Hoedspruit Training Trust

Sozial-ökologische Arbeit am Kruger Park

Im nordosten Südafrikas, am Rande des Nationalparks kümmert sich der Hoedspruit Training Trust um die Bedürfnisse der Wander- und Gastarbeiter und deren Kinder. Die Freiwilligen helfen in der Kindertagesstätte, dem Kräutergarten, den Tageskliniken oder den Secondhand Läden von Hlokomela und leben zusammen in einer Wohngemeinschaft in der Kleinstadt Hoedspruit.

Geographische Lage

Das Hlokomela-Projekt liegt 20 km westlich der Stadt Hoedspruit in der Kommune Maruleng in der Provinz Limpopo, Südafrika.

Maruleng besteht aus insgesamt 24 Siedlungen und Dörfern. Hoedspruit übernimmt die Rolle des Verwaltungs- und Wirtschaftszentrums der Region, auch wenn nur zwei Prozent der Bevölkerung hier leben. Das Gebiet von Maruleng weist ein überwiegend semi-arides Klima mit humiden Teilbereichen auf und besitzt somit eine, wie für diese Klimazone typisch, reiche Flora und Fauna. Es handelt sich um ein sehr flaches Terrain mit isolierten Bergrücken, wobei die wichtigsten Ressourcen Wasser, fruchtbarer Boden und eine vielfältige wildlebende Tier- und Pflanzenwelt sind. Nicht zuletzt aufgrund dieser natürlichen Gegebenheiten wurde das Gebiet, in dem sich auch das Hlokomela Projekt befindet, im Jahr 2001 von der UNESCO zum Biosphärenreservat „Kruger to Canyons (K2C)“ erklärt. Auch aus wirtschaftlicher Sicht spielen die vorhandenen Ressourcen eine erhebliche Rolle. Wichtigste Einnahmequellen sind die kommerzielle Plantagenwirtschaft (Obstanbau) und der Tourismus, v. a. Safari-Tourismus.

Bevölkerung

In Maruleng leben insgesamt ca. 110 000 Menschen in einem Gebiet mit einer Fläche von 3247 qkm. Somit ist die Bevölkerungsdichte mit nur 29 Menschen pro qkm sehr gering. 98% der Menschen leben in ländlichen Siedlungen, nur 2% in Städten. Die am häufigsten gesprochene Sprache ist Sepedi (87%). Daneben wird vor allem von der weißen Bevölkerung u .a. Englisch und Afrikaans gesprochen.

Fast 40% der Einwohner von Maruleng sind jünger als 14 Jahre und mehr als 36% zwischen 14 und 34 Jahre. Darüber hinaus werden mehr als die Hälfte aller Haushalte der Region von Frauen geführt. Nicht zuletzt sind hiermit oft Armut, Arbeitslosigkeit und eine Vielzahl sozio-ökonomischer Probleme verbunden.

Dies zeigt den großen Bedarf an expliziter Jugend- und Frauenförderung und gleichzeitig den großen Bedarf an Arbeitsplätzen für eine junge Bevölkerung, die – bei üblicherweise sehr schlechter Bezahlung – v. a. in der Landwirtschaft zu finden ist. Dreiviertel der Haushalte verdienen weniger als 930 Euro im Jahr und leben somit unter der Armutsgrenze. Weniger als ein Drittel verfügt über ein regelmäßiges Einkommen. Weit mehr als 30% der Menschen in der Region leben ohne Elektrizität und fließend Wasser.

Aufgrund der starken Prägung durch die Landwirtschaft ist der Bevölkerungsanteil an saisonalen Arbeitern und Wanderarbeitern z. B. aus Zimbabwe oder Mosambik zudem sehr groß. In der Hochsaison können dies bis zu 12.000 Arbeiter sein, die in Handarbeit Früchte ernten (Mangos, Zitrusfrüchte und Mais). Ein normaler Arbeiter in der Landwirtschaft verdient im Monat lediglich 150 Euro. Somit lebt auch ein Großteil dieser Arbeiter unter der Armutsgrenze. Dazu kommt, dass eine große Zahl der Arbeiter ohne ihre Familien in die Region ziehen, um ihre Tätigkeit auszuüben. Durch die oft monatelange Trennung von ihren Partnern und die fehlenden Gebrauch von Verhütungsmitteln, entsteht ein Risiko von Krankheit und ungewollter Schwangerschaft. Problematisch hierbei ist besonders die Tatsache, dass fast ein Drittel der Arbeiter mit dem HI-Virus infiziert bzw. an Aids erkrankt ist.

Historie und Zielsetzung

Der „Hoedspruit Training Trust“ wurde 1998 als offizielle Einrichtung gegründet, die sich für die Entwicklung und Unterstützung der großflächigen Farmen und Gemeinden einsetzt. Erst seit etwa 60 Jahren wird die Region durch intensive Landwirtschaft wirtschaftlich in Wert gesetzt, womit ein großer Bevölkerungszuwachs einherging. In diesem Zusammenhang entstanden vermehrt soziale und sozio-ökonomische Probleme, da ein überwiegender Anteil des Zuwachses einem Zustrom von Gastarbeitern und Migranten u. a. aus Simbabwe und Mosambik geschuldet war.

