Geschichte

1921: Die Heimstätten AG, die seit der Jahrhundertwende das Gebiet rund um den Bahnhof Nikolassee bebaut hatte, verkauft große Flurstücke der Zehlendorfer Heide (auch "Mittelbusch" genannt), die vorher im Besitz der 1773 angelegten landwirtschaftlichen Kolonie Neu-Zehlendorf (auch "Hubertshäuser" genannt) waren, zu der u.a. der Bauernhof Hönow und der ehemalige Bauernhof Lindenhof (Wasgensteig Ecke Königsweg) gehörten, an die Deutschland Rückversicherung. Der Vorsitzender der Rückversicherung, Dr. Gustav Ramin, residierte zu dieser Zeit im angrenzenden Mittelhof-Gebäude (Kirchweg). Die Zehlendorfer Heide erstreckte sich damals vom Grunewald bis zur Parforceheide (heute Düppler Forst) und zur Machnower Heide (heutiges Kleinmachnow).

1933-1935: Die Nationalsozialisten fördern den Wohnungsbau in Deutschland, um die Wohnungsnot in Deutschland (über eine Million Haushalte verfügten über keine eigene Wohnung) zu lindern. Dieses ideologisch untermauerte Ziel wurde vor allem durch einen Vierjahresplan zwischen 1936 und 1939 verstärkt verfolgt.


Bauvorschriften, Abbildung: Sammlung Großkopf (Zum Vergrößern auf die Abbildung klicken)

Die Isep-Gesellschaft, deren Vorsitzender Alexander Epstein (geboren 1890 in Tver bei Moskau) war, und der Berliner Bodenverein erhielten den Zuschlag für die Bebauung des Mittelbuschgeländes und begann sofort mit dem Verkauf.

Zum Jahresende 1933 waren bereits alle Grundstücke des nördlichen Mittelbuschgeländes an private Bauherren veräußert. Die Isep-Gesellschaft stand unter hohem Verkaufsdruck: Sie musste 46.000 Reichsmark Zinsen pro Quartal an die Vorbesitzerin Heimstätten AG zahlen. Im März 1933 wurde die Isep in "Berliner Bauland-Vermitlungsgesellschaft" umbenannt. Sie bot Baugrundstücke mit günstigen Finanzierungsmöglichkeiten zum "Einführungspreis von 6,50 Reichsmark pro Quadratmeter" an. Auch der Erwerb von schlüsselfertigen "Rentenhäusern" war möglich. So sollten die Käufer ein Drittel des Grundstückspreises in bar an die mit Epstein kooperierende C-Bank entrichten, zwei Drittel konnten in Raten zu einem Zinssatz von 6 % über einen Zeitraum von drei Jahren an die Baulandgesellschaft gezahlt werden. Die Käufer verpflichteten sich außerdem, innerhalb von zwei Jahren mit der Bebauung ihres Grundstücks zu beginnen und für den Anschluss an die Infrastruktur in Höhe von drei Reichsmark pro Quadratmeter aufzukommen.


Werbeplakat, Sammlung Großkopf
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1. August 1935: Umbenennung der bis dato mit Nummern benannten Straßen nach Weinbauorten im Wonnegau (Westhofen, Osthofen, Pfeddersheim und Albig) sowie Verlängerung bestehender Straßen (Beskidenstraße, Krottnaurerstraße und Von-Luck-Straße). Die Haagstraße und die Straße im Mittelbusch entstehen.
Das Viertelgelände wird in fünf Phasen erschlossen: Abschnitte I-III (Zwischen Beskidenstraße, Haagstraße und Krottnaurerstraße), Abschnitte IV und V (östlich und südlich der Krottnaurerstraße).
Östlich des Wonnegauviertels wurde bereits 1926 mit der Planung weiterer Straßen begonnen (» Karte), in diesem Zusammenhang wird auch über einen Stichweg zwischen der heutigen Tewsstraße und der Potsdamer Chaussee nachgedacht, die in späteren Karten den Namen des rheinhessischen Ortes "Guntersblum" trägt. Auch über eine Verlängerung des Westhofener Weges und des Pfeddersheimer Weges bis zu diesem Weg wird nachgedacht.

1938: Alexander Epstein muss aufgrund der Rassenpolitik der Nazis (er war Jude) den Vorsitz der Gesellschaft an seinen nicht-jüdischen Mitgesellschafter Hiller übertragen. Dass baute sich im Wonnegauviertel ein Eigenheim. Epstein wurde vermutlich nach Auschwitz deportiert und kam dort ums Leben.
--> Der Autor Hans H. Lembke (Nikolassee) beschreibt in "Aufstieg, Verdrängung, Deportation - Phasen eines Unternehmerlebens in der Zehlendorfer Bauwelt" das Leben von Alexander Epstein, der mit seiner Bauland-Gesellschaft das Wonnegauviertel erschlossen hat. Das Manuskript können Sie hier als PDF herunterladen.


Ansichtskarte Wonnegauviertel 1936, Sammlung Finger
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1934-1940: Für die "Landhäuser" die gebaut werden sollen, gibt es zwei zugelassene Bauarten: Neben den sog. "Kaffeemühlen", den rechteckigen Häusern, durften auch die zeitgemäßen Häuser im "Heimatschutzstil" mit Satteldach gebaut werden. "Die architektonische Gestaltung wurde bis in die Einzelheiten vom Stadtplanungsamt kontrolliert. Vom Dach bis zum Gartenzaun mussten sämtliche Materialien, Formen und Farben der sogenannten 'Schönheitsauflage' entsprechen. Alle Bauten sollten so ausgeführt werden, dass sie 'Ausdruck anständiger Baugesinnung' sind, wie es in einer Verordnung von 1936 hieß", so beschreibt Jens Sethmann die Bauauflagen jener Zeit.
Entwurf und Bebauungsplan der Siedlung erstellte das Architektenduo Paul Zimmerreimer/Hanns Hirt.
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