Über die Jahre habe ich bei meinen Hobby einiges gelernt und mir angewöhnt, um die Qualität meiner Aufnahmen zu verbessern.
Hier liste ich meine wichtigsten Tipps auf, denen ich immer nachgehe:
Meine höchste Priorität sind Aufnahmen unter guten Lichtverhältnissen!
Das heißt, dass ich nie gegen die Sonne filme und immer darauf achte, dass der Zug von der Sonne beleuchtet wird.
Ich toleriere dabei Frontschatten (Zugfront im Schatten, aber Zugseite beleuchtet), wenn es die Tageszeit und Standort nicht anders zulassen. In dem Fall achte ich auf etwas mehr Abstand zum Gleis, damit die perspektivische Frontfläche im Vergleich zur Seite möglichst klein ist; die Aufnahme wird also nicht spitzwinklig.
Es gibt bei jeder Stelle auch die Tageszeit, bei der die Gleisachse zu einer gewissen Uhrzeit mit der Achse der einstrahlenden Sonne übereinstimmt. Hier ist mein Richtwert, dass die Sonne eine dreiviertel Stunde davor oder danach je nach Seite die Zugseite noch genügend beleuchtet, ansonsten wirken in diesem insg. 1½ stündigen Zeitfenster beide Seiten aufgrund des zu spitzen Sonneneinfallwinkels schattig.
Eine Ausnahme von der 'korrekten' Beleuchtung mache ich bei Sonnenauf- und Untergängen, denn hier finde ich es durchaus ästhetisch wenn die Sonne rötlich entgegen scheint.
An bewölkten Tagen kann man entsprechend Stellen umsetzen, die sonst aufgrund der Sonneneinstrahlung aus meist südlicher Richtung nicht funktionieren würden.
Aber Bewölkung ist nicht gleich Bewölkung!
Ich achte stets darauf, wie dunkel der Hintergrund durch die Wolken tatächlich ist: Ein flockiger Woklenhimmel (bei dem eine Wolke genau vor der Sonne ist) ist weitaus unschöner als ein komplett wolkiger Tag mit einheitlichem Himmelsgrau. Während man bei solchen "Fotowolken" wirklich Pech haben kann, kann man wolkige Tage gut dazu nutzen, um Filmstellen nördlich der Gleise aufzusuchen und sonst nicht mögliche Szenen umsetzen.
Durch den weiten Abstand zum Gleis fällt die Frontschatten-Fläche im Vergleich zur beleuchteten Seiten-Fläche nicht groß auf.
Der Mastschatten unten am Bild neigt zwar leicht Richtung Gleis, aber die Sonnenachse ist noch keine dreiviertel Stunde nach Gleisachse, sodass dennoch die Zugseite schattig wirkt.
Sonnenauf- und Untergänge bieten ausnahmsweise eine schöne Gegenlichtstimmung.
An wolkigen Tagen lassen sich Filmstellen umsetzen, wo sonst die Sonne nur auf der anderen Gleisseite scheint.
Mit Hinfahren und Draufhalten ist es bei mir nicht mehr getan.
Wenn ich Aufnahmen von Zügen mache, mache ich mir auch im Vorfeld bereits Gedanken wie ich diese umsetzen will.
Hierbei betrachte ich zwei wichtige Faktoren: Den Zug und die Aufnahmestelle.
Zug:
► Was für einen Zug erwarte ich? Ist es ein kurzer oder langer Zug? Geht es mir um die Lok oder eher um den Anhang?
Mit diesen Fragen ermittle ich, wie viel einsehbare Fläche ich auf den Zug haben möchte. Bei Werbeloks oder Triebzügen reicht gerne auch ein kurzes Sichtfeld, bei interessantem Anhang wie bspw. railadventure-Überführungen sollte Sichtfeld schon größer sein.
Hier kommt noch für Filmaufnahmen hinzu, dass man auf die Schwenkbarkeit achten muss. Bei Bahnfotografein muss nur der entsprechende Ausschnitt passen, bei Videoaufnahmen ist eine gesamtheitliche Betrachtung der Filmstelle mitunter wichtiger.
