Allgemeines

Von der Entdeckung

Fen betrat die Jurte. Sie war, bis auf einige Bracar und den einen oder anderen nistenden Blutadler, völlig leer. Finan saß auf einem fell-überzogenen Steckstuhl und winkte den Druiden lässig zu sich heran. Er nahm seinen steinernen Krug zur Hand und schenke ein wenig von dessen Inhalt in den hölzernen Humpen seines Klanbruders.

"Nun, dann erzähl doch mal, Fen. Wie ist es dir auf der Seereise mit Connor und den Anderen ergangen. Ich habe gehört, ihr habt eine neue Stadt entdeckt?"

Fen nickte.

"Nun, nach dieser unglücklichen Geschichte mit dem Süden war Connor der erste, der sich ein Schiff schnappte und ein neues Zuhause für uns erobern wollte. Die wilde Entschlossenheit war in seinen Augen - und ich wusste, alleine sollte ich ihn nicht gehen lassen, denn so ein Kampf sollte nicht alleine ausgetragen werden. Acair war ebenfalls dabei. Genau so Said mit seiner Karavane, Nandor, die beiden Fey, diverse O Kosh und einige Söldner.

Ein schwerer Sturm erfasste uns kurz nach der Abreise aus Atthagar und er dauerte einen ganzen Tag und eine unheilvolle Nacht. Als wir wieder die ersten Sonnenstrahlen sahen, stellten wir fest, dass wir dicht an einer Küste auf Grund gelaufen sind."

Finan blickte Fen vorwurfsvoll an. "Ich hoffe doch, mein Schiff ist noch unversehrt ..."

"Es war Landogars Schiff", entgegnete Fen. "Und ja, ist es. Zwar etwas lädiert, aber Acair hat in seinem Jahr auf See scheinbar wirklich was gelernt. Alle Achtung.

Wir ließen den Anker zu Wasser ... also den aus Stahl, nicht unseren Klanbruder ..." Finan rollte mit den Augen. "... und machten uns auf den Weg landeinwärts. Nach ca. einem Tag kamen wir an eine kleine Hafenstadt und machten das, was jeder vernünftige Blutpaktler tun würde: Wir steuerten direkt auf die erste Taverne zu. Connor eilte voran, doch mir fiel etwas sehr Seltsames auf. Das kleine Städtchen schien wie ausgestorben. In diesen kleinen Döfern entlang der Küste ist doch sonst immer was los.

Als wir die Taverne betraten blickte uns der Wirt an, als hätte er noch nie in seinem Leben einen anderen Menschen gesehen. Connor bestellte gleich 10 Liter Camum für alle, und nachdem der alte Wirt das staubige Fass hinein gerollt hatte und alle versorgt waren, setzte ich mich zu ihm. 'He Schankmeister, sagt mir doch mal, wie kommts eigentlich dass so eine prächtige Taverne so leer ist ... bis auf unseren Haufen?'. Der Wirt blickte mich müde an. 'Na wegen der Stadt, wieso sonst?' 'Der Stadt?' fragte ich ihn. 'Ja. Die verfluchte Stadt Heolysos' sagte er und deutete auf eine riesige Karte Mythodeas, welche an der Wand hing. Die übrigen Mitglieder der Expedition wurden nach und nach ganz Ohr und setzten sich dazu. 'Was hat es denn mit dieser verfluchten Stadt auf sich?' fragte ich ihn. 'Nun, dies war mal die prächtigste Stadt dieses Landstrichs. Das Juwel der Bucht nannte man sie' entgegnete der alte Wirt. 'Damals als die Taverne noch voll war und das Leben schön'. Amidur fragte, was passiert sei. 'Der Fluch ist passiert!', blaffte der Wirt ihn an. 'Der Fluch der Urzweifler! Von einem Tag auf den anderen waren ALLE TOT! Die Stadt ist ein einziges Grabmal. Niemand, der klar bei Verstand ist, traut sich auch nur in die Nähe dieser verwunschenen Mauern. Man sagt dass nachts Stimmen zu hören sind, und Wehklagen aus den alten Ruinen. Und weiße Gestalten sich auf den Türmen blicken lassen.' Die Fey kicherten nur. 'Und davor habt ihr Angst, alter Mann? Vor einfachen Menschengeistern?' 'Nicht Menschen.' raunte der Wirt. 'Die Lona bewohnten einst diesen Ort. Mächtige Elementarwesen der Herrin Ignis waren sie. Und von einem Tag auf den anderen: Alle tot. Ihre echsenhaften Diener, die Akata haben sie bestattet und sind dann davon gezogen. Seitdem haben auch fast alle anderen die Gegend verlassen und sind ins Phönixreich oder nach Holzbrück abgewandert.' Connor leerte seinen Humpen in einem Zug und knallte ihn auf den Tisch, so dass dieser bebte. 'Ich würde sagen wir schauen uns die Sache morgen mal an, was meint ihr?' Ein lautes AYE hallte durch den Raum. Der Wirt blickte Connor währenddessen an und frage ihn ob er noch ganz be Trost sei. Geister, Flüche und Echsenwesen. Da geht doch keiner hin, der noch annähernd Lust zu leben hat. 'Das sagt man über uns auch, und trotzdem haben wir immer ein volles Haus' sagte Connor. Ich fügte außerdem hinzu, dass einer von uns der Grund gewesen sein, warum die Akata nicht ebenfalls ein ähnliches Schicksal ereilt hat. Was auch immer dort für Geister hausen, sie sollen nicht unsere Feidne sein.

