Geschichte

Aus der Geschichte des Schiesswesens

Von den Schützengesellschaften zu den Schützenvereinen

Schon im 13. Jahrhundert waren in den württembergischen Landen zum Schutz des Gemeinwesens in gefahrvollen Zeiten sogenannte freiwillige Bürgerwehren entstanden. Nach der "Heeresorganisation" Herzog Eberhards von 1481 konnte in Stadt und Dorf kein junger Mann Bürger werden oder heiraten, ehe er nicht „sein eigen Wehr und Waffen" besaß und regelmäßig an den Schieß- und Exerzierübungen teilnahm. Unter Herzog Friedrich I. (1593-1608) wurde schließlich die Bürgerwehr zur befohlenen und uniformierten "Landmiliz" erhoben. Unter dem 19. Februar 1602 verzeichnet das Eninger Wegbüchlein den Bau eines Schützenhauses; einen Hinweis auf dessen ungefähre Lage geben noch heute der "Schützenhausplatz" und der "Schießwasen". Eine vom Uracher Obervogt (Eningen gehörte damals zum Amt Urach) aufgestellte Schützenordnung, die nach dem 30-jährigen Krieg durch eine neue ersetzt wurde, enthält in sieben Punkten die wichtigsten, streng einzuhaltenden Vorschriften. Ober- und Unterschützenmeister werden bestellt; ein Schützengericht, bestehend aus 5 Mitgliedern (die Fünfer, "Feifer" genannt) hat die Ordnung aufrechtzuerhalten und Streitigkeiten zu schlichten. Nach Vogtgerichtsprotokollen von 1683-1763 wird dem Schultheiß und den zwei Bürgermeistern befohlen, die wehrfähigen Männer zum Scheibenschießen an Sonn- und Feiertagen anzuhalten und die Übungen persönlich zu überwachen.

Nachdem - so wandeln sich die Zeiten - 1756 das öffentliche und private Schießen verboten worden war, wird das einstige Schützenhaus zu einer Ziegelhütte in privater Hand. Aus den Schützengesellschaften entwickelten sich freiwillige Vereinigungen, also Vereine, die unter König Wilhelm 1. neu auflebten, wenn sie nun auch mehr sportlichen Charakter trugen.

1823 wurde die "Schützengesellschaft Eningen u.A." gegründet, die sich in ihren Protokollen auch als "Schützengilde“, bezeichnet. Sie errichtete 1824 das Schützenhaus mit der Schießanlage im Gewand "Hinter Höfen". Die Revolution von 1848 gab der Volksbewaffnung ein anderes Gesicht und Gewicht. Nachdem im April 1848 an die Gemeinden eine Verfügung der Regierung erging, eine Bürgerwehr zu organisieren, beschloss der Gemeinderat unterm 29. Mai: „100 Gewehre auf Rechnung der Gemeinde in möglichst billigen Preisen anzuschaffen. Die Empfänger derselben sollen die Kosten in der Art wieder zu ersetzen haben, dass wenigstens jeden Monat 30 Kreuzer so lange zu vergüten sind, bis der Kostenbeitrag vollständig getilgt ist, wobei man übrigens erwarte, dass die Wohlhabenderen entweder den Ersatz gleich vollständig bar oder doch wenigstens in kürzeren Raten leisten." 1849 erwirkt ein neugegründeter "Volksverein" die endliche Ausführung des Beschlusses vom 29.5.1848, und der Gemeinderat beschließt zu den 100 Gewehren zugleich für 200 Gulden scharfe Patronen anzuschaffen. Die Schützengesellschaft erhielt 1852 die Erlaubnis, am Katzenbuckel eine Schießhütte erbauen zu dürfen. Die Gilde wurde 1931 durch Mehrheitsbeschluss der Mitglieder aufgelöst; das Schlussschießen fand am Sonntag, den 23. August 1931 im Schützenhaus hinter Höfen statt.

Am 30. April 1902 wurde von 14 Gründungsmitgliedern der "Schützenverein 1902 Eningen u.A." ins Leben gerufen. Zum Vorsitzenden und 1. Schützenmeister wurde Karl Armbruster, zum Vizevorsitzenden Johannes Friedrichsohn gewählt. Das erste Schießen fand bei dem Vereinsmitglied Eugen Hailer im Saal des Gasthofs "Dreikönig" am 19. Mai statt. Zwei Jahre lang wurde mit einer einzigen Büchse geschossen, im November 1903 beschlossen, ein zweites Gewehr anzuschaffen. Auf ein Gesuch des Vorstandes hin wurde dem Verein durch das Bürgerliche Kollegium ein Platz am Katzenbuckel zur Errichtung eines Schießstandes überlassen, der am 21. August 1904 mit einem Preisschießen eröffnet werden konnte.

