Brief an die deutschen Bischöfe in Verbindung mit unserer Umfrage "Sollen Priester heiraten dürfen?" beim Katholikentag 2012 in Mannheim 

 

Initiativgruppe vom Zölibat betroffener Frauen


An die Deutsche Bischofskonferenz                                                                                                                 Ulm, 22.06.2012

Kaiserstraße 161
53113 Bonn

 

Sehr geehrte Herren, liebe Bischöfe von Deutschland,

 

„Leg‘ ein Ohr auf den Erdboden, dann ist das andere für den Himmel offen.“
(aus Afrika)

 

„Einen neuen Aufbruch wagen“ – dieses Motto klingt so verheißungsvoll und so ermutigend. Es macht zuversichtlich, auf eine Kirche zu vertrauen, die sich den Anforderungen des 21.Jahrhunderts stellt. Theoretisch zumindest. So lange zumindest, so lang es auf bunten Fahnen und roten Rucksäcken zu lesen ist.

Wie aber sieht die Praxis aus? Der katholische Alltag? Fernab von Volksfeststimmung und feiernder Katholikenschar?

Wird das Motto von Mannheim zum Programm in der Katholischen Kirche in Deutschland?

Wir hoffen dies inständig!

Wir, das ist die Initiativgruppe der vom Zölibat betroffenen Frauen, die in der Vergangenheit immer wieder Kontakt zu Ihnen gesucht hat.  Seit über dreißig Jahren kämpfen wir um die Freistellung des Zölibats. Wir fordern die Abschaffung der Zölbatsverpflichtung und wünschen uns, dass die römisch-katholische Kirche endlich erkennt, dass auch verheiratete Priester unbedingt ihren Platz in der Kirche haben müssen. Wir sind alle Partnerinnen von römisch-katholischen Priestern und müssen, zusammen mit unseren Männern, darunter leiden, dass die Amtskirche so rigoros am Pflichtzölibat festhält. Unzählige Schicksale sind unserer Gruppe bekannt,  zum Teil unermesslich und bisweilen auch fast unerträglich ist die Situation für viele Paare und Familien. Durch die verpflichtende Ehelosigkeit stürzt die Kirche viele Männer, Frauen und Kinder in psychische und existentielle Nöte und verhindert, dass verantwortungsvolle und aufrichtige Partnerschaft gelebt werden kann.

Durch das bisherige „Nicht-aufbrechen-Wollen“ der Kirche verliert sie eine Vielzahl an engagierten und überzeugten Katholiken. Viele Paare lernen sich gerade durch den kirchlichen Dienst kennen und wären bereit und hätten das nötige „feu sacré“, sich in das Gemeindeleben einzubringen. Die Verknüpfung von Priesterberuf(ung) und Ehelosigkeit ist unerklärlich, unverständlich und zutiefst unmenschlich. Das Eine schließt das Andere nicht aus. Im Gegenteil. Viele Priester, die in einer Partnerschaft leben, sagen aus, dass sie gestärkt ihren Dienst tun können. Unser Glaube ist doch ein zutiefst befreiender Glaube. Ein Glaube, der so Manches aus den Angeln hebt und spüren lässt, dass der lebendige Gott die Menschen zum Leben befreit.

Uns vermittelt das die Kirche nicht. Wir spüren eine groß gewordene Glaubensinstitution, die oftmals verlernt hat,  einen Aufbruch zu wagen.

Der Katholikentag in Mannheim hat uns, obwohl wir die momentane Richtung der Katholischen Kirche kennen, trotzdem wieder Mut gemacht, für unser Anliegen zu kämpfen. Wir wollen steter Tropfen sein. Wir wollen nach wie vor aufmerksam machen auf unsere Lage und den Missstand, den es zu beheben gilt. Sie wissen um unsere Situation.  Leider wird uns häufig der Eindruck vermittelt, dass wir nicht ernst genommen werden. Auf Anfragen wird in den seltensten Fällen inhaltlich geantwortet.

Wir haben zum Teil den Eindruck, dass wir bewusst totgeschwiegen werden und möchten Ihnen heute wieder einmal in Erinnerung rufen, dass innerhalb der Kirche an vielen Ecken Not herrscht. Während des Katholikentages in Mannheim, an dem wir auch einen Stand hatten, hatten wir die Möglichkeit, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen.

Das Motto „Einen neuen Aufbruch wagen“  wird von der Basis wahr- und ernstgenommen. Wir fordern die Umsetzung. Die Gespräche mit den Katholikentagsbesuchern machten immer wieder deutlich, dass genau das Thema Pflichtzölibat und die Rolle der Frau die heißen Eisen sind, die Aufarbeitung und Aufbruch verlangen. Die Stimmung der meisten Gläubigen ist resignativ, wütend, enttäuscht oder empört, wenn man „Reformthemen“ anspricht.

Wie es zu Beginn des Katholikentages hieß, waren die Besucher aufgefordert, „ihren roten Rucksack zu packen“ und sich so für den Aufbruch zu rüsten. Wir haben dies gemacht – unser roter Rucksack ist vollgefüllt mit Meinungen und Appellen der Besucher an Sie.

Wir schicken Ihnen heute die original Umfrageergebnisse der drei Tage in Mannheim. Es sind ausnahmslos alle Abstimmzettel.  

Die Not ist groß, an der Basis brodelt’s, wir sind zum Aufbruch bereit!!! Haben auch Sie den Mut!

 

Mit herzlichen Grüßen, Martina Gmelch, stellvertretend für eine Vielzahl an Frauen, die unter dem Pflichtzölibat leiden.

 

P.S. Die Meinungsumfrage wird als Kopie auch dem ZDK zugeleitet.

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