Aufnahmestelle:
► Möchte ich einen Bahnhof oder eine Landschaft zeigen? Welche Infrastruktur- oder Landschafts-Merkmale wären interessant? (Formsignale, alte BÜs, alte Bahnsteige, Stellwerke, Kirchen, Brücken, ...) Wie viel Überblick habe ich auf die Stelle, kann ich dort auch Schwenken? Wie ist der Sonnenstand im Zusammenhang mit der Tageszeit und Fahrtrichtung dort?
Ausgehend vom Zug brauche ich eine passende Stelle, oder auch wenn es mir um den Bahnverkehr allgemein geht und kein spezifischer Zug erwartet wird, ist die Wahl der Aufnahmestelle der andere wichtige Punkt. Manchmal ist diese mir sogar wichtiger als der Bahnverkehr selbst, zum Beispiel wenn Streckenerneuerungen bevorstehen und die aktuelle Altbau-Infrastruktur erneuert werden soll.
Wenn ich weiß, was ich möchte, geht es schließlich darum eine gute Stelle zu wählen.
Im heimischen Einzugsgebiet kenne ich meine Stellen, weiß wo ich zu welcher Tageszeit und in welcher Fahrtrichtung welche Stelle empfehlenswert wäre.
Aber wie gehe ich anderenorts vor?
Für die Recherche nutze ich diese Möglichkeiten:
maps.google.com
In der Satellitenansicht schätze ich ab, ob an einer Stelle Bäume im Weg wären, was in der Nähe zu sehen ist und auch welche Anreiserouten es gäbe. Auch StreetView ist hier hilfreich!
DSO RailView
Meistens war ich nicht die erste Person an einer Stelle, also kann man auch gut die Aufnahmen anderer Fotografen anschauen und einschätzen, wie sehr einem eine Stelle gefallen würde.
YouTube Videos
Insbesondere Führerstandsmitfahrten geben einen dynamischen virtuellen Blick auf eine anvisierte Stelle. Als Suchbegriff reicht meistens "Führerstandsmitfahrt Bahnhof1 Bahnhof2" wobei die Bahnhöfe die Knotenbahnhöfe vor und nach der Filmstelle einer Strecke sind.
Discord
Auf meinem Discord-Server haben wir viele weitere Link-Tipps gesammelt; auch im Bahnforum kann man andere Leute fragen welche Empfehlungen sie haben.
Sonnenstands-Apps
So ermittle ich, zu welchen Uhrzeiten an welchem Datum die Sonne aus welcher Richtung scheint und wann genau die Sonneneinstrahlrichtung gleisachsig wäre.
DWD WarnWetter App (Vollversion!)
Auch abseits des Bahnhobbys empfehle ich diese App unbedingt!
In der Vollversion für einmalig 2,49€ stellt diese App aktuelle und prognostizierte Wetterdaten bereit. Neben der Wahrscheinlichkeit für Bewölkung werden auch zuverlässig Regenzellen in der Umgebung gezeigt.
Ich persönlich schwöre für die Wettervorhersage einzig und allein auf die App des Deutschen Wetterdiensts, welcher der nationale zivile meteorologische Dienst der Bundesrepublik Deutschland ist. Andere privatwirtschaftliche Wetterdienste beziehen ihre Daten aus weniger verlässlichen Quellen oder ebenfalls vom DWD, sodass ich gleich die App des DWD verwende.
Man ist an der Stelle angekommen und fertigt seine Aufnahmen an.
Was banal klingt, ist für mich ein wichtiges Zusammenspiel aus verschiedenen Aspekten, um eine gesamtheitlich stimmige Aufnahme zu bekommen.
Die Kamera als Wasserwaage
Ich achte stets auf eine gerade und ungeneigte Aufnahme! Hier helfen Führungslinien auf dem Kamerabildschirm, die man in den Einstellungen einblenden kann. Oberleitungsmasten, Laternenpfosten, Hauswandkanten oder andere senkrechte Landschaftsmerkmale dienen als vertikale Wasserwaage, welche ich parallel zu den Kamera-Führungslinien halte.
