Der Fürst-Bismarck-Turm

auf dem Keilberg

05.09.1897

Die Geschichte unseres Turmes auf dem Keilberg beginnt im Jahre 1879. Am 04. August des genannten Jahres wurde auf dem Gleesberg ein 13 Meter hoher hölzerner Aussichtsturm errichtet. Ein Jahr später kam noch eine Schutzhütte dazu.

Da es ständig Reparaturen gab und auch das Interesse der Bevölkerung nicht sehr hoch war, kam es 1892 zum Abriss dieses Turmes. Am 12. April 1893 beschloss der Vorstand des Erzgebirgsvereins, welcher am 15. Mai 1878 gegründet wurde, einen neuen Aussichtsturm zu bauen, jedoch sollte dieser auf dem gegenüberliegenden Schneeberger Keilberg stehen.

So kam es zum Streit und die Neustädtler Heimatfreunde gründeten einen Zweigverein EV Neustädtel und bauten ihren Turm auf dem Gleesberg.

aus Richtung Wildbach gesehen

Die Bauleitung unseres Keilbergturmes übernahm Baumeister Carl Eduard GÖRLING aus Schneeberg und Mitglied des EV.

Am 31. August 1893 wurde der Turm als „Keilbergturm“ geweiht.

Die Kosten für den 21m hohen Turm betrugen 4428 Mark, wovon 3132 Mark vom Verein getragen wurden, 500 Mark wurden von der Stadtverwaltung Schneeberg übernommen und die restliche Summe von 796 Mark wurde durch den Vorabverkauf von Eintrittskarten finanziert.

Den Grund und Boden, sowie die Bruchsteine, die aus dem nahegelegenen Steinbruch kamen, stellte die Stadtverwaltung Schneeberg kostenlos zur Verfügung. Auch wurde der Turmhügel bepflanzt und eine parkähnliche Fläche mit Wegen und Bänken angelegt.

Um für den herrlichen Panoramablick auf dem Turm steigen zu können, bezahlten Kinder 5 Pfennig und Erwachsene 10 Pfennige. Die Mitglieder des EV konnten Jahreskarten kaufen.

Mit der Verwaltung des Turmschlüssels wurde der Pächter des nahegelegenen „Marienhof“ betraut.

Stadtblick 2019
Blick Richtung Wildbach

Am 16. August 1899 bekam der Turm einen neuen Namen und wurde feierlich in „Fürst BISMARCK-Turm“ geweiht. Ein gusseisernes Reliefbild des „eisernen Kanzlers“ wurde über dem Eingang angebracht.

Im Jahre 1900 wurde endlich auch ein „Unterkunftshaus“ am Turm errichtet, wo sich die vielen Spaziergänger und Besucher des Turmes erfrischen und stärken konnten. Am Pfingstsonntag, am 03. Juni 1900 wurde dies von Baumeister Oskar PUSCHMANN (1845-1906) aus Johanngeorgenstadt, mit 60 Sitzplätzen übergeben. Der erste Gastwirt wurde Alfred BARTH.

Nur 5 Jahre später wurde eine Erweiterung des Restaurants durch eine Holzveranda nötig. Und ab 1906 bekam die beliebte Ausflugsgaststätte eine telefonische Verbindung.

Am 18. August 1909 veranstaltet der EV S ein gelungenes Sommerfest, welches mit einem Feuerwerk und einem Lampion Zug zurück in die Stadt endet.

Durch den 1. Weltkrieg kam es zu Mitgliederschwund im EV S und der Turm wurde der Stadt Schneeberg im Jahre 1918 geschenkt.

Im Juli 1921 veranstaltet der Männergesangsverein „Liedertafel“ einen Liederabend.

Am 06. Juli 1923 wurde eine Vergrößerung des Gasthauses eingeweiht und eine „Schneeberger Ecke“ in der Gaststube eingerichtet.

Am 03. März 1944 kam es in der Nähe des „Fürst BISMARCK-Turmes“ zu einem Bombennotabwurf eines Feindflugzeuges.

In der Nachkriegszeit wechselten oft die Pächter und auch der Turm musste geschlossen werden, da er Zusehens reparaturbedürftig war und zum Teil durch Vandalismus zerstört wurde.

Erst nach der Wende wurde er renoviert und neu eröffnet.

Am 29. August 1993 fand eine Veranstaltung zum 100jährigen Jubiläum statt.

Blick vom Turm zur "Goldenen Höhe" (Mitte) über Griesbach

© Ina GEORGI, Heimatforscherin & Stefan S. ESPIG, Genealoge, im Juli 2019