Unterrichtsmaterialien zu

Gegenwart und Zukunft

Um die Gegenwart und Zukunft der Menschheit zu verstehen, müssen wir die Ursache-Wirkungs-Beziehungen zwischen menschlichem Verhalten, Technologien und Umweltbedingungen verstehen.

Die Evolution hört nicht auf: Ursache-Wirkungs-Beziehungen zwischen unserem Verhalten, unserem Wohlbefinden, unserer sozialen und natürlichen Umwelt, und unseren kulturellen Institutionen und Technologien haben uns als Art geprägt, prägen unsere Gegenwart, und werden unsere Zukunft prägen. Diese Beziehungen sind komplex, und erstrecken sich oft über größere Raum- und Zeitdimensionen. So sind Auswirkungen nicht immer so, wie wir sie erwarten oder gern hätten.

Insbesondere in der jüngeren Geschichte unserer Art können wir viele drastische Veränderungen beobachten. Die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen erfordern, dass wir diese Ursache-Wirkungs-Beziehungen verstehen, so dass wir sie “in die Hand nehmen”, und bewusst in eine Richtung lenken können, die wir alle wollen.

Die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten NationenBildquelle: UN Department of Public Information (Guidelines)

Welche Ziele für nachhaltige Entwicklung sind den Menschen in der Welt am wichtigsten? Welche Ziele sind dir am wichtigsten?

In einer globalen Online-Befragung der Vereinten Nationen können Menschen ihre Meinung mitteilen.

Unterrichtstipps:

  • Die Klasse erhebt die anonymen Meinungen aller SchülerInnen und wertet die Ergebnisse aus. Fragebogen
  • Anschließend werden die Ergebnisse mit den globalen Ergebnissen, oder den Ergebnissen des eigenen Landes oder anderer Untergruppen verglichen. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es? Warum könnten sich die Umfrageergebnisse zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen unterscheiden?
  • Was sagen uns die Ergebnisse dieser Umfrage über die Herausforderungen für die Lösung globaler Nachhaltigkeitsprobleme (z.B. Klimawandel)?

Das Positive ist, dass wir heute Dank unterschiedlichster wissenschaftlicher Disziplinen viel über diese Ursache-Wirkungs-Beziehungen wissen. Wir können erfassen, welche Auswirkungen unsere Verhaltensweisen und Technologien auf unser Wohlbefinden und unsere Umwelt haben. Welche Fortschritte gibt es? Wo sind die größten Herausforderungen, die größten Chancen, die größten Stärken und Schwächen? In welchen dieser Faktoren besteht für uns, als Individuen und als Gemeinschaften, die Möglichkeit, bewusst einzugreifen, um die Welt und unser Leben in eine positive Richtung zu verändern?

Our World in Data (2019) (eigene Übersetzung)

Ursache-Wirkungs-Beziehungen und Rückwirkungen

Unter den Wechselbeziehungen zwischen Umweltbedingungen und Lebewesen, und zwischen verschiedenen Merkmalen, findet man oft sogenannte Rückwirkungen oder Rückkopplungen. Bei Rückwirkungen gibt es nicht nur eine Beziehung von Ursache zu Wirkung, sondern auch eine Beziehung von Auswirkung zurück zur Ursache.

Positive Rückwirkungen sind Prozesse, die sich selbst verstärken - je mehr von etwas vorhanden ist, desto mehr davon wird erzeugt, bzw. je weniger von etwas vorhanden ist, desto weniger wird erzeugt. Ein Beispiel ist exponentielles Wachstum einer Population. Viele der Veränderungen in der heutigen Welt sind Ergebnis von positiven Rückwirkungen.

Negative Rückwirkungen sind Prozesse, die sich selbst dämpfen - je mehr von etwas vorhanden ist, desto weniger davon wird erzeugt, oder andersherum. Ein Beispiel ist die Wechselbeziehung zwischen Räuber-und Beute-Populationen. Negative Rückwirkungen sorgen dafür, dass sich komplexe Systeme, z.B. Lebewesen und Ökosysteme, selbst regulieren können. Viele Regulationsprozesse unseres Körpers sind daher Beispiele für negative Rückwirkungen.

Die Worte “positiv” und “negativ” haben also nichts damit zu tun, ob eine Rückwirkung “gut” oder “schlecht” ist, sondern beschreibt lediglich die Dynamik:

  • positiv heißt “mehr führt zu mehr” oder “weniger führt zu weniger”
  • negativ heißt “mehr führt zu weniger” oder “weniger führt zu mehr”.

Wenn eine positive Rückkopplung etwas verstärkt, dass wir Menschen als “schlecht” erachten, redet man oft von einem “Teufelskreis” oder einer “Abwärtsspirale”.

Wenn anders herum eine positive Rückkopplung etwas verstärkt, dass wir Menschen als “gut” erachten, redet man oft von einer “Aufwärtsspirale”.

