Angrenzende Siedlungen

aus den 1930er Jahren:

Marinesiedlung


Die Bewohner des Wonnegauviertels kennen die Siedlung gut: Sie liegt am direkten Fußweg vom Wonnegausteig über die Krottnaurerstraße zum Baden am Schlachtenseeufer. Die Marinesiedlung wurde in den Jahren 1938 – 1943 nach Plänen des Architekten Erich Kühn (1902-1981) errichtet. Bauherr war die „Gemeinnützige GmbH für Schaffung von Wohngelegenheiten von Reichsangehörigen“. Die Wohnbauten für gehobene Marineoffiziere war notwendig geworden, nach dem die Nationalsozialisten vor dem Zweiten Weltkrieg die Kriegsmarine enorm vergrößerten. Die Siedlungsstraße erhielt am 29. März 1939 den naheliegenden Namen „Marinesteig“. Bis zum Kriegsende war die Siedlung fast ausschließlich Kapitänen und Stabsbeamten vorbehalten. Aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Siedlung, die oberhalb des Schlachtensee-Südufers liegt, zu einer beliebten Wohngegend. Prominentester Bewohner war der Regierende Bürgermeister und spätere Bundeskanzler Willy Brandt im Haus Marinesteig Nr. 14. Die Marinesiedlung ist denkmalgeschützt: Die Landeskonservatoren sehen in ihr „eine bemerkenswerte Anlage von hohem konzeptionellen Wert“.
Einige Bauten wurden in den Jahren 2000-2005 saniert. 

Erste Bewohner der Marinesiedlung:

Marinesteig 1 (erbaut 1939/40): Heinz Aßmann, Korvettenkapitän (*1904 +1954, wohnhaft bis 1942); 1938-1939: Admiralstabsoffizier, Marinegruppenkommando Ost; 1939-1942: Referent Operationsabteilung, OKM; 1942-1943: Erster Offizier, Schlachtschiff ‘Tirpitz’; 1943-1945: Führungsstabsoffizier (OpM), Wehrmachtsführungsstab, OKW. Fischer, H. Kapitänleutnant (wohnhaft bis 1942). Georg Höppner, Fregattenkapitän (*1876); 1894: Diensteintritt bei der Marine; 1935-1939: Referent beim Oberkommando der Marine; 1939-1942: Chef der Verwaltungsabteilung, Amt Torpedowaffe; 1942: Aus dem Marinedienst verabschiedet. Jäger, Ing., Korvettenkapitän (wohnhaft ab 1942). Axel Loewe, Kapitänleutnant (*1883 +1955); 1939-1940: Kommandeur der Marineflakabteilung 261; 1940-1945: Kommandeur der Marineflakabteilung 233; 1940-1945: Flakkommandeur Swinemünde; 1943-1944: Kommandant im Abschnitt Swinemünde.

Marinesteig 2 (erbaut 1939/40): Heinz Buchholz, Kapitänleutnant (*1909 +1944 Atlantik) ; Februar 1942 - Juli 1942: Kommandat der 1. U-Bootflottille; Kommandant der U-Boote U24, U15, U195 und U177; Deusch, H., Kapitänleutnant (bis 1942). Werner Schönermark, Kapitän zur See (ab 1943); Mai 1938 – Mai 1940: Erster Offizier auf dem Schlachtschiff Gneisenau. Leo Kreisch, Vizeadmiral (1895-1977); 1940-1941: Kommandant des Leichten Kreuzers Nürnberg; 1942-1944: Führer der U-Bootflotten Italien und Mittelmeer; 1943: Verleihung „Deutsches Kreuz“ in Gold; 1944-1945: Führer der Torpedoboote. Leopold Siemens, Konteradmiral; Konteradmiral unter Admiral Nordküste (u.a. auf der Tirpitz).