Ein lautes 'IN DIE SCHLACHT! BLUTPAKT!' läutete die abendlche Feierei ein, bei der der Wirt so viel einnahm, wie schon seit Jahren nicht mehr. Und nachdem Acair die Geschichte seines wahren Namens erzählt hatte und Connorson dem Alten einen ganze Humpen von seinem eigenen Camum einflößte, begann der alte mürrische Kauz sogar zu lächeln.

(Rafael Selzer)

Alternative Fakten

Ganz so schicksalsträchtig wie in den Geschichten, die dieser Tage an den Feuern die Runde machen, lief die Fahrt dann nun auch nicht ab. Es gefällt den anderen Gruppen zwar, die Entdeckung von Heolysos als einen höchst unwahrscheinlichen Glücksfall zu sehen, ein schon fast übernatürlicher amutender Zufall - und hier schwingen dann auch Anklänge an die jeweiligen Stammesgottheiten mit, ob es nun der Hirsch sei, Andra oder andere. Aber natürlich waren bei dieser Fahrt durchaus auch etwas rationalere Aspekte mit im Spiel.

Die Situation war folgende: Wir wussten, dass Seine sogenannte Exzellenz, der Archon des Südens uns binnen kurz oder lang vor die Wahl stellen würde, uns entweder seinem Willen zu unterwerfen (und dies auch deutlich zu beweisen) oder seinen Herrschaftsbereich zu verlassen. Zumindest war dies das wahrscheinlichste Szenario, während die meisten Alternativen dezidiert unangenehmer waren. Außerdem wurden uns bestimmte Gerüchte zugetragen, dass also einige aus dem Reich der Rosen sich mit ihrem Herrn überworfen hatten, und nun in der Bucht von Heolysos nach neuem Siedlungsland suchten. Siedlungsland, dass expressis verbis außerhalb der Jurisdiktion der Siegel stehen würde. Und es schien, als würden die Herrscher dieses Vorgehen billigen!

Wir waren also nicht ganz unvorbereitet, als Kjeldor schließlich seine unselige Entscheidung getroffen hatte. Die Situation in der Bucht war unklar - der Massenmord an den Lona war mehr oder weniger bekannt, aber die Auswirkungen hatte man bislang noch überhaupt nicht einschätzen können. So hatte unsere Forschungsgruppe also durchaus schon ein Ziel, selbst wenn es die Mitreisenden im Nachhinein vielleicht etwas romantischer sehen mögen.

Der Sturm allerdings ist wirklich so schnell über die Expedition hereingebrochen, und er hat sie in der Tat zu unserem Glück auf das Ziel zu- statt davon fortgetrieben. Hier möge man nun die Intervention bestimmter, supernaturaler Entitäten sehen, wenn man denn will. Nachdem sie ihre Position verifiziert hatten, gingen sie an Land und nahmen Kontakt zu den Eingeborenen auf. Die Feststellung, dass unser Expeditionscorps nicht nur an einer verlassenen Siedlung des Elementarvolkes gelandet waren, sondern gleich bei ihrer Hauptstadt, war natürlich erneut ein großer Glücksfall, aber nicht völlig unerwartet.

