Geschichten und Bilder von unterwegs ...

01.03.2014: Etappe 1 von Oberstdorf nach Immenstadt
(25 km bei 5 Grad und bewölktem Himmel)

Viele Wochen der Vorbereitung liegen hinter uns und endlich geht  es los. "Liebe Wanderfreunde in Bad Harzburg und auf der Strecke dorthin; wir kommen - und freuen uns auf Euch!"

Bevor es jedoch an den Wimpelwanderungs-Start geht, sind wir von Heidi Thaumiller, Leiterin des Gästeamts, zum Weißwurst-Frühstück ins Oberstdorf-Haus eingeladen.

Laurent Mies, der Bürgermeister von Oberstdorf, übergibt uns anschließend feierlich den Wandertags-Wimpel und wünscht uns alles Gute auf der Reise durch das schöne Deutschland.

Karl Stiefenhofer, Vorsitzender vom Heimatbund Allgäu, und Bernhard Joachim, Geschäftsführer der Allgäu GmbH, bekräftigen die guten Wünsche an die “Botschafter des Allgäus“. Euch Beiden danken wir ganz besonders für Eure unermüdliche Unterstützung!

Der Wolken verhangene Himmel ist vergessen, als die Gruppe "Dearflersound" zu fröhlicher Musik aufspielt und der Wimpel mit Blitzlichtgewitter der Pressefotografen auf den Weg geschickt wird. Eigentlich wollten wir heute "Winterbilder aus dem schönen Allgäu präsentieren". Aber auch hier ist es zur Zeit im Tal eher grün als weiß, so dass wir ohne Schneeschuhe starten.

Die Gruppe dieser ersten Etappe besteht aus den fünf Stamm-Wanderern des ersten Abschnittes, elf erwachsenen Mitwanderern, dem 8-jährigen Jakob und dem Begleithund Kibo. Wie sich alle denken können, gilt die besondere Aufmerksamkeit den beiden letztgenannten, tapferen Läufern.

Es ist Faschingssamstag und plötzlich rumpelt auf dem Illerdamm von hinten ein seltsames Faschingsgefährt heran. Launig und neugierig stoppen wir dieses kuriose Fahrzeug. Schade, die Flaschen im “Kofferraum” hatten offensichtlich bereits andere geleert.

Auch unser Vierbeiner bekommt nun Durst. So kommt es fast zum Unglück. Beim Trinkversuch stürzt Kibo in die Iller und kann sich nur mit großer Mühe aus der Strömung ans Ufer retten.

Nach diesem Schreck erreicht die hoch motivierte Gruppe Immenstadt schneller als gedacht und kehrt nach den etwa fünf Wanderstunden bei frischen 5 Grad erleichtert in ein Bistro ein. Die meisten lechzten nach einem heißen Getränk, dennoch erfreuen sich einige an einem Eisbecher oder “einer Halben Bier”.

Anschließend bereiten uns Alfred Becker, stellvertretende Bürgermeister von Immenstadt, und Peter Elgaß, Stadtrat in Immenstadt, einen herzlichen Empfang im Alpsee-Haus, zu dem regionale Käse-, Milch- und Bierspezialitäten gereicht werden.

Wir sind froh über die erfahrene Herzlichkeit und die erste erfolgreich absolvierte Etappe. Jetzt freuen wir uns auf eine heiße Dusche und die morgige Etappe nach Kempten ...
Verabschiedung in Oberstdorf
Die Wimpelgruppe macht sich auf den Weg
"Faschingsumzug" auf dem Illerdamm
Ankunft in Immenstadt vor dem Rathaus

Etappe 2 von Immenstadt nach Kempten am 02.03.2014
(28 km bei 3 Grad und Nieselregen)

Die zweite Etappe beginnt vor dem Immenstädter Rathaus mit einem Ständchen für unser Geburtstagskind Günter (68). Danach verabschieden Andreas Geißler vom Heimatbund Allgäu und eine begeisterte Wander-Seniorin den Wimpel und die Gruppe.

