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Ludwigsburger Kreiszeitung

Am Flügel und mit einer „Orgel auf dem Schoß”

Duo Yazzango bietet im Stiftskeller eine gekonnte Fusion von Klassik, Jazz, Tango und ungarischen Klängen

OBERSTENFELD

Die Fusion von Tango Nuevo und Modern Jazz ist im Kern gelungen. Yazzango nennt sich das Duo, das mit Flügel und Bandoneon zudem klassische Elemente und Folklore verschmelzen lässt und mit dieser Mischung einen strahlenden Abend im Stiftskeller zauberte.

VON THOMAS FAULHABER

 

Hinter Yazzango stecken der renommierte Jazz-Pianist Bill Bergelt, der sich auch als Performance-Lyriker mit seinem Programm „Piano und Poesie” einen Namen gemacht hat, und Karin Eckstein. Die meisterliche Virtuosin am Bandoneon studierte das eigenwillige Instrument sechs Jahre lang in Paris, verfeinerte Technik und Emotionen in Südamerika.

Vor acht Monaten, zum 20-jährigen Jubiläum des Kulturvereins Oberes Bottwartal, hatte Yazzango an Ort und Stelle Premiere. Was die beiden Musiker damals aufblitzen ließen, haben sie inzwischen zur Perfektion verfeinert. Sie interpretieren Meister Piazolla, der den traditionellen Tango durch revolutionäre Kompositionen rettete, und sie arrangieren Bartoks Eindrücke ungarischer Volksmusik neu. Im Ergebnis ist das ein stimmungsvoller Asado mit reichlich Paprika, ein Hauch vom Pampa und Puszta.

Auch Ravel erscheint im neuen Gewand, wie Bergelt und Eckstein überhaupt auch zeitgenössischen Komponisten Gehör verschaffen. In Solo-Passagen zeigen beide, dass jede(r) für sich ein Meister seines Fachs ist. Was sich dann im Duett zu völlig neuen Klangwelten erhebt.

Gerne erklärt Eckstein ihr Instrument, das seine Wurzeln im deutschen Erzgebirge Mitte des 19. Jahrhunderts hatte. Die Anordnung der Knöpfe hat scheinbar kein System, je nach Zug und Druck ändert sich vermeintlich willkürlich die Klangfarbe. „Vom Tonumfang her habe ich eine Kirchenorgel auf dem Schoß”, sagt sie. Aber das Bandoneon sei deutlich leichter, beruhigt sie die rund 80 Zuhörer scherzhaft.

Dass das Instrument, es erinnert an ein kleines Akkordeon und wird dort gerne „Balg” genannt, gerade in Südamerika solchen Anklang fand, ist einfach zu verstehen: Es spiegelt die Seele Argentiniens wider. Mal scharf und bestimmt und voller Lebenslust, dann doch wieder melancholisch und traurig sind die Töne. Komponisten malen mit dem Bandoneon ganze Milieustudien. Wer sich darauf einlässt, dem ziehen die Takte als Bilder im Kopf vorbei.

Was auf den ersten Blick gewagt klingt, kommt gut rüber. In eigenen Arrangements entwickeln Bergelt und Eckstein einen ganz eigenen, beinahe avantgardistischen Stil. Gefühlvoll und ausdrucksstark vereint sich die Expressivität des Flügels mit der rhythmischen Akzentuierung des Bandoneons zu einem feurigen Erlebnis. Musik mit „Drive” und vor allem mit jeder Menge Seele.