Hierdurch wurde die IOM (International Organisation for Migration) 2005 aktiv, um für diese Menschen Unterstützung in Bezug auf HIV/Aids zu leisten. Mit diesem Hintergrund wurde das Hlokomela-Projekt in Zusammenarbeit von IOM und der jetzigen Projektleitern Christine du Preez im selben Jahr gegründet.

Hlokomela, das mit 69 lokalen Landwirtschaftsbetrieben als eine gemeinnützige Organisation zusammenarbeitet, unterstützt die Arbeiter und deren Familien in Bezug auf Gesundheit, Spiritualität und Bildung.

Die Aufgabe des Projekts besteht darin, die gesundheitliche Versorgung dieser Menschen zu verbessern, bzw. ihre Anfälligkeit für HIV/Aids, Tuberkulose und andere chronische Krankheiten durch Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsschaffung zu reduzieren. Des Weiteren wird ein besserer Zugang zu Informationen und medizinischer Versorgung gewährleistet.

Auch Eigenverantwortung sowie gegenseitige Unterstützung der Arbeiter werden gefördert und gefordert, um dem Slogan des Projektes: „Farmworkers care for each other“ gerecht zu werden.

In der täglichen Praxis wird dieser Leitspruch dadurch umgesetzt, dass jede Farm mindestens eine Vertrauensperson (Nompilo) ernennt. Diese Person zeichnet sich durch großes Engagement und soziale Kompetenz aus und fungiert somit als Bindeglied zwischen Farm und Projektprogramm.

Der große Erfolg des Projekts wird durch zahlreiche Auszeichnungen deutlich. Beispielhaft zu nennen sind der von der Südafrikanischen Regierung überreichte Star Award 2010 und die Auszeichnung als beste gemeinnützige Organisation 2008 im Mopani Bezirk.

Hlokomela Fresh Herb Garden

Der ursprünglich als Gemeinschaftsgarten für die Farmarbeiter konzipierte Garten sollte es den Arbeitern ermöglichen, Früchte und Gemüse für den Eigenbedarf anzubauen. 2008 wurde der Garten zum „Fresh Herb Garden“ umstrukturiert, um ein sich finanziell selbsttragender Teil des Projektes zu werden.

Dies wurde durch die NDA (National Development Agency) bis August 2011 co-finanziert und unterstützt, um große Investitionen, wie z. B. Bewässerungsanlagen, einrichten zu können. Die frischen Kräuter werden auf dem lokalen Markt angeboten und an Supermärkte und Restaurants sowie an Lodges verkauft. Aktuell arbeiten für den Kräutergarten 5 Mitarbeiter aus der Region direkt im Garten, um die Kräuter zu kultivieren, sowie ein Fahrer und eine Managerin. Seit August 2011 finanziert sich der Garten selbst - durch einen größeren Kundenstamm und ein erweitertes Produktsortiment.

Ebenfalls werden im Garten Früchte und Gemüse angebaut, welche an bedürftige Patienten und deren Familien in der nahe gelegenen HIV/Aids-Klinik gespendet werden.

Freiwillige Helfer-/innen aus Deutschland könnten sowohl in der praktischen Arbeit im Garten, bei der Auslieferung der Ware als auch im Büro für Buchhaltung und Geschäftsabwicklungen eingesetzt werden.

Aufgaben

Das Hlokomela-Projekt beinhaltet folgende Einrichtungen und Tätigkeiten:

  • direkte Zusammenarbeit mit den Betreibern/Betriebsleitern der landwirtschaftlichen Betriebe zur Unterstützung eines gesunden Arbeitsumfeldes (Bildung im Bereich HIV/Aids-Prävention)
  • Schulungen für private Gesundheitspflege, Aufklärungsarbeit bzgl. Sexualität und Partnerschaft sowie Emanzipation
  • Öffentlichkeitskampagnen mit Plakaten, Postern u. Ä., um für ein verantwortungsvolles Verhalten zu werben („One partner is enough“)
  • Organisation eines abwechslungsreichen Freizeit- und Sportangebots für die Arbeiter und deren Familien, um Sozialverhalten und Gesundheit zu fördern. Allen Arbeitern der Farmen und deren Familien stehen 3 sogenannte „Wellness Kliniken“ (HIV/AIDS Kliniken) zur Verfügung, um ihren HIV-Status zu testen, um Information, Kondome, Gesundheitspflege und Medikamente sowie persönliche Unterstützung zu erhalten
  • Foodbank: Ausgabe von Obst und Gemüse an die Patienten der Kliniken, um eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung zu sichern
  • Fresh Herb Garden: Anbau und Verkauf von frischen, ökologischen Kräutern, um Arbeitern eine Perspektive zu geben und Gemüse für die Kliniken anzubauen
  • Hlokomela Market: Die Freiwilligen helfen im Second Hand Store bei der Organisation und im Verkauf. Der kleine Markt liegt im Zentrum von Hoedspruit und richtet sich an Bedürftige, Touristen und Einheimische gleichermaßen.

