Leseprobe "Freitagsflug"

Ricardo Bauer hatte alles selbst erlebt, mit seinen Augen gesehen, ihre aufgeregten Stimmen gehört, und doch konnte er es nicht glauben, nicht begreifen.

Der Tag hatte angefangen wie so viele in seinen jetzt schon 23 Dienstjahren, Weckerläuten um 6.15 Uhr und somit nach seiner inneren Uhr mindestens zwei Stunden zu früh, aussichtloser Kampf gegen die Müdigkeit bis zur ersten Tasse Kaffee im Büro, Morgenbesprechung mit den Kollegen, alles war wie gewohnt, war wie immer.

Doch dann waren sie gekommen, wie ein Rollkommando in die Büros seiner Dienststelle, die Beamten des Landeskriminalamtes, Schreibtisch für Schreibtisch, Schrank für Schrank und Aktenkoffer für Aktenkoffer, alles hatten sie wie auf einem Seziertisch zerlegt. Drei Beamte standen in seinem Büro, das er sich mit seinem Kollegen Kroll teilte. Die Neonlampen strahlten ein kaltes Licht auf die grauen Möbel, draußen begann der Tag, eingehüllt in zähen Nebel.