Wirtschaftsraum

Das Wort «Wirtschaft» hatte ursprünglich nichts mit Geld, mit Vollbeschäftigung oder Profit zu tun, sondern bezeichnete einen Dienst am Menschen, dem grundlegende ethische und gesellschaftliche Werte zugerechnet wurden:

• Glaube, Wahrheit, Treue, Freundschaft, Dienst ‒ vgl auch «die Wirtschaft» als Wort für «Gastwirtschaft, Wirtshaus».

Anscheinend sind diese ursprünglichen Bedeutungen von Wirtschaft weitgehend in Vergessenheit geraten. Wir treten in diese Tradition ein. Jede wirtschaftliche Tätigkeit verstehen wir in diesem Sinne als soziale Tätigkeit:

• Die Wirtschaft versorgt Menschen mit Mitteln zum Leben

Der Verein ist in diesem Sinn die sozialste juristische Form für alle Unternehmungen und Vorhaben, weil sie niemandes Eigentum ist und für niemanden persönlichen Profit erzeugen kann.

Das Wort «Wirtschaft» ist sprachgeschichtlich eine Ableitung vom Wort «Wirt» und bedeutete bis zum 17. Jhdt die Tätigkeit des Hausherrn und des Wirtes, auch das Gastmahl. Es geht zurück auf eine indogermanische Wortwurzel, die seinerzeit bedeutete «Gunst» und «Freundlichkeit». Von dieser Wortwurzel kommen auch die Wörter «wahr» (siehe auch «bewahren»), die griechischen Wörter für «einen Gefallen tun», die slawischen Wörter für «Glaube», sowie auch althochdeutsch für «Vertrag» und «Treue».

(Aus Duden Herkunftswörterbuch)


Leberkas und Brezn: Traditionelle bayrische Wirtshauskultur

OHNE GELD

OHNE KAUFEN

OHNE PFÄNDUNG

OHNE STEUERN

OHNE TAUSCHEN

OHNE KONKURRENZIERUNG

OHNE PFLICHTVERSICHERUNG

OHNE GEGENVERRECHNUNG

OHNE BANKEN

OHNE SCHULDEN

OHNE GEWERBEVORSCHRIFTEN

OHNE BUCHHALTUNG

OHNE ZINSEN

OHNE GEGENEINANDER

OHNE BEDROHUNG

OHNE SORGEN

Was ist der UBUNTU.Wirtschaftsraum?

(Achtung: Langer Text! Es ist eben ein sehr komplexes und umfangreiches Thema)

Eigentum schadet mehr als es nützt

Der UBUNTU.Wirtschaftsraum ist ein Projekt von UBUNTU.EARTH und befindet sich dzt seit Mitte 2014 in der Betatestphase. Der UBUNTU.Wirtschaftsraum fußt auf der Vorstellung, dass Eigentum dem lebendigen Zusammenleben abträglich sei und mittlerweile mehr Schaden anrichte als Nutzen. Eigentum ist eine sehr alte Erfindung des Menschen, es findet in der Natur keine Entsprechung: Eigentum ist die juristische Verfügungsgewalt über Sachen. Tatsächlich aber ist es in der Praxis unwichtig, was juristisch «einem gehört», was zählt ist, was man hat, der Besitz. Besitz ist die faktische Verfügungsgewalt über Sachen. Was man besitzt kann man verwenden, was einem bloß gehört kann man nicht verwenden wenn gestohlen wurde, wenn es zu weit entfernt ist, wenn es gerade nicht auffindbar ist, zB.

Alles besitzen ohne Eigentum

Der UBUNTU.Wirtschaftsraum hat als Projektinhalt einen Wirtschaftsraum herzustellen in dem es kein Eigentum sondern nur mehr Besitz gibt dementsprechend bei Wechsel von Waren und Dienstleistungen auch keine Bezahlung erfolgt. Im Ende soll alles für alle gratis sein, so wie es für alle anderen Lebewesen auch ist, so wie wir auch von der Natur alles gratis bekommen: Das Sonnenlicht kostet nichts, Wasser kostet nichts, alles was in der Natur wächst jeder Apfel jeder Stein alle Bodenschätze kosten alle nichts, obwohl sie alle lebensermöglichend sind (was man von den allermeisten Dingen, die etwas kosten, nicht sagen kann), also könnte es ja wohl auch so sein, dass sie weiterhin bis zum Endverbraucher nichts kosten.