Die Berichte über aktive postmortale Spektralentitäten (vulgo Geister) hatten unseren Leute natürlich besonders den Mund wässrig gemacht, und sie wären vielleicht schon in der ersten Nacht losgezogen, wenn die Blutadler nicht eine Runde ausgegeben hätten ...

Bericht von S. E. Chattras, O Kosh not Un, an I. G. E. Taja Afarit vom Rat der Namenlosen


(Simon Faber)

Von den Vierteln

Es war dunkel und stürmisch draußen als die Türen der Taverne aufgestoßen wurden und einige junge Blutadler mit einer schweren Holztruhe in einem Schwall aus Schnee und Wind zur Tür herein kamen. "TÜR ZU!!!" rief es von der Feuerstelle herüber und zwei der Blutadler schlossen hastig die Tür, während die anderen die schwere Holztruhe in Richtung des Feuers schoben und sich schnaufend darauf niederließen.

"Das ist also Blutgard...?" fragte Aegir, während er seine durchgefrorenen Hände am Feuerschen wärmte.

"Aye" entgegnete Fen, der mit einigen anderen Bracari gerade am Feuer saß. Er öffnete einige Flaschen Camum und reichte sie dem Jarl und seinen Männern, die sich alsbald alle dicht um das Feuer drängten.

"Was um des Hirschgottes Willen hab ihr denn da wieder angeschleppt?" fragte der Druide und deutete auf die Kiste der Blutalder, die gerade als Sitzgelegenheit und Lehne gleichermaßen benutzt wurde.

"Abwarten, mein lieber Fen." entgegnete Aegir. "Du kannst dir sicher sein, dass es was ganz Vorzügliches ist. Erzähl doch lieber während wir hier uns hier noch etwas aufwärmen, wo denn das Blutadlereck ist, wo wir in Zukunft nisten können?"

"Es gibt keins", entgegnete Fen.

Aegir und die anderen schauten den Druiden fragend an.

"Blutgard ist wie folgt aufgebaut..." Fen räusperte sich und wandte sich den Aldern zu, welche still das Camum schlürften.

"Den Hauptteil von Blutgard macht die Altstadt aus. Das ist der Teil, der vorher Heolysos genannt wurde. Eine mächtige Festung, welche in den Stein hinein gehauen wurde. Als die Lona dem Fluch Shey Ksun Arets anheim fielen, wurden sie von ihren Dienern, den Akata beerdigt, und hinterließen diese grandiose Bleibe für die Nachwelt praktisch unangetastet. Also gut für uns." Die Blutadler blickten sich grinsend an. "Weiter südlich gibt es die Neustadt. Das ist der Teil, der von den fleißigen Siedlern des Blutpakts errichtet wurde, die aus Atthagar hier rüber kamen. Ihr müsst nämlich wissen, dass trotz der Tatsache, dass die Altstadt Blutgards sehr groß und reich an Häusern ist, sie all unsere Siedler und die Söldner in unseren Diensten nicht so ohne weiteres aufnehmen kann. Deshalb bauten wir im Herbst zahlreiche Quartiere, um den Strom aus Atthagar unterbringen zu können.

Durch die Stadt fließt außerdem von Norden nach Süden ein Fluss. Das Flussbett lässt darauf schließen, dass er mal eine gewaltige Wasserstraße gewesen sein muss, doch nun führt er gerade mal genug, um ein kleines Floß darauf zu Wasser zu lassen. Warum das so ist, weiss noch keiner. Dem werden wir aber alsbald auf den Grund gehen.

Flussabwärts jedenfalls gibt es noch einen weiteren Stadtteil. Das Fischerdorf. Es gehörte früher zu Heolysos fest dazu, doch nach dem Abwandern der Akata wurde auch dieses fast völlig verlassen. Nur einige Fischer und ein alter Wirt mit seiner Taverne wohnen noch dort."