Marinesteig 3 (erbaut 1939/40): Albrecht, Adolf Konrad Achilles, Korvettenkapitän (wohnhaft bis 1943); „Adjutant des Führers“; Offizier der Kriegsmarine und Kommandant des U-Bootes U 161; gefallen am 27. September 1943 im Atlantik. Langsdorff, R., Witwe: Ihr Ehemann Hans Wilhelm Langsdorff, Kommandant des Panzerschiffes „Admiral Graf Spee“ nahm sich am 19. September 1939 in Buenos Aires das Leben. Am 17. September 1939 versenkte die Besatzung das Panzerschiff, da die Schäden, die das Schiff nach einem mehrwöchigen Kreuzerkrieg erlitten hatte, nicht mehr repariert werden können. Langsdorff galt als äußerst fairer Soldat und war auch bei Besatzung und sogar beim Feind hoch geschätzt. Britische Soldaten gaben ihm als Dank, dass er im Kampf ihr Leben gerettet hatte, das letzte Geleit. Die Nationalsozialisten legten sein Verhalten propagandistisch als Hochverrat aus und kürzten als Strafe der Witwe ihre Bezüge. Meyer-Pantin, C., Dr. jur., Fregattenkapitän. Schmidt, R., Kapitänleutnant

Marinesteig 4 (erbaut 1939/40): Aschmoneit, C., Marineoberbaurat. Bastel, H., Regierungsoberinspektor. Bellwinkel, L., Marineoberbaurat. Schäfer, W., Korvettenkapitän

Marinesteig 5 (erbaut 1939/40): Walter Druschki, Korvettenkapitän (*1900); 1937-1939: Referent Torpedoinspektion; 1939-1942: Referent Oberkommando der Marine; 1942-1943: Leiter Torpedokommando Toulon; 1943-1945: Kommandant Torpedoarsenal Ost. Robert Eyssen, Kapitän zur See (1943 Konteradmiral); Kommandant auf dem Hilfskreuzer Komet. Haack, R., Fregattenkapitän (1943 Kapitän zur See); Ritter und edler Herr von Berger, G., Korvettenkapitän.

Marinesteig 6 (erbaut 1939/40): 
Heino von Heimburg, Vizeadmiral im Ersten Weltkrieg Kommandant von U-Boot U22, 1943 pensioniert und 1945 nach Russland verschleppt, wo er im Oktober starb. Rudolph, I., Dr., Ministerialrat. Ruhfus, Emil, Korvettenkapitän; Juli 1943: Kommandant des Marinestammregiments Beverloo 1. Seysen, F., Marineoberbaurat.

Marinesteig 7 (erbaut 1940): Braun, R., Korvettenkapitän; Hagena, H., Marineoberrat; Kottenmeier, B., Amtsrat; Krueger, H., Marinebaurat (bis 1942).

Marinesteig 8 (erbaut 1939/40): Wolfgang Dietrich, Korvettenkapitän (*1892 +1945); 1939: Gruppenleiter Marine, Wehrersatzinspektion Dortmund; 1939-1940: Gruppenleiter Marine, Wehrersatzinspektion Münster; 1940: Marineverbindungsoffizier zum Wehrkreiskommando VI; 1940-1941: Stabsoffizier beim Stabe, Stab Seekommandant Bergen; 1941-1944: Seekommandant Sandnessjöen.

Marinesteig 9 (erbaut 1942): Johannes Priemer, Fregattenkapitän (*1888 +1946); 1838-1939: Schiffsverwaltungsoffizier, Panzerschiff 'Admiral Scheer'; 1939-1940: Verwaltungsoffizier, Stab Befehlshaber der Sicherung der Nordsee; 1940: Verwaltungsoffizier, Stab Kommandierender Admiral Frankreich; 1940-1941: Oberkommando der Marine; 1941-1944: Referent bzw. Generalreferent, Oberkommando der Marine; 1944-1945: Leiter der Abwicklungsamt Ostsee.

Marinesteig 10 (erbaut 1939/40): Leopold Bürkner, Vizeadmiral; Auslandschef des militärischen Nachrichtendiensts der Wehrmacht „Amtsgruppe Abwehr“.

Marinesteig 11 (erbaut 1942): Hansjürgen Reinicke, Fregattenkapitän; 1943: Kommandant auf Zerstörer Z28.

Marinesteig 12 (erbaut 1939/40): Wilhelm Scheer, Kapitän zur See; 1943: Kommandant der Marine-Flak-Abteilung 817 in Lorient.

Marinesteig 13 (erbaut 1942): Erich Holtorf, Korvettenkapitän (*1901); 1938 – 1940: Kommandant auf Zerstörer Z17 'Diether von Roeder'; 1940-1942: Referent im Oberkommando der Marine; 1943: Erhält „Deutsches Kreuz“ in Gold; 1943-1944: Kommandant auf Zerstörer Z33; 1944-1945: Militär-Referent, Schiffbaukommission, OKM; 1945 Seekommandant in Harstad.

