Presse & News

Presseanfragen an


Mario Dieringer

Geleitsstr. 66A

63067 Offenbach

Germany

info@footpath-of-life.com

Tel: +4917670428613

News:

Kostenlose Schulung für Journalisten in den Redaktionsräumen zum verantwortungsvollen Umgang mit Suizid-Themen

"Vom Werther- und Papageno-Effekt"

Die Suizid-Berichterstattung hat oft zur Folge, dass sich Menschen in Ihrer Haltung bestätigt sehen und dem Menschen aus der Zeitung folgen. Insbesondere nach Suiziden von Prominenten lässt sich wissenschaftlich ein kausaler Zusammenhang zwischen der Berichterstattung und den Folgesuiziden beweisen. Dieser Effekt nennt sich Werther-Effekt.

Wissenschaftlich ebenfalls nachweisbar ist die Möglichkeit einer Umkehrung. Die Leser ahmen das Positive aus der Berichterstattung nach und lassen sich helfen, ergreifen Eigeninitiative, sie trauen sich was und retten ihr Leben. Ja, es ist so dramatisch wie es sich anhört.

Nach bereits abgehaltenen, sehr erfolgreichen Schulungen in diesem Bereich, biete ich Print-, TV- und Hörfunk- und Online-Redaktionen ein kostenloses Seminar an. Lediglich die Fahrkosten mit der Bahn sollten übernommen werden.

Wenn Sie glauben, dass ich meinen Job gut gemacht habe, können sie Trees of Memory gerne mit einer kleinen Spende unterstützen aber das ist keine Voraussetzung und Erwartung. Wenn es Ihnen aus steuerrechtlichen Gründen lieber ist, eine Schulung abzurechnen, dann auch gerne das. Es bleibt Ihnen überlassen.

Ich bin Journalist und seit 2008 als Dozent in journalistischen Themen und im Bereich Marketing an Universitäten und Weiterbildungseinrichtungen in ganz Deutschland tätig.

30.7.2017

Video-Shooting für die bevorstehende Crowdfunding Kampagne

Einladung an Journalisten & Redakteure:

„Werther versus Papageno – Dialog-Workshop zur Suizid-Berichterstattung“


Termin: 21. August 2017, 10.00 bis 17.00 Uhr

Ort: Gesundheitsamt Frankfurt, Breite Gasse 28, 60313 Frankfurt; Auditorium

Veranstalter: Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention (FRANS)/Gesundheitsamt Frankfurt


Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

angesichts der hohen Zahl an jährlichen Selbsttötungen versucht das Frankfurter Netzwerk für Suizid-Prävention (FRANS), Suizid-Prävention so breitgefächert wie möglich zu betreiben. Hierbei sind Sie als Medienvertreter wichtige Partner. Aus diesem Grund möchten wir mit Ihnen in den Dialog über die Berichterstattung zu diesem sensiblen Thema treten und uns austauschen über das Spannungsfeld zwischen öffentlichem Interesse und Suizidprävention.

Im Rahmen des Workshops bekommen Sie anhand eines Fallbeispiels einen kurzen Überblick über Suizidalität sowie über Hintergründe zum Thema. Anhand von Positiv- und Negativ-Beispielen aus der Berichterstattung möchten wir uns mit Ihnen gemeinsam den Papageno- sowie den Werther-Effekt anschauen und praktische Handlungsempfehlungen diskutieren. Außerdem werden die existierenden Leitlinien zur Suizidberichterstattung kurz vorgestellt, um im Anschluss gemeinsam über mögliche, für Sie als Journalisten hilfreiche, Aktualisierungen und Verbesserungen der Leitlinien zu brainstormen.

Nach einer Begrüßung durch den Gesundheitsdezernenten der Stadt Frankfurt Stefan Majer erwarten Sie als ReferentInnen:

Dr. med. Dietmar Seehuber Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie; Facharzt für Kinderund Jugendpsychiatrie und -psychotherapie; Chefarzt Klinik Hohe Mark,

Mario Dieringer - Mediendozent und betroffener Angehöriger,

Katja Rauchfuß - jugendschutz.net; AG Suizid in den Medien des Nationalen Suizidpräventionsprogramms (NaSPro)

Wir würden uns freuen, Sie am 21. August zu unserem Workshop begrüßen zu dürfen. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, Es gilt die Reihenfolge des Eingangs der Anmeldungen. Wir bitten Sie um Rückmeldung bis spätestens zum 10. August 2017. Bitte senden Sie eine E-Mail an suizidpraevention@stadt-frankfurt.de

30.08.2018

Frankfurter StadtKurier - Aus einem steinigen Weg ein Fußweg des Lebens machen

18.10.2016

Nach dem Selbstmord seines Partners will er Bäume pflanzen - Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

5. Februar 2017

Interview von Jana Wessendorf

nachzulesen auf http://www.zufussunterwegs.com

Gerade erst habe ich einen Beitrag von kleinen Ideen mit grossen Wirkungen geschrieben, da ergibt es sich, ein Paradebeispiel einer solchen kleinen Idee mit einer – im wahrsten Sinne des Wortes – weltweiten Auswirkung in meiner fussigen Interviewserie bekannt(er) zu machen.

Mario Dieringer hat den “Footpath of Life” ins Leben gerufen. Ein wundervolles Projekt, welches nur so vor Menschlichkeit, Wärme und der Liebe zum Leben strotzt. Das ist umso bemerkenswerter, weil “Footpath of Life” aus einem sehr traurigen Grund entstanden ist.

Es ist für mich bewundernswert, wie viel positive Energie, Lebensfreude, Enthusiasmus und bildhaft lebendige Sprache in Marios Worten trotz – oder gerade auch wegen – des Schicksalsschlages zu finden sind.

Erfahre im heutigen Interview mit Mario Dieringer und über “Footpath of Life”, …

✓ … warum Marios Projekt “Footpath of Life” entstanden ist und was seine Vision ist,

✓ … warum Bäume das ideale Symbol für dieses bemerkenswerte Vorhaben sind,

✓ … welche Schwierigkeiten es zu meistern gilt und

✓ … warum es so wichtig ist, den “Footpath of Life” zu Fuss zu ziehen.

