03 - EEC1951-1956

auf dem Weg zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) - 1951-1957

Nach dem Korea-Krieg, wurde die Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) oder Pleven-Plan von Rene Pleven, dem franzosichen Regierungschef den Mitgliedern der EGKS vorgelegt. Der Vorschlag war die Armeen der Mitgliedsstaaten unter einen gemeinsamen Verteidigungsminister zu stellen. Der Vertrag wurde 1952 unterzeichnet. Mit Stalins Tod im Jahre 1953 verlor die europäische Idee etwas an Dringlichkeit. Man sah keine Notwendigkeit mehr für eine Westeuropäische Armee, außerdem fühlte man sich in die NATO sicher. So kann man das Scheitern des Plans zu einer erklären aber diese Erläuterung ist nicht ausreichend. Der Plan wurde im Französischen Parlament am 31. August 1954 nicht ratifiziert. Dies wurde von der deutschen Presse heftig kritisiert. Der Rheinische-Merkur konnte zum Beispiel nicht verstehen weshalb die Französische Nationalisten und die Kommunistische Partei am gleichen Strang gezogen hatten. Dass die Kommunisten ein Bündnis gegen den Ostblock kritisierte war schon klar, die Nationalkonservativen dagegen fürchteten den Verlust von Souveränität. Einige Jahre später fuhrte diese Idee zum französischen Austritt aus der NATO. Der Historiker J.B. Duroselle schildert die Reaktion von Jean Monnet auf das Scheitern des Pleven-Plans: "Ich werde mich stets an die Antwort Jean Monnets erinnern auf die Frage die ich ihm bezüglich der EVG stellte 'Da dies scheiterte, war es eben nicht gut."

Aus den eben genannten Gründen, konnte man wie Wilfried Loth, Professor für Neuere Geschichte in Essen schreiben: "In dieser Situation stellten die Vertrage zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und Atomgemeinschaft (EURATOM) von März 1957 einen Versuch dar, von der europäischen Idee zu retten was zu retten war."


In einer Zeit des schnellen Aufschwungs, auch Wirtschaftswunder genannt, waren sich die Partner einig, dass eine wirtschaftliche Einigung mehr Sinn hatte als die gescheiterte Idee einer europäischen Armee. Die Franzosen mit Jean Monnet brachten den Vorschlag eines gemeinsamen Pools für die zivile Benutzung der Kernenergie. Ein Teil der Bauernvereinigung Frankreichs und der Niederlande waren an einem gemeinsamen, geforderten Agrarmarkt interessiert, die belgische und die deutsche Industrie wollten eine 'Beseitigung der Handelshemmnisse gerade mit den Ländern der Montanunion." Und so waren Atomgemeinschaft, gemeinsamer Agrarmarkt und Abbau von Handelshemmnissen auf dem Tisch.

Nun begannen schwierige Verhandlungen. Die Meinungen waren zwar unterschiedlich aber die Gleichberechtigung erforderte, dass Kompromisse gefunden werden mussten. - die Franzosen befürchteten, dass ihre Wirtschaft nicht stabil genug für die Beseitigung der Handelshemmnissen war. - die Deutschen und die Niederländer interessierten sich kaum für EURATOM - der BENELUX der Agrarprodukte aus den Ländern der Montanunion importierte befürchtete hohe Preise wegen der geplanten Agrarsubventionen. - die Liberalparteien aller EGKS-Länder waren mit dem Konzept von gemeinsamen Außenzöllen nicht einverstanden. Es bedurfte eines gewaltigen Engagement seitens der Gründungsväter um die Projekte EWG und EURATOM durchzusetzen. Zunächst spielte der belgische Außenminister Paul-Henri Spaak, als Leiter einer Expertenkommission eine große Rolle. Der sogenannte Spaak-Kommittee wurde beauftragte, einen Plan auszuarbeiten. Bei der Konferenz von Messina am 4. Juni 1955, fing die Arbeit des Kommittees an - zwei Monate lang arbeiteten die Experten aus den verschiedenen EGKS-Landern in der Abgeschiedenheit eines belgischen Schlosses bei Brüssel. Der Plan wurde den Außenministern bei der Konferenz von Venedig im Mai 1956 vorgelegt. Im September fanden die Verhandlungen statt und die Experten des Spaak-Kommittees spielten eine gewichtige Rolle als 'Europa-Lobbyisten' - somit kann man sagen, dass diese Experten die Vorgänger der späteren Europäischen Kommission sind. Aus dem Spaak-Plan kann man entnehmen, dass Rücksicht auf die Äußerungen der Regierungen genommen wurde: denn es wurde einen Stufenplan zur Beseitigung der Handelshemmnissen vorgesehen, um Frankreich und anderen Ländern Zeit zu geben, ihre Wirtschaft vorzubereiten.

