GIMP - GNU Image Manipulation Program

GIMP

Manche Nutzer die gerne auf Linux umsteigen würden oder solche die Linux kritisieren meinen eine Software die unbedingt fehlt wäre Adobe Photoshop, als bräuchte jeder der gerade einmal rote Augen von von einem Bild entfernen möchte oder ein Bild zuschneiden will eine Software braucht die monatlich knapp 24€ kostet.

Die meisten Linux-Nutzer verweisen in solchen Fällen auf GIMP - GNU Image Manipulation Program, und ja, GIMP ist professionell, es ist halt nur so das es nicht genau so aufgebaut ist wie Photoshop, Menü-Punkte sind in anderen Stellen zu finden, manche Funktionen fügt man sich erst durch Erweiterungen hinzu von denen es unzählige gibt.

In diesem Beitrag werden wir diese Software etwas näher kennen lernen.

GIMP installieren

Unter auf Debian basierenden Systemen wie Ubuntu, Kubuntu, Linux Mint und so weiter installieren Sie diese Software ganz einfach über die Paket-Verwaltung durch das Paket "gimp" ebenso wie unter Solus OS.

GIMP erweitern

Bevor wir uns um die Nutzung von GIMP kümmern und einige Beispiele ansehen wollen wir uns ansehen wie man die Software erweitert. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten, als erstes über die Paket-Verwaltung selbst, unter auf Debian basierenden Systemen installieren Sie einfach etwa die Pakete "gimp-data-extras gimp-dcraw gimp-dds gimp-gap gimp-gluas gimp-gmic gimp-lensfun gimp-ufraw gimp-plugin-registry", auch unter Solus finden Sie im Software Center zahlreiche weitere Pakete.

Weiters finden Sie zahlreiche Erweiterungen die man manuell installiert unter GIMP FX Foundry, Gimpchat, GIMP-Werkstatt, GIMP Scripts, DevianArt und vielen mehr. Dazu zählen nicht nur reine Erweiterungen sondern auch Pinsel und weiteres Zubehör.

Als erstes sollte man gleich einmal wissen - es gibt mehrere Arten von Erweiterungen für GIMP, es gibt Plugins, Module, Scripte und Filter. Plugins sind fix integrierte Funktionen, wie auch Module, Scripte sind flexible Erweiterungen die man schnell wieder tauschen kann und Filter erfüllen diverse kleinere Funktionen. Als erstes wollen wir uns gleich einmal ansehen wohin die jeweiligen Erweiterungen auf welchem System gehören. Auch gibt es zwei Varianten, die User-Version bei der nur der jeweilige User die Funktion nutzen kann und die System weite Installation bei der jeder User diese nutzen kann.

gimp

Scripte (haben die Datei-Endung .scm ) lädt man sich ganz einfach von der jeweiligen Homepage herunter, entpackt diese wenn sie in einem komprimierten Archiv vor liegen und verschiebt sie wie oben beschrieben in die jeweiligen Verzeichnisse, sollen sie System weit nutzbar sein geschieht dies natürlich als User root . Unter auf UNIX basierenden Systemen wie natürlich auch Linux und MAC OS gilt es diese Scripte danach erst ausführbar zu machen, System weit natürlich als User root . Dies funktioniert bei vielen Scripten natürlich am einfachsten und schnellsten auf dem Terminal - etwa wenn die Dateien unter /home/user/.gimp/scripts/ liegen durch den Befehl:

chmod +x /home/username/.gimp/scripts/*

Startet man GIMP neu finden sich die entsprechenden Scripte in den Menüs einsetzbar

