Zahl-was-du-willst

Kooperatives Bezahlen

Seit einiger Zeit kommt Misstrauen auf gegenüber der herkömmlichen Auffassung von Geld, man hört, dass gewöhnliche kleine Banken selbst Geld schöpfen, dass die reichsten (= am meisten Geld habend) 50 Menschen der Erde mit ihrem Eigentum sofort jeden Menschen auf diesem Planeten von Hunger befreien könnten, dass unsere gesamte Gesellschaft auf Schuld und Mangel aufgebaut sei, der künstlich ständig hergestellt werden muss, weil für alle Menschen in Wahrheit alles Benötigte im Überfluss vorhanden sei. Sogar die Überbevölkerung sei ein Märchen: Wussten Sie, dass die ganze jetzige (Ende 2014) Erdbevölkerung auf der Fläche der Steiermark Platz hätte bei 2 m² /Person? Da könnten sich alle sogar noch bequem hinlegen.

UBUNTU Movement, InfoMoney und viele andere haben schlüssig gezeigt, dass Preis & Wert nichts miteinander zu tun haben. Ein Preis ist einfach eine Information, eine Zahl, die angibt, wieviel man zu be-zahlen hat, nichts weiter. Und Giralgeld, die Zahlen auf dem Kontoauszug, ist gar kein Geld, kein Zahlungsmittel, sondern eine Schuld der Bank gegenüber dem Kontoeigentümer.

Von diesem Modell ausgehend setzen immer mehr Dienste- und Warenanbieter den Preis für ihr Angebot auf «Zahl-was-du-willst». Der Begriff ist sehr sorgfältig so gewählt: Es sollte einerseits betont werden, dass es sich um eine Bezahlung handelt, und nicht etwa um eine Spende, ein Geschenk, einen Ausdruck einer Wertschätzung oder sonst etwas. Und die Zahl soll andererseits so bemessen sein, wie der Bezahler es will, ein Ausdruck der #Selbstverantwortlichkeit und des persönlichen sozialen Bewusstseins.

Es soll damit auch immer wieder in Erinnerung gerufen werden, dass die letztendlich vom Zahlenden festgelegte Zahl nichts mit irgendeiner Bewertung desjenigen zu tun hat, was bezahlt wird: weder bedeutet eine kleine Zahl eine Missachtung der erbrachten Leistung, noch signalisiert eine große Zahl zB einen Bestechungsversuch. Es ist bloß eine Zahl.

Und man kann auch mit anderem bezahlen als mit Geld: mit einem schönen Stein, mit einem interessanten Buch, einer Einladung zum Essen oder mit einem selbst vorgetragenen Musikstück.

Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, dass die meisten Beteiligten darüber sehr erleichtert sind und (fast) jeder verantwortungsvoll damit umgeht. Es erweist sich neuerlich, dass das Bild von «Jeder gegen jeden» eine kapitalistische Lüge darstellt.

Dies ist ein Lernprozess für uns alle.

UPDATE vom 10.10.2015:

Viele Gespräche mit Kunden, Interessierten und anderen Unternehmern haben wir mittlerweile darüber geführt; es gibt auch eine eigene Facebook-Gruppe zum Erfahrungsaustausch. Die Ergebnisse daraus haben uns dazu veranlasst, das Prinzip ein wenig zu modifizieren: Der Verkäufer nennt dem Kunden einen Preisrahmen, innerhalb dieses Rahmens bestimmt der Kunde selbst, wieviel er bezahlen möchte.

​Die Notation dafür ist: [<unteres Limit>-<oberes Limit>], wobei <unteres Limit und <oberes Limit> auch 0 bzw ∞ (unendlich) sein können, also zB [45-200] bedeutet: Preis kann zwischen 45 und 200 € liegen, [0-200] bedeutet bis zu 200 € und [45-∞] kann alles ab 45 € sein.

Wir haben es als ungerecht empfunden, dass alleine der Kunde die Last des Findens eines angemessenen Preises zu tragen hat und der Verkäufer unmündig akzeptieren muss, was kommt. Das ist genauso, wie vordem die umgekehrte Situation.

Wenn wir davon ausgehen, dass ein Preis und eine Bezahlung auch ein Beziehungselement ist, dann sollen beide Partner daran auch ihren Anteil haben und wahrnehmen. Die neue Verfahrensweise gibt beiden Geschäftspartnern Sicherheit und Freiheit zugleich: die besten Voraussetzungen für eine gute Beziehungsgestaltung.

WORK IN PROGRESS...