Zur Geschichte des Zölibats:

In der frühen Kirche - Petrus, Paulus und die Apostel

Die Bibel berichtet, dass Jesus im Haus des Petrus zu Gast war und bei dieser Gelegenheit dessen erkrankte Schwiegermutter heilte (Mt 8,14). Auch aus anderen Bibelstellen geht hervor, dass die Apostel verheiratet waren und später auf ihren Missionsreisen von ihren Frauen begleitet wurden. Viele der ersten Hausgemeinden wurden von Ehepaaren oder Frauen geleitet.

Paulus war der einzige, der der Ehelosigkeit bewusst einen Wert gab - allerdings brachte er sie nicht einmal ansatzweise in Zusammenhang mit einem der verschiedenen Dienste in der Gemeinde. Vor dem Hintergrund der Naherwartung der Wiederkunft Christi hielt er es - ähnlich wie die jüdische Sekte der Essener - für passender, sich ganz auf das Kommen des Gottesreiches vorzubereiten ohne durch die Sorge für eine Familie davon abgelenkt zu werden (1Kor 7,25-40). Wem das Charisma aber nicht gegeben sei, der solle besser heiraten, betonte er.

Doch Paulus sagte auch ganz klar, dass Jesus dazu keine Regelung getroffen hatte. Folgerichtig forderte er: Wer als „episcopos“ (Bischof) eine Gemeinde leiten will, solle sich als Familienvater und in der Gesellschaft bewährt haben, einen guten Ruf haben und „einer einzigen Frau Mann sein“ (1Tim 3,1-2). Was übrigens nicht heißt ‚nur einmal im Leben verheiratet‘, sondern der im antiken Umfeld weit verbreiteten Polygamie eine klare Absage erteilt.

Paulus ist auch der Zeuge dafür, dass „die übrigen Apostel, die Brüder des Herrn (also Brüder Jesu) und Kephas (Petrus) Ehefrauen mit sich herumführten“ (1Kor 9,5) Die Übersetzung „Ehefrau“ findet sich schon sehr früh in der Exegese. Erst Hieronymus machte später aus der Ehefrau eine „Schwester“. Gerade weil Jesus die Ehe für unauflöslich hielt, war es nur konsequent, wenn die Apostel sich bei ihrer Arbeit für das Evangelium nicht von ihren Ehefrauen trennten (vgl. Georg Denzler). Aus 1Kor 9,5 ergäbe sich nach Heinz-Jürgen Vogels sogar ein göttliches Recht der Priester und Diakone auf Ehe, das entgegenstehende Vorschriften des Kirchenrechts zunichte machen würde.


4. Jahrhundert

Unter dem Einfluss der Gnosis, des Manichäismus und jüdischer Reinheitsvorstellungen für den Opferkult tauchte die Forderung einer verpflichtenden sexuellen Enthaltsamkeit vereinzelt immer wieder auf, erstmals auf der Partikularsynode von Elvira (um 306 in Spanien), die ohnehin durch „übermäßige Strenge“ (LThK) auffiel.  

In der Folge wurde vor allem in Spanien rechtmäßigen Ehefrauen von Klerikern verboten, das Schlafzimmer ihres Gatten zu betreten. Als Witwe war ihnen Wiederverheiratung verboten. Ein Einkommen, das sie vor Verarmung schützte, wurde ihnen nicht zugestanden.

Nicht übersehen werden darf dabei allerdings, dass sich die offizielle Theologie diesen Bestrebungen nicht anschloss.

 

6. Jahrhundert

Die 3. Synode von Toledo (589) bestimmte, dass die Bischöfe die Ehefrauen von Geistlichen als Sklavinnen verkaufen und den Kaufpreis unter den Armen verteilen sollten. Die Ehemänner wurden degradiert.

All diese Bestimmungen auch weiterer Synoden und Konzile sowie päpstliche Anordnungen im ersten Jahrtausend konnten jedoch nicht verhindern, dass Priester, Bischöfe, selbst Päpste verheiratet waren und Kinder hatten - und sogar Papstsöhne ihren Vätern auf den Papstthron folgten.

 

11. / 12. Jahrhundert

1022 ordnete Papst Benedikt VIII. auf der Synode von Pavia an, dass Geistliche künftig nicht mehr heiraten durften. Verstöße dagegen sollten mit harten Strafen geahndet, verheirateten Priestern sollten Amt und Besitz entzogen werden.

