Der Stadtbrand & seine Opfer

Auch auf der Seite 548 im Sterberegister des Kirchenbuches St. Wolfgang finden sich Hinweise zum großen Stadtbrand 1719 in Schneeberg:

"NB Den 13. Augusti gleich am 10. Sontag Trinit. war das große Feuer, davon morgen frühe um 1. bis 4. Uhr in 3. Stunde fast die gantze Stadt, nebst den beyden Kirchen, Rathhauß, Hospital, lateinischen Schulen, aller Hll Geistlichen u. Schuldiener, auch Kirchner-Wohnungen, nebst allen andern Commungebäuden in die Asche geleget worden, auch alle Glocken bey beyden Kirchen zerschmoltzen"

Die ansässige Familie SCHREIBER traf es wohl bei dieser Katastrophe besonders schwer. Im Sterberegister fand ich einige Einträge zur Familie.

Genealogisches Fundstück vom 13. August 1719, auf Seite 549 Nummer 71:

"SCHREIBER, Johanna Regina, Tochter des verstorbenen Andreas SCHREIBER, Bürger u. Glaser alhier, ist den 13. Augustÿ beym großen Brandt im Feuer umkommen, deren zusammen gesammle Gebeine wurden, auf Concession des Herrn Superintendenten, den 16. Augusti, Abends in der Stille beygesetzet, darbeÿ aber der Gang mit 2. Priestern, und 1. Schuldiener, auch das Mitlere Geläut bezahlt; weil aber kein Geläut mehr ist, wurde auch wie künfftig, vor die Läutern und dem Thürmer nichts bezahlt."

Genealogisches Fundstück vom 18. August 1719, Seite 549, Nummer 72:

"SCHREIBER, Rosina, die Witwe des verstorbenen Andreas SCHREIBER, Bürger u. Glaser alhier, welche gleichfals beym großen Brandt so elendiglich zugerichtet ward, daß sie den 18. Augustÿ ihren geist darüber auffgeben müßen, wurde den 20. dito zur Erden bestattet, und weil zu besorgen, daß bey denen LeichenPredigten, wenn sie auf den Gottesacker gehalten würden, Regenwetter ainfallen möchte, wurde von Hrn. OberPfarrer angeordnet, daß bey solchen Fällen, die Leichen bis zu der Spitalkirche an das Spittal-Thor zur Erdenbestattung begleitet werden solten, so dann sollten die Leichenbegleiter im Process zurück herauff in die obern Kirche zu Anhörung der LeichenPredigt und Abdanckung folgen und that also Hr. WITTIG vorm Hr Mag. SCHINDLER die LeichenPredigt."

Genealogisches Fundstück vom 25. August 1719, Seite 550, Nummer 75:

"SCHREIBER, Maria Rosina, Tochter des verstorbenen Andreas SCHREIBER, Bürger u. Glaser alhier, welche gleichfals beym großen Brandt so elendiglich zugerichtet ward, daß sie den 25. Augusti ihren Geist darüber auffgeben müßen, wurde den 27. dito mit einer Leichenpredigt, welche Hr. Mag. HOCH that, auff die Art und Weise, wie N° 72. ihre Mutter, zur Erden bestattet."

Aber auch Unglücksfälle zogen die Aufräumarbeiten in der Stadt nach sich. Johannes OETTEL half dabei die verkohlte Kirche zu säubern und stützte von einer langen Leiter auf die Stühle im Kirchenschiff. Er erlag seinen schweren Verletzungen Tage später.

Genealogisches Fundstück vom 25. Oktober 1719, Seite 550, Nummer 76:

"OETTEL, Hannß, Bürger, Schuhmacher u. Handarbeiter, ein Ehemann, fiel den 17. Augusti da er nach dem großen Brandt inwendig der Kirche abkehren halffe, an einen Pfeiler mit einer langen Fahrt von oben herab auff die Stühle hernieder, darüber er den 25. Augusti seinen Geist auffgeben mußte, wurde den 28. dito zur Erden bestattet."

© Stefan S. ESPIG, Genealoge - St. Wolfgang, im Februar 2018