Brief an die deutschen Bischöfe, verfasst beim Frühjahrstreffen 2011 unserer Gruppe:


Initiativgruppe vom Zölibat betroffener Frauen


20.04.2011


Sehr geehrter Herr Erzbischof Dr. Zollitsch,
sehr geehrte Diözesanbischöfe,


über den von Ihnen initiierten Dialogprozess und die Einladung, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen, freuen wir uns sehr und möchten uns deshalb heute auf diesem Weg an Sie wenden.

Wir sind eine bundesweit organisierte Gruppe von Frauen, die vom Zölibat betroffen sind – sei es, dass wir in einer heimlichen Beziehung mit einem Priester leben, mit einem aus dem Amt geschiedenen Priester verheiratet sind oder ein Kind mit einem Priester haben.

Wenn wir Ihnen heute schreiben, dann möchten wir damit auf unsere Situation aufmerksam machen und Sie herzlich bitten, uns wahr- und ernstzunehmen.

Zunächst – wir sind keine Einzelfälle! Wir wissen, dass es tatsächlich viele Frauen bzw. Priester gibt, die eine heimliche Beziehung leben und die unter dieser Situation sehr leiden. Unsere Gruppe besteht seit mittlerweile knapp 30 Jahren. In dieser Zeit haben sich unzählige betroffene Frauen an uns gewendet.

Die meisten von uns stehen der Kirche nahe, sind ehren- oder hauptamtlich engagiert. Die Kirche ist unsere Heimat, in und mit der wir sehr positive Erfahrungen machen durften bzw. dürfen.

Wenn wir uns also an Sie wenden, dann geht es uns nicht um eine polemische oder unsachliche Kritik an der Kirche, sondern es geht um eine große persönliche Not.

Wir alle haben uns diese Situation nicht ausgesucht oder es gar darauf angelegt, einen Priester zu „verführen“. Wir sind schlicht und einfach der Liebe begegnet, wir haben den Menschen treffen und kennenlernen dürfen, mit dem wir unser Leben teilen wollen.

Dahinter steckt keine Leichtfertigkeit – im Gegenteil. Jede einzelne Geschichte, jedes Schicksal zeugt von dem ehrlichen und oft schmerzhaften Ringen um einen guten und gangbaren Weg.

Wir Frauen und auch unsere Partner leiden unter einer unmenschlichen inneren Zerrissenheit. Vielleicht können Sie sich vorstellen, was es heißt, nicht offen zu dem Menschen stehen zu können, den man liebt, die eigene Familie und den Freundeskreis anlügen zu müssen, nicht authentisch sein zu können, einen wichtigen Aspekt seines Lebens geheim halten zu müssen und keine wirkliche Perspektive für die je eigene Lebensplanung zu haben. Das sind nur einige Aspekte, die unser Leben ausmachen.

Sehr geehrter Herr Erzbischof Zollitsch, sehr geehrte Bischöfe, wir wissen, dass es nicht allein in Ihren Händen liegt, den Pflichtzölibat abzuschaffen. Diese Forderung möchten wir hier und heute auch gar nicht stellen, obwohl wir meinen, dass Sie sich dieses Problems auch im Hinblick auf den „Priestermangel“, die Not von priesterlosen Gemeinden und einer flächendeckenden Seelsorge unbedingt annehmen sollten. Was wir erreichen möchten, ist zunächst, dass Ihnen bewusst wird, dass es uns gibt und dass es nicht nur einige wenige Priester sind, die eine heimliche Beziehung leben.

Was wir uns außerdem von Ihnen wünschen, ist ein barmherziger Umgang mit Priestern, die ihr Amt aufgeben müssen. Im Moment ist es offenbar jedem Bischof überlassen, wie er mit einem Priester umgeht, der sein Amt aufgeben möchte. Konkret heißt das dann, dass manchen eine neue Perspektive geboten, eine gewisse finanzielle und moralische Unterstützung gewährleistet wird. Es gibt aber auch Fälle, in denen Priester, die jahre- oder jahrzehntelang ihren Beruf mit vollem Engagement ausgeübt haben, von ihrer Kirche allein gelassen werden. Wir möchten Sie bitten, den betroffenen Priestern und ihren Frauen Respekt entgegenzubringen und mit ihnen so umzugehen, wie es der Botschaft Jesu entspricht.

Wir wünschen uns außerdem eine größere Transparenz im Laisierungsverfahren. Auch hier wissen wir aus eigener Erfahrung, dass jeder einzelne „Fall“ völlig unterschiedlich behandelt wird. Wenn sich ein Priester dazu entschließt, sein Amt aufzugeben, kann er daher nicht genau einschätzen, wie sein Weg wirtschaftlich und beruflich weitergeht.

Diese Tatsache empfinden wir als äußerst entwürdigend; zumal kein Priester diese Entscheidung leichtfertig trifft.

Wir haben die Hoffnung, dass Sie in dieser Frage tatsächlich etwas ändern können und im Bischofskollegium darüber beraten.

Gerne möchten wir mit Ihnen persönlich ins Gespräch kommen – allerdings ist das nur einigen wenigen Frauen aus unserer Gruppe möglich. Der Großteil ist darauf angewiesen, anonym zu bleiben, um sich selbst und ihren Partner zu schützen. Vielleicht macht auch diese Tatsache noch einmal deutlich, wie demütigend diese Situation für uns betroffene Frauen ist.

Wir freuen uns, von Ihnen zu hören und die Gelegenheit zum Austausch zu bekommen!

Mit freundlichen Grüßen,

Initiativgruppe vom Zölibat betroffener Frauen

zurück zur "Pinnwand"