Das Viertel

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Gebiet zwischen der Rehwiese und dem heutigen Studentendorf das letzte Waldstück der Zehlendorfer Heide, die sich einst vom Grunewald bis zur Parforceheide erstreckte. Von diesem im Volksmund „Mittelbusch“ genannten Forst ist lediglich der Jochen-Klepper-Weg geblieben.
Im Jahr 1905 verkauften die Eigentümer (ehemalige Kleinbauern der Kolonie Neu-Zehlendorf) die Flurstücke der Zehlendorfer Heide an den „Berliner Bodenverein“. Dieser begann ab 1906 sukzessive auf seinem neuen Terrain Straßen anzulegen und Baugrundstücke zum Verkauf anzubieten. Durch Krieg und Wirtschaftkrise verzögerte sich aber der Baustart bis 1932. In den Jahren 1933-1943 entstanden zweigeschossige Einfamilienhäuser zweier Typen (siehe Abb.), in der von den Nationalsozialisten als „Heimatschutzstil“ übernommenen, so genannten englischen Landhausbauweise.

Die Architekten Paul Zimmerreimer und Hanns Hirt entwickelten den Entwurf für die Bebauung der Einfamilienhaus-Siedlungsanlage. Rund um den Albiger Weg baute die „Grundstücksgesellschaft Rehwiese-Mittelweg mbH“ 1936 eine Mehrfamilienhaussiedlung, ebenfalls nach Plänen der beiden Architekten.

Straßennamen
Die Straßen im Wonnegauviertel wurden zwischen 1935 und 1937 größtenteils nach Gemeinden in der rheinhessischen Weinbauregion „Wonnegau“ benannt. Dort findet man Ortschaften wie Westhofen und Albig, die Stadt Osthofen und den Wormser Stadtteil Pfeddersheim. Seit 2008 heißt ein kleiner Fußweg, der durch die Grünanlage zwischen dem nördlichen und südlichten Teil des Quartiers führt, auf Anregung von Anwohnern „Wonnegausteig“. Der Grund, warum ausgerechnet Wonnegauorte als Namenspatronen gewählt wurden, ist nicht überliefert, es gibt aber auch im Wonnegau eine recht einflussreiche Familie mit Nachnmen „Haag“. Hier könnte eine familiäre Verbindung zu Alfred Haag (es gibt auch die „Haagstraße“ im Wonnegauviertel) bestanden haben. Noch bis heute gibt es enge Kontakte zwischen politischen Verantwortlichen im Wonnegau und dem Zehlendorfer Städtepartnerschaftsverein.
Unmittelbar nördlich des Landstrichs Wonnegau liegt der Ort Guntersblum, der (seit 1947) namensgebend für die Straße in der Reichsbeamtensiedlung ist.


Alexander Epstein und der Berliner Bodenverein

Der „Berliner Bodenverein“ (später „Berliner Bauland GmbH“), dessen Vorsitzender Alexander Epstein (geboren 1890 in Tver bei Moskau) war, erhielt Anfang der 1930er Jahre den Zuschlag für die Bebauung des Mittelbuschgeländes und begann sofort mit dem Verkauf. Bis zum Jahresende 1933 waren bereits alle Grundstücke des nördlichen Mittelbuschgeländes an private Bauherren

veräußert. Die Gesellschaft bot Baugrundstücke mit günstigen Finanzierungsmöglichkeiten zum „Einführungspreis von 6,50 Reichsmark pro Quadratmeter“ an. Die Käufer verpflichteten sich, innerhalb von zwei Jahren mit der Bebauung ihres Grundstücks zu beginnen und zugleich in Höhe von drei Reichsmark pro Quadratmeter für den Anschluss an die Infrastruktur aufzukommen.

Epstein kooperierte auch mit der Cöpenicker Bank und konnte so zinsgünstige Baukredite seinen Käufern offerieren. Epstein musste allerdings 1938, da er Jude war, aufgrund der Rassenpolitik der Nazis den Vorsitz der Gesellschaft an seinen „arischen“ Mitgesellschafter Dass übertragen. Epstein wurd vermutlich nach Auschwitz deportiert und kam dort ums Leben.

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