Und vielleicht fragst du dich nach dem Lesen des Interviews auch, so wie ich, mit welchem Bild vor Augen du einmal sterben möchtest, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. Das mag komisch klingen, ist aber eine sehr wichtige und berechtigte Fragestellung.

Und nun, ohne weitere Worte zu verlieren, auf zum “Footpath of Life”!

Mario Dieringer ist von Beruf Journalist und Dozent und hat sich im Verlauf seines Lebens immer wieder neu erfunden. So waren seine vier abgeschlossenen Berufsausbildungen und das Studium eher ein Akt der Langeweile, als eine Notwendigkeit. Nach dem Suizid seines Lebenspartners änderte sich sein Leben schlagartig; zurückgeblieben sind nur noch Scherben und unendliche Finsternis. Nach Monaten im eisigen Würgegriff von Depressionen und eigenen Suizidgedanken hat der 50jährige einen Weg gefunden, sein persönliches Schicksal zu nutzen, um auf die Problematik Suizid hinzuweisen. Mit seinem internationalen Projekt „Footpath of Life“ will er auf einem Weg um die Erde Bäume der Erinnerung pflanzen und über 75.000 Kilometer hinweg Gelder für die Suizidprävention erlaufen.

1. Du wirst bald für eine lange Zeit zuFüssler sein. Du möchtest 75.000 Kilometer um die Erde – gehen, laufen, wandern. Worauf freust Du Dich am meisten?

Diese Frage klingt so einfach und dann stelle ich fest, dass ich gar nicht weiss womit ich beginnen soll, weil es so Vieles gibt, auf das ich mich freue.

Allen voran auf alle Erfahrungen, die neu sind, auf die ich nicht mal im Traum gekommen wäre und die mir zeigen werden, dass das Leben noch viel grossartiger sein kann, als angenommen. Aber auch auf die Momente, in denen ich über mich hinauswachsen muss und Fähigkeiten von mir entdecke, von denen ich nicht wusste, dass ich sie habe.

Zu dieser Liste gehört aber auch das Scheitern und das Erkennen eigener Grenzen, auch wenn ich mich nicht darauf freue. Sie werden mich mit meinen Ängsten konfrontieren und das wird mir eine mentale Freiheit schenken und mich stärken.

Und in diesem Bewusstsein des neuen „Ichs“ wird die Begegnung mit spannenden Menschen und die gegenseitige Unterstützung eine gänzlich neue Erfahrung werden. Auf diese Menschen, Ihre Taten und Ihre Projekte freue ich mich mindestens ebenso sehr, wie auf die Natur und die Welt als solches.

2. Dein Projekt “Footpath of Life” ist durch einen privaten Schicksalsschlag entstanden. Wie kam die Idee zur Weltumrundung zu Fuss und warum gerade zu Fuss?

Jetzt wird natürlich erwartet, dass der „Verrückte“ beschreibt wie man auf so eine irrwitzige Idee nach dem Suizid des Lebenspartners kommt.

Jetzt wird es gleichermassen langweilig banal als auch unglaublich spannend.

Ich stand unter der Dusche und plötzlich wurde es still. Ich hörte nicht mehr das Wasser auf meiner Schädeldecke trommeln und fühlte auch keine wohltuende Wärme mehr. Da war nur noch diese allumfassende Stille und plötzlich war da dieser raumfüllende, ach was, diese meine Welt ausfüllende Gedanke: „Lauf um die Welt und pflanz’ Bäume“. Laut und deutlich ohne, dass es eine Stimme gab, ohne dass es einen Ton gab.

Es war einfach dieser lautlose und gleichzeitig alles ergreifende Gedanke. Und das einzige, was ich von mir gab, war: “Bist Du vollkommen verrückt geworden? Du hast Sie wohl nicht mehr alle! Lauf um die Welt und pflanz Bäume …. Dir hat wohl jemand ins Gehirn geka… .”

Dieser Gedanke, der mir gleichzeitig “Footpath of Life”, quasi als „full package“ geliefert hat, liess mich nicht mehr los und am selben Tag habe ich alles zu Papier gebracht. All das, was heute auf der Website steht und dazu dienen wird, die Suizid-Prävention zu unterstützen.

Ich muss laufen, ich darf die Erdverbundenheit nicht verlieren, weshalb ich Ozeane auch nur zu Schiff überqueren kann und ich kann Dir die Frage nach dem „Warum“ nicht beantworten. Ich weiss nur, dass es sehr wichtig ist, diesen Ring um die Erde, der für den Kreislauf und die Unendlichkeit des Lebens steht, zu Fuss zu gehen, denn nur so werde ich das Leben spüren, meistern und ein Zeichen setzen.

3. Unterwegs wirst Du auf Deiner Wanderung, auf Deinem Weg, Bäume pflanzen. Menschen, Familien, Freunde, Arbeitskollegen können sich an Dich wenden, wenn sie für jemanden, der nicht mehr unter uns ist, einen Baum pflanzen möchten. Warum hast Du Dir gerade Bäume, die so wichtigen und standhaften Teile der Natur, als Symbol für die Erinnerung ausgesucht?

Die Bäume sind Bestandteil des Gedanken-Pakets gewesen, dass da unter der Dusche von meinem Unterbewusstsein oder wem auch immer, plötzlich geliefert wurde. Und in der Tat sind diese Wunder der Natur das perfekte Symbol, um an Menschen zu erinnern, die von uns gegangen sind.

Es gibt Milliarden von Bäumen, aber nicht einen einzigen Zwillingsbaum. Keiner gleicht dem anderen, so wie die Liebe sich nicht vergleichen lässt oder doppelt. Aus einen winzigen Samen entstehen im Laufe der Jahrzehnte riesige und wunderschöne Geschöpfe der Natur und je älter sie werden, umso schöner und kräftiger sind sie. Auch das haben Bäume mit der Liebe gemeinsam.

