Für Courier bearbeitet von: Hermína Rýdlová
Interview mit dem ehemaligen Marketingdirektor
Was hat Sie zum Marketing geführt? Wie waren Ihre Anfänge in diesem Bereich?
„Ursprünglich hatte ich keinerlei Erfahrung mit Marketing, aber ich war dreist genug, die Leute von Altar Interactive anzusprechen. Diese waren unter anderem für das Pen-&-Paper-Rollenspiel Dračí doupě verantwortlich. Ich fragte sie, ob sie zufällig jemanden bräuchten, der sich um ihr Marketing kümmert. Zufällig suchten sie gerade jemanden, also zog ich für einige Jahre nach Brünn und begann in diesem Bereich zu arbeiten.“
Könnten Sie uns näherbringen, wie die Vermarktung des Spiels Kingdom Come: Deliverance ablief?
„Früher arbeitete ich an Spielen wie Original War oder UFO: Aftermath, aber danach wechselte ich für einige Zeit in ein anderes Gebiet. Dann kontaktierte mich Martin Klíma, mit dem ich schon bei Altar Interactive zusammengearbeitet hatte, und fragte, ob ich bei der Promotion von Kingdom Come: Deliverance helfen könnte. Anfangs war ich skeptisch – das Spiel war zwar in Entwicklung, hatte aber keinen klaren Veröffentlichungsplan, keinen Publisher, und es war entschieden worden, dass es über Kickstarter finanziert werden sollte. Das ist immer riskant – es hätte auf viele Arten scheitern können.
Am Ende hat es aber funktioniert, und ich habe viele Jahre an diesem Projekt gearbeitet.“
Was war Ihr größter beruflicher Erfolg und welche Herausforderung hatten Sie bei Kingdom Come?
„Der größte Erfolg? Sicherlich, dass das Spiel fertiggestellt und veröffentlicht wurde. Ich war nicht direkt an der Entwicklung beteiligt – ich bin kein Programmierer, Grafiker, Musiker oder Animator –, aber ich war für das Marketing verantwortlich. Mein Ziel war es, sicherzustellen, dass so viele Menschen wie möglich vom Spiel erfahren und gleichzeitig realistische Erwartungen haben. Wenn ein Spieler von Anfang an weiß, dass er z. B. kein mittelalterliches Open-World-Spiel spielen möchte, ist es besser, wenn er sich etwas anderes aussucht, statt am Ende enttäuscht zu sein.
Die größte Herausforderung war es, das Spiel dem amerikanischen Publikum näherzubringen. Kingdom Come spielt im Posázaví-Gebiet zu Beginn des 15. Jahrhunderts – zu einer Zeit, als in Amerika Indianer und Bisons über die Ebenen zogen. Den amerikanischen Spielern zu erklären, warum sie sich für ein Spiel aus dieser Zeit und Region interessieren sollten, war schwierig.“
Das Spiel Kingdom Come ist für seine realistischen Bewegungen der Figuren bekannt. Wie wurden diese erstellt?
„Animationen entstehen in zwei Phasen. Zuerst werden echte Menschen in einem sogenannten Motion-Capture-Studio gefilmt, wo Kameras die Bewegungen der Schauspieler mit Schwert, Bogen oder beim Laufen aufzeichnen. In der zweiten Phase werden diese Animationen am Computer überarbeitet und an die Anforderungen des Spiels angepasst.
Natürlich werden manche Animationen, wie etwa ein Sturz von einem Turm, nicht mit echten Menschen aufgenommen. Diese werden komplett digital erstellt.“
Sie arbeiten derzeit in der Immobilienbranche. Wie unterscheidet sich Marketing in der Spieleindustrie vom Immobilienmarketing?
