04 - maulding-plan1957

Der Maulding-Plan


In einer Zeit als sich die Wirtschaft, dank besserer Infrastrukturen und Transportmoglichkeiten, globalisierte, war Europa, ein Mosaik von kohabitierenden Organisationen und Einzelstaaten, die kaum etwas miteinander zu tun hatten. Osteuropa ging einen Sonderweg, Österreich und Finnland sahen sich in ihre Neutralität gezwungen. Dänemark, Schweden und Norwegen waren Mitglieder der DANOSVE - eine Zollunion. Die Situation in Malta und Zypern war instabil. In Griechenland, Portugal, und Spanien herrschten Diktaturregimen. Zwar unterschrieb die Türkei die MRK aber das Land war keine Demokratie. Irland, Island, die Schweiz, Liechtenstein, Monaco, San Marino und Andorra waren neutrale Staaten oder Steuerparadiese. Und die EWG vereinigte Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande in eine Zollunion.

Im Vereinigten Königreich fühlte man dass das Schwergewicht im Commonwealth lag. Diese Rolle hatte auch Richard Nicolas Coudenhove-Kalergi in seinem Manifest für Paneuropa festgelegt. Coudenhove-Kalergi zahlte auch damals die Sowjetunion nicht zu Paneuropa. Vielleicht kann man deshalb erklären warum der Ostblock und das Vereinigte Königreich nicht wirklich im Projekt der Westeuropäischen Einigung passten.

Die Sowjetunion spielte eine Rolle in Europa, denn sie gründete den Warschauer Militärpakt und den COMECON mit ihren Partnern/Satellitenstaaten - Deutsche Demokratische Republik, Polen, Tschechoslowakei, Rumänien, Bulgarien, Ungarn. Wir werden uns in einem anderen Kapitel über den Comecon und den Warschauer Pakt sowie die Rolle Jugoslawiens und Albanien befassen.


Das Vereinigte Königreich hatte keine Absicht vom europäischen Einigungsprozess fernzubleiben. Als die EGW gegründet wurde, 'schlug das Vereinigte Königreich id Gründung einer Freihandelszone, welche aus Mitgliedern der Gemeinschaft und den übrigen Mitgliedern der OEEC bestand, vor. Der britische Premier Minister Harold McMillan drohte sogar, aus der NATO auszuscheiden, falls die EWG keinen Vertrag über Freihandelszone aushandelte. Aber de Gaulle, dem er diesen Vorschlag imJuni unterbreitete, zeigte sich - ebenso wie Adenauer - nicht beeindruckt. Und so organisierte Großbritannien im Jahre 1959 die EFTA, eine Freihandelszone, welche aus sieben aussergemienschaftlichen Staaten bestand. Dreißig Jahre später, kann man sagen, dass es lediglich ein Verteidigungsbündnis war - der letzte Versuch einer jahrhunderlangen Serie, die fast instinktiv, von den Regierungen Englands gegen jegliche kontinentale Bindung zusammengestellt wurde." (The Challenge of Europe).

Michael Heseltine erklärte weshalb das Vereinigte Königreich im Europäischen Konzert mitspielen wollte: Ab 1947, mit der Unabhängigkeit Indiens, fing das Commonwealth an, zu zerbröckeln. Das Jahr 1956 war ein Schlusseljahr für die Kolonialmachten Frankreich und das Vereinigte Königreich, als Nasser in Ägypten den Suez-Kanal nationalisierte und eine Krise ausloste. Als sich die Vereinigten Staaten gegen Frankreich und das Vereinigte Königreich stellten, wurde klar, dass dies der Anfang vom Ende der Kolonialzeit war, und somit wurden Schritten zur Dekolonisierung unternommen. Ohne Empire, konnte das Vereinigte Königreich nur noch zum 'Europäischen Ufer' blicken.

Man kann deutschen Zeitungen aus dem Jahr 1957 entnehmen, dass die Drohung des Vereinigten Königreiches aus der NATO auszuscheiden eine durchaus ernste Sache war. Ostberliner Historiker Dankert/Ersil/Werner schrieben in 'Politik in Westeuropa" (S194), dass dies sowie der Maulding-Plan - wie der Vorschlag von McMillan an de Gaulle zur 'einer Spaltung des kapitalistischen Europas' fuhrte, und dass de Gaulle Druck auf Adenauer legte, den Maulding-Plan abzulehnen. Es gibt aber keine Gründe, diese Schlussfolgerung zu ziehen.
1) denn das Vereinigte Königreich war an ein vereintes Westeuropa gegen den Kommunismus sehr interessiert und teilte diese Ansicht mit den Mitgliedern der EWG und NATO.

2) Heseltine erklärt, dass das pragmatisch-denkende Vereinigte Königreich einfach nicht glaubte, dass das Projekt EWG - 'ein totgeborenes Kind' war. Jean Monnet hatte diese Bedenken voll akzeptiert und eingeräumt, dass das Vereinigte Königreich vielleicht später beitreten wurde. Im Augenblick schien die Option einer Freihandelszone viel sicherer.