Sie entwickeln sich im Frühjahr und zeigen uns die neuen Farben des Lebens, erstrahlen im Sommer und bieten Schatten und Schutz vor Unwetter und im Herbst müssen die Blätter weichen, um für Neues Platz zu schaffen. Und die frostigen Zeiten in einer Beziehung werden durch den Winter symbolisiert, der den neuen Keimen im Frühjahr Platz machen muss.

Auch Beziehungen durchlaufen Jahreszeiten. Die Bäume, die ich pflanzen werde, tragen die Erinnerungen an einen ganz besonderen Menschen in sich und dürfen wachsen, so wie einst die Liebe oder die Freundschaft gewachsen ist. Sie erzählen Geschichten und sind gleichzeitig ein lebendiges und starkes Zeichen dafür, wie sehr es sich lohnt, für das Leben zu kämpfen und wie schön es sein kann. Sie sollen aber auch mahnen, diejenigen nicht allein zu lassen, die plötzlich ohne Partner dastehen.

Bäume sind das perfekte Symbol und diese Erkenntnis lässt mir immer wieder das Herz platzen vor Freude. Stell‘ Dir einfach diesen Ring um die Erde vor, der jedes Frühjahr von blühenden Bäumen gesäumt wird.

4. Den ersten Schritt wirst Du im nächsten Jahr, 2018, machen. Wo wird Dich Deine Route entlang führen? Welche Länder stehen schon fest? Wie lange möchtest Du Dir für die 75.000 Kilometer Zeit lassen?

Wie die genaue Route um die Erde verlaufen wird, kann ich nicht sagen. Das kann ich noch nicht mal sagen, wenn ich mich bereits auf dem Weg befinde. Den Verlauf von “Footpath of Life” geben nämlich die Menschen vor, die mit mir einen Baum für einen ihrer Lieben pflanzen möchten. Das bedeutet, dass wenn mir jemand sagt „Komm nach Dresden“, wird die Stadt auf eine Liste eingetragen.

Kurz bevor ich dann losgehe, werde ich alle Städte in eine sinnvolle Reihenfolge bringen, die ich ablaufen kann. Diese Planung wird mit jeder Landesgrenze, die ich überschreiten werde, von Neuem stattfinden. Und selbst wenn die Strecke bereits mehr oder weniger feststeht, kann sie sich noch verändern, weil plus minus 100 Kilometer rechts und links vom Weg, neue Gemeinden dazu kommen können.

Der Weg wird also nicht von mir gemacht, sondern von den Menschen und ihren Bäumen. Bisher sind 23 Bäume in neun Ländern geplant. Deutschland, Niederlande, Belgien, England, Spanien, Italien, Serbien, USA und die Mongolei sind schon mal Teil von “Footpath of Life”.

Aber wie lange ich dafür brauchen werde kann ich nicht sagen. Ich gehe von mindestens 15 Jahren aus und wenn es 10 Jahre länger dauert, dann ist es halt so.

Ich habe alle Zeit der Welt.

5. Wie planst Du diese Unternehmung, diese immens lange Fernwanderung? Wie willst Du sie finanzieren?

Dadurch, dass sich der Streckenverlauf erst kurz vorher Start zeigen wird und später von Land zu Land geplant werden muss, kann ich nur wenig planen. Aber ich werde in diesem Jahr viele Gemeinden anschreiben und um einen Platz für einen Baum bitten.

Gleichzeitig versuche ich über alle möglichen Kanäle online und offline, Menschen von “Footpath of Life” zu erzählen, damit ich so viele Menschen wie nur irgendwie möglich erreiche, die es sich vorstellen können, mit ihrem Baum ein Teil von “Footpath of Life” zu werden oder irgendwie für sich selbst Hoffnung schöpfen können, indem sie sehen, was ich mache.

Mit zur Planung gehört auch die Suche nach Sponsoren und da muss ich sagen, war ich sehr blauäugig und bin auch zugegebener Massen bisher sehr enttäuscht. „Suizide und Sponsoring passt nicht zusammen“ höre ich öfter. Die Verantwortlichen sehen nicht, welch ungeheure Kraft es braucht und wieviel positiven Lebenswillen und Mut ich aufbringe, das Unvorstellbare wahr zu machen.

Das ganze Projekt ist ein einziger positiver Kraftakt mit vielen leuchtenden Facetten, welche von Sponsoren vielfältig genutzt werden könnten. Doch die Marketingmanager sehen nur die Dunkelheit des Suizides. Deshalb bin ich auf Spenden angewiesen. Nicht nur um mein täglich Brot zu ermöglichen, sondern um die Bäume kaufen zu können und die Ausrüstung aufzutreiben. Ich glaube, dass das Eine das Andere bedingt.

Wenn die Manager sehen, wie viele Menschen an das Projekt glauben und mich finanziell unterstützen, werden sie womöglich aufgeschlossener sein. Deshalb habe ich Anfang Januar eine Spendenseite eingerichtet und auf meiner Website auch eine Kontonummer für Spenden angegeben:

Unterstützung für “Footpath of Life”

Ich würde mich also über jede Spende freuen, auch wenn es sich nur um einen Euro handelt, was genügend Geld wäre, um Essen für einen Tag zu kaufen.

6. Wirkt sich Deine Liebe zur Natur und zu den Tieren, und auch das zu Fuss unterwegs Sein, auch jetzt schon auf andere Bereiche in Deinem Leben aus? Wenn ja, wie?

Meine Liebe zur Natur und zu Tieren war schon immer da. Ich bin mit Tieren groß geworden, habe bisher drei Hunde gehabt, Katzen, Schildkröten, Schlangen, Hamster und aktuell noch mein Aquarium.

Ich glaube ich habe immer schon einen sehr bewussten Umgang mit der Natur gehabt und betrachte jedes Lebewesen und jede Pflanze als Geschöpf der Natur und versuche sie zu achten. Klappt natürlich nicht immer, weil Unkraut in meinen Gemüsebeeten und eine Horde Ameisen im Zelt, einfach nicht argumentativ aus dem Weg geräumt werden können.