Der französische Ratsvorsitzende Guy Mollet erreichte durch politische Taktik, dass sein Parlament den EURATOM-Projekt begrüßte, außerdem sorgte er dafür, dass er ein Mandat seitens seines Parlaments erhielt, um die Schlussphase der Europaverhandlungen zu leiten. Prof. Loth bemerkt in 'Die Europäische Gemeinschaft Entstehung und Entwicklung', dass nun wo das Parlament an das EWG-Projekt gebunden war, die Position Frankreichs deutlich gestärkt war.

Konrad Adenauer, der deutsche Bundeskanzler, war der dritte Gründungsvater der EWG/EURATOM, denn er sorgte mit seiner Rethorik, dass seine Politik geradlinig blieb und er von seiner Partei unterstützt wurde. Während der EGKS-Verhandlungen, hatte es in der Adernauer-Regierung und -Partei Missklänge gegeben. Nun war die Lage viel ruhiger, die größte Oppositionspartei SPD war vom Spaak-Plan angetan. Adenauer unterstützte EURATOM um Guy Mollet einen parlamentarischen Sieg zu ermöglichen. 1956, reiste Adenauer nach Paris um Frankreich in der Suez-Krise beizustehen. In Frankreich war die Stimmung über die Deutsch-französische Beziehung positiv und somit war der Zweck der Reise erreicht.

Publizisten in Deutschland kritisierten, dass Deutschland den französischen Imperialismus unterstützt besonders als Adenauer auch noch deutsche Hilfe für französische Uberseegebiete zusagte. Rudolf Augstein schrieb im Spiegel im März 1957 "Die Saharaspende des deutschen Volkes rollt"(Markt der Illusionen). Bei der Konferenz von Rom, wurden die Römischen Vertrage zwischen den EGKS-Landern unterschrieben. Die Liberalen in der FDP stimmten gegen die Römische Vertrage im Deutschen Parlament doch sie konnten den Sieg Adenauers nicht verhindern. Die Verträge waren ratifiziert.

Somit ist die Gründung der EWG/EURATOM das Ergebnis von geglückter, klassischer Kabinettdiplomatie, aber auch, wie am Beispiel des Spaak-Kommittee erkannt wird, einer Bürokratendiplomatie. Ihr fehlte an Legitiemierung des Volkes. Es fehlte an öffentlichen Debatten. Vielleicht kann man es auch damit erklären, dass sich die Öffentlichkeit in die EGKS-Landern sich mehr für den Kalten Krieg und Innenpolitik, als für europäische Wirtschaftsnachrichten.
Leading to the European Economic Community (EEC) - in 1951-1957

The European Defense Community (EVG) or The Pleven-Plan for a European Army was proposed by the French Prime Minister Rene Pleven in the wake of the Korean War. The idea was to place the armies from the six ECSC members under a shared minister of defense. The Treaty was signed in 1952. However, with Joseph Stalin's death in 1953 the European idea became less of urgent. One did not the necessity for a west-European army any more, and besides, NATO felt secure. These reasons may explain the failure of the Pleven-Plan, however, this explanation is not sufficient. On August 31st 1954 the French parliament refused to ratify the treaty,this decision was virulently criticized by the German press. For example, The Rheinisher Merkur could not understand, which is why the French nationalists and the communist party tugged in the same direction. The fact that the communists would criticize an alliance against the Eastern bloc was obvious, for the National Conservatives it was a matter of loss of sovereignty. Some years later, this idea led for the French departure from NATO. The historian J.B. Duroselle describes the reaction of Jean Monnet to the failure of the Pleven plan: ' I will always remember Jean Monnet's answer to the question I asked him about the EVG: ' If it failed, then it was not good enough. '

