Kerstin erzählt:

Ich bin nicht allein ...

Seit bald 2 Jahren lebe ich in einer geheimen Beziehung mit einem katholischen Priester.

Nach einer gescheiterten Ehe war das erneute Verliebt sein für mich eine so schöne und intensive Erfahrung, die ich aber mit niemandem teilen konnte, weil alles geheim bleiben musste.

Meine ersten Gedanken waren, das kann nicht sein – weil es eigentlich ja nicht sein darf.

Anfänglich hatte die Heimlichkeit vielleicht noch einen gewissen spannenden Aspekt. Doch die anfängliche Verliebtheit wandelte sich zunehmend in eine stärker werdende Zuneigung und wachsende Liebe. Damit wuchs aber auch zunehmend die Belastung, sich niemandem anvertrauen zu können, ein „Leben in der Lüge“ zu führen, durch die Heimlichkeit auf eine gewisse Weise das Vertrauen nahestehender Personen zu missbrauchen.

Doch auf Dauer sind ein Leben und eine Liebe in Heimlichkeit nicht möglich. Es zermürbt, wenn die Angst zu einem ständigen Begleiter wird. Mittlerweile leben wir schon ein Stück Normalität, bewegen uns auch zusammen in der Öffentlichkeit und verbringen gemeinsame Urlaube miteinander.

Doch offiziell weiß noch niemand davon – vermuten tun es wahrscheinlich schon so manche.

Über einen TV-Bericht bin ich nach weiteren Recherchen auf die Internetseite der Initiativgruppe gestoßen und habe ein erstes Mal an einem Gruppentreffen teilgenommen.

Die Gruppe hat mir einen geschützten Rahmen gegeben, in dem ich mich öffnen und mich mit Gleichbetroffenen austauschen konnte. Ein erster Schritt aus der Isolation heraus war getan!

Durch den Erfahrungsaustausch in der Gruppe, habe ich Mut und Kraft geschöpft, mich zukünftig nahestehenden Personen anzuvertrauen.

Theoretisch war mir schon bewusst, dass ich in meiner Situation nicht allein bin, doch das direkte Erleben der Gemeinschaft von Gleichbetroffenen hat mich darin nochmals bestärkt.

Gut, dass es euch gibt!


Kerstin erzählt weiter . . .

Mittlerweile sind etwa 3 Jahre vergangen, in denen ich meine heimliche Beziehung weitergelebt habe.

Ich habe gelernt im „Alltag“ möglichst unkompliziert miteinander umzugehen, dies wirkt unverfänglicher als alles andere.

Wir leben unsere Beziehung mittlerweile fast „routiniert“, vor allem aber im „hier und jetzt“.

Ich bin fest davon überzeugt, dass so einige Gemeindemitglieder von unserer Partnerschaft wissen und dies meist stillschweigend tolerieren und akzeptieren. Für die meisten ist der Zölibat schon lange nicht mehr zeitgemäß. In der Öffentlichkeit ist es kein Tabu-Thema mehr, dass viele Priester in Beziehungen leben; dies ist doch ein „offenes Geheimnis“.

Gerade deshalb wachsen immer noch die Wut und der Zorn gegenüber der Institution der kath. Kirche weiter, die an den alten Strukturen festhält und die Augen für die Realität verschlossen hält.

Dadurch verstärkt sich letztlich ihre „Scheinheiligkeit“ und Doppelmoral:
„Mach es heimlich, dann ist es o.k.“ Wie soll da authentisches Leben gelingen?
Wir werden zur Lüge und Heimlichkeit gezwungen!

Für mich waren die Gruppentreffen in den letzten Jahren zum einen jedes Mal ein Stück weit „aufwühlend“, zum anderen hat mich der Austausch mit immer wieder anderen gleichbetroffenen Frauen jedes Mal ein Stück weitergebracht, meinen ganz persönlichen Weg in dieser speziellen Lebenssituation zu finden und zu gehen.

Mein Wunsch für die Zukunft:
ich möchte offen zu meiner Liebe stehen und sie ganz normal leben können.

Fazit:
das Ende meines Weges ist noch nicht erreicht – also bleiben wir zusammen auf dem Weg zu unserem Ziel!

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