Marinesteig 14 (erbaut 1939/40): Eberhard Weichold, Konteradmiral; 1940: Chef des Deutschen Marineverbindungsstabes; 1941: Deutscher Admiral bei Admiralstab der italienischen Marine; 1941: Befehlshaber des Deutschen Marinekommandos Italien. Zwischen 1955 bis 1964 wohnte die Familie Willy Brandts im Haus Nr. 14.

Marinesteig 15 (erbaut 1939/40): 
Hartmann, P., Hausmeister

Marinesteig 16 (erbaut 1939/40): Oelfken, H., Dipl.-Ing., Marineoberbaurat

Marinesteig 17-21 und Marinesteig 28-34: 1943 als Neubauten fertiggestellt, erst nach Kriegsende bezugsfertig

Marinesteig 18 (erbaut 1939/40): Rambacher, W., Oberregierungsbaurat

Marinesteig 20 (erbaut 1939/40): Wagner, G., Kapitän zur See

Marinesteig 22 (erbaut 1939/40): Gutjahr, R.D., Kapitän zur See

Marinesteig 24 (erbaut 1939/40): Gustav Kleikamp, Kapitän zur See; Kleikamp war Kapitän auf der „Schleswig Holsteing“, die am 25. August 1939 in den Danziger Hafen einlief und am 1. September mit dem Angriff auf die Westerplatte den Zweiten Weltkrieg auslösen sollte.

Marinesteig 26 (erbaut 1939/40): 
Gottfried Krüger, Kapitän zur See (*1899); 1938-1940: Leiter der Gruppe Fremde Marinen, Seekriegsleitung, OKM; 1940-1942: Chef der Abteilung Nachrichtenauswertung, OKM; 1942-1943: Chef des Stabes, Stab Admiral norwegische Polarküste; 1943-1945: Seekommandant Tromsö.

Am Schlachtensee 94 (erbaut 1939/40): Dietz, W., Marinebaurat; Giese, W., Amtsrat; Mattern, H., Verwaltungsamtmann.

Am Schlachtensee 96 (erbaut 1939/40): Werner Goette, Fregattenkapitän (*1896): 1939: Referent im Oberkommando der Marine; 1941: Kommandant im Abschnitt Emden; 1941-1942: Seekommandant Kreta; 1942-1943: Festungskommandant Pillau; 1943-1945: Seekommandant Stavanger; 1945: Oberkommando der Marine. Hans Heerhartz, Marineingenieur (*1902);
1938-1939: Flottillen-Ingenieur, Unterseebootsflottille 'Hundius'; 1943-1945: Chef der Abteilung Betrieb für Unterseeboote und angegliederte Schiffe des Befehlshaber der Unterseeboote-Bereichs im Oberkommando der Marine. August Huß, Dipl. Ing., Korvettenkapitän (*1896 +1953); 1939-1940: Referent im Oberkommando der Marine; 1940: Hilfskriegsschiff 'Kamerun';
1940-1942: Marineverbindungsoffizier zum Chef des Heerestransportwesens, OKH; 1942-1943: Ingenieur-Offizier, Stab Marinegruppenkommando Süd; 1943-1945: Abteilungchef im Oberkommando der Marine. Zeuker, H., Marineintendantrat.

Am Schlachtensee 98 (erbaut 1939/40): Behr, A., Korvettenkapitän (ab 1943); Franz Flesche, Dr., Korvettenkapitän im Ersten Weltkrieg. Müller, H., Marineoberintendant. Preuß, H., Korvettenkapitän (bis 1942). Sommer, K., Dr. med., Marineoberstabsarzt.

Am Schlachtensee 100 – 106, 110-122: Bauarbeiten nicht vor Kriegsende abgeschlossen, Erstbezug nach 1945.