Wolfgang Biebel hat selbst mehr als sechs Jahre mit mehr als 700 anderen Menschen eigentumsfrei gelebt; mehrere derivate Organisationen existieren in Europa seit mehr als 30 Jahren

Das Konzept ist das rechtlich ausgearbeitet und läuft seit 2018 im Testbetrieb. Unternehmensvereine haben schon von Rechts wegen wohl selbst eigenes Eigentum aber ihre Mitglieder haben innerhalb des Vereins kein Eigentum, wohl aber Besitz an den Eigentumen des Vereins. Zu Beginn müssen wir für alles, was wir von außen zukaufen, diesen Einstandpreis auch innerhalb weiter verrechnen. Aber eben nur den Zugekaufspreis zum Refinanzieren der Gestehungskosten. Aber alle sonstigen Zuschläge oder Aufschläge oder Dreingaben oder Draufgaben oder Gewinne oder Margen, Handelsspannen, etc gibt es innerhalb des Wirtschaftsraumes nicht mehr. Je mehr Mitgliedsbetriebe sich an diesem Modell beteiligen umso billiger und günstiger werden alle Waren und Dienstleistung für alle Beteiligten bis dahin, dass wir alles, was wir brauchen und verbrauchen innerhalb des Wirtschaftsraumes selbst herstellen und einander gratis zur Verfügung stellen können.

#84%invain

Wolfgang Biebel hat vor etlichen Jahren gemeinsam mit dem damaligen Österreichischen Statistischen Zentralamt (heute: Statistik Austria) eine Untersuchung durchgeführt mit diesem Ergebnis: Alleine dass wir Geld und Eigentum verwenden verbracht fast 84% des gesamten volkswirtschaftlichen Aufwandes. Wenn wir es also schaffen ohne Geld ohne Bezahlung und das bedeutet ja im auch ohne Eigentum (wohl aber mit Besitz) auszukommen brauchen wir nur mehr 17% unseres jetzigen Zeitaufwabds, das sind 6,8 h /Woche, weniger als ein heutiger Arbeitstag, um genau die gleiche Lebensqualität zu genießen, wie wir sie heute kennen.

Alle anderen Missstände die die Eigentumsidee mit sich bringt gäbe es ebenfalls nicht mehr: dass seltene Krankheiten keine Medikamententwicklung bekommen weil sie sich nicht auszahlt, dass wichtige Güter irgendwo nicht hinkommen weil der Transport zu viel kostet, dass wir Tausende Tonnen von Lebensmittel wegwerfen weil die Bereitstellung für den Kunden sich nicht rentiert. Das sind Abirrungen vom seinerzeitigen Wirtschafts Gedanken, die nur mit «Eigentum» zu tun haben.

Besitz ‒ Eigentum: soziale und moralische Gegensätze

Preis ‒ Wert: Sachliches ‒ Persönliches = zwei verschiedene Ebenen

Besitz und Eigentum sind zwei völlig verschiedene Dinge: Eigentum ist ein juristischer Begriff und hat keine Entsprechung in der Wirklichkeit, niemand außer dem Menschen kennt das. Besitz ist, was wir bei uns haben, in der Hand halten, worüber wir verfügen können. Eigentum ist das Recht die alleinige Verfügung über irgendetwas zu haben. Dieses Recht ist schon mal völlig unnatürlich, das Wort «alleine» zeigt es schon selbst: nichts ist alleine, Alleinigkeit kommt gar nicht vor in der Natur weil ja alles miteinander verbunden ist.

Preis und Wert sind zwei gänzlich voneinander verschiedene Begriffsinhalte: ein Wert ist eine rein subjektiv bemessbare Größe, für manche ist ein und dasselbe Ding wenig wert und für andere sehr sehr viel.

Ein Preis ist eine vom Abgeber festgesetzte Menge an Gegenleistung für eine Leistung oder Ware (das Produkt), die der Annehmer zu erbringen hat, wenn er das Produkt in sein Eigentum überführen will.

Ein Produkt hat beim Haltertransfer jedenfalls immer zwei Bemessungsgrößen, individuell bemessen jeweils vom Abgeber und vom Annehmer. Das Eigenstumssystem gibt noch einen Preis dazu. Es liegt auf der Hand, dass ein Preis keinen Wert verkörpern kann (welchen der beiden?).