"Aye. Mit dem hatten wir schon das Vergnügen", entgegnete Brayan. "Dem alten Kauz haben wir auch das hier zu verdanken" sagte er und deutete grinsend auf die immense Truhe hinter ihm. "Aber erzähl erstmal weiter"

"Nun..." führte Fen weiter aus und nahm einen Schluck aus seinem Krug. "Die Altstadt ist in Viertel unterteilt, welche gemeinsam von den Mitgliedern des Blutpakts organisiert werden. Es gibt zm Beispiel ein Kriegsviertel. Dort steht eine alte Kaserne, eine Schmiede und es gibt einen Hofplatz für Wehrübungen. Ing und Connor haben sich meines Wissens nach da niedergelassen und planen, dort die Krieger des Paktes für die künfigen Schlachtzüge um sich zu scharen.

Außerdem gibt es in der Stadt seit neustem ein Künstlerviertel. Leto und Melody kümmern sich darum. Alle Barden, Gaukler und Künstler und Schankwirte des Pakts sind dort beheimatet"

"Klingt nach einem exzellenten Nistplatz" entgegente Aegir. "Das ist, glaube ich, was für uns"

"Wir haben aber auch noch das Viertel der Mystik, das man im Untergrund, in den Katakomben unter der Stadt finden kann. Chattras von den O Kosh und meine Wenigkeit sind gerade dabei, dort ein Spital für die O Kosh, und einen Hirschtempel, der halb überirdisch ist einzuweihen.

"Klingt, als müsste Braelor dort ebenfalls einziehen..." sagte Finley grinsend, und die übrigen Adler stießen mit ihm an. "Auf Braelor!!!"

"Nun. Jetzt wisst ihr zumindet das Gröbste. Doch sagt, was ist denn nun in dieser Kiste?", fragte Fen ungeduldig.

Die Adler blickten sich grinsend an und öffneten den schweren Deckel. Aegir griff hinein und holte eine staubige Flasche hervor. Darauf war das Abbild eines Seefahrers zu sehen, welcher sich mit einem Bein auf einem Fässchen abstütze. Fen blickte hinein und sah, dass die Truhe randvoll mit dutzenden weiterer Flaschen war.

"Das mein Freund", sagte Aegir, "ist, womit wir unsere neue Heimat den Göttern weihen." Er entkorkte die Flasche, nahm einen kräftigen Schluck und reichte sie unter Jubel der übrigen Adler in die Runde.

(Rafael Selzer)


Die Bevölkerung

Bevölkerung knackt Siebentausender-Marke

Erster Stadt-Zensus abgeschlossen – Rohstoff-Inventur dauert an

Blothgard – Zum ersten Mal seit der Neubesiedelung sind aus der „Stadt der Hundert Gesichter“ nun einige dieser Gesichter bekannt. Ein vom Komitee für Mord und Statistik in Auftrag gegebener Zensus hat endlich verlässliche Zahlen zur derzeitigen Größe der Stadtbevölkerung erbracht. Mit etwa 7700 Seelen ist Blothgard noch nicht unter die Ersten der Großstädte Mythodeas aufgestiegen, hat allerdings seine Bevölkerung seit der ersten Besiedelungswelle im Herbst des vergangenen Jahres mehr als verdoppelt.

Ein großer Teil dieser Leute wird dabei von den sogenannten „Gefolgschaften“ gestellt, also jenen Gruppen, die als entferntere Teileinheiten der bekannten Hauptgruppen ebenfalls formal Mitglieder des Paktes sind, sich aber üblicherweise nicht an den Feldzügen oder Things beteiligen. Darunter finden sich Klienten-Völker der O Kosh ebenso wie Söldnertrupps der Bracar oder Blut-Diener der Blutelfen. Es sind diese „minderen Paktler“ die dafür sorgen, dass die Mauern instandgehalten, die Felder bestellt und die Wasserdiebe in ihrer eigenen Scheiße ersäuft werden, und es ist ihnen zu verdanken, dass Blothgard als Stadt funktioniert.

Während die Volkszählung als abgeschlossen gilt, dauert die „Große Inventur“, bei der die Rohstoff- und Produktionskapazität der Stadt ermittelt werden soll, noch an. Zur Stunde ist vom Ratsfeld nur bekannt, dass wir „Zeuch haben, und Zeuch machen, und davon ‚ne ganze Masse“, wie es ein in Fell und Lendenschurz gekleideter Zensor formulierte.

Aus dem TODESBOTEN

(Simon Faber)