Nach dem Verlust der Siegesburg seit 1644 gab es im bedeutungslos gewordenen "Amt Segeberg" auf Jahrzehnte keinen eigenen Amtssitz mehr. (Kupferstich "Segeberg und Jeschenhagn" (Ausschnitt), F. W. Camerarius nach 1760, ©: Wikimedia Commons)
Der seit dem 12. Jahrhundert um die Siegesburg herum entstandene Militär- und Verwaltungsbezirk umfasste bis zum 14. Jahrhundert als nunmehrige „Vogtei“ die Kirchspiele Kaltenkirchen, Bramstedt, Bornhöved und Schlamersdorf, zu denen laut der Teilungsurkunde von 1316 noch die Kirchspiele Segeberg, Leezen, Pronstorf, Warder, Gnissau und Kurau hinzugekommen waren. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich die mittelalterliche Vogtei dann weiter zum „Amt Segeberg“, dessen westlichen Kirchspielen Bramstedt, Kaltenkirchen, Bornhöved, Segeberg und Leezen fortan ein (nach 1581 „königlicher“) „Amtmann“ vorstand, der diese freibäuerlichen Gebiete nun stellvertretend für den Landesherren, dem Herzog von Holstein (seit 1460 auch König von Dänemark) von der Segeberger Burg aus verwaltete, während die östlichen Territorien sich zu selbstverwalteten adligen Gutsbezirken entwickelten, die dem Landesherren direkt unterstanden. Ungeachtet persönlicher – z. T. repräsentativer – Wohngebäude residierte der „Segeberger Amtmann“ offiziell stets auf der Siegesburg, die seit Erfindung der Feuerwaffen zunehmend ihre militärische Funktion verloren und sich nun immer mehr zum Amtssitz des (königlichen) Amtes Segeberg entwickelt hatte.
Die Zerstörung der Siegesburg während des Torstensson-Krieges (1644 – ‘45) beendete diese Gepflogenheit zwangsläufig. Die letzten drei Segeberger Amtmänner auf der Burg waren Dietrich Brüggemann, der das Amt in der Nachfolge Heinrich Rantzaus bereits 1599 übernahm und (wohl aufgrund eines plötzlichen Pest-Todes) nur bis 1603 ausübte, der mecklenburgische Gutsherr, Marquardt von Pentz, der als Nachfolger bis zu seinem kriegsbedingten Tod im Jahre 1627 amtierte und der Pronstorfer Gutsherr Caspar von Buchwaldt, der in sein Amt 1629 eingeführt wurde und es bis zu seinem Lebensende 1669 ausübte. Als die von ihm aufgestellte „Untergrundarmee“ von 179 Schnapphähnen unter seinem (verdeckten) Kommando aufflog, übten die schwedischen Besatzer mit der Sprengung der Burg auf dem Kalkberg grausame Vergeltung.
Die Zerstörungen waren so immens, dass die ruinierten Bauten auf dem Kalkberg als Amtssitz hernach nicht wieder hergerichtet werden konnten und ein vollständiger Wiederaufbau der nutzlos gewordenen Burg sich erst recht als zu teuer für den dänischen Staatshaushalt erwies. Folglich begann wenig später der Abbruch der Ruine und Amtmann von Buchwaldt wurde zunächst das verschont gebliebene Meierhaus des abgebrannten Burg-Vorwerks als „Amtsstube“ und Wohnung angewiesen. Mit der anschließend zugewiesenen Unterkunft im ehem. Abthaus des einstigen Augustinerstiftes, gar zur Untermiete bei einem schlichten Hausvogt, wird die fortgesetzte Abwertung des Amtes Segeberg wie gleichfalls die Entwürdigung des Segeberger Amtmanns vollends deutlich. Auch das Amt selber wurde 1665 fast in seiner kompletten Ausdehnung vom dänischen Königshaus verpfändet; für die Verwaltung des Restamtes – wenige verbliebenen Dörfer und Hufen – reichte nach dem Tod Caspar von Buchwaldts zunächst auch ein schlichter Amtsschreiber, bis es 1684 in seiner beklagenswerten Bedeutungslosigkeit vom dänischen Geheimrat und Kanzler in den Herzogtümern, Andreas Pauli von Liliencron (1630 - 1700), als Amtmann von Segeberg gleichsam "nebenbei" mitverwaltet wurde!
Für alle Zeiten vorbei war es mit dem prachtvollen Verwaltungssitz eines „königlichen Amtes Segeberg“ auf der einst riesigen Burg auf dem Kalkberg, der einstmals repräsentativen Residenz der dänischen Könige in Holstein!
(Text: N. Hinrichsen)