Wer wird den Stein wegrollen?

Der große Stein auf dem Bild ist den Rollsteinen nachgebildet, mit denen zur Zeit Jesu Gräber verschlossen wurden. Dieser Muschelkalk-Stein kommt aus einem Steinbruch bei Betlehem, ist etwa 800 kg schwer und 1,40 m Ø hoch.

Von Ostern 2000 bis Ostern 2001 war er auf Initiative der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz und der Arbeitsgemeinschaft Frauenseelsorge an 30 Stationen in Deutschland unterwegs. Stein-Erfahrungen von Frauen, von Menschen, die sich der Auferstehung zu öffnen bereit sind, begleiteten den Stein auf seinem Weg.

"Wer wird den Stein wegrollen - wer wird unseren Stein wegrollen?" 

An Ostern 2001 erreichte der Stein seinen bleibenden Standort vor der Kirche von Kloster Helfta in der Lutherstadt Eisleben in Thüringen.


Auf seiner Wanderung durch Deutschland begleitete den Stein ein Buch, in das Besucher/innen ihre Stein-Gedanken eintragen konnten.
Ich habe damals meine Erfahrungen mit dem Stein "Zölibat" aufgeschrieben und das Blatt in das Buch geklebt:


"Wer wird den Stein wegrollen?"

Wer wird den Stein wegrollen,
Herr,
den Stein,
den Deine Kirche
uns in den Weg gestellt hat?
Den Stein, der verbieten will,
zu leben
was Du uns geschenkt hast:
eine Liebe, die rein ist,
die niemanden verletzt.

Wer wird den Stein wegrollen?
Der Stein ist groß, Herr,
und er erdrückt mein Herz.
Du allein weißt,
wie es in mir aussieht,
wenn ich mal wieder

Ostern
nicht an der Seite
meines Mannes feiern durfte.

Mein Mann, mein Geliebter.
Ja, das ist er,
ohne Hochzeitsglocken,
ohne gemeinsames Dach.

Wenn ich
in seinen Armen liege,
Haut an Haut,
voller Leben und Sinnlichkeit,
dann spüre ich,
dass Du den Stein wegrollst,
Herr,
dann ist

mein Ostern!

Dann spüre ich,
Herr,
dass Du den Stein wegrollst,
dass Du uns die Kraft schenkst
unsere Liebe zu leben,
im Verborgenen,
nicht an ihr zu scheitern.

Dann spüre ich,
dass unser Versprechen
in der kleinen Kirche
im ersten gemeinsamen Urlaub
vor vielen Jahren
immer noch gültig ist,
auch und gerade vor Dir.

Dann spüre ich,
dass unsere Liebe stark ist,
stärker als der Tod
und glühend
zum Steine erweichen.

Dann spüre ich,
dass Du den inneren Stein
weggerollt hast, Herr,
dass der Stein der Kirche,
Zölibat genannt,
nur äußerlich ist,
keine Chance hat
gegen Dich.

Ich spüre,
dass unser Leben gelingen wird,
so wie es ist.
Ich danke Dir, Herr.

Ulla

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