1049 deklarierte Papst Leo IX. die Frauen verheirateter Priester zu „Sklavinnen der Kirche“. Eine unvorstellbar grausame Treibjagd auf Priesterfrauen und Priesterkinder begann.

1063 wurden auf ein Signal Papst Alexanders II. hin in Mailand Priesterfrauen, Priesterkinder und verheiratete Geistliche verprügelt, beraubt und oft auch getötet.

Zu Zeiten seines Nachfolgers Gregors VII. wurden in Mailand Geistliche während des Gottesdienstes ermordet, ihre Frauen auf den Altären geschändet.

1081 legte die Synode von Melfi fest, dass es den Fürsten erlaubt sei, die Frauen von Priestern zu Sklavinnen zu machen.

1139 wurde im zweiten Laterankonzil die Ehelosigkeit zur unabdingbaren Voraussetzung der Priesterweihe erklärt, gleichzeitig die Priesterweihe zum trennenden Ehehindernis.

Neben der unvorstellbaren Verachtung und Abwertung von (Priester-)Frauen ging es allerdings auch darum, das mittelalterliche Erbrecht auszuhebeln, damit nicht Kirchenbesitz in die Hände der Familien Geistlicher gelangte, bzw. das Eigentum Geistlicher nach deren Tod in den Besitz der Kirche überging.

Auch machtpolitisch spielte der Zölibat eine große Rolle: Besonders im Mittelalter hatten die Bischöfe neben der geistlichen auch umfassende weltliche Macht. Wenn man nur als Beispiel in der Geschichte der drei von Erzbischöfen auch politisch beherrschten Kurfürstentümer Köln, Mainz und Trier verfolgt, mit welchen - lauteren und unlauteren - Methoden die Adelsfamilien darum rangen, jeweils den neuen Kurfürsten/Bischof zu stellen (der ja auch zu den sieben „Wahlmännern“ gehörte, die den deutschen Kaiser wählten), versteht man die Machtposition besonders dieser drei Erzbischöfe und kann erahnen, dass die Kirche nicht riskieren wollte, diese Macht peu à peu an „Bischofsdynastien“ bzw. die Familien der Bischöfe zu verlieren. Der Zölibat begrenzte außerdem die Zahl möglicher Bewerber um Bischofssitze und erhöhte so die Macht des Papstes bei deren Ernennung. Ein Höhepunkt dieses Machtkampfes zwischen Kirche und Staat war unter anderem der fast 50 Jahre dauernde „Investiturstreit“ des Papstes mit dem deutschem Kaiser um die Vormachtstellung bei der Besetzung der Bischofsstühle.

Die ungeheuerlichen Verbrechen, die die Durchsetzung des Zölibats im 11. und 12. Jahrhundert begleiteten, wurden möglich, weil die Päpste die Ehen der Priester für ungültig erklärten. Deren Frauen lebten damit automatisch in „ehrlosen Verhältnissen“ als „Kebsen“ (Huren, Konkubinen). Sie wurden gejagt, misshandelt, vergewaltigt, in die Sklaverei verkauft oder, wenn sie „Glück“ hatten, als Mägde ins Kloster gesteckt - alles ausdrücklich mit päpstlicher Zustimmung. Ihre Kinder kamen in Klöster und durften niemals heiraten. So sollten Familien und Nachkommenschaft der Priester vollkommen ausgelöscht werden.

 

13. Jahrhundert - „Konkubinen“

1231 verfügte die Synode von Rouen, dass Konkubinen von Priestern unter Bann gestellt, von den Sakramenten ausgeschlossen und öffentlich geschoren wurden. Außerdem waren diese Frauen von Gefängnis und Vertreibung bedroht. Man verweigerte ihnen sogar die kirchliche Beerdigung, was im damaligen Verständnis „ewige Verdammnis in der Hölle“ nach sich zog.  