Dem Nieselregen und den kühlen Temperaturen trotzen außer uns nur einige Jogger und Hundebesitzer. Alle anderen machen es sich heute wohl zu Hause gemütlich.

Die Ruhe ermöglicht so manche Tierbeobachtung. Wasseramseln, ein Buntspecht und etliche Schwäne zeigen sich sehr beschäftigt, von Bibern sind immer wieder Nagespuren und Späne zu sehen.

Gut gelaunt nimmt die Wimpelgruppe eine weglose Abkürzung entlang der Iller-Schleife bei Martinszell. Dazu einige Kommentare unserer Wanderer:
“Hürdenläufe um die Ruine Langenegg” und 
“Vorbei an blühendem Seidelbast, dann über Stacheldraht, aber Kempten kommt immer näher, Gott sei Dank!”.

Die schlammigen Wege hinterlassen deutliche Flecken auf der Kleidung, doch erstaunlicherweise sehen die bei jeder Person anders aus. Christophs spätere Analyse:
“Das Wetter und die Wegeverhältnisse ließen auch Studien über das unterschiedliche Gehverhalten zu. Manche haben sich bis zu den Oberschenkeln eingesaut, andere haben den Dreck lieber zwischen den Knöcheln verrieben.”

Und zum Einfangen und Dokumentieren der Erlebnisse mit der Kamera wird von Christian festgestellt:
”Das lockere, ungezwungene, natürlich wirkende, aber dennoch konzentrierte Aufstellen für Gruppenfotos klappt besser als bei der ersten Etappe, muss aber weiter trainiert werden …”.

So erreicht der mittlerweile wie ein nasser Hund riechende Wimpel das Rathaus von Kempten im Allgäu, der bis zum Weitertransport Zeit hat, zu trocknen. Wir wärmen uns erst einmal bei Kaffee und Kuchen auf. Und nachdem es auf den letzten Kilometern immer ruhiger wurde, werden jetzt schon wieder Witze erzählt.
Start in Immenstadt
"Ich kenne eine Abkürzung ..."
Ankunft in Kempten

Etappe 3 von Kempten nach Bad Grönenbach am 15.03.2014 (26 km bei 8 Grad und starkem Wind)

Zum Start der dritten Etappe werden wir vor dem Kemptener Rathaus feierlich empfangen. Sofie Moor und Andreas Geißler vom Heimatbund Allgäu begrüßen unsere Gruppe herzlich. Die fünf Musiker “Obergünzburger Pfutzgar" spielen zum Wandern passende Musikstücke. Dazu tanzen in herrlicher Tracht Willi Brack, Vorsitzender des Trachtenvereins "d´Unterillertaler" mit seiner Gattin Angela. Josef Mayr, der zweite Oberbürgermeister der Stadt und selbst begeisterter Wanderer, wünscht der Gruppe einen unfallfreien Verlauf auf der langen Strecke bis nach Bad Harzburg.

Mit einem zünftigen Marsch (die Notenblätter werden am Kragen des voraus gehenden Musikers mit Wäscheklammern befestigt) starten alle in Richtung des nahe gelegenen Illerwanderweges und bekommen dabei die interessierte Aufmerksamkeit der morgendlichen Passanten. Wir bedanken uns für diesen besonderen Abschied und setzen unseren Weg Richtung Bad Grönenbach fort.

Zwar wandern wir immer noch im Allgäu, dennoch kennt sich ab hier niemand mehr so richtig aus. Aber unser GPS-Gerät führt uns sicher durch das unbekannte Gelände. Unterwegs entschließt sich spontan ein Hund dazu, uns ein Stück zu begleiten. Ein Schild und einige Stufen erinnern daran, dass es früher Fähren an der Iller gab.

