Wie können sich private Pflegerinnen und Pfleger und Pflegepersonal in Altersheimen, Krankenhäusern oder bei der ambulanten Pflege, mit den Thema Suizid auseinandersetzen?

Kümmern Sie sich um eine schwerst kranke oder behinderte Person aus der Familie oder dem Bekanntenkreis? Gehören Sie zum Pflegepersonal in Krankenhäusern, Altenheimen oder bei der ambulanten Pflege? Hat Ihr Patient schon einmal Suizid-Gedanken geäußert? Wenn ja, gibt es mehrere Möglichkeiten, wie sie sich auf suizidale Krisen eines pflegebedürftigen Menschen vorbereiten können. Wenn Sie vermuten, dass das Thema Suizid eine zunehmende Rolle spielt, sollten sie sich entsprechend vorbereiten. Es könnte durchaus passieren, dass Sie Gespräche über das Thema führen müssen oder im schlimmsten Fall sogar die erste Notversorgung übernehmen müssen.

1. Lernen Sie alles zum Thema Suizid

Versuchen sie sich Literatur zu beschaffen oder mit Spezialisten, wie zum Beispiel dem Hausarzt zu sprechen. Lernen sie alles über Warnsignale und wie sie diesen Signalen am besten begegnen können. Versuchen Sie einen Termin bei einem Psychologen zu bekommen, der Ihnen erzählen kann, wie man am besten auf Suizid-Gedanken eines Patienten reagiert und wie man damit umgeht. Als Betreuer können Sie sich jederzeit an Suizidpräventions-Organisationen wenden und sich beraten lassen. In emotionalen Not-Situationen sollten Sie den Patienten nicht alleine lassen und dafür Sorge tragen, dass es mit Angehörigen zu einer rund um die Uhr Betreuung kommt.

2. Hören Sie den Menschen zu und bieten Sie Ihre Unterstützung an

• Wenn die Person, die Sie betreuen, suizidale Gedanken hat, bieten Sie ihr die Möglichkeit offen über Gefühle und Gedanken zu sprechen, auch wenn diese noch so merkwürdig erscheinen mögen. Bitte machen Sie nicht den Fehler, diese als Humbug beiseite zu schieben. Nehmen Sie diese Gedanken ernst und mindestens ebenso wichtig: Geben Sie Ihrem Patienten das Gefühl, dass Sie ihn ernst nehmen und seine Emotionen nicht schlecht oder herabwürdigend bewerten.

• Vermeiden Sie es Diskussionen über den Sinn oder Unsinn eines Suizides zu führen. Machen Sie sich klar, dass nicht Sie es sind, die hilflos in einem Bett liegt und auf Pflege angewiesen ist. In Ihrem mehr oder weniger unbelasteten und glücklichen Leben, wird es Ihnen ohnehin schwer fallen, ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass man eines Tages nicht mehr will oder nicht mehr kann. Auch auf die Gefahr der Wiederholung: Nehmen Sie den Patienten ernst und machen sie ihm oder ihr klar, dass Sie der richtige Ansprechpartner sind. Fragen Sie nach, wie Sie helfen können. Selbstverständlich ist mir klar, dass in Pflegeheimen oder auch bei der ambulanten Versorgung von Menschen zu Hause, meist die Zeit fehlt, über Sinn und Unsinn des Lebens zu reden. Doch Sie haben bei der täglichen Waschung jederzeit die Möglichkeit das Gespräch des Vortages wiederaufzunehmen. Drei Sätze die von Herzen kommen und dem Patienten zeigen, dass man ihn ernst nimmt und sich Gedanken macht, sind psychisch mehr wert als Standartfragen wie: „Und wie geht es ihnen heute? Oder was macht Ihre Katze?“

• Fragen Sie nach, ob man Kontakt mit einem Psychologen oder einen Arzt herstellen soll. Andere wünschen sich vielleicht auch das Gespräch mit einem Geistlichen. Wenn Sie suizidale Warnzeichen wahrnehmen und Ihr Patient nicht mit Ihnen darüber spricht, dann sprechen Sie den Patienten ohne Umschweife direkt an. Es ist absolut ok zu fragen, ob man darüber nachdenkt sich das Leben zu nehmen. Überraschend gestellte Fragen, entlocken den Patienten oft eine spontane und dadurch auch ehrliche Antwort. Bejaht die pflegebedürftige Person die Frage, nehmen Sie sie ernst und geben Sie ihr zu verstehen, dass Sie jederzeit da sein werden. Suchen Sie das Gespräch mit Angehörigen, dem zuständigen Arzt oder einem Geistlichen. Bitte vermeiden Sie einen Überfall durch Familienangehörigen nach dem Motto: „Was, Du willst dir das Leben nehmen?“ Eine solche Situation kann als Vertrauensmissbrauch gewertet werden und Sie erfahren in Zukunft nichts mehr vom Patienten. Dadurch werden Sie nicht mehr helfen können und das seelische Leid kann sich noch verschlimmern.

3. Proaktiv tätig sein

Wenn Sie sich um jemanden kümmern, der ein höheres Suizid-Risiko hat, sollten Sie Plan B in der Tasche haben, um im Notfall direkt agieren zu können. Versuchen sie eine Art Sicherheits- oder Notfallplan zu erstellen. Notieren Sie wichtige Telefonnummern von Familienmitgliedern, Freunden, engen Vertrauten oder auch Ärzten.

Wenn möglich, beseitigen Sie bitte alles was dazu geeignet sein könnte, einen Suizid auszuführen. Dazu gehört das Entfernen von Messern, scharfkantigem Werkzeug, wie zum Beispiel Schraubendrehern, Teppichmessern, Stricken, Seilen, Schals, Medikamenten, Gifte jeder Art, Utensilien zum Feuer machen, brennbare Flüssigkeiten und Alkohol.


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Autor: Mario Dieringer

29.09.2017