Olli und die Hundefängerbande - Textprobe



Am Hafen (Olli)

„Hör auf zu lecken!“ Meike schimpfte mit ihrem Hund Gisbert, der auf dem Deck unseres Schiffes, der Ana Lena, lag und mit der Zunge seine Pfoten bearbeitete. Die Lehmänner haben ihn nach unserem letzten Amelandurlaub gekauft. Er ist fast ein Jahr alt und hat nur Unsinn im Kopf. Aber voll die treuen Hundeaugen. Gisbert hat spitze Ohren und ein braun – weißes Fell. Als ich ihn sah, fiel mir Mr.Spock ein, der Vulkanier aus dieser uralten Raumschiff Enterprise – Serie. Alle haben sich sofort mit ihm angefreundet, auch Papa, obwohl er Hunde eigentlich nicht ausstehen kann. Einmal hat er sogar gesagt: „Nur ein toter Hund ist ein guter Hund.“ Das war echt gemein, aber Gisbert gefiel ihm trotzdem.


Pit, Hanjo und ich bekamen eine Kajüte zusammen, ganz vorne, also im Bug, sagen die Schiffer, und wenn sie nach hinten gehen, sagen sie achtern, da ist das Heck. Ich werfe das immer durcheinander. „Coole Hütte“, meinte Pit, als wir unsere Koffer die steile Treppe nach unten geschleppt und durch einen schmalen Gang unser Zimmer, t’schuldigung, unsere Kajüte, erreicht hatten. „Hier schläft übrigens mein Ball“, grinste er, „Hanjo, du musst auf dem Boden pennen.“ „Sehr witzig. Olli, sag meinem bescheuerten Bruder, dass er mir nicht auf den Keks gehen soll, sonst landet sein Ball sofort im Wasser.“

Die beiden hatten schon während der Autofahrt zum Hafen Krach, weil Hanjo unbedingt ins Zuiderzee – Museum wollte. Da soll man sich alte Häuser und so was angucken können. Pit war noch nie Museumsfan. Das konnte ich gut verstehen, in den Ferien in Museen rumzuhängen ist auch nicht so mein Ding. Nur letztes Jahr, auf Ameland, war’s gut, denn da haben wir Jaap kennengelernt, den Leiter des kleinen Museums in Buren. Ohne ihn hätten wir den Fall mit der gestohlenen Galionsfigur niemals lösen können. Jaap ist ein super Typ. „Jetzt hört auf, euch anzumachen“, mischte ich mich ein, „der Ball kann ja wohl auf dem Boden pennen.“ „Na bitte, Brüderchen“, grinste Hanjo, „Olli hat gesprochen.“
Er nahm den Ball in beide Hände und legte ihn vorsichtig auf den Boden. „Nun, Herr Ball, ist es so Recht, liegen Sie bequem, oder hätten Sie lieber die andere Ecke?“
Hanjo ist zwar eine Intelligenzbestie, aber manchmal kann er richtig witzig sein. Als wir alles eingeräumt hatten, sind wir in die Mädchenkajüte gegangen. Die schlafen da zu viert. Das konnte man sofort riechen, es stank nämlich voll nach Deo und Cremes und so Zeug.

„Wenn ihr mit dem Einräumen fertig seid, könnt ihr helfen, die Vorräte in die Küche zu tragen“, stöhnte Lutz, Hannahs und Meikes Papa. Er balancierte gerade mit einer Kiste die steile Treppe nach unten. „Das heißt Kombüse“, rief Hannah. Lutz knallte die Kiste auf den Tisch. „Du sollst doch nicht die schweren Sachen tragen, sonst hast du es gleich wieder am Rücken“, schimpfte Beate, die sich immer Sorgen um Lutz macht, weil er schnell einen Hexenschuss bekommt und sich dann nicht mehr bewegen kann. Letztes Jahr auf Ameland ist ihm das sogar passiert, als wir die Diebe der Galionsfigur fangen wollten. „Also, Jungs, rauf mit euch, auf Deck sind noch mehr Kisten!“ Sie zeigte nach oben. Papa und Uli, der Vater von Hanjo, Katja und Pit, schleppten eine nach der anderen aus den Autos aufs Schiff. Es dauerte fast eine Stunde, bis wir fertig waren.
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