Ende 1911 gelang es dem Schützenverein, einen geeigneten Platz im Gewand "Ob Hofen" zu erwerben, wo man alsbald ein Schießhaus mit Schießanlage errichtete. 1938 wurde der Schützenverein 1902 dem Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert. Nach der Auflösung des Vereins durch die Besatzungsmacht wurde er neu gegründet und in Gemeinschaftsarbeit der Mitglieder das Schützenhaus im "Kühteich" erstellt. Es konnte in Verbindung mit der Feier zum 60-jährigen Bestehen des Vereins 1962 eingeweiht werden.

Der Schützenverein 1902 Eningen u.A., der 1908 54 Mitglieder zählte schloss 1977 zum 75-jährigen Jubiläum 106 Mitglieder mit 22 aktiven Schützen in enger Kameradschaft zusammen.


VEREINSLEBEN 1977

Der SV Eningen ist als eingetragener Verein beim Amtsgericht Reutlingen registriert. Den heutigen Vorstand bilden Oberschützenmeister Alfons Mäurle, die beiden Schützenmeister Karl Wolber und Traugott Hummel, der langjährige Kassierer Erwin Keck, Schriftführer Günter Zander, Schießleiter Eugen Kießling und Jugendwart Friedrich Keinath. Die Mitglieder des Vorstandes werden auf vier Jahre gewählt. Um jedoch zu vermeiden, dass jeweils nach vier Jahren die gesamte Vereinsleitung zurücktritt, wird zweijährlich die Hälfte der Vorstandsmitglieder neu gewählt.

Unsere aktiven Schützen erzielten in den letzten Jahren auf Meisterschaften und bei Rundenwettkämpfen erfreuliche Erfolge. Besonders hervorzuheben sind hier die Klassensiege unserer Senioren. Stellvertretend für alle aktiven Schützen seien hier nur die beständigen und herausragenden Leistungen unseres Schützenkameraden Eugen Kießling genannt.

Unser Schützenhaus am Kühteich wurde vor 14 Jahren neu errichtet. Die Schießanlage wurde im vergangenen Jahr unter großem persönlichem Einsatz der Mitglieder und mit erheblichem finanziellem Aufwand erneuert. Sie entspricht jetzt den modernsten Sicherheitsbestimmungen.

Auf der Anlage können alle Kleinkaliber-Wettbewerbe auf 50 Meter sowie die Disziplinen Luftgewehr und Luftpistole auf 10 Meter geschossen werden. Interessenten und neuen Mitgliedern stehen vereinseigene Waffen zur Verfügung.

An neun Luftgewehr- und fünf Kleinkaliberständen kann gleichzeitig geschossen werden. Die LG - Stände sind auch für Zimmerstutzen zugelassen. Vereinsinterne Schießwettbewerbe finden regelmäßig statt, so das Osternachtsschießen, die Vereinsmeisterschaft im Frühjahr und der Wettkampf

um den "Häbles-Becher“. Dieser Becher ist ein Pokal, der nur von Mitgliedern unseres Vereins geschossen werden kann.

Anlässlich seines 75-jährigen Jubiläums hat der Verein den "Eninger Becher" neu gestiftet. Dieser Becher kann als Wanderpokal von allen Eninger Vereinen jährlich geschossen werden. Aktive Schützen sind von diesem Wettbewerb ausgeschlossen.

Dauerhafte kameradschaftliche Bindungen bestellen seit mehr als 10 Jahren zu den Schützen in Hinterstein. Zwischen beiden Vereinen wird alle zwei Jahre ein Freundschaftsschießen ausgetragen. Doch auch außerhalb dieser Wettkämpfe ist Hinterstein mit seiner landschaftlich schönen Lage in den Allgäuer Bergen ein festes Ausflugsziel unserer Mitglieder geworden, zumal sich auch enge persönliche Kontakte entwickelt haben.

Einen besonderen Wert misst unser Verein der Jugendarbeit zu. Unter Aufsicht unseres bewährten Jugendleiters Friedrich Keinath steht die Schießanlage den jugendlichen an allen Samstagnachmittagen zur vollen Verfügung. Mit zur Zeit 15 Jungschützen ist der Anteil der Jugendlichen nicht unerheblich, und es sind gerade in letzter Zeit mit regelmäßigem Training gute Erfolge erzielt worden. Wir wollen uns auch in Zukunft vermehrt um die Jugend bemühen, ihre Begeisterung fördern und die Freude am Schießsport wecken. Denn sie ist die Generation, die nach uns mit ihrem Einsatz den Verein tragen und mit Leben erfüllen wird.

Die Bewirtschaftung lag damals in den Händen der Vereinsmitglieder, die sich dankenswerter Weise in ungezwungener Reihenfolge freiwillig zur Verfügung stellten. Das Schützenhaus ist zum Mittelpunkt des Vereinslebens geworden. Hier trifft man sich nicht nur anlässlich der Wettkämpfe sondern auch auf kameradschaftlicher Ebene, um bei einem guten Tropfen die täglichen Sorgen zu vergessen. Auch für ein kräftiges Vesper war jederzeit gesorgt.