Im sogenannten Illerparadies steigt Günter auf ein “Bonanza-Pferd“ um. Je weiter wir nach Norden kommen, desto mehr Frühlings-blüher erfreuen uns mit ihrer Farbigkeit. Die ersten angekündigten Regentropfen fallen kurz vor Bad Grönenbach, irgendwie passend zum früheren Bewohner Sebastian Kneipp.

Bevor wir nass werden, machen wir Fotos vor dem Rathaus und vor einem Etappen-Startpunkt der “Wander-Trilogie-Allgäu", einem neu erstellten, 800 km langen Weitwander-Wegenetz im Allgäu.
Herr Hörmann begrüßt uns im Namen von Bad Grönenbach, erkundigt sich nach den nächsten Etappen und will für einen Bericht in der Presse sorgen.

Mittlerweile ist die Temperatur auf 4 Grad gesunken und es regnet heftig. Wir sind froh, dass uns unser gesponsertes Begleitfahrzeug trocken zurück bringt.
fröhliche Verabschiedung in Kempten
"genug gewandert"
Ankunft in Bad Grönenbach

Etappe 4 von Bad Grönenbach nach Memmingen am 16.03.14
(16 km bei 8 Grad und starkem Wind)

Bei frischen Temperaturen verlassen wir unter Führung von Begleithund "Hexe" den Rathausplatz in Bad Grönenbach und machen uns auf den diesmal “kurzen” Weg nach Memmingen. Der Höhepunkt des Tages kommt schon bald ...

Es ist der freundliche Empfang, den uns der Zweigverein Allgäu des MSSGV (Mährisch-Schlesischer Sudetengebirgsverein) bereitet. Mitten im Wald bei Woringen überraschen uns Gerhard Pohl und neun weitere Vereinsmitglieder mit einem kulinarischen Verwöhn-programm. Auf einem Tisch stehen heißer Tee, Kaffee und Glüh- wein zur Wahl, auf dem anderen eine selbst gebackene Mohn- Birne-Torte, ein Eierlikörkranz und Schweinsohren.

Außerdem wird jedem von uns ein Fläschchen Vereinsschnaps überreicht, der den für Wanderer passenden Namen “Schweißperle” trägt. Wegen der frühen Stunde vertagen wir jedoch die sofortige "Verkostung".

Als sich alle gestärkt haben, wird das “Wald-Cafe” ins Auto verladen. Gemeinsam, plaudernd und fröhlich lachend bricht die nun vierzehnköpfige bunte Gruppe auf und läuft schon bald durch eine wunderschöne Lindenallee.

Auf Grund der mit nur 16 km recht kurzen Etappe wird Memmingen bereits mittags erreicht. Die “Stadt der Tore” betreten wir durch das Kemptener Tor. Ein kleiner Spaziergang durch die malerische Altstadt und schon sind wir am Rathaus.

Unsere Wanderfreunde des MSSGV haben noch mehr mit uns vor. Wir genießen die gemeinsame Mittagspause im Vereinsheim mit anregenden Gesprächen und dem Austausch von Erfahrungen. Dazu bekommen wir üppige, wohlschmeckende Speisen serviert. Die Verabschiedung fällt entsprechend herzlich aus, zumal wir uns im August beim 114. Deutschen Wandertag in Bad Harzburg wieder treffen werden. Nochmals vielen Dank und bis bald ...

Trotz der Regenvorhersage sind wir heute trocken geblieben und höchst zufrieden über die neu geknüpften Kontakte und die schönen Erlebnisse fahren wir mit etwas spannenden Bauchdecken zurück ins Oberallgäu.
Herzlicher Empfang auf halber Strecke ...
... und gemeinsame Wanderung nach Memmingen
Ankunft am Memminger Rathaus

Etappe 5 von Memmingen nach Altenstadt am 29.03.2014
(25 km bei 0 bis 22 Grad und viel Sonne)

Bereits vor dem Rathaus von Memmingen werden wir herzlich begrüßt von einer lustigen, forschen 84-jährigen Dame mit ihrem „Mercedes“, womit sie ihren Rollator meint. Als auch ihre wander-erprobten Kollegen vom CB-Funker-Verein Memmingen komplett sind, werden wir im historischen Rathaus von Oberbürgermeister Dr. Holzinger mit aufmunternden Worten empfangen. Zum Etappenstart erhalten wir zudem eine kleine morgendliche Stärkung und als Andenken Memmingen-Anstecker und Schlüsselanhänger.