Aber wenn ich wandern gehe, erwacht immer das Kind in mir und ich staune darüber wie schön selbst ein Sonnenstrahl sein kann, der es durch das Dach des Waldes auf den Erdboden schafft, um dort ein Farn ins Rampenlicht zu stellen.

7. Wenn Du dann länger unterwegs bist, was darf auf keinen Fall fehlen?

Ganz ehrlich? Die Wärme und der Zuspruch meiner Mitmenschen, Freunde und Follower. Das Mutmachen von außen kommend und ab und an ein kleines Erfolgserlebnis, das mir zeigt: alles richtig, was Du machst.

Daneben aber auch die Dinge, die mein (Über)Leben sichern: Zelt, Schlafsack, Kocher, Wasserfilter, Navigationsgerät.

Und ganz wichtig, damit ich auch alles dokumentieren kann und damit mir die Menschen virtuell folgen können: mein Laptop, die Filmkamera, der Fotoapparat, das Handy und das Solarladegerät.

8. Mit wem würdest Du gerne auf Deiner Wanderung für “Footpath of Life” ein Stück spazieren gehen oder einen Teil der Wanderung bestreiten?

Wow jetzt wird mir also diese Frage gestellt, die anderen in ähnlicher Form immer wieder vor TV-Kameras gestellt wird. Dabei frage ich mich immer: der Papst, Prinz William oder Jodie Foster, wen würde ich nehmen? Es gäbe so viele Menschen, die ich gerne mal kennenlernen möchte.

“Footpath of Life” möchte ich am liebsten – und das ist jetzt auch eine Einladung – mit Menschen gehen, die wie ich alles verloren haben, die wie ich in Gedanken dem Tod näher als dem Leben gestanden haben oder viel wichtiger sich in dieser Situation befinden. Mit Menschen, die jede Hoffnung aufgegeben haben und müde ihres Lebens sind.

Mit Ihnen möchte ich Footpath gehen, um ihnen, als auch dem Leben oder der Welt, zu beweisen: Du musst nur die Augen öffnen und die Dinge betrachten, die Dir bis dahin verborgen geblieben sind, weil Du sie nicht gesehen hast, weil sie nicht entlang Deines Weges standen, um zu sehen wie toll und lebenswert das ist, was da noch kommt. Du musst nur einen neuen Weg einschlagen.

Ich möchte mit denjenigen gehen, die keine Kraft mehr haben. Ich möchte mit Menschen gehen, die das ganze Projekt einfach nur toll finden. Und ich möchte eines Tages mit demjenigen gehen, der meine Hand nicht mehr loslassen mag und für den “Footpath of Life” und ich, womöglich mehr wird, als nur eine verrückte Wanderung (Ja, Universum, Gott oder wer auch immer, das war ein Wunsch voller Demut!)

9. Welches Erlebnis in der Natur, mit Tieren, zu Fuss unterwegs, egal ob ein schönes oder nicht so schönes, bleibt Dir besonders in Erinnerung? Warum?

Womit soll ich nur beginnen?

Ich bin 1990 innerhalb eines Jahres vom Senegal nach Madagaskar gereist. Einmal quer durch den afrikanischen Kontinent. Was soll ich sagen? Das erste Mal als ich eine Elefantenherde in nur 30 Meter Entfernung gesehen habe, das Geparden-Weibchen mit seinen drei Jungen in Tansania, die stinkende Herde Nilpferde, wie sie den Fluss voll geschissen haben, der Blick vom Rand des Ngorongoro Kraters auf das Paradies?

Das erste Mal als ich mit meinem Gleitschirm eine Höhe von 2700 Metern erreicht habe und über den Alpenhauptkamm schauen konnte, der Nasenbär der am Strand in Costa Rica jeden Tag ankam und meinen Rucksack durchwühlt hat und mich lustig angepiepst hat, wenn ich ihm Ananas-Stückchen gegeben habe? Oder die langen taghellen in rosa Licht getauchten Nächte, die ich vor meinem Zelt in der Antarktis, während der Erstbesteigung eines dortigen Berges verbrachte, als ich diese Expedition für das Fernsehen dokumentiert habe?

Eigentlich alles, was ich das erste Mal erlebt habe.

Aber jetzt wo ich darüber schreibe ist das Bild wieder da und das ist bis dato der schönste und unglaublichste Moment in meinem Leben gewesen: mit dem Segelboot in der Antarktis den Lemaire Channel, dem Sonnenuntergang entgegen, durchshippernd.

Das war ein Moment, den ich nicht in Worte fassen kann und das ist das Bild, das ich vor Augen haben möchte, wenn ich mal sterbe.

Bis jetzt … wer weiß was noch kommt.

10. „Gehen ist des Menschen beste Medizin.“ (Hippokrates) Weil …?

… einem die Langsamkeit des Seins und Vorankommen die Möglichkeit bietet, Menschen, Tieren und Pflanzen zu begegnen, diese wahrzunehmen, jeder Schritt die Gedanken in die Freiheit entlässt und mein Fußabdruck nichts weiter tut, als dem Lauf der Geschichte zu folgen, wie es Millionen vor mir taten, das Gehirn zu arbeiten beginnt und ich allzeit mit allen fünf Sinnen spüre: Ich lebe.

16.01.2017

„Wichtig ist, dass man beginnt Veränderungen herbeizuführen“

Ein Gespräch über Depression, Suizid und tatsächliche Auswege

von Daniel Schweigler

10.209 Personen verübten 2014 alleine in Deutschland Suizid. Eine Zahl, die schockierend hoch ist und dennoch nicht im Ansatz das Leid der Ausübenden und deren Hinterbliebenen wiederspiegeln kann. Einer der Betroffenen ist der Journalist und Dozent Mario Dieringer, der mit seinem Projekt „Footpath of Life“ diesem Leid Ausdruck verleiht.

