Auswirkungen auf die Umwelt

Alle Lebewesen stehen zu gewissem Grad in Wechselwirkung mit ihrer Umwelt. Das heißt, ihr Verhalten verändert die Umwelt mehr oder weniger stark, und Umweltbedingungen wirken sich wiederum auf sie, ihr Verhalten, ihre Überlebens- und Fortpflanzungschancen aus.

Wechselwirkungen zwischen dem Verhalten von Lebewesen und ihrer Umwelt.

Alle Lebewesen sind auch an bestimmte Umweltbedingungen angepasst. Einige Arten sind "Spezialisten" und können nur unter sehr eng definierten Umweltbedingungen existieren. Andere Arten sind "Generalisten" und können in unterschiedlichen Bedingungen existieren. Menschen sind Generalisten, denn dank unserer Fähigkeit für kulturelle Evolution bewohnen wir so gut wie alle Gebiete der Erde. Dennoch ist unsere Flexibilität nicht grenzenlos. Veränderungen von Umweltbedingungen in der Zukunft, wie Klima und die Zunahme von Extremwettererscheinungen, Erhöhung des Meeresspiegels, Veränderung von Meeresströmungen und Landmassen, Wüstenbildung, Erosion, Rückgang des Grundwasserspiegels, sind eine Herausforderung für die nachhaltige Entwicklung unserer Art.

Viele Lebewesen “schaffen” sich ihre Umwelt durch ihr Verhalten selbst. Beispiele sind Regenwürmer, die durch ihre Bewegungen die Erde auflockern, und damit für Sauerstoffzufuhr sorgen; Tiere, die Nester, Erdlöcher, Netze und Baue schaffen; Biber, die ihre Dämme bauen, und damit ganze Ökosysteme schaffen, von denen die Biber wiederum für ihr Überleben und ihre Fortpflanzung abhängig sind. Wenn Lebewesen an bestimmte Umweltbedingungen angepasst sind, und durch ihr Verhalten diese Umweltbedingungen verändern, haben sie weniger hohe Überlebens- und Fortpflanzungschancen als solche, die sich ihre Umweltbedingungen erhalten. So können durch natürliche Selektion im Laufe der Evolution Wechselbeziehungen zwischen Organismen und Umwelt entstehen, die über Jahrmillionen überdauern können.

Wir Menschen verändern und schaffen ebenfalls unsere eigene Umwelt. Dank der immer besseren Technologien hatten wir immer effektivere Möglichkeiten, unsere Umwelt zu verändern, und so unsere Lebensbedingungen zu verbessern - wir nutzten Feuer, rodeten Bäume, bauten Behausungen, jagten große Tiere, stellten Kleidung her, bauten Pflanzen an, bauten Dämme, usw. Durch kumulative Kultur und kulturelle Evolution wurden unsere Technologien soweit verbessert, dass unser Verhalten unsere eigene Umwelt immer stärker veränderte. Wenn bestimmte Ressourcen nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden waren, zogen Menschen weiter, erschlossen neue Gebiete oder neue Ressourcen.

Insbesondere die Nahrungsproduktion durch Landwirtschaft veränderte unsere Umwelt grundlegend. Auch das schnelle Wachstum unserer Population führte dazu, dass das Verhalten von immer mehr Menschen Auswirkungen auf die gemeinsame Umwelt hatte. Außerdem können wir heute kaum noch neue Gebiete erschließen - bei vielen Ressourcen wir sind fast an der Grenze der Tragfähigkeit unserer Erde angekommen. All dies geschah - aus evolutionsgeschichtlicher Sicht - in einem relativ kurzen Zeitraum.

Aufgrund unserer Evolutionsgeschichte können wir zwar gut innerhalb von kleinen Gruppen dafür sorgen, dass wir unsere gemeinsamen Ressourcen teilen und aufrechterhalten. Doch für uns ist es eine Herausforderung, die Auswirkungen von unserem Handeln in immer größeren Gruppen zu überblicken, und unser Verhalten gemeinsam in großen Gruppen zu regeln. Die Entwicklung von Normen und Institutionen, die das Zusammenleben und die Ressourcennutzung auf regionaler und internationaler Ebene regeln können, ist daher ein wichtiges Element für nachhaltige Nutzung von globalen Ressourcen und den Erhalt von Ökosystemen.

Das Ziel 2 der globalen Nachhaltigkeitsziele ist es, den Hunger in der Welt zu beenden.

Das Ziel 12 der globalen Nachhaltigkeitsziele ist es, unseren Konsum und Produktion nachhaltiger zu gestalten.

Das Ziel 14 der globalen Nachhaltigkeitsziele ist es, Ozeane, Meere und Meeresressourcen nachhaltig zu nutzen und zu erhalten.