Auf dem Weg vom Wonnegauviertel zum Schlachtensee in Höhe der Marinesiedlung kommt man unweigerlich an folgendem interessanten Haus vorbei:
Haus Lewin, Waldsängerpfad 3 Ecke Krottnaurerstraße. Aus der doch recht homogenen Bebauung des Waldsängerpfads sticht ein Wohnhaus ganz besonders hervor: Das Haus Nr. 3, ein weiß gekälktes Haus mit Flachdach, vom Baustil an die Moderne der 1920er Jahre, an Bauhaus und Werkbund erinnernd. Dieses Haus wurde im Jahre 1929 vom Werkbunddesigner Peter Behrens für den berühmten Sozialpsychologen Kurt Lewin entworfen. Kurt Lewin (geboren am 9.9.1890 in der Nähe Posens, gestorben am 12.2.1947 in Newtonville, USA) begründete die sozialpsychologie Theorie der „Gruppendynamik“ und ist der wichtigste Vertreter, der sogenannten Gestalt-Therapie. Während des Ersten Weltkrieges nahm Lewin am Kriegsdienst teil, bis zu einer Verwundung, die ihm ermöglichte, seine Promotion bei Carl Stumpf noch während des Krieges abzulegen. Lewin, der jüdischer Herkunft war, emigrierte bereits im August 1933 in die USA und fand dort eine Anstellung als Professor in Ithaca, wo er bis zu seinem Tod 1947 lehrte. Der Architekt Peter Behrens (* 14.4.1868 in Hamburg; † 27.2.1940 in Berlin) war von Hause aus eigentlich Maler und ein führender Industriedesigner seiner Zeit. Er ist aber ebenso als bekannter Architekt, Designer und Typograf (bekannt ist die altdeutsche „Behrensschrift“) sowie als eine der bedeutendsten Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“ zu benennen. Behrens war Mitbegründer des Deutschen Werkbundes und Erfinder des „Corporate Designs“, also der firmenspezifischen Gestaltung vom designten Briefkopf bis zum einheitlich gestalteten Produkt. Behrens leitete auch ein Berliner Architekturbüro, in dem auch berühmte Architekten wie Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier tätig waren.

Siedlung am Franzosengraben

Der westliche Abschnitt der Spanischen Allee mit der Hoiruper Sraße und dem westlichen Teil der Straße 
Am Schlachtensee (143–151) gehörte verwaltungstechnisch von 1920 bis 1938 zum Ortsteil „Grunewald-Forst“ des Berliner Bezirks Wilmersdorf. Die Heimstätten AG erwarb 1922 dieses etwa 20 Morgen umfassende Gebiet vom Forstfiskus und veräußerte es Anfang der 1930er Jahre an die Gagfah. Das Gebiet nördlich der Spanischer Allee zwischen Hoiruper Straße und Avus wurde ab 1932 komplett durch die Gagfah mit einer Siedlung von Mehrfamilienhäusern bebaut. Südlich der Spanischen Allee befand sich zwischen den beiden Eisenbahnbrücken ab 1903 die Gärtnerei der Heimstätten-AG, die den Einwohnern des neuen Ortsteils zur Verfügung stand und in der Anfangs auch die Freiwillige Feuerwehr untergebracht war. Die Gärtnerei wurde zum 31.3.1916 aufgelöst. Um 1939 folgte das Haus der „Sieger-Drogerie“ (Spanische Allee 138) und die Mehrfamilienhaus-Siedlung Spanische Allee Nr. 156, 160–168, die in den Jahren 1940/41 errichtet wurde. Bereits 1933 war im westlichen Teil am Bahnhof Nikolassee zwischen Stadt- und Wannseebahngleisen die heute noch bestehende Tennisplatzanlage des Vereins „Kängurus“ angelegt worden.

Im Jahre 1932 wurde die Siedlung „Nikolassee-Wannseestraße“ der Ortsvereinigung Groß-Berlin für Angestellten-Heimstätten fertiggestellt. Die 1,5- bis 4-Zimmer-Wohnungen, welche bevorzugt an „angestelltenversicherungspflichtige Bewerber“ abgeben wurden, „die in einer Aktien der Gagfah besitzenden Gewerkschaft organisiert sind“ hatten eine Größe zwischen 56 und 90 Quadratmetern und wurden für 66 bis 107 Reichsmark pro Monat vermietet. Insgesamt wurden 175 Wohnungen in 11 dreigeschossigen Häuserblöcken auf dem Areal zwischen
der heutigen Spanischer Allee und der Avus errichtet. Aufgrund ihrer Nähe zur Eisenbahn und zur Avus gab es während des Zweiten Weltkrieges starke Schäden. Einige Häusern wurden bis auf Höhe des Erdgeschosses zerstört. Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau der kompletten Siedlung.