 

15. Jahrhundert - Unerwünschte Zölibatäre

Auch im 15. Jahrhundert hatte sich der Zölibat offensichtlich noch immer nicht endgültig durchgesetzt, denn Papst Pius II. beklagte sich 1459 in einem Schreiben an einen befreundeten Bischof, „dass die Friesen [Skandinavier, Anm. der Verf.] nicht bereit seien, unverheiratete Priester zu akzeptieren, da sie um die Ehre ihrer Frauen und ihrer Häuser fürchteten.“

 

16. Jahrhundert bis heute - Der Zölibat als Bastion gegen die Reformation

Erst mit dem Konzil von Trient (1545-1563) wurde der Zölibat dann auch theologisch überhöht und begründet - um des Himmelreiches willen - vornehmlich als Reaktion auf die verheirateten Pfarrer der protestantischen Kirchen. Seit damals galt, was bis zum Vaticanun II noch im Katechismus der katholischen Kirche zu lesen stand: „Gott liebt die jungfräulichen Menschen besonders.“ Der Zölibat stand (und steht, allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz) weit über dem Ehestand. Irgendwie musste die Kirche ja ihre Priester dafür entschädigen, dass sie ihnen den Ehestand weiterhin verwehrte.

Bei Visitationen, die Bischöfe nach dem Tridentinischen Konzil in ihren Gemeinden durchführten, bot sich ein schlimmes Bild. Wenn nur noch die Priester im Amt hätten bleiben dürfen, die den Bestimmungen entsprachen, hätte beinahe der gesamte Klerus entlassen werden müssen. So wurden übergangsweise die Anforderungen gelockert. Priester durften nur nicht verheiratet sein - Lebensgefährtin und Kinder waren kein Hindernis - und sie mussten die Messe lateinisch lesen können, d.h. sie mussten sie nicht auch verstehen können. Um aber endlich eine gewisse Ordnung herzustellen, wurde für Priester eine systematische Ausbildung in neu eingerichteten Priesterseminaren eingeführt. Dadurch standen bald genügend unverheiratete Kandidaten zur Verfügung, und es wurde ein höheres Bildungsniveau der Priester erreicht - aber auch eine stärkere Disziplinierung, vor allem durch die Visitationen der Bischöfe, die seitdem bis heute in regelmäßigen Abständen stattfinden.

Beim II. Vatikanischen Konzil war eine Änderung des Zölibatsgesetzes in greifbare Nähe gerückt. Es war auch eine Abstimmung angesetzt, und allgemein wurde erwartet, dass der Zölibat fallen würde. Papst Paul VI. zog jedoch den Antrag an sich und verhinderte so eine Diskussion über die Zölibatsproblematik. Sie erschien nie mehr auf der Tagesordnung. Lediglich für die Diakone gab es eine Änderung. Es wurde die Möglichkeit eröffnet, „viri probati“, verheiratete Männer über 35 Jahre, zu ständigen Diakonen zu weihen. Ihnen ist allerdings nach dem Tod der Ehefrau eine Wiederverheiratung nicht gestattet. Aus Enttäuschung darüber, dass es für Priester keine Lockerung der Zölibatsvorschriften gegeben hatte, verließen in den Folgejahren Tausende von Priestern ihr Amt und ließen sich in den Laienstand zurückversetzen.

Eine große Umfrage zur beruflichen Zufriedenheit unter katholischen Seelsorgern, u.a. 4.200 Priestern, deren Ergebnisse im April 2015 veröffentlicht wurden, ergab, dass nur etwa jeder zweite - stünde er nochmals vor der Wahl - wieder den Zölibat in Kauf nehmen würde, um Priester zu werden. Ein Viertel würde nicht wieder zölibatär leben wollen - und deshalb auf die Weihe verzichten, ein weiteres Viertel ist unentschlossen. Fast zwei Drittel der Priester bezeichneten den Verzicht auf eine partnerschaftliche Bindung, die damit verbundene Intimität und auch auf gemeinsame Kinder als wesentlich belastender als die Arbeitsüberlastung bedingt durch die großen Gemeindeverbände.

Fazit: Zu keiner Zeit war der Zölibat unumstritten und ist auch immer nur von einem Teil der Kleriker aus echter Überzeugung gelebt worden.

 

Die Praxis der Laisierung seit dem 2. Vatikanischen Konzil

Die Laisierung war unter Papst Paul Vl. einfacher als unter seinen Nachfolgern. Sie bedeutete, dass der Priester kirchlich heiraten durfte. Allerdings war sie an Bedingungen geknüpft (auszugsweise Übersetzung):

„Seine Heiligkeit, Papst Paul VI., nachdem Ihm der Fall durch die Glaubenskongregation zur Kenntnis gekommen ist, stimmt aus Gnaden zu, aber mit folgenden Auflagen:

1. Die Laisierung beinhaltet: Suspendierung aus den priesterlichen Aufgaben und aus der Zölibatsverpflichtung ...

2. 

