„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Als Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Medizinische Fachangestellte, Therapeutinnen und Therapeuten, Rettungskräfte und Beschäftigte im Gesundheitswesen erleben wir jeden Tag, was dieser Satz bedeutet.
Wenn ein Mensch krank ist, fragen wir nicht, wo er geboren wurde.
Wenn ein Mensch Schmerzen hat, fragen wir nicht, woran er glaubt.
Wenn ein Mensch unsere Hilfe braucht, fragen wir nicht, wen er liebt.
Wenn ein Mensch unsere Hilfe braucht, zählt zunächst, dass er unsere Hilfe braucht.
Und wenn wir morgens gemeinsam eine Station, ein Pflegeheim, eine Praxis, einen Rettungswagen oder einen Operationssaal betreten, arbeiten dort Menschen miteinander, die sich aufeinander verlassen und einander brauchen.
Wir sind das Gesundheitswesen. Und wir sind vielfältig.
Wir haben unterschiedliche Namen, Herkunftsgeschichten, Religionen und Lebenswege. Viele unserer Kolleginnen und Kollegen oder ihre Familien sind irgendwann nach Deutschland gekommen. Sie arbeiten hier, zahlen Steuern und Sozialabgaben, engagieren sich in Vereinen, Gemeinden und unserer Nachbarschaft – und tragen jeden Tag dazu bei, dass unser Gesundheits- und Pflegesystem funktioniert.
Sie sind selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft.
Gleichzeitig wissen wir, dass viele Menschen mit Sorge auf die Entwicklung unseres Landes schauen. Fragen zu Migration, Integration, wirtschaftlicher Belastung und zur Zukunft unserer sozialen Sicherungssysteme müssen offen diskutiert werden dürfen. Auch politische Entscheidungen, die wir persönlich nicht teilen, sind Teil einer Demokratie und verdienen Respekt.
Solidarität bedeutet dabei immer Rechte und Pflichten.
Unsere sozialen Systeme können auf Dauer nur funktionieren, wenn ihre Regeln respektiert werden, möglichst viele nach ihren Möglichkeiten zu ihnen beitragen und Missbrauch nicht hingenommen wird – unabhängig davon, wo jemand geboren wurde.
Ebenso klar ist für uns aber: Berechtigte Kritik an politischen Entwicklungen darf nicht zur pauschalen Abwertung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer Sprache führen.
Wenn Kolleginnen und Kollegen aus unserer Mitte deshalb das Gefühl bekommen, nicht mehr willkommen zu sein, betrifft das nicht „die anderen“.
Es betrifft uns alle.
Dem wollen wir gemeinsam etwas entgegensetzen.
Nicht als Vertreterinnen und Vertreter einer Partei.
Nicht als Anhängerinnen und Anhänger einer politischen Richtung.
Sondern als Menschen, die gemeinsam Verantwortung für andere tragen.
Unser Grundgesetz gibt uns dafür einen einfachen und verlässlichen Maßstab:
Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
Dafür stehen wir. Dafür steht unser Bild von Deutschland – ein Bild, das wir schützen, stärken und bewahren wollen.
Darauf wollen wir uns auch in schwierigen und kontroversen Zeiten verlassen können – miteinander, für unsere Patientinnen und Patienten und für die Menschen, mit denen wir jeden Tag zusammenarbeiten.