Ein Vöglein als Mörder

Sachen gibt`s, die gibt`s gar nicht! Ein besonderer Fall dessen unglaublichen Vorkommnisses fand ich bei der Ausarbeitung des Sterbejahres 1720. Auf Seite 564 unter Nummer 73 wurde der 12jährige Sohn des Herrn FLÖßEL mit dessen Flinte erschossen. Ein kleines Vöglein setzte sich auf den gespannten Hahn, der neben ihm liegenden geladenen Flinte und lößte den Schuss versehentlich aus - tragischer geht`s kaum!

Casus tragicus

"FLÖßEL, Johann Gottfried, im 12ten Jahr, Sohn des Herrn Georg FLÖßEL, Königl. Poln. u. Churf. Sächßl. Marckscheider, auch Schichtmeister und KnapschafftVorsteher alhier, wurde den 12. Junÿ von seinem Vater in deßen Verrichtung hinüber in die Zelle bey der Aue zu Hrn. HEINZen, ein Fuhrmann und Brethhändler geschicket, alda Er mit deßen Sohne und noch einen Knaben beyde etwa gleiches Alter mit diesen, mit einer alda von der Wand mit Schrot geladenen herunternommenen Flinten uffs feld hinaus, einem Vögelein noch von das aber mit der Flinten zurück in den Garten gegangen, sich niedergesetzet, die Flinte mit noch auffgeschlagenen Hahn neben sich niedergeleget, da denn die Flinte unversehens etwa berühret, loß - und der Schoß ihme in Leib gegangen; von dannen, als Er des andern Tages zu seinem Vater hieher gebracht und ins bette geleget worden, hat er balde so gleich seinen Geist den 13. dito darüber auffgeben müßen; deßen entseelter Cörper wurde den 14. dito Christl. zur Erden bestattet."

© Stefan S. Espig, Genealoge - St. Wolfgang, 2018