Das Ziel 15 der globalen Nachhaltigkeitsziele ist es, Land und Wasserökosysteme zu schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig zu bewirtschaften, Wüstenbildung zu bekämpfen, Bodendegradation zu beenden und umzukehren und den Verlust der biologischen Vielfalt zu beenden.

Wie können wir gleichzeitig erreichen, dass alle Menschen Zugang zu hochwertigen Nahrungsmitteln und anderen wichtigen Ressourcen haben, aber unsere Ernährung und Konsumverhalten keine negativen Auswirkungen auf ländliche und aquatische Ökosysteme haben?

Welche Rolle können und sollten unsere Technologien, gemeinsam etablierte Regulierungen, soziale Normen, unser eigenes Verhalten, Medien und Bildung spielen?

Landnutzung für Landwirtschaft

Die Nahrungsproduktion durch Landwirtschaft veränderte grundlegend die Auswirkungen unserer Ernährungsweise auf die Umwelt. Waldflächen und andere Ökosysteme mussten für Pflanzenbau und Weidewirtschaft weichen, und Nahrungsmittelproduktion auf diesen Flächen veränderte den Boden, Wasserhaushalt, die örtliche Flora und Fauna.

Technologien für die Nahrungsmittelproduktion erhöhten den Verbrauch an Energie und Wasser. So trägt Landwirtschaft maßgeblich zum Klimawandel bei.

Das anhaltende Bevölkerungswachstum erfordert zudem eine Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion um ca. 70 % bis zum Jahr 2050. Heute leiden ungefähr 800 Millionen Menschen an Hunger oder Unterernährung. Gleichzeitig wird weltweit etwa ein Drittel der erzeugten Nahrungsmittel weggeworfen.

Einige Menschen denken z.B., wir sollten weiter in Technologien investieren, die uns erlauben, mehr hochwertige Nahrung aus einem Hektar “herauszuholen”, so dass wir die vorhanden Anbauflächen nicht vergrößern müssen. In ähnlicher Weise könnten verbesserte Technologien und die Züchtung von Sorten dafür sorgen, dass Nahrungsmittel länger haltbar bleiben und weniger der produzierten Nahrung weggeworfen wird.

Andere Menschen meinen, wir sollten aufhören, in energieintensive Technologien für Landwirtschaft zu investieren, da diese ungewisse Auswirkungen auf Ökosysteme haben können. Nach ihnen sollten wir eher zu weniger intensiven landwirtschaftlichen Methoden zurückkehren, oder Prozesse in bestehenden Ökosystemen ausnutzen, die unserer Nahrungsmittelproduktion dienen können. Dies würde aber womöglich eine Ausweitung an landwirtschaftlichen Flächen erfordern, um den Nahrungsbedarf einer wachsenden Bevölkerung zu decken, und könnte somit ebenfalls weitreichende Auswirkungen auf Ökosysteme haben.

Andere Menschen meinen, dass der beste Weg für die nachhaltige globale Ernährungssicherung ist, wenn wir unsere Ernährung umstellen, z.B. weniger Fleisch, Fisch und Milchprodukte essen oder mehr Insekten essen. In ähnlicher Weise sollten wir unser Verhalten ändern, um weniger Nahrungsmittel wegzuwerfen. Verhaltensänderungen sind aber eine Herausforderung für den Einzelnen, wenn nicht gleichzeitig Bedingungen geschaffen werden, die diese Verhaltensänderungen unterstützen - z.B. durch gemeinsam etablierte Regulierungen und Institutionen.

Wiederum andere meinen, durch Technologie können wir in Zukunft unsere Nahrung produzieren, ohne dass wir auf Pflanzenanbau und Viehwirtschaft angewiesen sind, welche in Ökosysteme eingreifen, z.B. durch Biotechnologie und Zellkulturen. Allerdings ist ungewiss, ob diese Art der Nahrungsmittelproduktion mehr oder weniger energieaufwändig ist und damit mehr oder weniger zu Klimawandel beitragen würde als "traditioneller" Pflanzenbau und Viehwirtschaft.

Auswirkungen auf Atmosphäre und Klima

Eine besondere Auswirkung auf die Umwelt hat unsere Nutzung von fossilen Brennstoffen. Innerhalb eines Jahrhunderts ist die Nutzung so stark angestiegen, dass der dadurch verursachte Ausstoß an CO2 und anderen Treibhausgasen das gesamte globale Klima verändert. Von diesen Auswirkungen sind Menschen und Ökosysteme auf der ganzen Welt mehr oder weniger stark betroffen. Dies erfordert heute, dass wir Wege finden, auf der globalen Ebene zusammenzuarbeiten, um die Veränderung des Klimas in Grenzen zu halten, oder um uns an neue Klimaverhältnisse anpassen zu können.

Das Ziel 13 der globalen Nachhaltigkeitsziele ist es, Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen zu ergreifen.