Herr Dieringer, 2016 verübte Ihr Partner Suizid. Was motivierte Sie in dieser dunkelsten Zeit ihres Lebens weiterzumachen?

„Footpath of Life“. Die Idee ist einfach irgendwann aufgetaucht und war für mich das Licht in der Dunkelheit.

Wenn „Footpath“ nicht gewesen wäre, dann weiß ich nicht, was mit mir passiert wäre. Ich weiß es wirklich nicht…

Beschreiben Sie bitte kurz mit Ihren eigenen Worten „Footpath of Life“.

„Footpath of Life“ ist ein Projekt, das die internationale Suizidprävention unterstützen soll. Dazu werde ich einen Weg um die gesamte Erde gehen. Entlang des Weges werde ich Bäume der Erinnerung pflanzen. Bäume, die ich für diejenigen setze, die durch Suizid aus dem Leben gerissen wurden. Aber auch Bäume für diejenigen, die zurückbleiben mussten und nun mit seelischen und psychischen Narben und Wunden umgehen müssen, die für den Rest des Lebens nicht mehr vollständig heilen werden.

„Geh und pflanz‘ Bäume!“ – Eine Idee, die Ihnen aus dem Nichts eines Tages unter der Dusche gekommen ist.

Warum Bäume? Was ist für Sie deren symbolische Bedeutung?

Es gibt Milliarden von Bäumen auf unserer Welt und nicht einen einzigen Zwillingsbaum. Genauso ist es in der Freundschaft und Liebe. Auch da gleicht keiner der anderen. Ein Baum wächst aus einem ganz kleinen Samen und wird groß und stattlich und überdauert Jahrzehnte, Jahrhunderte, manchmal sogar Jahrtausende. Und je größer und je älter er wird, desto schöner wird er. Nicht nur das, sondern auch die Jahreszeit, denen der Baum unterworfen ist, ist voller Symbolik, denn ebenso wie einem Baum sind Beziehungen den Jahreszeiten unterworfen. Es gibt natürlich den Frühling, wo alles wächst und gedeiht. Man genießt es im Sommer. Es gibt besinnliche Momente im Herbst und dann gibt es eben auch ganz frostige Zeiten im Winter.

Bäume sollen an Menschen erinnern, die nicht mehr da sind, und an Beziehungen, die einst bestanden haben und nun eben durch den Baum wieder wachsen dürfen – so wie auch die Liebe oder eine Beziehung gewachsen ist. Es ist irgendwie ein schönes Bild. Bäume sind für mich ein perfektes Symbol. Je häufiger ich darüber nachdenke, desto perfekter wird es.

Das Projekt wird Sie um die ganze Welt führen. Aktuell suchen Sie Sponsoren und haben eine Spendenseite eingerichtet. Was machen Sie, um auf sich und das Projekt aufmerksam zu machen?

Natürlich wird dieses Projekt vor allem durch die sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest, Tumblr, etc. getragen. Es gibt keine großkostenintensiven Marketingkampagnen, sondern nur die Arbeit, die ich selbst Tag und Nacht leiste. Eine Arbeit, die sich auszahlt. „Footpath“ ist seit knapp 5 Monaten online und innerhalb dieser Zeit habe ich bereits knapp 6000 Follower bekommen können. Es sind schon 23 Bäume in insgesamt neun Ländern bestellt worden. Es wächst und gedeiht. (Stand: 12.01.2017 – Anm. d. Red.)

Sie lieben die Natur und Erdverbundeheit ist für Sie wichtig. Ihr Plan ist es, die 75 000 km, die Sie durch mehr als 60 Länder führen wird, zu Fuß zurückzulegen. Wo werden sie schlafen, wenn Sie über längere Abschnitte niemand aufnehmen kann?

(Lacht) Das wird wahrscheinlich ja auch bei kürzen Abschnitten der Fall sein. Jeden Tag ein nettes Bett zu finden wird wahrscheinlich ein Traum bleiben. Ich werde es mir dann in meinem gemütlichen Zelt – sagen wir mal – hoffentlich gemütlich machen.

Wo sehen Sie weitere mögliche Probleme und Herausforderungen auf Ihrer Reise?

Es wird wahrscheinlich schon den einen oder anderen Abschnitt geben, der etwas wanderfeindlich ist. Beispielsweise in Kanada gibt es viele hunderte Kilometer, in denen es nichts als Wald gibt. Da kann ich nicht einfach in einen Shop spazieren und mir mal eben was zu essen kaufen. Das wird dann ein wenig tricky, aber da werde ich wohl durchmüssen.

Tod und Sterben sind Themen, die aus unserer Gesellschaft verdrängt werden. Sie rücken hier mit „Footpath“ einen Bereich aus dem Dunklen, der noch weniger Platz in unserer Gesellschaft zu haben scheint. Ein Grund mag sein, dass es erwiesenermaßen nach Medienberichte über Suizide zu Nachahmungstaten gekommen ist. Sehen Sie für Ihr Projekt eine ähnliche mögliche Gefahr?

Nein. Für mein Projekt sehe ich nicht, dass das zu einem Problem werden kann. Der Umgang der Presse mit dem Thema Suiziden ist das eigentliche Problem. In der Regel wird nicht berichtet, weil man eben sagt, es könne zu Nachahmungstaten kommen. Die Presse ging allerdings in der Regel sehr unsensibel mit dem Thema um. Es wurden Bilder von dem Hochhaus gezeigt, aus dem ein Mensch gesprungen ist oder es wird erzählt, welche Pillen wer wo wann wie geschluckt hat. Das führt in der Tat zu Nachahmungen.