3. An sich darf der laisierte Priester und noch weniger der laisierte und verheiratete Priester nicht mehr an dem Ort wohnen, wo sein Status bekannt geworden ist. Der jeweilige Bischof kann aber im Einvernehmen mit dem ursprünglichen Bischof des Betroffenen eine Ausnahme machen und ihn aus dieser Klausel dispensieren, vorausgesetzt, dass die Anwesenheit des Betroffenen kein Skandal ist.

4. Bezüglich der Heirat des Laisierten: Sie darf ohne Pomp und Feier geschehen. Die Heirat muss von einem erprobten und bewährten Priester durchgeführt werden, ohne Zeugen, oder wenn nötig, mit zwei Zeugen. Die Urkunde dieser Hochzeit muss im geheimen Archiv im jeweiligen Ordinariat aufbewahrt werden. Die Dispens und die Hochzeit müssen geheim durchgeführt werden.

5. Das Ganze muss in den jeweiligen Taufbüchern des Betroffenen und seiner Frau eingetragen werden.

6. Der Bischof muss den Betroffenen ermahnen, weiterhin an dem Leben des Volkes Gottes teilzunehmen, ein erbauendes Beispiel zu geben und sich als geliebter Sohn der Kirche zu zeigen. Gleichzeitig ist ihm aber klarzumachen, dass für ihn folgendes verboten ist:

a) er darf keine Funktionen ausüben, die in Zusammenhang mit der heiligen Weihe stehen, abgesehen von denen, die in can. 882 mit can. 892 genannt werden. [CIC 1917 = can. 292 mit can. 976 CIC 1983 = Spendung der Sakramente bei Todesgefahr des Empfängers, wozu auch ein dispensierter Priester verpflichtet ist. Anm. der Verf.]

b) er darf im liturgischen Bereich keinen Teil übernehmen, da wo Volk anwesend ist und wo sein Status bekannt ist. Er darf auch keine Predigt halten.

c) er darf keine pastorale Verpflichtung übernehmen.

d) er darf weder eine Leitung noch eine andere leitende Funktion übernehmen sowie auch nicht Funktionen als geistiger Vater und auch nicht Dozentenfunktionen in Seminarien, Theologischen Fakultäten und anderen ähnlichen Institutionen.

e) er darf nicht Leiter einer katholischen Schule werden und auch nicht Religionslehrer in irgendeiner Schule weder katholisch noch staatlich. Trotzdem kann der Bischof in Ausnahmefällen und nach kluger Überlegung ihm erlauben, in staatlichen Schulen - auch ausnahmsweise in katholischen Schulen - Religion zu unterrichten, vorausgesetzt aber, dass dadurch weder Skandal noch Verwunderung zu fürchten ist.

Außerdem soll der Bischof ihm ein frommes Werk oder eine Tat der Nächstenliebe auferlegen. Zur gegebenen Zeit soll der Bischof die heilige Glaubenskongregation über dessen Erfüllung informieren. Und wenn dabei (bei der Erfüllung des frommen Werkes) Verwunderung unter den Gläubigen entsteht, soll der Bischof eine kluge Erklärung abgeben. Gegen diese Bestimmungen soll nicht gehandelt werden.“

Das bedeutete, der Priester wurde in den Laienstand zurückversetzt, ohne alle Möglichkeiten und Rechte eines „normalen“ Laien, z.B. zur Mitwirkung bei der Verkündigung, in der Gemeinde, in der Schule usw.

Wie Priester, die aus dem Amt ausscheiden, unterstützt werden sollten, legte die Deutsche Bischofskonferenz auf der Würzburger Synode 1976 fest:

-   „Damit das Leben des ausscheidenden Priesters menschlich, religiös und beruflich nicht scheitert, sollen sich alle Verantwortlichen dafür einsetzen, dass er in Freiheit einen seinem Bildungsstand angemessenen Beruf - innerhalb oder außerhalb des kirchlichen Dienstes - wählen kann. Die Diözesen sollen soweit als möglich die hierzu notwendigen wirtschaftlichen Hilfen zur Verfügung stellen. Dazu gehört auch eine angemessene soziale Sicherung für Krankheit und Alter als Grundlage für die Versicherungen im neuen Beruf. Für ausscheidende Ordenspriester soll die Ordensgemeinschaft  nach den gleichen Grundsätzen sorgen.