Die Installation von Plugins ist etwas aufwendiger, sie haben die Datei-Endung .c , sind also im Quelltext geschrieben und müssen erst in eine funktionierende Anwendung übersetzt werden. Dies ist jedoch sehr einfach - zumindest unter Linux und Unix (also auch unter MAC OS). Sie installieren über die Paket-Verwaltung das Paket libgimp2.0-dev , unter Microsoft Windows hilft hier nur die Installation von Cygwin ( finden Sie unter https://www.cygwin.com/) und über diesen Terminal-Emulator installieren Sie nun das entsprechende Paket). Wieder entpacken Sie die Dateien wenn nötig aus dem komprimierten Archiv und starten die Übersetzung nun je nachdem ob Sie die Software alleine oder System weit nutzen wollen als normaler User oder als User root durch den Befehl mit den nötigen Optionen:

gimptool-2.0 --build dateiname.c

übersetzt das Werkzeug nur:

gimptool-2.0 --install-bin dateiname

installiert das zuvor kompilierte Plugin und:

gimptool-2.0 --install dateiname.c

Wie --build , kopiert das Plugin jedoch auch gleich in das passende Verzeichnis. Auch Pinsel ndet man ohne Ende etwa auf Devianart http://www.deviantart.com/browse/all/resources/applications/gimpbrushes/?order=9 oder auch indem Sie einfach unter Google nach gimp/brushes/ suchen, auch solche von Photoshop können problemlos genutzt werden. Zur Installation entpacken Sie wieder wenn nötig die Archive und speichern die Dateien in den oben angegebenen Verzeichnissen im Unter-Verzeichnis /brushes/ . Nach einem Neustart von GIMP sind diese verfügbar.

GIMP im ein- oder mehr-Fenster-Modus

Vor allem Windows-Umsteiger kritisierten die grafische Oberfläche von GIMP, statt wie etwa Photoshop alles in einem Fenster zu integrieren setzte GIMP alles in mindestens drei Fenster. Für mich war dies ehrlich gesagt nie ein Problem, für mich war und ist es sogar übersichtlicher, man kann aktuell nicht gebräuchliche Fenster minimieren oder schließen und hat so etwa mehr Sicht auf das eigentliche Bild das man bearbeitet. Aber GIMP startet nun automatisch nur noch mit einem Fenster - dies lässt sich jedoch problemlos ändern und zwischen beiden Modi wechseln.

GIMP - Vom ein-Fenster-Modus in den mehr-Fenster-Modus schalten

GIMP - Vom ein-Fenster-Modus in den mehr-Fenster-Modus schalten

Um vom ein-Fenster-Modus in den mehr-Fenster-Modus zu schalten nutzen Sie nun einfach das Menü "Fenster / Einzelfenstermodus", auf die selbe Art kommen Sie auch wieder zurück:

GIMP - Vom ein-Fenster-Modus in den mehr-Fenster-Modus schalten

GIMP - Vom ein-Fenster-Modus in den mehr-Fenster-Modus schalten

Der Aufbau von GIMP

Bevor wir nun beginnen mit der Software zu arbeiten wollen wir uns den Aufbau dieser Anwendung näher ansehen um zu verstehen wo wir was finden. Ich werde dazu den mehr-Fenster-Modus nutzen da sich hier die Details besser zeigen.

Links finden Sie erst mal das Werkzeug-Fenster:

GIMP unter Linux - Werkzeug-Fenster

GIMP unter Linux - Werkzeug-Fenster

Es beinhaltet die meist genutzten Werkzeuge wie etwa Auswahlen, Stifte, Farben-Auswahl und deren Einstellungen, weiters finden Sie das Haupt-Fenster in dem das eigentliche Bild bearbeitet wird und die Menüs mit allen Funktionen, sowie das Fenster mit zusätzlichen Werkzeugen wie etwa Pinsel, Ebenen, Pfade und so weiter:

GIMP unter Linux - Zusätzliche Werkzeuge

GIMP unter Linux - Zusätzliche Werkzeuge

Hier lassen sich zusätzliche Werkzeuge öffnen indem Sie das Menü "Fenster / Andockbare Dialoge" nutzen - im Bild oben an der Maus-Position öffnen sich diese in Reitern.

GIMP nutzen

Um ein bestehendes Bild zu öffnen klickt man dieses einfach im Dateimanager rechts an und wählt "Öffnen mit", in GIMP selbst nutzt man ganz einfach das Menü "Datei / Öffnen", für diverse Grund-Funktionen werde ich gleich einmal mit dem Menü "Datei / Neu" ein neues Bild erstellen:

GIMP unter Linux - Neues Bild erstellen

GIMP unter Linux - Neues Bild erstellen

Über den Schalter "Vorlagen" lässt sich die Größe des Bildes vordefiniert anlegen, oder die Größe manuell fest legen und über die erweiterten Einstellungen kommen Sie an weitere Anpassungen.

