Et in Arcadia ego



Um Was Geht es Hier ?

Das Ziel des Projekt "et in Arcadia ego" ist es künstlerisches Schlaglicht auf den Wandel der Trauer-, Bestattungskultur zu werfen und, wenn möglich, einen öffentlichen Diskurs über den Umgang mit Trauer und Bestattung anzustoßen. Dazu ist gepalnt einer Gruppe von Künstler*innen zuermöglicht, sich auf unterschiedlichster Ebene mit dem Thema Tod auseinander zu setzten und aus individeller Sicht zu beleuchten, inwiefern Pluralisierungs,-Säkularisierungs- und Rationalisierungsprozesse in der westlichen Gesellschaft die Veränderung in der Trauerkultur und Bestattungsrituale mitbestimmt haben. Es soll in einen möglichst breitem Specktrum der Bildendenkunst Inhalte generiert werden um diese am ende in einer Gemeinsamen Ausstellung zu Presentieren. Zu diesem Zweck sollen Institutionen wie Kirchen, Krankenhäuser (Palliativstationen), Hospize und Friedhöfe besucht werden. Des weiteren sind auf dem freien Markt ansässige Firmen wie Bestattungsunternehmen, Gartenlandschaftspflege/Florist (Grabpflege), Grab/Trauer -redner*innen, Krematorien- und Friedwaldbetreiber*innen von Interesse.

Wir möchten mit dieser seite allen interesierten Künstler*innen und Sponsoren*innen die möglichkeit bieten sich über das Projekt zu informieren und Kontakt zu uns aufzunehmen.



Ein geschichtliches Schlaglicht

Bis in das 19. Jahrhundert hinein war das Sterben ein öffentlicher Akt. Der/Die Sterbende nahm im Regelfall Platz auf seinem/ ihrem Totenbett und das gesamte soziale Umfeld, vom Ehepartner bis hin zum/zur Bediensteten, hatte die Möglichkeit Abschied zu nehmen. Durch diesen öffentlichen Diskurs, der das Sterben begleitete, war der Tod als solches nicht tabuisiert, sondern hatte im Gegenteil eine zentrale Position innerhalb der Gesellschaft. Darüber hinaus übernahm er sozial verbindende Funktionen. Grund dafür war unter anderem eine hegemoniale Gesellschaft, die aus einer christlichen Welt- und Jenseitsvorstellung resultierte. Diese verband der Glaube an ein gemeinsames fortbestehen in einer Welt nach dem Tod. Das heißt der Sterbende ging von einer Gemeinschaft im Diesseits hin zu einer Gemeinschaft im Jenseits über. Christliche Abschiedsrituale/ Bestattungsrituale sollten diesen Übergang begleiten und für die Hinterbliebenen den Abschied ermöglichen. Die Bestattungs-/ Trauerkultur diente in der Praxis dazu eine Distanz zum Tod zu generieren und Trauer zu bewältigen. Diese kulturelle Praxis unterlag in den letzten Jahrzehnten einer starken Transformation. Warum?

Am Anfang stand der Protestantismus. Die Reformation und die damit verbundene Auslöschung des Fegefeuers, veränderte die Jenseitsvorstellung und die Idee einer gemeinsam verbrachten Zeit (die der Toten und die der Lebenden) . Durch die Verbreitung einer atheistischen Weltanschauung reduzierte sich die Zeit ausschließlich auf die der Lebenden. Jan Assmann formulierte es so: „Es gibt keine Zeit nach dem Tod mehr, es gibt nur doch den Zeitpunkt des Todes.“ Dieser Umstand führt zu der Unvorstellbarkeit des Todes, was sich wiederum in starker Verunsicherung ausdrückt. Es ist eine Art logische Lücke der Fantasie, vor der sich die Menschen fürchten. Dies bewirkt, dass Anstelle des christlichen Auferstehungsgedankens nun die Biografie des Verstorbenen in den Fokus der Bestattungs-/Abschiedsrituale rückt.


