Prominenz‎ > ‎

Auf ein Glas Wein mit Walter

Die Nachbarschaftsinitiative Wonnegauviertel durfte den neusten prominenten Bewohner aus ihrer Siedlung bei einem Abend in der Villa Medici kennen lernen: “Walter“, Kandidat der kürzlich ausgestrahlten RTL2-Dokusoap “Traumfrau gesucht“.

Walter ist ein Liebhaber des italienischen Lebensgefühls. Er hat lange Zeit in Italien gelebt und betont, dass er erst im Rom so richtig „erwachsen“ geworden ist. Erwachsen, aber auf eine andere Art als in Deutschland. In Nachkriegsdeutschland wurde er regel-treu, brav und gehorsam erzogen. Er umschreibt die Andersartigkeit der deutschen zur italienischen Lebensart mit dem Beispiel eines unangekündigten Besuchs. Kommt ein Deutscher bei einem Freund vorbei, so klingelt er für gewöhnlich an dessen Haustür. Macht niemand auf, geht er wieder. Ein Italiener aber würde ums Haus herum gehen und den Dienstboteneingang nutzen, um zu sehen, ob auch wirklich niemand daheim sei. Aus einem „Nein“ wird in Italien oft ein „Vielleicht“, eben jene Lebensart begeistert Hoffmann. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum man ihn so oft in seinem Lieblingslokal, der Villa Medici an der Spanischen Allee antreffen kann. Walter schwärmt nicht nur für klassische italienische Speisen, sondern ihn verbindet auch mittlerweile eine Freundschaft mit dem Inhaber Mario Veglia. Das war auch der Grund, warum die Nachbarschaftsinitiative Wonnegauviertel sich mit Walter genau hier zum Gespräch in gemütlicher Runde traf. Walter, ein Gentlemen der alten Schule, ist authentisch, so kommt es nicht nur am Fernseher herüber, auch im Gespräch. 

Die Umgebung seines gefühlten zweiten Wohnzimmers, der Villa Medici, unterstrich eben jene Authentizität. Aber ausgerechnet die Tatsache, dass Walter schon einige Jahre allein durch Leben geht und die Abende in der Villa  Medici gerne zu zweit genießen würde, brachte ihm Popularität. Er ist von den deutschen Frauen etwas enttäuscht, wirkt aber trotzdem nicht verzweifelt, sondern führt selbstbewusst seine Gründe für seine Vorbehalte auf. Er beschreibt die deutschen Frauen als zu selbständig, eine Art Eigenständigkeit in dem Sinne, dass auch er als Mann gerne die Winterreifen am Auto seiner Frau wechseln würde, aber eben nicht darf, weil es au Sicht der Frau zu rollenkonform wirken würde.
 
Walter mangelt es nicht an Bindungswilligkeit, dafür aber wohl den Frauen. Er beschreibt sich als ungemein kinderlieb und hat sogar eigene Kindergeschichten verfasst. Walter ist ein Romantiker, liebt Rosamunde-Pilcher-Filme und die preußischen Schlösser und Gärten in Potsdam. Er möchte nicht nur der „Nebenbei-Freund“ sein und auch von seiner Partnerin nicht „umgemodelt“ werden, wie einige emanzipierte deutsche Frauen es mit ihm in der Vergangenheit bereits nach einigen Monaten Beziehung versucht hätten. Walter ist ein klassischer Spaziergänger und möchte nicht zum Wanderer „umerzogen“ werden. Anlass genug für ihn vor drei Jahren im Internet auf die Suche nach einer Lebenspartnerin aus der Ukraine machte. Die Ehefrau eines Freundes stammte dorther und ermunterte ihn, seine Suche Richtung Osteuropa zu verlagern. Und dabei entdeckte er vor einem Jahr eine Anzeige von RTL 2. Der Sender suchte im Internet, deutsche Männer, die er mit der Kamera auf der Partnersuche in Osteuropa ihr großes Glück suchen. 

Walter bewarb sich und wurde als „Der Gentlemen“ zum Haupt-Protagonisten der Sendung, die im Reality“-Format gedreht, seine Bemühungen zeigt, eine Frau mit und ohne Partnervermittlungen in Russland und der Ukraine zu finden. Schnell stieg er durch seine eigene besondere Art Frauen zu umwerben zu ungeahnter Popularität auf und wurde zum Publikumsliebling. Leider war dies nicht immer in seinem Sinne, denn seine Rolle wurde im Fernsehen teilweise stark überzeichnet und seine ernstgemeinten Anbahnungsversuche einige Male in Lächerliche gezogen. Bestes Beispiel war eine der ersten Sendungen, in dem Hoffmann bei seinem ersten Date emotional reagierte und ihm vor der Kamera Tränen über die Wangen laufen. Sofort wurde er als ich-bezogenes Sensibelchen hingestellt, in Wahrheit hat ihn die Situation nur an einem prägenden Moment in seiner Jugend erinnert, nämlich an seine Schauspielrolle im Stück „Unsere kleine Stadt“, in dem der Tod eines 21-jährigen Mädchens und das Aneinander Vorbei Leben der Menschen erinnert. Weiter führt Walter aus, dass so ein Rendezvous vor der Kamera nicht leicht fällt, da ständig ein Aufnahmeteam die gewünschte Intimität eines ersten romantischen Treffens zerstört. Auch ein gewisser Erfolgsdruck laste dabei auf den „Turteltäubchen“, da sie doch ohnehin schon mit Sprach- und Kulturbarrieren genügend Schwierigkeiten hätten.