GIMP unter Linux - Grund-Funktionen

GIMP unter Linux - Grund-Funktionen

GIMP zeigt ein Bild standardmäßig so das man die komplette Grafik sieht, um diese zu vergrößern oder zu verkleinern nutzt man die Tasten "+" und "-" oder das Menü "Ansicht / Vergrößerung".

GIMP ist eine Software zur Bildbearbeitung und nicht zum zeichnen, so sind diverse Grund-Funktionen wie das Zeichnen von Linien, Rechtecken oder Kreisen etwas versteckt. Um eine Linie zu erstellen wählen Sie das gewünschte Werkzeug zum zeichnen wie etwa den Stift im Werkzeug-Fenster, klicken an den Start-Punkt, drücken nun die Umschalt-Taste, lässt die Maustaste los, zieht den Zeiger an den End-Punkt und klickt dort wieder. Um ein Rechteck oder einen Kreis, eine Ellipse oder ein Quadrat zu zeichnen wählen Sie die passende Auswahl, also die rechteckige oder die kreisförmige Auswahl die Sie beide ganz links oben im Werkzeug-Fenster finden, ziehen die passende Figur auf und wählen nun das Menü "Bearbeiten / Auswahl nachziehen" wo Sie die Stärke sowie weitere Eigenschaften anpassen können.

GIMP unter Linux - Grund-Funktionen - Linien, Kreise und Rechtecke

GIMP unter Linux - Grund-Funktionen - Linien, Kreise und Rechtecke

Auswahlen

Auswahlen dienen dazu wie deren Name schon sagt um Bereich im Bild auszuwählen, diese kann man dann etwa in ein anderes Bild einfügen oder gesondert vom restlichen Bild bearbeiten. Im Werkzeug-Fenster finden Sie diese mit den ersten sieben Icons:

GIMP unter Linux - Auswahlen

GIMP unter Linux - Auswahlen

Die erste wählt rechteckige Bereiche aus, die zweite kreisförmige, mit dem Lasso wählt man grobe Umrisse egal welcher Form aus, mit dem Zauberstab wählt man farblich zusammenhängende Bereiche aus, das fünfte lässt gleichfarbige Bereiche auswählen auch wenn diese nicht zusammen hängen. Mit der magnetischen Schere lassen sich Bereiche sehr genau auswählen egal welcher Form und Farbe und mit der siebenten wählt man Vordergründe aus.

Nun wollen wir beispielsweise einfach einmal in einem Bild etwas auswählen und in ein anderes integrieren. Ich wähle zum Beispiel das Gesicht dieser Dame mit der kreisförmigen Auswahl:

GIMP unter Linux - Auswahlen

GIMP unter Linux - Auswahlen

Diese Auswahl kann man gesondert vom restlichen Bild bearbeiten, also etwa die Filter aus dem Menü "Filter" anwenden oder solche aus dem Menü "Farben". Wir wollen die Auswahl in ein anderes Bild integrieren, dazu brauchen wir erst einmal ein weiteres Bild, in meinem Fall erstelle ich ganz einfach ein neues leeres.

Um das Bild nun vom restlichen zu trennen nutzen wir das Menü "Auswahl / Schwebend", nun zeigt sich im rechten Fenster ein weiterer Eintrag namens "Schwebende Auswahl":

GIMP unter Linux - Auswahlen

GIMP unter Linux - Auswahlen

Klickt man diesen Eintrag an und zieht ihn auf ein anderes Bild wird diese Auswahl dort abgelegt, um den Eintrag in der Liste sehen zu können muss genau das Bild im Vordergrund sein auf dem die Auswahl erstellt wurde, im einzel-Fenster-Modus wählt man den Reiter auf dem die Auswahl erstellt wurde und zieht den Eintrag auf den Reiter mit dem Bild wo diese abgelegt werden soll.