Allerdings gar nicht darüber zu berichten, ist auch der falsche Weg. Menschen, die sich das Leben nehmen, sagen sich sowieso schon, sie seien nicht wichtig und es kräht kein Hahn nach ihnen. Auf der einen Seite unterstützt das also sogar diese Gedankengänge. Andererseits

– und das sollte die Presse ändern! – hilft es, wenn mehr über das Umfeld und die Folgen eines Suizids berichtet wird. Was bedeutet der Suizid für die Familie, Freunde und Arbeitskollegen? Wenn Menschen, die Suizid-Gedanken haben, erfahren würden, welchen Katastrophen ihre Tat auslöst und welche irreparablen Schäden sie ihren Angehörigen möglicherweise zufügen, glaube ich, dass es sich der oder die ein oder andere doch überlegen würde und schlussendlich schneller zu einer Therapie zu bewegen wäre. Wenn aber alles schweigt, alles totgeschwiegen wird, dann kommt es denen so vor, als wären sie vollkommen unwichtig.

Bei ihrem Projekt geht es vor allem auch darum, den Betroffen Trost zu spenden und das Leid der Hinterbliebenen zu mindern. Wo jedoch sehen Sie in der heutigen Zeit die Möglichkeiten der Prävention? Was raten Sie Menschen, die fürchten, ein Angehöriger könne sich das Leben nehmen?

Da zu sein – und zwar Tag und Nacht. Und die Sorgen und Ängste der Betroffenen, egal wie unwirklich sie erscheinen mögen, wirklich ernst zu nehmen. Das kann wirklich sehr, sehr anstrengend sein, aber es gibt letztendlich gar keine Alternative, als den Betroffenen in ihrem Kampf, den sie letztendlich selber führen, beizustehen. Ihnen versuchen nahezulegen, einen Therapieplatz zu suchen und ihnen beim Finden zu helfen. Psychotherapie kann so viel bewirken. Neben der Therapie gibt es natürlich noch Medikamente. Es ist auch nicht gesagt, dass man diese ein ganzen Leben nehmen muss. Und selbst wenn man jeden Tag ein oder zwei Pillen nehmen muss – und mehr sind es nicht, mitunter übrigens ohne irgendwelche Nebenwirkungen – ist das immer noch besser als sich letztendlich das Leben zu nehmen. Unbehandelte Depressionen führen – sie müssen es nicht zwangsläufig – in den Tod.

Die ganze Präventions-Arbeit und Aufklärung ist sowohl für die Angehörigen als auch die, die über einen Suizid nachdenken, zwingend notwendig. Alleine hier in Frankfurt gibt es über 30 Organisationen, die sich mit Suizid auseinandersetzen und diese Arbeit leisten. Es gibt einen internationalen Suizid-Präventionstag im September und weltweit agierende Organisationen, mit denen ich teilweise mittlerweile auch in Verbindung stehe.

Ich selbst werde Gründungsmitglied eines Fördervereins für eben diese Präventions-Organisation. Das Ganze steht unter der Schirmherrschaft von Walter Kohl (Unternehmer und Autor, Sohn des ehem. Bundeskanzlers Helmut Kohl – Anm. d. Red.). Und ja, wie Sie sehen, es gibt weiterhin großen Bedarf. Einerseits wird die Anzahl der Suizide im Jahr nicht geringer, andererseits steigen die Zahlen der Depressionen aber. Ich sehe das alleine in meinem privaten Umfeld. Es wird aktuell einfach nicht besser.

Was würden Sie jemandem raten, der selbst einen Todeswunsch entwickelt hat?

Es nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Zu glauben, das gehe einfach vorbei, ist eine Fehlannahme. Spätestens dann, wenn man das erste Mal in seinem Leben über Suizid nachdenkt, sollten alle Alarmglocken läuten. Dann ist nämlich bereits etwas im Gehirn passiert. Viele Menschen wissen nicht, dass schwere Depressionen die Hirnchemie verändern. Man glaubt vielleicht, man hat nur diese „komische“ Gedanken, ahnt aber gar nicht, dass es bereits zu biologisch-chemischen Veränderungen im Gehirn gekommen ist. Diese Veränderungen sorgen dafür, dass man Gedanken hat, die nicht mehr „normal“ sind und nicht mehr zu einem Menschen gehören. Das kann man aber heilen. Wenn solche Gedanken aufgetaucht sind und es dann auch noch zu einer persönlichen Krise kommt – sei es eine Trennung, ein Todesfall, der Verlust des Arbeitsplatzes oder je nach Schwere der Depression, kann es auch eine totale Lappalie sein – sieht man sich mit einer Situation und Gefühlen konfrontiert, denen man dann gegebenenfalls ganz irrational nachgibt. Und dann ist es oftmals zu spät.

Sie sagten gerade, dass sie beobachten, dass es zu immer mehr Fällen von Depressionen kommt. Woran mag das liegen?

Da kann ich nur Mutmaßungen anstellen. Ich glaube schon, dass das gesellschaftsbedingt ist. Gerade, wenn ein gewisses Maß an Vereinsamung dazukommt. Oftmals ist es eine Überforderung am Arbeitsplatz. Mehr und mehr Menschen werden dazu genötigt, mehr und mehr Dinge tun zu müssen, die sie eigentlich gar nicht machen wollen. Auch glaube ich, dass diese ganzen Telemedien – alles findet nur noch vor dem Bildschirm statt – ein Faktor sind, der Depressionen verstärken kann.

Sie bezeichnen die Depression als den Krebs der Seele. Glauben Sie an ein sicheres Heilmittel für die Krankheit?

Ja. Depressionen können ganz klar behandelt werden. Da gibt es kein Wenn und Aber. Natürlich gleicht keine Depression der anderen. Manche sind leichter, manche sind schwieriger zu behandeln, aber wichtig ist, es gibt die Möglichkeit der Behandlung. Letztendlich sind da nur wenige Menschen, Ausnahmefälle, bei denen Behandlungen überhaupt nichts bewirken. Die allermeisten Menschen können nicht nur weiterleben, sondern auch ein gutes Leben führen. Irgendwann sind sowohl die Einnahme von Medikamenten als auch die Therapiestunden nicht mehr nötig. Das mag in zwei Jahren, das kann aber auch in zehn Jahren der Fall sein.