Am 17. Mai 1930 wurde die in den 1920er Jahren angelegte Sackgasse nach dem Ort Hojerup in Dänemark benannt. Das nordschleswigsche „Hoirup“ gehörte bis zur Volksabstimmung 1920, die aufgrund der Versailler Verträge abgehalten wurde, zu Preußen, danach zu Dänemark. In den frühen 1930er Jahren standen in Berlin oft Orte, die nicht mehr zum Reichsgebiet gehörten, Pate für Straßennamen (Nordschleswiger Städte wurden z.B. oft in Lichtenrade, vgl. „Lintruper Straße“, Name ab 4.8.1930, verwendet). Die Häuser Hoiruper Straße 1-13 gehörten zur Gagfah-Siedlung. Im Haus Nr. 7 hatte die Berlinvertretung der Hobart Maschinen GmbH ihren Sitz. Die Firma Hobart war zu Beginn des 20. Jahrhundert der Vorreiter auf dem Gebiet des Geschirrspülmaschinenbaus. Firmengründer J. C. Cochran erhielt 1886 das Patent für die erste Geschirrspülmaschine der Welt. Die Einfamilienhäuser an der Hoiruper Straße 6-14 wurden ab 1936 erbaut. Zu den ersten Siedlern gehörten hohe Beamte, wie z.B. Reichsbahndirektor Meilicke (Nr. 6a), der Regierende Bauminister a.D. Klein (Nr. 8), Regierungspräsident Elsgen (Nr. 12), die Kaufmänner Grefe (Nr. 14), Foelsche (Nr. 14b) und Klingeberg (Nr. 14e). In der Hoiruper Straße 14c war ab 1936 die „Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“ ansässig, die heute noch die größte Zahnärztevereinigung in Deutschland mit Sitz in Düsseldorf ist. Der letzte Siedlung an der Hoiruper Straße war 1940 der Regierungspräsident Dr. Ferdinand Friedensburg (* 17. November 1886 in Schweidnitz; † 11. März 1972 in Berlin) . 

Wie die Häuser an der Hoiruper Straße wurde auch das zu Nikolassee gehörige Westende der Straße 
am Schlachtensee zwischen 1935 und 1941 bebaut. Ausnahme bildet das Grundstück Nr. 144, welches erst nach dem Krieg bebaut wurde und Haus Nr. 148, das den Krieg als Baustelle überdauerte. Zu den ersten Bewohnern gehörte der Mittelalterhistoriker Rober Holtzmann (ab 1936, Haus Nr. 145). Holtzmann (* 17. Oktober 1873 in Heidelberg; † 27. Juni 1946 in Halle) habilitierte über Kaiser Maximilian II. Und bekam 1913 einen Ruf als Professor an der Universität Gießen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in den Jahren 1914 bis 1916 an der Westfront, wo er 1916 schwer verwundet wurde. Nach dem Krieg wurde er Professor in Breslau (1916-1922) und in Halle (1923-1929), bis er schließlich ab 1930 in Berlin bis zu seiner Emeritierung 1939 lehrte. Bekannt wurde Holtzmann besonders durch sein Lexikon zur Geschichte der deutschen Kaiserzeit 900– 1024, welches lange Zeit ein wichtiges Standardwerk zur deutschen Geschichte war. Im Haus 144 befand sich nach dem Zweiten Weltkrieg der Eisverkauf Brose, die auch Likör herstellten. Diese Stelle war prädestiniert für den Eisverkauf, lag sie doch nur 50 Meter vom Westufer des Schlachtensee, damals die wichtigste Badestelle für Nikolasseer, entfernt. Im Haus 149 lebte ab 1940 Regierungsrat Dr. Hahn. Hahn war Leiter der sog. „Staatsangehörigkeitsstelle“ im Führungsstab der nationalsozialistischen Einwandererzentralstelle (EWZ) für Umsiedler. Die EWZ wurde mit Erlass vom 7.10.1939 wurde als Sammeldienststelle des Reichssicherheitshauptamts gegründet, um die seit Kriegsbeginn durch internationale Verträge einsetzenden Umsiedlungen deutscher Volkszugehöriger aus osteuropäischen Staaten zu betreuen. Im Haus 151, an der Straßenecke zur Spanischen Allee, befand sich ab 1935 der Feinkostladen Kloß, nach dem Krieg Kaboth, heute der Friseursalon Tönnies.