Wohnsituation

Während die Freiwilligen früher familiennah auf der „Otters den“ Lodge untergebracht waren, welche für den regulären Gästebetrieb nicht mehr genutzt wird, steht heute eine Wohnung im Zentrum von Hoedspruit zur Verfügung. Hier leben die Freiwilligen in einer eigenen Wohngemeinschaft und müssen sie so auch um alle Angelegenheiten im Haushalt selbst kümmern.

Für den Transfer zum Arbeitsplatz sowie zur persönlichen Nutzung wird ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt.

Arbeitstag

Die Freiwilligen im Hlokomela Projekt arbeiten vor allem im Kräutergarten mit anderen Arbeiter-/innen zusammen. Ihre Aufgaben sind sehr vielseitig. So helfen sie bei der Ernte sowie beim Waschen und Verpacken der frischen Kräuter. Darüber hinaus ist es ihre Aufgabe die Beete zu pflegen, die Pflanzen zu bewässern und Unkraut zu entfernen. Des Weiteren gehört auch die Anzucht von Jungpflanzen zum Tätigkeitsbereich der Freiwilligen im Fresh Herb Garden. Da nicht nur die reinen Kräuter, sondern auch Kräutersirups hergestellt werden, gilt es neben dem Anbau und der Verarbeitung auch dazu beizutragen, die Vermarktung der Produkte zu fördern. Hierbei sind auch der Ideenreichtum und die Kreativität der Freiwilligen gefragt. Und schließlich werden sie auch bei der Auslieferung der Ware sowie bei der Büroarbeit eingesetzt (Rechnungen, Buchhaltung, Archivierung usw.).

Der Arbeitstag für die Freiwilligen ist identisch mit dem eines normalen Arbeiters, so ist dieser in der Regel wie folgt gegliedert:

07:30 - 12:30 Uhr Tätigkeit in den oben beschriebenen Bereichen

12:30 – 13:30 Uhr Mittagspause

13:30 – 16:30 Uhr Erneut Tätigkeit im Garten, Büro o. Ä.

Der Tagesablauf ist hinsichtlich der Arbeitszeiten sehr geregelt, die Tätigkeitsbereiche sind allerdings vielseitig, sodass die Freiwilligen sich auch in unterschiedlichen Bereichen einbringen können.

Die Wochenenden (Sa und So) gelten als Freizeit und sind von den Freiwilligen selbst zu gestalten. Neben Ausflügen in den nahe gelegenen Kruger National Park, den Blyde River Canyon (größter grüner Canyon der Welt) oder zum Blyde River Damm, bietet sich den Freiwilligen eine Vielzahl an Freizeitmöglichkeiten. So gibt es in der Nähe bspw. einen Reptilienpark oder das Moholoholo Rehabilitationszentrum für Wildtiere, die besucht werden können. Darüber hinaus finden regelmäßig Fußballspiele an den Farmen statt.

Durch die Arbeit im Garten sammeln die Freiwilligen nicht nur praktische Erfahrung, sondern es bietet sich ihnen auch die Chance, sich mit anderen Arbeitern auszutauschen und deren Kultur, Sprache und Herkunftsländer bzw. –regionen kennenzulernen und zu verstehen. Interkulturelle Begegnung wird bei diesem Projekt besonders gefördert, allein schon angesichts der unterschiedlichsten ethnischen und kulturellen Hintergründe sowie Nationalitäten der in der Region lebenden und arbeitenden Menschen.

Natürlich soll es für die Freiwilligen auch eine Selbstverständlichkeit sein, sich an die Gegebenheit vor Ort und damit auch an Umgangsformen und Sitten anzupassen und die einheimische, oft arme Bevölkerung mit Respekt zu behandeln.

Hintergrund

Das Projekt Hlokomela ist Kooperationspartner des UNESCO-Biosphärenreservats „Kruger to Canyons Biosphere Region“ in Südafrika, das seit 2008 wiederum eine Partnerschaft mit dem UNESCO-Biosphärenreservat Rhön in Deutschland hat.

Die Initiative, Hlokomela als Einsatzstelle für den Internationalen Jugendfreiwilligendienst vorzuschlagen, ist im Rahmen dieser Biosphärenpartnerschaft entstanden. Die jeweils in „Kruger to Canyons“ und der „Rhön" für die Partnerschaft Verantwortlichen sind einander persönlich über Austauschbesuche bekannt, ebenso die Leiterin von Hlokomela, Frau Christine du Preez. Das Projekt ist somit eingebunden in die engen und aktiven Beziehungen zwischen beiden Biosphärenreservaten und zählt in Südafrika als ein best-practice Beispiel für die Umsetzung der Biosphärenreservatsidee im sozialen Bereich.