„Vielleicht würden mir einige Kollegen widersprechen, aber ich denke, das Grundprinzip des Marketings ist in beiden Fällen ähnlich. Es geht darum, die richtige Information an die potenziellen Kunden zu bringen. Die Werkzeuge unterscheiden sich natürlich – Spiele werden über Steam beworben, Immobilien über Anzeigenportale oder Plakatwerbung. Der Schlüssel ist, die Zielgruppe zu identifizieren und sie mit einem interessanten Angebot anzusprechen.“
Haben Sie während Ihrer Arbeit einen lustigen Moment erlebt?
„Einmal stellten wir unser Spiel auf der Gamescom aus, einer großen Spielemesse in Deutschland. Davor hatten wir ein Treffen mit einigen Fans und Unterstützern, als sich das Spiel noch in einem frühen Stadium befand.
Ich unterhielt mich dort mit einem Programmierer, der sein eigenes Spiel entwickeln wollte. Er fragte mich, was ich bei Warhorse mache, und als ich antwortete, dass ich für das Marketing zuständig sei, war er überrascht und fragte: ‚Wozu braucht ein Spieleentwickler jemanden fürs Marketing?‘ Ich glaube, heute wäre er erstaunt!“
Was würden Sie Studierenden raten, die in die Spielebranche einsteigen wollen?
„Es hängt vom Fachgebiet ab, aber ich denke, eine gute Ausbildung schadet nie. Natürlich kann man vieles über YouTube, Online-Kurse oder Selbststudium lernen, aber formale Bildung sollte man trotzdem nicht unterschätzen.
Die meisten Entwickler bei Warhorse haben eine Hochschule abgeschlossen – etwa die Technische Universität in Prag oder Kunstschulen mit Schwerpunkt auf Animation, Architektur oder Design. Es gibt sogar Studiengänge, die sich speziell auf das Marketing künstlerischer Projekte konzentrieren – das passt gut zur Spielebranche.“
Sie haben Online-Kurse und Hochschulen erwähnt. Haben Sie selbst studiert? Und hat es Ihnen in Ihrer Karriere geholfen?
„Ja, aber erst nach mehreren Jahren Berufserfahrung. Berufsbegleitend zu studieren war ziemlich anstrengend, deshalb würde ich empfehlen, direkt nach der Schule zu studieren. Ich habe Betriebswirtschaft an einer privaten Hochschule studiert und den Bachelor abgeschlossen. Ursprünglich besuchte ich ein Gymnasium mit Schwerpunkt Programmierung, aber ich stellte fest, dass Programmierung viel komplizierte Mathematik beinhaltet – das lag mir nicht besonders. Deshalb habe ich auf Kommunikation und Marketing umgeschwenkt, was mir viel mehr Spaß machte.“
Was halten Sie von künstlicher Intelligenz im Marketing und allgemein? Lohnt es sich, sie zu studieren?
„Auf jeden Fall. Es ist ein neues und nützliches Werkzeug, das sowohl Studierenden als auch Fachleuten hilft. Heute kann KI zum Generieren von Texten, zur Datenanalyse und für viele andere Aufgaben genutzt werden. Ich denke, wer lernt, sie effektiv zu nutzen, wird in Zukunft einen Vorteil haben.“
Wie gehen Sie mit Stress bei der Arbeit um? Haben Sie bewährte Tricks?
„Nein, das ist nicht einfach. Am meisten stresst mich, wenn jemand etwas nicht rechtzeitig liefert. Andererseits kann leichter Stress beim Start von Kampagnen nützlich sein – er zwingt einen, schnell und effizient zu arbeiten.
Wichtig ist aber, sich auch erholen zu können – mit dem Hund spazieren gehen, kurz abschalten und dann wieder weitermachen. Zu viel Stress führt nämlich zu Fehlern.“
Zum Schluss ein kleines Assoziationsspiel. Ich sage ein Wort, und Sie sagen das Erste, was Ihnen dazu einfällt.
Werbung – Fernsehen
Kreativität – Kunst
Erfolg – Freude
Schule – Bildung
Soziale Netzwerke – Chaos
Heute war Herr Jiří Rýdl unser Gast! Vielen Dank für das Gespräch!
„Ich danke Ihnen, es war mir eine Freude!“
Auf Wiedersehen!