein zweiter Vortrag stellte eine dynamische Clusterbildung für nutzerzentrierte, zellfreie MIMO Netzwerke vor. Ein dritter Beitrag zeigte, wie die Verbindungsqualität für die Direct to Device-LEO-Kommunikation mittels Deep Learning vorhergesagt werden kann. In einer zweiten Key Note analysierte Herr Bahr (Siemens) die Trends der drahtlosen Kommunikation für industrielle Anwendungen und deren Anforderungen. Nach der Poster-Session zu speziellen Lösungen und neuen Ansätzen adressierte die folgende Sitzung „Campus Network Performance“. Ein Beitrag zeigte, dass für Regelkreise in der Industrieautomatisierung nicht nur die Verteilung sondern auch die Korrelation der Paketverzögerungen unbedingt berücksichtigt werden muss. Anschließend wurden Messungen unter realen Bedingungen in industriellen Robotik-Anwendungen präsentiert. Die Sitzung schloss mit einem Vortrag über experimentelle Ergebnisse zu saisonalen und umweltbedingten Einflussfaktoren. In der dritten und letzten Sitzung des ersten Tages stand das Thema „5G Network Configuration and Digital Twins“ im Vordergrund. Zunächst wurde ein automatisiertes Konfigurations-Framework für private Netzwerke vorgestellt. Anschließend präsentierten die Referenten Untersuchungen zur Auswirkung der Modemauswahl auf die 5G-NR-Uplink-Leistung sowie ein Konzept für einen digitalen Zwilling für die Überwachung von 5G/6G-Netzen.
Der zweite Konferenztag begann mit einer Key Note von Herrn Sezgin (Universität Bochum) über rekonfigurierbare intelligente Oberflächen in 6G. Die vierte Sitzung widmete sich den Fortschritten bei 6G. Es wurde ein Blick auf 6G aus der Perspektive von Standardisierung, Forschung, Netzbetreibern und Anbietern geworfen. Danach ging es um die Nachhaltigkeit in Informations- und Kommunikationstechniksystemen. Der dritte Vortrag dieser Sitzung präsentierte experimentelle Erkenntnisse über intelligente reflektierende Oberflächen für 6G-Signale. Thema der fünften Sitzung waren IoT Netzwerke. Zunächst wurde eine performante ereignisgesteuerte Kommunikation für Signale mit variabler Bandbreite vorgestellt. Anschließend wurde ein System zur Evaluation von Mobilitätseinflüssen in verschiedenen zellularen IoT Szenarien präsentiert. Die Sitzung endete mit einem Überblick über die Herausforderungen bei der Integration von Time Sensitive Networking (TSN) und 5G. Herr Benze (Deutsche Telekom) gab in der vierten Key Note einen Ausblick auf Europas souveräne Multi-Provider-Cloud-Edge-Infrastruktur. Die abschließende Sitzung der Tagung befasste sich mit Sicherheit und Cloud-Infrastruktur für 6G-Anwendungen. Zunächst zeigte ein Referent eine sichere Authentifizierung im drahtlosen Internet der Dinge (IoT). Ein Mobilfunkbetreiber stellte einen Ansatz für eine sichere und cloud-fähige 5G-Infrastruktur vor. Die Tagung wurde mit einem Leitfaden zur Auswahl von Funktechnologien für medizinische Anwendungen abgeschlossen.
Angeregte Fachgespräche während einer der Pausen
Begleitend zur Tagung wurden mehrere Demonstratoren aus Kooperationsprojekten zwischen Hochschulen und Industrie präsentiert. Diese Demos und die interessanten Präsentationen der Tagung lösten zahlreiche Fachgespräche aus. Eine Abendveranstaltung in einer Osnabrücker Hausbrauerei mit Jazz-Musik rundete das erfolgreiche Programm ab. Die Teilnehmer lobten die hohe fachliche Qualität der Beiträge sowie das ausgewogene Verhältnis von Vorträgen aus Hochschulen und Industrie. Der Tagungsband mit den Beiträgen ist im VDE-Verlag erschienen. Die Präsentationen können unter www.mobilkomtagung.de eingesehen werden. Die nächste ITG Fachtagung Mobilkommunikation ist schon für den 12. und 13. Mai 2027 an der Hochschule Osnabrück geplant.