Wichtig ist vor allem Veränderung – das aus dem Leben rauszuschmeißen, was einem nicht gut tut. Das ist natürlich oftmals leichter gesagt als getan. Wenn man 8 Stunden in einem Job hockt, der einen ankotzt, ist das zwar ein Faktor, aber irgendwie muss man ja sein Geld verdienen. Und auch die Frau, die unglücklich in ihrer Ehe ist, verlässt nicht mal eben ihre drei kleinen Kinder. Wichtig ist, dass man dennoch beginnt Veränderungen herbeizuführen. Beispielsweise hat es bei mir einen Mörderschub nach vorne gegeben, seitdem ich mich dazu entschlossen habe, „Footpath“ zu machen – und das im schlimmsten Jahr meines Lebens. Alleine das zeigt mir, dass die Entscheidung etwas zu ändern schon zu einer deutlichen Verbesserung führen kann.

„Footpath“ ist also auch ein Projekt, das Ihnen persönlich neu eine Perspektive und Sinn gegeben hat. Auf ihrer Homepage schreiben Sie, Sie schätzen, Ihre Wanderung wird 10 bis 15 Jahre betragen. Was kommt danach?

Ich glaube, wenn man so ein Projekt macht, dann sollte man nicht großartig über ein Danach nachdenken. Wer weiß schon, was auf diesem Weg alles passieren wird. Deshalb ist eine Planung für ein Danach relativ schwierig. Ich mache mir keine Sorgen, dass ich den Weg nicht zu Ende bringen werde, denn ich habe ganz deutliche Bilder davon, wie ich von der anderen Seite der Welt komme und den ersten Baum berühre, den ich hier in Frankfurt pflanzen werde. Dieses Bild ist ganz deutlich da. Und danach? Mal sehen. Vermutlich kann ich dann eh nicht mehr laufen, aber vielleicht könnte ich dann noch einen Kindheitstraum verwirklichen und mit einem Kajak den Amazonas und den Nil befahren. Das wäre eine Möglichkeit. Vielleicht will ich dann aber auch nur noch sitzen und ein Buch schreiben.

23.8.2016

The International Association for Suicide Prevention (IASP) included Footpath of Life on their Website.

https://www.iasp.info/wspd/2016_wspd_activities.php#footpath

Eine Weltreise für viele Leben


Mario Dieringer ist Journalist, Coach, begeisterter Paraglider und Philanthrop. Vor einigen Jahren startete er Winterstricker, eine Organisation, die Wollbekleidung für Obdachlose strickt, sammelt, und verteilt. Sein neuestes Projekt beschäftigt sich mit dem Thema Suizid und Depression. Nach dem Verlust seines Lebenspartners fasste er einen außergewöhnlichen Plan, der ihn zu Fuß einmal quer um den Globus schicken wird. Mit Footpath of Life wagt er neue Wege zu beschreiten – für sich persönlich und für die Suizidprävention weltweit. Unterwegs wird er mit anderen Betroffenen Bäume der Erinnerung pflanzen. Ich habe Mario gefragt, wie die Vorbereitungen für dieses Mammutprojekt vorankommen.

von Julia Heinz


In einem Jahr geht es los. Noch bist du in der Erwachsenenbildung als Dozent tätig. Lernst du auch mal etwas von deinen Teilnehmern?

(Lacht) Meistens nur wie man es nicht macht. Manchmal lerne ich neue Websites kennen, die nützlich sind. Zudem sehe ich an den vielen hundert Biographien, dass ich mental auf dem richtigen Weg bin.


Kannst du dein Projekt kurz in deinen eigenen Worten vorstellen?

Footpath of Life ist ein internationales Suizid-Präventions-Projekt, das auf der einen Seite an Menschen erinnern möchte, die den Suizid als letzten Ausweg gewählt haben. Aber eben auch an die Menschen, die zurückbleiben mussten und weiterhin ihr Leben meistern müssen. Es soll nicht nur weltweit die Suizid-Prävention unterstützen, sondern auch ein Zeichen und ein Beweis sein, dass, egal wie dunkel und wie aussichtslos das Leben ist – selbst wenn man noch viel weniger als nichts hat – dass alles machbar ist, dass alles erreicht werden kann und dass es sich lohnt für das Leben zu kämpfen. Dazu werde ich am 27. März kommenden Jahres, dem zweiten Todestag meines Partners, anfangen um die Welt zu laufen und auf einem 75,000 km langen Weg Bäume der Erinnerung pflanzen.


Die Idee zu diesem mutigen Unternehmen kam dir unter der Dusche. Was hat diese Idee unterschieden von anderen, alltäglichen Schnapsideen, die jeder mal hat?

Es war keine Schnapsidee. Ich habe mir keine Gedanken gemacht, rumgesessen und überlegt, was soll jetzt aus meinem Leben werden? Wie werde ich jetzt weitermachen? Die Unterscheidung zu irgendwelchen Schnapsideen ist darin begründet, dass es gefühlt und mental ein richtiger Auftrag ist, den ich machen muss.


In welcher Phase befindet sich Footpath of Life aktuell? Was muss noch passieren bis zum Startschuss?

Es ist alles noch in der Vorbereitungsphase, aber ich bin schon mittendrin. Ich glaube, mit dem Momentum unter der Dusche hat der Weg schon begonnen. Eigentlich bin ich mental schon dabei und auch schon am Laufen. Ich habe die ersten Spendengelder und Sponsoren, 25 Bäume in zehn Ländern sind bestellt. Die Website steht, Teile des Equipments sind gekauft. Dann gibt es noch viele Dinge, die parallel laufen und die nach und nach fertig gestellt werden. Es soll auch noch ein Crowdfunding-Projekt dieses Jahr geben.

Das ist die nächste große Baustelle. Außerdem schreibe ich gerade ein Buch, das mit dem Thema zusammenhängt und mithelfen soll. Privat sind die ersten Kündigungen rausgegangen.


Wie wird die erste Etappe aussehen?