GIMP unter Linux - Auswahlen

GIMP unter Linux - Auswahlen

Speichern & Exportieren

GIMP kennt zwei Arten von Speichern, mit dem Menü "Datei / Speichern" wird eine Datei mit der Endung ".xcf" erstellt, dies ist ein GIMP-eigenes Dateiformat und nicht mit einem herkömmlichen Bild zu vergleichen. Es speichert nicht nur das eigentliche Bild sondern auch die Schritte mit denen man das Bild bearbeitet hat, öffnet man eine solche Datei wieder mit GIMP kann man dort weiter machen wo man aufgehört hat oder auch Schritte wieder rückgängig machen.

Möchte man tatsächlich ein fertiges Bild speichern nutzt man stattdessen das Menü "Datei / Exportieren":

GIMP unter Linux - Speichern & Exportieren

GIMP unter Linux - Speichern & Exportieren

Man gibt den Namen der Datei sowie die passende Endung (beispielsweise ".jpg" oder ".png") an, gibt an wo die Datei gespeichert werden soll und klickt auf "Exportieren". Auch die Möglichkeit "Datei / Dateiname.Endung überschreiben" besteht, dabei wird einfach das Original überschrieben.

Ebenen

Ebenen kann man in etwa so sehen wie wenn man durchsichtige Folien mit unterschiedlichen Zeichnungen übereinander legt, man kann eine einzelne Folie bearbeiten / verändern ohne die anderen zu beeinträchtigen. In GIMP erstellt man solche einfach über das Menü "Ebene / Neue Ebene"

GIMP unter Linux - Ebenen

GIMP unter Linux - Ebenen

Im sich öffnenden Fenster lassen sich hier nun die dafür nötigen Einstellungen anpassen, dazu zählt zum Beispiel die Transparenz, die Deckkraft und noch viel mehr. Die neue Ebene wird nun in der Liste rechts angezeigt, per Klick wechselt man zwischen diesen und bearbeitet jede extra.

Farben

Um Farben zur Bearbeitung - etwa zum zeichnen anzupassen finden Sie im Werkzeug-Fenster zirka in der Mitte liegend die zwei größten übereinander liegenden Icons, ein Klick auf das oben liegende wählt die Farben für den Vordergrund und das darunter liegende passt die Hintergrund-Farbe an.

GIMP unter Linux - Farben anpassen

GIMP unter Linux - Farben anpassen

Passen Sie die gewünschte Farbe an, klicken dann auf den Schalter mit dem Pfeil, die Farbe wird zur Palette rechts unten im Fenster hinzu gefügt - hier werden auch weitere erstellte eingefügt um wieder schnell zu diesen zu kommen, klicken dann auf die Farbe in der Palette und klicken auf "OK", nun wird die Farbe genutzt.

Schritte rückgängig machen

Jeder Schritt den man unter GIMP erstellt hat lässt sich rückgängig machen, dazu findet sich im Werkzeug-Fenster unter den Farben-Icons der Reiter "Journal" der sich über das Menü "Fenster / Andockbare Dialoge" aktivieren lässt. Hier werden alle Schritte angezeigt, ganz unten finden Sie Schalter mit denen Sie die Schritte rückgängig machen können.

GIMP unter Linux - Schritte rückgängig machen

GIMP unter Linux - Schritte rückgängig machen

Einstellungen

Die Einstellungen die Sie im Menü unter "Bearbeiten / Einstellungen" finden richten nicht nur die Software selbst ein sonder auch Eingabe-Geräte wie etwa ein Grafik-Tablett oder unter anderem auch die Optik der Software unter "Oberfläche / Thema", hier finden sich bereits einige Designs für Oberfläche und Icons:

GIMP unter Linux - Einstellungen

GIMP unter Linux - Einstellungen

Nicht jeder Nutzer ist mit der heutigen grafischen GUI - also mit dem Design von GIMP zufrieden, diese sowie die Icons lassen sich heute extra anpassen, einige Skins sind bereits installiert. Ein Klick auf das gewünschte und die Einstellungen sind aktiv, weitere finden Sie unter GIMP Skins zum Download. Entpacken Sie das jeweilige komprimierte Archiv und speichern das entpackte Verzeichnis unter "/home/user/.config/GIMP/themes/", starten Sie GIMP neu und Sie finden in den Einstellungen das oder die neuen Themas.

Beispiele folgen demnächst