-   Will ein aus dem Amt geschiedener Priester einen vollberuflichen kirchlichen Dienst, der auch Laien zugänglich ist, übernehmen, so sollen ihm unter Berücksichtigung der persönlichen Umstände und Voraussetzungen wie des allgemeinen Interesses der Kirche und der pastoralen Notwendigkeiten nach Prüfung des Einzelfalles durch den Bischof derartige Stellen offenstehen (vgl. Votum 4).

-   Die genannten Grundsätze gelten in entsprechender Weise auch für diejenigen Männer und Frauen, die aus dem hauptberuflichen Dienst der Kirche als Diakone oder Ordensleute ausscheiden (vgl. Anordnung 8).“

 

Diese Absichten wurden in der Praxis leider nicht so erfüllt. Die Beschlüsse stammen noch aus der Zeit, als Paul VI. Papst war. Es hat sich vieles verändert mit dem Pontifikat Johannes Pauls II. - zum Nachteil der ausscheidenden Priester. Benedikt XVI. hat die Praxis seines Vorgängers unverändert fortgeführt. Es wurden kaum noch Laisierungen ausgesprochen. Priester, die aus dem Amt ausscheiden um zu heiraten, werden nicht weiter im kirchlichen Dienst beschäftigt. Das bedeutet fast immer unzumutbare Härten für die verheirateten Priester und ihre Familien. Die allgemeine Arbeitsmarktlage macht es besonders für ältere Priester sehr schwierig, eine neue Stelle zu finden. Frauen im Kirchendienst, die einen Geistlichen heiraten, werden in der Regel fristlos entlassen.

Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass jüngere Priester meist nur noch standesamtlich heiraten und in der Folge suspendiert werden, einen Dispens aber gar nicht erst beantragen. Um diese kirchenrechtlich „unklaren Verhältnisse“ zu regeln, kann jetzt der Ortsbischof fünf Jahre nach der Heirat eines Priesters dessen Dispensierung in Rom beantragen, was bisher nur der Priester selber durfte. Immerhin bedeutet ein Dispens, dass der Betroffene nie mehr in seinen Dienst zurück kann, während eine Suspendierung unter gewissen Umständen wieder aufgehoben werden kann - was sich durchaus an Beispielen belegen lässt.

Doch wie ergeht es den Priestern nach ihrem Ausstieg? Es gibt Diözesen, in denen ausscheidenden Priestern eine finanzielle Hilfe als Zuschuss oder als Darlehen zur Überbrückung bei der Umschulung gezahlt wird. Aber da es auf diese Unterstützung keinen Anspruch gibt, wird sie auch nicht in allen Bistümern gewährt. Für Geistliche, die aus dem Amt ausscheiden müssen, gibt es kein Arbeitslosengeld und keine Arbeitslosenhilfe.

Nur Rentenversicherungsbeiträge müssen von der Kirche nachgezahlt werden - in welcher Höhe ist allerdings den jeweiligen Ortsbischöfen anheimgestellt. Dies geschieht aber meist auf dem unteren Level.

Bei Ordensgeistlichen, die kein Gehalt bezogen haben, muss der Orden die Beiträge nachzahlen, aber nicht in der Höhe wie es der Ausbildung und bisherigen Tätigkeit entspräche, sondern er kann sie weit darunter einstufen - und dies geschieht auch in den meisten Fällen. Für diese Priester ist es besonders schwer. Sie fallen nicht nur völlig aus ihren bisherigen sozialen Beziehungen, sondern sie haben auch keinen Anspruch auf Geld vom Arbeitsamt und nur eine unzureichende Alterssicherung. Und das nach vielen Jahren Arbeit für den Orden!

Nicht nur hier zeigt sich, dass - wie bei der Einführung des Zölibats im Mittelalter - auch heute die Frage des Geldes eine große Rolle spielt. So wird in weiten Teilen der Weltkirche, vor allem der sogenannten „dritten Welt“, mit Vehemenz seitens der Bischöfe für eine Beibehaltung plädiert. Man duldet aber ganz selbstverständlich die Lebensgefährtin und gemeinsame Kinder im Pfarrhaus - solange sie nichts kosten. Verheirateten Priestern hingegen müsste man ja ein Gehalt zahlen, das auch den Unterhalt der Familie sichert.

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