For the reasons named above, one put it like Wilfried Loth professor of Contemporary History in Essen : ' In this situation the treaties for the creation of the European Economic Community (EEC) and common nuclear market (EURATOM) in March, 1957 were an attempt to salvage the European idea' In a time of the quick growth, also called the 'economic miracle', the partners agreed that an economic arrangement mademore sense than the failed idea of a European army. The French with Jean Monnet suggested a common pool for the civil use of nuclear energy. Part of the farming unions of France and the Netherlands were interested in a common, subsidized agricultural market, the Belgian and the German industries requested a ' removal of trade barriers amongst the ECSC. ' And thus common nuclear market, common agricultural policy and the removal of trade barriers were the themes on the agenda.

Now difficult negotiations began. Indeed, the opinions were different, however, in the name of the equal rights, compromises had to be found. - the French feared that her economy was not stable enough for the removal of trade barriers. - the Germans and the Dutch showed scant interest in EURATOM - The BENELUX who imported agricultural products from the ECSC-countries feared high prices because of the planned farm subsidies. - the liberal parties in all ECSC countries did not agree with the concept of common duties tariffs. It required an immense engagement on the part of the founding fathers to see the projects European Economic Community and EURATOM through. At first, Paul-Henri Spaak, the Belgian Foreign Secretary , played a big role as the head of committee of experts. The so-called Spaak-committee was commissioned to work out a plan. the work of the Committee started at the Messina Conference on June 4., 1955, - then for two months the experts from the different ECSC-countries worked in the seclusion of a Belgian castle near Brussels. The plan was presented to the Foreign Secretaries at the Venice Conference in May 1956. In September the negotiations took place and the experts of the Spaak-Committee played a weighty role as 'European lobbyists' - therefore one can say that these experts are the predecessors of the later European Commission. the Spaak-Report took into consideration the statements by the various governments: it involved a step plan for the removal of trade barriers to give France and other countries time, to prepare their economy.

Guy Mollet ,the French head of state used political tactics and convinced his parliament to welcome the EURATOM project, and he convinced it this gave him a mandate to lead the final phase of the European negotiations at the Conference of Rome. In his essay, Die Europäische Gemeinschaft Entstehung und Entwicklung' Prof. W. Loth explains that now that parliament was bound to the European Economic Community project this clearly strengthened the position of France.

Konrad Adenauer, the German Federal Chancellor, was the third founding father of EEC/EURATOM, thanks to strong rhetoric, he made sure that his policy remained on course and that he received support from his party. During the ECSC negotiations, there had been dissonances in the Adernauer government and CDU party. Now the situation was much calmer, the SPD, the biggest opposition party agreed with the Spaak plan. Adenauer supported EURATOM to allow Guy Mollet to get his above-mentionned parliamentary victory. In 1956, Adenauer traveled to Paris to show support ot France during the Suez crisis to stand. In France the general mood about Germany was positive and so the purpose of the trip was reached.

Some German journalists criticized that Germany supported French imperialism especially because Adenauer promised financial help to French colonies. Rudolf Augstein wrote in Der Spiegel in March, 1957 ' the Sahara donation of the German people rolls ' (market of the illusions). At the conference of Rome, the Treaties of Rome for the EEC/EURATOM were signed between the ECSC-countries. The liberals in the FDP rejected the Treaty of Rome in the German parliament, nevertheless, they could not prevent Adenauer's political victory:. The treaties were ratified.

The foundation of the EEC/EURATOM is therefore the result of successful, classical cabinet diplomacy, from the example of the Spaak-Kommittee we can see that this is also a diplomacy of bureaucrats. Endorsement by the general public was missing. There were not enough public debates. Maybe this can be explained that the general public in the ECSC-countries took more interest in the Cold War and domestic policy, than in European economic news. Ideologically, there is a split between europhiles and eurosceptics - this split persists to this day. Politicians of various parties were involved in the creation of the EEC.

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