Notstand nach § 904 BGB bei Stadttauben für 6€ statt 8€
Taubenpocken gehören zu den häufigsten Viruserkrankungen bei Stadttauben und treten weltweit sowohl bei Wild- als auch bei Zuchttauben auf. Verursacht wird die Krankheit durch das Avipoxvirus columbae, einen spezialisierten Erreger aus der Familie der Poxviridae. Mit einer Größe von etwa 200 Nanometern ist das Virus deutlich größer als viele andere Viren und zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit und Umwelteinflüssen aus. Da der Replikationszyklus nur in Vogelzellen abgeschlossen werden kann, ist das Virus für Menschen, andere Säugetiere und sogar andere Vogelarten wie Hühner oder Singvögel völlig ungefährlich.
Die Erkrankung tritt verstärkt in den warmen Monaten zwischen April und Oktober auf. Die Übertragung erfolgt auf verschiedenen Wegen:
Direkter Kontakt: Durch Tröpfcheninfektion beim Schnäbeln, bei der Gefiederpflege oder bei Kämpfen, wobei das Virus über kleinste Haut- oder Schleimhautverletzungen eintritt. Jungtauben können zudem über die Kropfmilch infizierter Eltern infiziert werden.
Vektoren: Stechende Insekten wie Mücken und Fliegen sowie Milben (insbesondere die Rote Vogelmilbe) übertragen das Virus von Tier zu Tier.
Indirekte Übertragung: Über kontaminierte Futternäpfe, Tränken, Sitzstangen oder Staubpartikel kann das Virus auch über große Entfernungen verbreitet werden.
Man unterscheidet drei Verlaufsformen der Erkrankung:
Die Hautform: Dies ist die häufigste Form, bei der sich innerhalb von 6–10 Tagen haselnussgroße, borkig-rissige Knötchen an unbefiederten Stellen wie Augenlidern, Schnabelwurzel oder Füßen bilden. Sie verläuft meist gutartig, solange die Nahrungsaufnahme nicht behindert wird.
Die Schleimhautform (Diphtherieform): Diese schwerwiegende Form zeigt sich durch grau-rötliche Verfärbungen und weiße bis gelbliche, fest sitzende Beläge im Schnabel- und Rachenraum. Sie führt zu starken Schluckbeschwerden und Atemnot und kann ohne Behandlung zum Tod durch Erstickung oder Verhungern führen.
Die Mischform: Hierbei treten Haut- und Schleimhautsymptome gleichzeitig oder nacheinander auf, was oft zu einer längeren Krankheitsdauer führt.
Während die Hautform meist durch eine Sichtdiagnose erkennbar ist, erfordert die Schleimhautform oft eine genauere Untersuchung, da sie leicht mit der Rachentrichomoniasis (Gelber Knopf) verwechselt werden kann. Der entscheidende Unterschied ist, dass Pockenbeläge fest mit der Unterlage verwachsen sind. Tierärzte können die Diagnose durch Abstriche, Bakterienkulturen, Blutuntersuchungen oder den Nachweis von „Bollingerschen Körperchen“ in Gewebeproben absichern.
Da eine direkte medikamentöse Bekämpfung des Virus nicht möglich ist, steht die Stärkung des Immunsystems im Vordergrund.
Isolation: Erkrankte Tiere müssen sofort separiert werden.
Hautpflege: Bei der Hautform können überstehende Pockenteile vorsichtig mit einer desinfizierten Schere entfernt (ohne in die gesunde Haut zu schneiden) und mit Jod behandelt werden.
Versorgung: Die Gabe von Vitamin A ist essentiell für die Hautregeneration. Bei der Schleimhautform müssen Beläge eventuell mechanisch durch einen Tierarzt entfernt werden.
Sekundärinfektionen: Bakterielle Begleitinfektionen müssen mit Antibiotika behandelt werden.
Der effektivste Schutz ist die aktive Schutzimpfung, die entweder subkutan injiziert oder durch Aufpinseln auf die Haut (nach Ausreißen einiger Federn am Bein) appliziert wird. Der Impfschutz hält mehrere Jahre an. Zusätzlich sind folgende Maßnahmen wichtig:
Regelmäßige Desinfektion von Käfigen, Näpfen und Sitzstangen mit pockenwirksamen Mitteln.
Vermeidung von stehendem Wasser und Einsatz von Fliegengittern zur Insektenkontrolle.
Einhaltung einer mindestens dreiwöchigen Quarantäne für neue Tiere.
Vermeidung von Stress und zu hoher Besatzdichte.
Die Heilungsaussichten sind bei rechtzeitiger Behandlung gut; die Hautform heilt meist in 3–4 Wochen ab. Geheilte Tauben entwickeln eine lebenslange Immunität, können aber kurzzeitig noch Viren ausscheiden. Rechtlich gesehen sind Taubenpocken bei Stadttauben nicht meldepflichtig, im Gegensatz zu Vogelpocken bei Rassehühnern. Beim Umgang mit infizierten Tieren sollte das Personal aus hygienischen Gründen Handschuhe tragen und regelmäßiges Händewaschen praktizieren.