DER SCHÜTZENVEREIN HEUTE

Bedingt durch das Alter des Luftdruckwaffenstandes und der sanitären Anlagen wurde beschlossen, eine neue Schießhalle zu bauen. Mit ihr wurden gleich eine neue Küche und die Toiletten neu gebaut. Im gleichen Zuge hatte unser Verein über der neuen Schießhalle eine „Sommer-Terasse“, die nicht nur bei den Vereinsmitgliedern für großen Zulauf sorgte. Zusammen mit dem neuen Pizzabäcker weckte der Verein nicht nur bei den Einheimischen grosses Interesse, sondern sorgte bei dem ein oder anderen Gegner-Verein für ein feucht-fröhliches „Wettkampf-Stündchen“.

Nach langem hin und her wurde Ende Dezember 2000 beschlossen, im Januar 2001 mit dem kompletten Umbau der Anlage, darunter zählen die Wirtschaft, die KK-Bahn und die neu dazugekommene 25 m GK Halle zu beginnen. Ebenfalls wird ein neuer Tresorraum für die Munition und die Waffen vorhanden sein und der Wirt bekommt dank des neuen Kühlraums mehr Platz um seine Getränke für den Sommer erfrischend Kühl zu lagern. Dank der Hilfe unserer „Rentner“ hat der Bau einen beachtlichen Schub erhalten. Mit dem Umbau rechnet der Verein mit dem Zuwachs von Mitgliedern, sowohl passiv als auch aktiv. Zur Zeit zählt der Verein 117 Mitglieder.


WETTKÄMPFE UND JUGENDARBEIT

Der SV Eningen konnte sich mit seiner Jugendarbeit noch nie so richtig in den oberen Ebenen der Wettkämpfe etablieren, besonders was die Mannschaftswertungen betraf. Die Wende kam hier Anfang der 90’er. Mit den Schützen Martin Oliver, Martin Daniel , Hofer Thomas, Freimayer Tina und Kratz Oliver konnten an einigen Wettkämpfen und Jugendturnieren gezeigt werden, was die Jugendarbeit im SV Eningen gebracht hat. Leider war diese Ära durch die Einteilung der einzelnen Klassen nach kurzer Zeit wieder vorbei und diese Jungschützen mußten schon bald in der Schützenklasse antreten. Zur Zeit fehlt es dem Verein leider an Jugendlichen oder auch Schülern, die das Interesse am Schießsport gefunden haben. Man will die Jugendarbeit verstärkt nach dem Umbau der kompletten Anlage nochmals in Angriff nehmen. Gelungen wurde dies bereits vor einigen Jahren, bei dem man eine Ausstellung und einen kleinen Schnupperkurs anbot.

Das jährliche Vereinsschießen, daß immer im Mai stattfand begeisterte zunehmens die Vereine, Stammtische und sonstige Zusammenschlüsse der Bevölkerung Eningens. Hier konnte man einen jährlichen Anstieg der Personen und Mannschaften beobachten. Geschossen wurden bis zuletzt 1999 10 Schuß (5 Probe und 5 Wertung) nach Wettkampfordnung. Ab 2000 wurde eingeführt, daß man 8 Schuss macht, davon die besten 5 gewertet werden. Dieses Vereinsschießen wird unseren Verein noch einige Jahre lang verfolgen.

Nicht zu vergessen ist das traditionelle Silvesterschießen am Ende eines jeden Jahres. Durch die selbst entworfenen Scheiben der Mitglieder und die zu gewinnenden Preise gewinnt dieses Juxschiessen immer mehr an Beliebtheit und das nicht nur bei den Vereinsmitgliedern.

Selten war der SV Eningen so stark bei den Rundenwettkämpfen vertreten, wie in den letzten Jahren. 2 Mannschaften beim English Match, davon 1 AH-Mannschaft und die Luftpistolenmannschaft ist mit 8 Schützen schon leicht überfüllt.

Die internene Wettkämpfe sollten aber trotz des kleinen Kreises von aktiven Schützen nicht fehlen. Besonders hervorzuheben sind das Königschießen und das Häblesbecherschießen. Ausgetragen wird das Königschießen mit dem Luft-, KK-Gewehr und dem Zimmerstutzen. Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit, anstatt mit dem Luftgewehr mit der Luftpistole anzutreten. Jede der genannten Disziplinen muß geschossen werden. Man hat 5 Schuß pro Disziplin, wobei der beste Blattltreffer gewertet wird und die besten Blattl der einzelnen Disziplinen addiert werden.

Beim traditionellen Häblesbecherschießen, dass mit dem KK-Gewehr ausgetragen wird, wird ebenfalls der beste Blattl gewertet. Die Schützen haben hier aber einen Vorteil, weil sie so viele Scheiben nachkaufen können, bis ihnen das Geld ausgeht.


DIE ARBEIT DER VEREINSMITGLIEDER

Die Arbeit der Schützen erstreckt sich aber nicht nur hauptsächlich um das Schützenhaus herum. Viele Festaktivitäten wie das Haidfest, Dorffest und der Weihnachtsmarkt werden von den Vereinsmitgliedern organisiert und abgewickelt