Katharina erzählt:

„Das Leben wäre vielleicht einfacher, wenn ich dich nicht getroffen hätte, es wäre nur nicht mein Leben“ – dieser Satz aus einem Gedicht von Erich Fried hat mit schon oft geholfen, wenn ich an meiner Lebenssituation mal wieder fast verzweifelt bin. Seit gut 14 Jahren lebe ich eine heimliche Beziehung zu einem Priester. Eine Zeit mit Höhen und Tiefen, vielen Tränen und Trennungsgedanken und doch auch unendlich vielen glücklichen Momenten. In dieser Zeit ist für uns beide irgendwann die Gewissheit gewachsen: wir gehören zusammen – auch wenn die äußeren Umstände es uns oft furchtbar schwer machen.

 

Eine heimliche Beziehung zu leben, das heißt:

·         Nicht zu der Liebe seines Leben stehen zu können und offiziell als Single durchs Leben zu gehen - und dafür nicht selten Mitleid zu ernten: „Schade, dass du den Richtigen noch nicht getroffen hast…“

·         Ständig gezwungen zu sein, Lügen zu erfinden (z.B. wenn mal wieder jemand die - eigentlich völlig harmlose -  Frage stellt: Mit wem gehst du denn in Urlaub?).

·         Sich in der Öffentlichkeit bestenfalls wie „gute Freunde“ zu verhalten (ein Kuss, eine Berührung ist schon Tabu).

·         Keinen Alltag miteinander teilen zu können - gemeinsame Zeiten immer nur mit dem Terminkalender planen zu können.

Für mich persönlich kommt erschwerend dazu, dass ich selbst im kirchlichen Dienst bin - würden wir heiraten, müsste  ich auch meinen Beruf aufgeben, den ich aber sehr liebe.

Da kommt dann schon immer mal wieder die Frage auf: Warum tue ich mir das an? Die Antwort steckt in dem Gedicht von Erich Fried: es ist mein Leben, meine Liebe, er ist „mein Mann“ – ich kann und will mich gegen dieses Gefühl nicht (mehr) wehren.

zurück zu "Erfahrungen"