Viele der Veränderungen in der heutigen Zeit sind Ergebnis von positiven Rückwirkungen. Einige davon gehen in eine Richtung, die wir als "positiv" erachten - sie stellen Fortschritte in der Erreichung unserer gemeinsamen Ziele dar. Andere davon gehen in eine Richtung, die wir als "negativ" erachten - sie stellen Herausforderungen in der Erreichung unserer gemeinsamen Ziele dar.

Wie beeinflussen unsere soziale und natürliche Umwelt, unser Verhalten, unsere Technologien und Institutionen, unsere Wahrnehmung sich gegenseitig?

Mithilfe von Ursache-Wirkungs-Diagrammen können Lehrende und Lernende über konkrete Beziehungen zwischen diesen Faktoren in einem konkreten Kontext reflektieren, und Möglichkeiten erörtern, wie wir die Entwicklung dieser Faktoren bewusst beeinflussen können, individuell und als Gemeinschaft.

Trends und Wechselbeziehungen in der jüngeren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Unterrichtstipp: Gruppenpuzzle (Jigsaw-Methode, https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppenpuzzle)

  • SchülerInnen bilden Stammgruppen von 5 SchülerInnen. Die Aufgabe der Gruppe ist es, ein informatives Poster zum Ursache-Wirkungsgefüge zwischen menschlichem Sozialverhalten, menschlicher Wahrnehmung, Technologien, Populationsgröße, Institutionen, Ressourcenverbrauch, und Auswirkungen auf die Umwelt zu erstellen.
  • Jede/e SchülerIn einer Gruppe wird Experte für einen Teil des gesamten Ursache-Wirkungsgefüges (möglicherweise können die Gruppen angeregt werden, sich selbst zu organisieren und zu entscheiden, wer Experte zu welchem Thema werden soll oder will). Jeder Experte beschäftigt sich zunächst selbständig mit einer der unten folgenden Gruppen von Wechselbeziehungen.
  • Die Experten bilden Expertengruppen. Bei Internetzugang können SchülerInnen im Internet nach weiteren Informationen zu den Themen und deren Wechselbeziehungen suchen. Die Aufgabe der Expertengruppe ist es, ihren Teil des Ursache-Wirkungsgefüges (insbeondere die Ursache-Wirkungszusammenhänge zwischen Faktoren) zu verstehen, um ihn anschließend den Mitschülern in ihrer Stammgruppe zu erklären. Durch Diskussion gleichen alle Mitglieder einer Expertengruppe ihr Verständnis zu bestimmten Fachbegriffen und zum gesamten Thema ab.
  • Die Experten kehren zu ihrer Stammgruppe zurück und tragen die Erkenntnisse über ihr Spezialthema vor. Alle anderen hören dem Experten aufmerksam zu und können Fragen stellen. Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Spezialthemen werden dabei identifiziert. Schließlich trägt die Gruppe alle Erkenntnisse der Experten in einem Ursache-Wirkungsgefüge zusammen und erstellt ein informatives Poster.

Im Anschluss an diese Gruppenarbeit, oder aber auch als Teil davon, diskutieren SchülerInnen folgende Fragen:

  • Wie könnten diese Ursache-Wirkungs-Beziehungen die zukünftige Entwicklung der Menschheit beeinflussen?
  • Was sollten und können wir tun, als Einzelne und als Gemeinschaft, um diese Ursache-Wirkungs-Beziehungen in eine Richtung zu lenken, die wir alle wollen?

Unsere durch Evolution entstandenen Fähigkeiten für Kommunikation, soziales Lernen und Lehren ermöglichten die kulturelle Evolution: Technologien und kulturelles Wissen sammeln sich an, werden an Folgegenerationen weitergegeben, und erhöhen die Innovationsfähigkeit unserer Art.

Technologien veränderten die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, und auch wie und was wir lernen. Bildung und Kommunikation erhöhen die Verbreitung von Technologien und Wissen, und führen wiederum zu neuen technologischen und kulturellen Innovationen.

Welche Rolle spielen Bildung, Kommunikation und Innovationsfähigkeit für die Zukunft der Menschheit? Wie können wir gewährleisten, dass alle Menschen Zugang zu guter Bildung haben?

Unser durch Evolution entstandenes Sozialverhalten erlaubt uns, uns mit vielen Menschen zu vernetzen. Durch soziale Vernetzung und soziales Lernen (insbesondere Nachahmung) wird die Verbreitung von Technologien und kulturellen Wissens ermöglicht. Dies erhöht die Innovationsfähigkeit unserer Art. Technologien erlaubten wiederum eine zunehmende soziale Vernetzung, welche sich heute über die globale Ebene erstreckt.

Welche Rolle spielt die soziale Vernetzung für die Zukunft der Menschheit? Wie können wir gewährleisten, dass soziale Vernetzung v.a. positive Auswirkungen auf unser Wohlbefinden und unsere Anpassungsfähigkeit haben?