3) Der zweite Loch in der Ostberliner Theorie über die Spaltung Westeuropas ist die Tatsache, dass de Gaulle keinerlei Macht über Adenauer hatte. Frankreich konnte nicht über die Politik der BRD bestimmen. Die Rolle von Frankreich als Besatzungsmacht war längst vorbei.

4) Der dritte Loch in der Ostberliner Theorie ist dass de Gaulle keineswegs interessiert war, seine Ansichten an anderen Regierung zu diktieren. Außerdem war er nicht negativ gegen England bestimmt. Es ist ein hartnäckiges Klischee, dass Nationalklischees und Rhetorik sich in der Diplomatie wiederspiegeln. Außerdem bot England dem französischen General Zuflucht während des Zweiten Weltkrieges und de Gaulle organisierte den französischen Widerstand von England aus, sein berühmter Spruch wurde von der BBC über Europa ubertagen. Der Maulding-Plan wurde abgelehnt, weil die Britische Regierung keine Schritten zur wirtschaftlichen Integration unternehmen wollten.

'In einem Memorandum, brachte die Kommission zum Ausdruck, die EWG könne nicht zulassen, dass sie um die Früchte der wirtschaftlichen und politischen Integration gebracht wurde.". Der grosse Unterschied zwischen den Maudling Plan und der EWG ist dass das eine ein Staatenbundnis vorschlug, wo die Staaten ihre nationale Souveranitat behalten und eine Freihandelszone bilden. Ihre Zolle und Einfuhrquoten, sowie subventionierte Produkte (Dumping-Massnahmen) werden abgeschaft. Die EWG ist eine Integrationsgemeinschaft, welche stufenweise zu einem Bundesstaat fuhren sollte.

Und so verblieb Westauropa ein Mosaik von verschiedenen Wirschaftsorganisationen. Manche Länder waren Mitglieder von einer oder mehreren. Das Vereinigte Königreich verhandelte Verträge mit der EWG um die EFTA als Freihandelszonenpartner anzunehmen. Dreißig Jahre später hatte man genügend Erfahrung gesammelt um beide Organisationen im einem Plan zu harmonieren und konsolidieren, somit ist der Maudling-Plan ein Vorganger des Europaischen Wirtschaftsraumes. Der Vorschlag McMillans war daher nur verfrüht. Die wirtschaftliche Kooperation im Rahmen der OEEC.





In a time when the economy, thanks to better infrastructures and logistics, was globalizing, Europe was a mosaic of cohabitating organizations and states which barely had things in common. Eastern Europe went its special way, Austria and Finland felt constrained by their neutrality. Denmark, Sweden and Norway were members of the DANOSVE - a customs union. The situation in Malta and Cyprus was unstable. In Greece, Portugal, and Spain rthere were dictatorshops. Even though Turkey signed the MRK, the land was no democracy. Ireland, Iceland, Switzerland, Liechtenstein, Monaco, San Marino and Andorra were neutral states or tax havens. And the European Economic Community united Belgium, the Federal Republic of Germany, France, Italy, Luxembourg and the Netherlands in a customs union.

The focus of United Kingdom was still the Commonwealth. Richard Nicolas Coudenhove-Kalergi had foreseen this in his manifesto for Paneuropa. Coudenhove-Kalergi also did not consider the Soviet Union as a member of Paneuropa. Therefore, maybe one can feel that the Eastern bloc and the United Kingdom would not fit in the west-european project.

Yet, the The Soviet Union played a role in Europe, because she founded the Warsaw military pact and the COMECON with her partners / satellite states - The German Democratic Republic (GDR), Poland, Czechoslovakia, Romania, Bulgaria and Hungary. We will deal in another chapter about the COMECON and the Warsaw Pact as well as the role of Yugoslavia and Albania.
The United Kingdom had no intention to stay away from the European process. When the EEC was founded, the UK ' suggested the creation of a free trade zone consisting of the current members of the EEC and the remaining members of the OECD. Harold McMillan, The British Prime Minister even threatened to quit NATO, if EEC did not negotiate the contract - known as the Maudlin-Plan. But de Gaulle to whom McMillan presented this suggestion im June was not impressed - neither was Adenauer. And so the UK founded the EFTA in 1959 a free trade zone consisting of seven countries outside the EEC. Thirty years later, one can allege that it was merely the last attempt of a of a series which was put together almost instinctively, by the governments of England against any continental connection. ' In The Challenge of Europe, Michael Heseltine explained why the United Kingdom wanted to join the European concert: Since 1947, the year of the Independence of India, the Commonwealth had started to fall apart. 1956 was a key year for the colonial powers France and the United Kingdom, as Nasser in Egypt nationalized the Suez Canal and caused the crisis that bear its name. When the United States positioned themselves against France and the United Kingdom, it became clear that this was the beginning of the end of the colonial era, and therefore steps for decolonisation were undertaken. Without empire, the United Kingdom could only look towards the ' European shore '.

Reading German newspapers from the year 1957, on can see that the threat of the United Kingdom to leave NATO was a serious issue. East Berliners historian Dankert/Ersil/Werner even alleged their work in ' policy in Western Europe ' (S194) that this as well as the Maudling plan led to a ' split of the capitalistic Europas' fuhrte, because De Gaulle paarently pressurised Adenauer to reject it. However, this conclusion is wrong.


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