Die Reichsbanksiedlungen Guntersblumer Weg / Dubrowstraße

Zwischen der Wannseestraße (heute Spanische Allee), der Elisabethstraße (heute Guntersblumer Weg) und der Hubertusstraße (heute Tewsstraße) errichtet die Reichsbank  in den Jahren 1924 bis 1927 für ihre Angestellten einen Reihenhaus- und Mehrfamilienhaus-Siedlungskomplex. Die Entwürfe für die beiden Häuserblöcke, die sich durch ihre großzügigen Grünanlagen in den »Hinterhöfen« auszeichnet, stammten von dem Architektenduo Paul Mebes und Paul Emmerich.Die Reichsbank plante nach Eröffnung der ersten Beamtensiedlung 1927, ihr Siedlungsgebiet an der Wannseestraße zu erweitern. In den späten 1920er Jahren erwarb sie das nordöstlich an die 1923-1924 ebenfalls von der Reichsbank erbaute Reichsbeamtensiedlung angrenzende Flurstück. Den bankeigenen Architekten Heinrich Wolff betraute man mit dem Entwurf einer Mehrfamilienhaussiedlung, die in den Jahren 1928 und 1929 fertiggestellt werden konnte. Die beiden Siedlungen der Reichsbank wurden im Zweiten Weltkrieg z.T. schwer beschädigt. Beide Wohnblöcke stehen heute unter Denkmalschutz.
In den beiden Reichsbanksiedlungen wohnten neben Reichsbankbeamten, wie z.B.  Reichsbankräten und Reichsbankdirektoren vornehmlich im Guntersblumer Weg und in der Wasgenstraße auch höhere Staatsbeamte. Die prominentesten Staatsbeamte möchten wir nachfolgend vorstellen.

DIE ARCHITEKTEN

Paul Mebes (1872–1938) und Paul Emmerich (1876–1958): Der gelernte Tischler Mebes studierte an den Technischen Hochschulen in Braunschweig und – wie sein Schwager Emmerich – in Berlin-Charlottenburg Architektur. Nach dem Examenwurde Mebes Regierungsbaumeister für den Berliner Beamten-Wohnungsbau­verein tätig, bis er 1911 zusammen mit seinem Schwager, der bis dato als freier Architekt tätig war, ein Architekturbüro gründete. Mebes und Emmerich planten vor allem Wohnsiedlungen, Schulen und Verwaltungsgebäude. Markanteste Beispiele sind – neben der Reichsbeamtensiedlung in Nikolassee – die Erbhofsiedlung in Bochum, die Gartenstadt Zehlendorf an der Berlepschstraße, die Messingwerksiedlung Eberswalde-Finow, das Zehlendorfer Schadow-Gymnasium, die Heidehofsiedlung sowie die Krochsiedlung in Leipzig. Von 1913 bis 1933 war Mebes als Mitglied an der Akademie der Künste, quittierte aber aus Protest gegen den Nationalsozialismus den Lehrdienst.

PROMINENTE BEWOHNER

Grießmeyer, Albert (*22.11.1879 Ansbach †10.6.1937 Berlin), wohnhaft Guntersblumer Weg 3, war preußischer Ministerialbeamter. Zu Beginn des ersten Weltkrieges 1914 war er bei der kolonialen Gouvernementsverwaltung in Kiautschou (China) tätig und geriet während des Krieges in Gefangenschaft. 1920 kehrte er in die Weimarer Republik zurück und wurde alsbald Ministerialrat im Reichsarbeitsministerium Berlin, ab 1931 war er Präsident der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte.

Der Jurist Hüttenhein, Hermann Wilhelm (*17.3.1871 Hilchenbach), wohnhaft Guntersblumer Weg 28, begann seinen Werdegang 1894 mit seiner Promotion zum Dr. jur. Ab 1897 war er als Gerichtsassesor beim Landgericht Berlin tätig, wo er auch 1902 zum Landrichter aufstieg. Ab 1919 war Hüttenheim Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium, ab 1925 im Reichsfinanzministerium.