Pluralisierung unserer Gesellschaft

Ein weiterer Punkt, warum sich die kulturelle Praxis im Umgang mit Sterben und Tod verändert, ist die Pluralisierung unserer Gesellschaft. Die Menschen im westlichen Kulturkreis haben die, noch nie vorher dagewesene Möglichkeit, ihr Leben individuell zu gestalten und so rückt auch der eigene Tod erstmals in die Reichweite individueller Entscheidungen. Die sterblichen Überreste werden, Stück für Stück, zum Dispositiv und sind nicht mehr an einen einheitlichen Bestattungsritus und Erinnerungskultur fixiert. Interessanter- weise spielt der Ort, des Gedenkens und der Trauer, immer noch, in einer sonst so mobilen Gesellschaft, eine wichtige Rolle. Dieser muss lokalisierbar bleiben, dadurch schafft er Dis- tanz und verdeutlicht, dass der Verstorbene nicht mehr bei den Trauernden verweilt. Das Unbegreifliche wird durch die Manifestation an einen Ort erlebbar, kommunizierbar und dokumentierbar.


Professionalisierung und Erfahrungsrückgang

Ausgehend von der Transformation der kulturellen Praxis in der Moderne wurde bis in die 1980er Jahre immer wieder die These von der „Verdrängung des Todes“ diskutiert. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch nicht der Tod an sich verdrängt, sondern das Sterben und der Leichnam. Was das Sterben betrifft, so hat in den letzten Jahrzehnten eine räumliche Verdrängung stattgefunden. Heute findet das Sterben kaum noch im häuslichen Umfeld statt. Zum einen wurde das ermöglicht durch den bereits genannten signifikanten Bedeutungsverlust des Todes, zum anderen durch die flächendeckende medizinische Institutionalisierung und Professionalisierung des Bestattungswesens. Sowohl der Sterbende als auch der Leichnam wird in professionelle Hände übergeben. Dadurch reduzieren sich die Aufgaben und der Kontakt des sozialen Umfelds mit dem Sterbenden/Verstorbenen, was auf individueller Ebene zu einem Erfahrungsrückgang führt. Dieser Rückgang verändert die Beziehung zum Tod und kulminiert in der Transformation der Bestattungs-/Abschiedsrituale. Bei der Professionalisierung des Bestattungswesens tritt noch ein weiterer Effekt auf, welcher maßgeblichen Einfluss auf Bestattungsrituale hat. Die Feuerbestattung.Zwar war die Brandbestattung und das Lechenverbrennen lange Zeit Bestandteil heidnischer Kulturen, doch durch die Verbreitung des Christentums und eines Erlasses von Karldem Großen (786 n.Chr.) wurde die Erdbestattung für alle Gläubigen verpflichtend. Im 19. Jh. begünstigten jedoch mehrere Faktoren eine Gegenbewegung zu der bis dahin üblichen Erdbestattung. Zum einen konnte sich die Feuerbestattung durch die Entstehung einer atheistischen Weltanschauung entwickeln und wurde von Verbänden wie „Freidenker“ als bewusste Abgrenzung zur christlichen Bestattungskultur propagiert. Zum anderen wurden, durch die verheerende Situation auf den Friedhöfen, ökologische und ökonomische Forderungen laut. So sprach sich zum Beispiel die Ärzteschaft für die Feuerbestattung aus, weil diese eine hygienischere Bestattungsform sei und auch Sozialdemokraten und Arbeiterverbände lobten sie als eine kosten günstige Alternative. Diese Aspekte führten dazu, dass das Bestattungswesen Ende des 19. Jhr. zunehmend in die Hand von Kommunen überführt wurde und somit die Professionalisierung und Institutionalisierung voran trieb. Augenscheinlich ist, dass die Feuerbestattung elementarer Bestandteil heutiger individualisierter und alternativer Bestattungsformen ist. So bildet die Feuerbestattung dieGrundlage für Urnen-, See-, Luft-, Diamant-, Friedwald- und Weltallbestattung.