Die wird sich einmal quer durch Deutschland ziehen von Süd nach Nord. Ich werde mich ganz grob erstmal von Frankfurt Richtung Stuttgart und München begeben. Eventuell kommen im südlichen Raum noch Stationen dazu. Danach geht es von dort im Zick-Zack-Kurs nach Hamburg. Über Norddeutschland werde ich aller Voraussicht nach, in den Niederlanden meine zweite Station ansteuern.


Der Footpath of Life wird von seinen Unterstützern aktiv mitgestaltet. Aus vielen Ländern erhielt der 50-Jährige Anfragen und Zuspruch. Dort, wo Betroffene Bäume pflanzen wollen, wandert er hin, trifft Menschen, teilt Geschichten und Trost. Mario schätzt, dass sein Weg zehn, vielleicht 15 Jahre lang dauern wird.


Wie bereitest du dich körperlich auf eine so lange Reise vor?

Seit vier Wochen habe ich das Boxcamp Offenbach als Sponsor und gehe zweimal die Woche zum Boxtraining. Ansonsten werde ich dieses Jahr – wann immer es am Wochenende möglich ist –Langstreckenwanderungen machen, mit Zelt und Rucksack. Das restliche Training kommt durch Footpath selbst (lacht).


Wie waren die Reaktionen im Freundes- und Familienkreis auf deinen Plan, das nächste Jahrzehnt unterwegs zu sein? Gab es auch Zweifler?

Zweifler gibt es nur unter den Menschen, die mich nicht kennen. Die denken natürlich, der ist doch total durchgeknallt. Die Menschen, die mich kennen und schon eine Weile mit mir zu tun haben, die wissen, dass ich diverse Projekte in meinem Leben gemacht, bei denen jeder dachte: „Der ist doch verrückt, das funktioniert doch nie!“ In meinem Freundeskreis ging die Nachricht immer einher mit Tränen, viele Tränen. Danach aber auch immer ein sehr glückliches „Gott sei Dank, Mario ist wieder zurück!“ Das alles hat ja in einer Phase stattgefunden, in der ich nicht wusste, ob ich nächste Woche noch am Leben bin.


Auf der Homepage des Projekts liefert der Journalist einen sehr persönlichen Einblick in sein Seelenleben. Er berichtet von seinen eigenen Erfahrungen mit Depressionen vor und nach dem Suizid seines Lebenspartners. Imagefilme, Fotos und lange Texte zeigen zudem einen Privatmenschen, der nichts zu verstecken hat und über Suizid nicht mehr im Flüsterton sprechen will.


Glaubst du, du machst dich angreifbar – sogar verletzlich durch den sehr offenen Umgang mit deinen persönlichen Erfahrungen?

Es stellt sich die Frage, wer mich angreifen will. Ganz ehrlich, nein. Das merke ich anhand der Reaktionen und ich habe viele hundert Reaktionen bekommen bis dato. Ich bin nicht der Einzige und manchmal braucht es jemanden, der offen ist und davon erzählt. Es wäre vielleicht problematisch, wenn ich einer Bewerbungs-Phase stecken würde und um einen klassischen Job fragen würde. Ich könnte mir vorstellen, dass es den ein oder anderen Arbeitgeber gibt, der nur „Depression“ und „Suizid“ sieht. Bei den Sponsoren ist das ganz sicher so. Das habe ich schon zu hören bekommen. Die sehen einfach nicht, was ich wirklich mache. Aber meine Geschichte muss ich erzählen, wenn es glaubwürdig sein soll.

Was ich tue, ist nicht gegen Depression oder gegen den Suizid, ich tue etwas für das Leben. Wer nicht sieht, was ich dafür aufgebe, welcher Wille, welche Stärke und was es für einen Lebensmut brauch, dem kann ich nicht helfen. Einen Angriff auf dieses Projekt empfinde ich nicht als Angriff auf mich persönlich, sondern als menschlich sehr fragwürdiger Umgang mit Empathie.

Das sind Leute, die man nicht braucht, wenn man in einer Lebenskrise steckt, auf die man sich auch nicht verlassen kann.


Gab es Momente, in denen dir ein tabuhafter Umgang mit Suizidprävention begegnet ist?

Bei der Sponsorensuche. Man bekommt es zwischen den Zeilen mit. Zuerst bekommt man eine Standard E-Mail. „Wir bekommen tausende Anfragen und machen Sponsoring nur ganz selektiv. Wenn wir Interesse haben, melden wir uns wieder.“ Sponsoring hat auch immer was mit Image-Transfer zu tun. Viele sehen nicht, welche wahnsinnige Leistung man letztendlich vollbringen muss, sie erkennen nicht die eigentliche Botschaft. Ihnen sind die großartigen Möglichkeiten für ein Marketing- und Sponsoringkonzept nicht bewusst.

Depression und Suizid sind zwei Reizwörter, da fällt sofort der rote Vorhang und dann macht man sich keine Gedanken mehr darüber. Obwohl es Marketing-technisch extrem geil ist was man umsetzen kann; also ich habe sehr viele Ideen. Unternehmen können mit mir eine Nachricht um die Welt schicken und sich als Arbeitgeber präsentieren, die ihre Angestellten auch in Notlagen unterstützen. Ihre Message: Wenn wir an Dich glauben, kannst du auch an Dich glauben. Zugleich können sie ihre Produkte durchaus mit der Message verbinden, dass das Leben und die Welt großartig sind. Zu beweisen, dass man aus nichts, nur mit seinen eigenen Fähigkeiten und dem Glauben an sich selbst bewaffnet, ein so großes Projekt auf die Beine stellen kann und damit auch noch Menschen unterstützt, bietet mehr Marketing-Möglichkeiten als einen Snowboarder 100 Mal im Jahr den Berg runter fahren zu lassen. Ich bin Journalist und Crossmedia-Dozent und sehe so viele Geschichten, die Firmen umsetzen können. Geschichten, die den Suizid aus der Tabuzone holen, ohne dass man ihn benennen muss.


Auf welche Dinge möchtest du trotz leichtem Gepäck auf keinen Fall verzichten auf deiner Weltreise zu Fuß?

Meinen E-Book Reader! Meine Musik und richtig gute Kopfhörer.