Zug und Landschaft sind eine Einheit
und das jede Sekunde aufs neue!
Ich achte daher sehr stark darauf, dass ich meinen Fokus auf beides lege. Konkret bedeutet das:
Den Zug nicht perspektivisch abschneiden oder zu sehr den Bildausschnitt nur darauf legen. Eine Ausnahme sind Werbeloks, hier halte ich gerne auch mal explizit auf deren Designs.
Die Landschaft als Rahmen betrachten. Baumkronen am Bildrand im Ganzen zeigen, Gebäude passend begrenzen (bspw. zeige ich Fenster im Ganzen und begrenze den Bildrand zwischen diesen), Fluchtpunkt gerader Bahnsterecken im Aufnahmeausschnitt beibehalten!
Bei schnellen Zügen die Videoaufnahme an diese anpassen. Ich zoome immer möglichst in der Geschwindigkeit, mit der der Zug fährt. So wirkt der Zug fast schon stehend in der Aufnahme, während die Landschaft sich um diesen wegbewegt. Ich mache das auch gerne bei langsamen Zügen - zur Veranschaulichung >hier< ein Beispiel.
Die Länge der Videoaufnahme
Je nachdem, wie einsehbar die Stelle ist, muss man aufmerksam sein, um die Aufnahme rechtzeitig zu starten. Selten nehme ich auf Verdacht schon Minuten vorher auf, um ja nicht zu spät mit der Aufnahme zu starten. Diesen Teil kann man im Nachhinein immer noch wegschneiden.
Auch die Art des Zuges entscheidet bei mir mit, wie lange ich aufnehme. Ist es ein langer langsamer Container-Güterzug, beende ich auch bereits schon mal einige Sekunden hinter der Lok die Aufnahme.
Je nach Videobearbeitungsstil noch Zeit vor und nach der Videosequenz beachten. Bei mir sind das zwei Sekunden am Videoclip-Anfang und -Ende, welche ich beim Bahnvideoschnitt dann für die Übergänge brauche.
Gerade auf größeren Touren habe ich nicht nur meine Kamera dabei, um Problemen aus dem Weg zu gehen, die meine Möglichkeit gefährden Bahnaufnahmen anzufertigen. Das ist recht hochtrabend formuliert, aber damit meine ich, dass es sehr ärgerlich wäre, wenn man im entscheidenden Moment kein Video machen kann.
Ich nehme daher neben meiner Kamera noch diese Grundausrüstung mit:
Ersatz SD-Karten
Sei es, dass die Karte voll wird, oder dass Probleme aufkommen. Es gibt extra SD-Karten-Mäppchen schon in EC-Kartangröße; in so einem habe ich immer mindestens zwei weitere SD-Karten dabei zum Tauschen bei Bedarf.
Extra Strom
Sowohl in Form einer PowerBank als auch in Form eines passenden Ersatz-Akkus für die Kamera.
Brillenputztuch
Eine klare Aufnahme ist wichtig. Bei Regenschauern sind schnell Tröpfchen auf der Linse und mit normalem Stoff verschmiert man die Linse nur umso mehr, wenn man das wegwischen möchte.
Auch diese Sachen sind nützlich:
Cappy: Zur besseren Erkennbarkeit des Kamerabildschirms, dass dadurch dieser nicht spiegelt
Richtmikrofon: Bei größeren Distanzen hilft dieses sehr, die Geräusche außerhalb der Blickrichtung wegzufiltern und den Zug auch akustisch in Szene zu setzen
Kopfhörer: Bei meiner Kamera kann ich Kopfhörer anschließen, so höre ich bspw. genau das, was das Richtmikrofon aufnimmt und dass dieses korrekt arbeitet. Bei Bahnvideos ist der Ton ja ein wichtiger Bestandteil.