Das COMMONs Werteverrechnungssystem

Wir sind uns bewusst, dass die langsame Auflösung des Eigentumsbegriffes und damit auch das Verschwinden des Bezahlens für viele Menschen ein (wie man auch in unzähligen Tierversuchen sehen kann) grundlegendes soziales Bedürfnis unbefriedigt lässt: der Ausgleich. Wenn man etwas Wertvolles (nicht gemeint: Hochpreisiges!) bekommt, will man etwas zurück geben, sich erkenntlich zeigen (nicht: Bezahlen!), zeigen, dass man sich über diese Wertschätzung freut und auch dem Anderen Freude bereiten.

Dafür haben wir ein eigenes Werte Verrechnungssystem erfunden.

Und weil Wertebeimessungen individuell verschieden sind, können (ist fast immer!) bei einer Besitzübergangstransaktion ‒ wir nennen sie «Ruf» ‒ durchaus auch asymmetrische vorkommen: wahrscheinlich ist für mich eine Ware oder Dienstleistung die ich (geschenkt) bekomme sehr viel wert, dem Abgebenden vielleicht viel weniger (sonst gäbe er sie mir vielleicht gar nicht.

In der COMMONs Verrechnung kann sich daher der Eine zB 100 ʘ (das ist das Kurzzeichen für 1 COMMON) gutschreiben lassen (der «Rufer», der Abgebende), der Annehmende (der «Gerufene») aber auf seinen Wunsch hin zB 200 ʘ lastgeschrieben bekommt, weil es ihm so wichtig oder wertvoll erscheint. Ja es kann sogar sein, dass der Rufer selbst noch etwa draufgibt, weil er sich so sehr darüber freut, dass das Gerät einen neuen guten Besitzer bekommt (nicht: Eigentümer!),

Das ist deshalb möglich weil es kein Nullsummenspiel darstellt wie die Bezahlung ist in der eigentumsorientierten Gesellschaft sondern es ist eine Größe zum Ausdruck der Wertschätzung und der persönlichen Freude. Die beiden Beträge werden nicht vom Einen zum Anderen übergeben, sondern es sind Konten, die von einer Clearingstelle verwaltet werden (und immer nur Guthaben aufweisen an Freude, Zuwendung und Wertschätzung!).

Alle Konten zeigen nur Guthaben von Freude, Zuwendung und Wertschätzung

Diese Konzepte lassen sich nur realisieren auf der Basis der Unternehmensvereine weil Unternehmensvereine ihren Mitgliedern den Gratisbesitz am Vereinsvermögen zusichern können. Deshalb braucht rechtlich brauche ich auch für Besitzübergänge zwischen Vereinsmitgliedern keine Bezahlung zu verrechnen. Damit aber sind sie nicht gewerblich, es fallen keine Steuern und keine sonstigen gewerblichen Auflagen an. Die COMMONs Kontoauszüge dienen dazu zu sehen, welche Art und welches Ausmaß wir im vergangenen Monat oder insgesamt schon an Wertschätzung erhalten haben oder auch jemandem zugute kommen haben lassen. Sie haben es hat nichts mit Geld zu tun und nichts mit Bezahlung, COMMONs sind auch nicht in irgendeine Währung oder Zahlungsmittel umtauschbar. Es ist etwas ganz Anderes, es ist eine Wertschätzungsgröße.

Ausgleich, Gerechtigkeit, Vergeltung, Rache

Es gibt ein ursprüngliches Bedürfnis von Lebewesen etwas Bekommenes zu vergelten, das gilt im Guten wie auch im Bösen, das Bedürfnis nach Ausgleich gibt es bei allen Lebewesen. In der heutigen Gesellschaft ist dies zum Begriff der «Gerechtigkeit» und, noch weiter, der «Vergeltung» verkommen. Das aber sind ebenfalls eigentumsorientierte begriffe, es gibt keine natürliche Entsprechung dafür. Es ist bezeichnend, dass diese Begriffe in gerade jenen Erdregionen einen hohen Stellenwert innehaben, wo es besonders eigentumsorientiert zugeht (siehe auch «Rache»).

So kommt alles wieder an seinen Platz: Sachliches zu Sachlichem, Beziehungsrelevantes zum Beziehungsbereich