Kaemmel, Ernst (*21.9.1890 Dresden †5.9.1970), wohnhaft Tewsstraße 19, war Finanz- und Wirtschaftswissenschaftler. Nach der Kaemmel im ersten Weltkrieg gedient hatte, wurde er 1920 Assesor und promovierte in Politikwissenschaften. Ab 1924 war er in der preußischen Finanzverwaltung tätig und stieg 1929 bis zum Oberregierungsrat im Reichsfinanzministerium auf. Im Jahre 1937 wurde der linksliberale Kaemmel dauerhaft beurlaubt, danach wurden ihm seine Bezüge aberkannt und er war als Fachautor und Steuerberater tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Abteilungleiter im Finanzministerium der DDR und 1954 Professor für Finanzwesen an der HU Berlin. 1959 erhielt Kaemmel die Verdienstmedaille der DDR und 1960 den „Vaterländischen 

Kreil, Johann ( *4.11.1885 München †10.12.1967), wohnhaft Tewsstraße 17, war Gewerkschaftssekretär und Politiker. Der gelernte Mechaniker Kreil wurde vor dem Ersten Weltkrieg Mitglied der Zentrumspartei und 1907 Geschäftsführer des Christlichen Metallarbeiterverbandes. 1920 zog der nach Berlin, wo er als Gewerkschaftssekretär und stellvertretender Vorsitzender des Metallwirtschaftsbundes tätig war. 1933 zog Kreil kurzzeitig in den preußischen Landtag als Abgeordneter ein, bevor ihn die Nationalsozialistischen entließen. Er musst auch alle gewerkschaftlichen Ämter niederlegen. 1945–1948 war Kreil Abteilungsleiter in der Deutschen Verwaltung für Arbeit und Sozialwesen in Ostberlin, wurde dort entlassen und trat ab 1948 als geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund DGB ein. 1953-1957 war er der Senator für Arbeit und Soziales in Berlin (West).

Sauerborn, Maximilian (*28.8.1889 Montabaur †17.5.1963 Bonn), wohnhaft Guntersblumer Weg 12, war Jurist und ab 1921 als Landrichter in Frankfurt/Main tätig. Von 1923 bis 1945 war Sauerborn Referent, später Ministerialrat und Abteilungsleiter im Reichsarbeitsministerum. Nach dem zweiten Weltkrieg begann er  1948/1949 als Referent im bayerischen Arbeitsministerium, stieg aber schnell zum Präsidenten des Bayerischen Landesversicherungsamtes auf. Gleichzeitig war er Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium und ab 1954 Mitglied des Verwaltungsrats der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf.

Scholz, Ernst (* 3.5.1874 in Wiesbaden; † 26. 6.1932 in Berlin) wohnhaft Guntersblumer Weg 10, war 1920-1921 Reichswirtschafts­minister im Kabinett Fehrenbach. Nach dem Tod Gustav Stresemanns 1929 wurde das ehemalige Mitglied des preußischen Herrenhauses Vorsitzender der Deutschen Volkspartei (DVP) und führte den republiktreuen Flügel der DVP an. 1930/1931 trat er aus gesundheitlichen Gründen von allen politischen Ämtern zurück.

Syrup, Friedrich (* 9.10.1881 Lüchow, † 31.8.1945 sowjetisches Lager ehem. KZ Sachsenhausen), wohnhaft Wasgenstraße 29, war Präsident des von ihm gegründeten Reichsamtes für Arbeitsvermittlung. Im November 1918 wurde Dr. Syrup vom Preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe zum Demobilmachungsministerium abgeordnet und war dort zuständig für die Wiedereingliederung der Kriegsteilnehmer in das Erwerbsleben. Im Kabinett Schleicher, dem letzten vor Hitler, war er parteiloser Reichsarbeitsminister, wurde aber von Hitler wieder in sein Präsidentenamt zurück versetzt. Göring ernannte Syrup zum Leiter der Geschäftsgruppe „Arbeitseinsatz“. Syrup ordnete 1938 den "geschlossene Arbeitseinsatz" aller erwerbslosen und sozialunterstützten Juden im Reichsgebiet an. Nach Kriegende internierten ihn die Sowjets ins Speziallager Sachsenhausen, wo er kurz nach Ankunft starb.
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