Design-Prinzip

Fokus auf menschliches Verhalten

Untersuchung und Reflexion über die Aspekte und alltägliche Erfahrung von menschlichen Verhaltensweisen, welche für menschliches Wohlbefinden und nachhaltige Entwicklung relevant sind

Nachhaltige Entwicklung erfordert Zusammenarbeit, gemeinsames Lernen und Innovation auf allen Ebenen der Gesellschaft, bis hin zur globalen Ebene. Zusammenarbeit, soziales Lernen und Innovation sind auch Themen, mit denen sich die Evolutions-, Verhaltens- und Nachhaltigkeitswissenschaften zunehmend beschäftigen (e.g. Waring, 2010; Muthukrishna & Henrich, 2016; Tomasello, 2009).

Können wir etwas von anderen Lebewesen, von unserer Evolutionsgeschichte, von unseren alltäglichen Erfahrungen und Verhaltensweisen und von Gemeinschaften der Welt darüber lernen, wie derartige Herausforderungen der Zusammenarbeit gemeistert werden können, und wodurch diese Zusammenarbeit verhindert wird?

Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung sind nicht grundlegend neu für uns Menschen. Unsere Art wurde während ihrer Evolutionsgeschichte immer wieder mit Herausforderungen der Zusammenarbeit, der gemeinsamen Entscheidungsfindung, und der gemeinschaftlichen Nutzung von begrenzten Ressourcen konfrontiert. Denn unsere Vorfahren lebten in Gruppen, in denen alle "in einem Boot saßen" - jeder war vom Erhalt der Gruppe und ihrer Ressourcen abhängig. Diese Herausforderungen haben die geistigen und sozialen Fähigkeiten, Verhaltensweisen und Kulturen unserer Art maßgeblich geprägt.

Die komplexen und dynamischen Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung in diesem 21. Jahrhundert erfordern jedoch menschliche Kooperation und Innovation auf ganz neuen, nämlich globalen, Ebenen der sozialen Organisation, sowie auf flexiblere und dezentralisierte Art und Weise.

Dies erfordert, dass wir die Bedingungen und menschlichen Fähigkeiten und Motivationen für soziales Lernen, Zusammenarbeit, und Flexibilität verstehen und somit fördern können.

So kann ein Verständnis über die Ursachen und Folgen menschlichen Verhaltens, sowie über die Ursache-Wirkungsbeziehungen, die unsere Vergangenheit geprägt haben, unsere Gegenwart und Zukunft prägen, uns dabei helfen die heutigen Herausforderungen für menschliches Wohlbefinden und nachhaltige Entwicklung zu verstehen, aber auch Lösungsansätze zu bewerten und zu entwickeln.

So bilden die Reflexion unserer alltäglichen Erfahrung von menschlichem Verhalten und die Untersuchung von Verhaltensweisen, welche menschliches Wohbefinden und eine nachhaltige Entwicklung fördern und hindern können, einen Fokus für den Unterricht.

Menschliches Verhalten im Unterricht zu thematisieren, birgt viele Chancen. Denn zum einen interessieren sich SchülerInnen aller Klassenstufen, und Menschen allgemein, sehr für menschliches Verhalten - sie erleben es alltäglich und machen sich unentwegt über dessen Ursachen und Folgen Gedanken. Darüber hinaus ist menschliches Verhalten implizit oder explizit in den Lehrplänen vieler Fächer verankert, insbesondere in Biologie, Gemeinschaftskunde/Wirtschaft/Recht/Politik, Geschichte, Geographie, Religion und Ethik. Aber auch Fächer wie Kunst, Musik, Sport, Sprachen und Literatur beschäftigen sich im Grunde mit menschlichen Verhaltensweisen und Eigenschaften, haben diese gar im Namen ("Musik").

Die Forschungsfragen, Methoden und Erkenntnisse der evolutionären Anthropologie, Verhaltensforschung, Psychologie und Nachhaltigkeitswissenschaften bieten einzigartige Möglichkeiten, die Facetten menschlichen Verhaltens im Unterricht zu thematisieren, und so zu einem spannenden, alltagsbezogenen, fächerverbindenden, und gesellschaftlich relevanten Unterricht beizutragen.

Warum verhalten, fühlen, denken, interagieren wir Menschen auf bestimmte Art und Weise? Was macht jeden von uns einzigartig? Was haben wir alle gemeinsam? Was haben wir mit anderen Arten und Lebewesen gemeinsam?

Wie könnten Untersuchungen und Reflexionen zur Beantwortung dieser Fragen dazu beitragen, unser eigenes Verhalten flexibel nach unseren eigenen Werten auszurichten, mit anderen zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen, und eine bessere Zukunft für alle zu gestalten?

So identifizieren wir erkenntnisreiche Forschungsarbeiten der vergleichenden Psychologie und Verhaltensforschung (Vergleich zwischen Arten, Entwicklungspsychologie, Vergleich zwischen Kulturen) zu menschlichen Verhaltensweisen und übertragen sie in Unterrichtsmaterialien. Wir integrieren auch die Kernkonzepte, Prinzipien und Erkenntnisse dieser Forschung in Leitfragen und Lernziele, welche einen Fokus und roten Faden für Inhalte, Unterrichtsaktivitäten und Diskussionen bieten.

Michael Tomasello reflektiert über die Frage "What makes us human?" in diesem inspirierenden Video.

Wie würdest du diese Frage beantworten?

"What makes us really different is our ability to put our heads together and to do things that neither one of us could do alone, to create new resources that neither of us could create alone. It's really all about communicating and collaborating and working together."

Literaturangaben

  • Henrich, J. (2016). The Secret of Our Success. How Culture Is Driving Human Evolution, Domesticating Our Species, and Making Us Smarter. Princeton, Oxford: Princeton University Press.

  • Messner, D., Guarín, A., & Haun, D. (2013). The Behavioural Dimensions of International Cooperation. Duisburg,Germany. Retrieved from http://www.gcr21.org/en/publications/research-papers/gcrp-1/

  • Muthukrishna, M., & Henrich, J. (2016). Innovation in the Collective Brain. Philosophical Transactions of the Royal Society B: Biological Sciences, 371(1690), 20150192. http://doi.org/10.1098/rstb.2015.0192

  • Sapolsky, R. M. (2018). Behave. The Biology of Human at Our Best and Worst. Vintage Books.

  • Tomasello, M. (2009). Why we cooperate. Cambridge, MA, USA: MIT Press.

  • Waring, T. M. (2010). New evolutionary foundations: Theoretical requirements for a science of sustainability. Ecological Economics, 69(4), 718–730. http://doi.org/10.1016/j.ecolecon.2008.10.017

  • Waring, T. M., Kline, M. A., Brooks, J. S., Goff, S. H., Gowdy, J., Janssen, M. A., … Jacquet, J. (2015). A multilevel evolutionary framework for sustainability analysis. Ecology and Society, 20(2), art34. http://doi.org/10.5751/ES-07634-200234

  • Wilson, D. S. (2015). Does Altruism exist? Culture, Genes, and the Welfare of Others. New Haven, CT, USA: Yale University Press.

  • Wilson, D. S., Ostrom, E., & Cox, M. E. (2013). Generalizing the core design principles for the efficacy of groups. Journal of Economic Behavior and Organization, 90, S21–S32. http://doi.org/10.1016/j.jebo.2012.12.010

  • Wilson, D. S., Hayes, S. C., Biglan, A., & Embry, D. D. (2014). Evolving the Future: Toward a Science of Intentional Change. The Behavioral and Brain Sciences, 37(4), 395–460. http://doi.org/10.1017/S0140525X13001593