Welche Rolle können und sollten unsere Technologien, gemeinsam etablierte Regulierungen, soziale Normen, unser eigenes Verhalten, Medien und Bildung spielen?

Verlust von Biodiversität

Unser Ressourcenverbrauch, unsere Technologien und unsere wachsende Bevölkerung haben immer dramatischere Auswirkungen auf Ökosysteme.

Der Verlust und die Fragmentierung von Lebensräumen durch die Umwandlung von Land für landwirtschaftliche Zwecke, direkte Nutzung für Nahrung, Bau, Medizin, Gartenbau, Tourismus, Handel und andere Zwecke, Umweltverschmutzung durch schädliche Stoffe, Klimawandel und die Einführung invasiver Arten gelten als die Haupttreiber für den globalen Verlust der biologischen Vielfalt.

Die IUCN (International Union for Conservation of Nature) Rote Liste gefährdeter Arten ist die weltweit umfassendste Informationsquelle zum weltweiten Erhaltungszustand von Tier-, Pilz- und Pflanzenarten.

Über das IBAT (Integrated Biodiversity Assessment Tool) hat man Zugang zu einer Reihe von Daten über Schutzgebiete, biologische Informationen über Lebensraum- und Biodiversitätstindizes und Kernzonen für Biodiversität in allen Ländern der Welt.

Tipps für den Unterricht:

  • SchülerInnen erstellen eine Präsentation oder ein Poster über eine konkrete gefährdete Art, Gruppe von Arten, oder über die Biodiversität einer bestimmten Region.
    • Unter https://www.iucnredlist.org/search können SchülerInnen nach Art, Region, Rote Liste Status, Art von Bedrohung und Schutzzustand sowie anhand vieler weiterer Suchkriterien suchen, und Informationsdokumente über ausgewählte Arten herunterladen. Um Suchen zu speichern und für weitere Funktionen muss man sich auf der IUCN Rote Liste website für ein kostenloses Nutzerkonto registrieren.
    • Auf der IBAT Länderprofil-Seite https://conservation.ibat-alliance.org/nbsap/display kann man Länderreports herunterladen. Diese enthalten Informationen über die in den Ländern vorkommenden gefährdeten Arten, endemische Arten, Art von Bedrohungen, Informationen über Schutzgebiete, Biodiversität-Hotspots und Art der Governance-Systeme. Um weitere Informationen zu nutzen, z.B. die Visualisierung von geographischen Karteninformationen, muss man auf der Website ein kostenloses Nutzerkonto anlegen (https://www.ibat-alliance.org/subscriptions).
  • Im Geographieunterricht können Sie die Aufgabe möglicherweise auf eine bestimmte Region oder ein bestimmtes Land eingrenzen. In Biologieunterricht können Sie die Aufgabe möglicherweise auf bestimmte Arten oder Ökosysteme eingrenzen. Im Sozialkunde- oder Wirtschaftsunterricht können Sie die Aufgabe möglicherweise auf bestimmte Arten der menschlichen Nutzung und des Artenhandels oder auf bestimmte Arten von Erhaltungsmaßnahmen und Governancesystemen eingrenzen.
  • Welche vom Aussterben bedrohten Arten gibt es in einem Zoo, oder in einem botanischen Garten, in deiner Nähe? Wähle bei Deinem nächsten Zoobesuch eine der gefährdeten Arten aus, informiere Dich auf den IUCN- oder IBAT-Webseiten über die Art bzw. das Verbreitungsgebiet der Art und erstelle ein Poster (mit Fotos und anderen Informationen, die Du auch bei Deinem Zoobesuch gesammelt hast).

Auswirkungen von Technologien: Plastik

Eine weitere, durch unsere Technologien geschaffene, ungeahnte Auswirkung auf die Umwelt ist die globale Produktion von Plastik. Die Erfindung von Plastikherstellung aus Mineralöl war ein Durchbruch für die Industrie, denn dieses flexible, leichte, unzerbrechliche, billige Material vereinfachte den Transport von Nahrung und anderen Dingen und die industrielle Verarbeitung. Allerdings ist Plastik verglichen mit anderem Material, extrem schwer biologisch zersetzlich. So sammelt sich Plastik immer mehr in der Umwelt an und gefährdet ländliche und aquatische Ökosysteme . Der größte Anteil an Plastikmüll wird derzeit weggeworfen und nur etwa 20% wird recycled.

Das Ziel 12 der globalen Nachhaltigkeitsziele ist es, unseren Konsum und Produktion nachhaltiger zu gestalten.

Welche Rolle können und sollten verbesserte Technologien, gemeinsam etablierte Regulierungen, soziale Normen, unser eigenes Verhalten, Medien und Bildung spielen, um unseren Plastikkonsum und die Auswirkungen unserer Plastikproduktion auf Ökosysteme zu senken?