Ein Abend, der eigentlich romantisch werden sollte, gerät dadurch leicht in eine verkrampfte Situation, die eine „dramaturgischen Unruhe“ mit sich bringt, wie Walter es beschreibt. Wenn die ausgesuchte Partnerin dann nicht wenigstens ein mittelmäßiges Englisch spricht, wird es schwer eine positive Stimmung entstehen zu lassen. Aber Walter hat sich davon nicht abschrecken lassen. Er zeigt Gefühl, und, so sagt er von sich, er setzte immer alles auf eine Karte und gäbe 100 Prozent. Das das manchmal zu viel sein könnte, dessen ist er sich bewusst, aber er möchte sich später keine Vorwürfe nach dem Motto machen “hätte ich doch…“  Liebe sei kein Geschäft, wie der Untertitel der Fernsehsendung suggeriert, sondern eine Sache, in der man „alles in eine Waagschale legen“ sollte, auch wenn die Gefahr bestünde, „draufgängerisch“ zu wirken, so Walter. Es ist eigentlich das Klassische, das Elegante, das Walter seit der Ausstrahlung von „Traumfrau gesucht“ bei vielen Fernsehzuschauern zu einer Art Still-Ikone gemacht hat. Der Zuschauer soll sich ja in einen der fünf Protagonisten der Sendung widerspiegeln und sich „ein bisschen in ihn verlieben“, so interpretiert er die Männer-Auswahl von drei ganz unterschiedlichen Typen des Senders für die Dokusoap.

Seitdem er bekannt ist, sagt er, kommen Wildfremde auf ihn zu, entweder per Mail oder auf dem Reichelt-Parkplatz, und bitten ihn um Styling-Tipps oder Ratschlägen für das erste Date. Benimm-Regeln vermisst Walter bei vielen jungen Menschen; gerne gibt er etwas von seinen Erfahrungswerten weiter und man merkt ihm an, wie sehr er sich darüber freut, gefragt zu werden. Er erläutert auch den Grund warum er immer mit Geschenken zu einem Rendezvous erscheint, und deutet dies mit der Wertschätzung die er einer Frau entgegen bringt. Manchmal kann seine Bewunderung so groß sein, dass er gleich ein teures Kleid zum ersten Date mitbringt. Leider blieb es bei den Drehaufnahmen nicht aus, dass seine Partnersuche überzeichnet wurde. Die Partnervermittlerin aus der Sendung stellte ihm eher Damen vor, mit denen eine Konfrontation zu erwarten war, als dass es erfolgversprechende Kandidatinnen waren. Zu einem Drehtermin auf einer Eislaufbahn in St. Petersburg wurde er von seinem Rendezvous bewusst zu einem Zeitpunkt eingeladen, an dem dort bereits Einlass-Schluss war, dies Umstand wurde dann als sein Versagen hingestellt.

Das ärgert Walter und er betont aber, dass sehr viele Ideen, die in der Sendung gezeigt wurden, von ihm selbst entwickelt wurden. Dem aus Bayern stammenden Neu-Berliner hört man das Bayerische kaum mehr an, lediglich eine dezent-vornehme Akzentuierung verrät seine Herkunft. Er ist vor anderthalb Jahren aus beruflichen Gründen nach Berlin gekommen. Dass er nach Nikolassee ins Wonnegauviertel zog, war dann eher Zufall. Aber er schätzt die ideale Lage, ist seine Wohnung doch nah am romantischen Potsdam oder seinem Berliner Lieblingsort, der Siemens-Villa am Kleinen Wannsee, wo er am Wochenende oft spazieren geht. Berlin gefällt ihm, „es ist lockerer“ sagt er. Würde man in München im Café eine junge Dame ansprechen und nach einiger Zeit fragen, was Sie so machen, käme als Antwort oft  „ich modele ein bißchen...“. Die Bourgeoisie gehört laut Walter dort zum guten Ton, während in Berlin Rentnerehepaare neben Yuppies und Abiturienten ungeniert in Clärchen Ballhaus bis in die frühen Morgenstunden tanzen. Dort hat er auch schon für nicht einmal 10 Euro pro Nacht tolle Partynächte erlebt. Neben der Frau fürs Leben ist das Einzige, das ihm wirklich fehlt, die Bergwelt Bayerns. Aber zum Glück arbeitet Walter als Reisekaufmann, sodass er genügend Gelegenheit hat, zumindest diese Sehnsüchte zu stillen.

Comments