Unsere Technologien und angesammeltes kulturelles Wissen erlaubten uns eine zunehmend effiziente Nahrungsmittelproduktion, medizinische Versorgung und Hygiene. Dies führte zu einem Anstieg der Lebenserwartung und zu einem Wachstum unserer globalen Bevölkerung.

Unsere Technologien und wachsende Bevölkerung erhöhen unseren Verbrauch an Ressourcen. Die Tragfähigkeit und Erneuerungsrate einer Ressource begrenzt ihre Verfügbarkeit. Wenn unser Verbrauch die Grenzen der Tragfähigkeit erreicht, bzw. höher als die Erneuerungsrate ist, müssen wir etwas verändern, um nachhaltige Ressourcennutzung zu gewährleisten.

Innovative Technologien können die Tragfähigkeit und Erneuerungsrate verschiedener Ressourcen erhöhen, eine Umstellung auf andere Ressourcen ermöglichen (z.B. auf Ressourcen mit einer höheren Erneuerungsrate und Tragfähigkeit), oder den Ressourcenverbrauch effizienter machen.

Auch gemeinsam etablierte Regulierungen, soziale Normen und Änderungen in unserem Verhalten können wichtige Rollen spielen, um den Verbrauch an bestimmten begrenzten Ressourcen zu reduzieren.

Unser Verhalten, unsere Technologien und unsere globale Populationsgröße haben im Laufe unserer Geschichte immer schwerwiegendere Auswirkungen auf unsere Umwelt gehabt. Sie verändern die Umweltbedingungen, unter denen wir leben, insbesondere Klima, Biodiversität und die Belastbarkeit von Ökosystemen. Diese Umweltbedingungen wirken sich wiederum auf die Fähigkeiten unserer Art aus, nachhaltig zu leben.

Wie können wir die Auswirkungen unseres Verhaltens und unserer Technologien auf die Umwelt so ändern, dass sie unsere eigene Lebensgrundlage, und die Lebensgrundlage von zukünftigen Generationen, nicht gefährden? Welche Rolle können und sollten Technologien und Wissenschaft, gemeinsam etablierte Regulierungen, Medien und Bildung spielen?

  • Unterrichtsmaterialien: Die Auswirkungen menschlichen Verhaltens und unserer Technologien auf unsere Umwelt (in Bearbeitung)

Fehlanpassungen?

Sind unsere durch Evolution entstandenen menschlichen Merkmale noch gut funktionierende Anpassungen, oder können sie unter heutigen Umweltbedingungen zu Nachteilen für menschliches Wohlbefinden und die nachhaltige Entwicklung unserer Art führen?

Wie können wir unsere abiotischen, biotischen und sozialen und kulturellen Umweltbedingungen und unser eigenes Verhalten so ändern, dass sie unserem langfristigem Wohlbefinden und der nachhaltigen Entwicklung unserer Art dienen?

  • Unterrichtsmaterialien: Fehlanpassungen? (in Bearbeitung)

Die Zukunft gestalten

Nicht nur Technologien oder die Ingenieurswissenschaften sind für die Lösung unserer Nachhaltigkeitsprobleme relevant. Denn auch unsere Verhaltensweisen, Überzeugungen, Motivationen, Wertvorstellungen, soziale Normen, Traditionen, Institutionen und weitere kulturelle Merkmale spielen eine bedeutende Rolle darin, wie sich unsere globale Gesellschaft weiter entwickelt.

So beschäftigen sich auch Verhaltensforscher, Anthropologen, Evolutionsbiologen und Psychologen mit der nachhaltigen Entwicklung unserer Art.

Sie erforschen insbesondere die Frage, inwieweit wir Menschen - als Individuen und als Gemeinschaften - die Fähigkeit haben, unser eigenes Verhalten, unsere eigenen Institutionen, und unsere eigenen Umweltbedingungen flexibel und bewusst zu gestalten. Durch welche Maßnahmen können wir diese Fähigkeiten fördern und für die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung einsetzen?

Anhand von diversen Unterrichtsaktivitäten und -materialien untersuchen wir, durch welche Prinzipien und Verhaltensweisen es verschiedenen Gemeinschaften der Welt gelingen kann, gemeinsame Ressourcen nachhaltig zu nutzen und andere gemeinsame Ziele zu erreichen.

OpenMind ist ein Bildungsprojekt der New York University. Es hat das Ziel, Menschen zu einer Fähigkeit des Perspektivwechsels und zu einer offeneren Haltung gegenüber neuen oder unangenehmen Ansichten zu verhelfen. Ein Verständnis der Ursachen unserer Wahrnehmung, Intuitionen, Überzeugungen und Verhaltensweisen hilft uns, flexibler mit diesen umzugehen.