Gut gelaunt verabschieden sich am Stadtrand die Dame mit dem „Mercedes-Rollator“ und ihre Vereinsfreunde von uns. Wir nehmen das gewohnte Tempo von rund 5 km/h auf und folgen der Memminger Ache, die später in die Iller mündet. Bald wandern wir zwischen der Iller und dem Illerkanal. Die gleichmäßige Geräusch-kulisse der A7 ist wenig störend und wird von den zwitschernden Vogelstimmen dominiert.

Von Kilometer zu Kilometer, die wir nach Norden kommen, wird es immer grüner, immer bunter. Die ersten Blätter sind zu erkennen, Veilchen, Buschwindröschen, Scharbockskraut und Huflattich sind die häufigsten Farbtupfer an diesem warmen Frühlingstag.

Es geht stetig bergab, wie wir auch an den diversen Wehren festmachen. Außer uns sind nur wenige unterwegs. So teilen wir uns diesen Weg, der gesäumt ist mit altem Baumbestand, mit einigen Radfahrern und Hunde-Besitzern. Bei Fellheim verlassen wir vorübergehend unser Heimatbundesland Bayern und betreten Baden Württemberg.

Erstmalig gibt es heute bereits unterwegs eine Einkehr. Ein Minigolf-
platz mit Kiosk ist dermaßen einladend, dass wir nicht widerstehen können. Am Waschbecken haben wir die Wahl zwischen zweierlei Wasser.

Kurz bevor wir das Rathaus von Altenstadt erreichen, kehren wir erneut in einem Biergarten ein. Der Magen knurrt und uns wird bewusst, dass „Gschwollene“ und „abgeschmelzte Maultaschen“ bald nicht mehr auf Speisekarten angeboten werden. Am Bahnhof  verabschieden wir uns von unserer Mitwanderin Christiane aus Ellhofen, Redakteurin der Schwäbischen Zeitung.
Empfang im Memminger Rathaus
... und gemeinsame Wanderung durch Memmingen
"freie Wahl"

Etappe 6 von Altenstadt nach Senden am 30.03.2014
(25 km bei 0 bis 22 Grad und viel Sonne)

... Sommerzeit, Uhr vorstellen, früher aufstehen, oh ist das noch kalt, Handschuhe an! Es freut uns, dass wir heute wieder angemeldete Mitwanderer dabei haben. Engelbert ruft ungeduldig um 8.03 Uhr an, „Wo bleibt Ihr denn?“ Antwort: „Bleib in der Ruhe, wir starten erst um halb neun und sind gleich da.“ Doch wo ist eigentlich unser heutiger lokaler Wanderführer Urs mit Hündin Nanga? Auf den Anruf reagiert er „tiefenentspannt“, findet uns aber nicht und wird nur durch den Begleitfahrzeugfahrer „auf den rechten Weg gebracht“. Das bringt ihm die „Dösch-Medallie des Tages“ ein, die er jedoch als Preis ablehnt. Ja, es ist der letzte Tag des ersten Abschnittes. Wir haben uns näher kennengelernt und die Sprüche und Witze werden derber. Es wird viel gelacht.

Am Altenstädter Rathaus begrüßt uns Ernst Wüst, der 2. Bürger-meister. Er begleitet uns die ersten Kilometer entlang der Iller und erzählt uns Interessantes über die Stadt, die Elektrizitätswerke am Illerkanal und die sich verändernde Flora und Fauna, bevor er mit seinem 46 Jahre alten Fahrrad zurück radelt.

In Illertissen, das bereits seit 954 existiert, empfängt uns die charmante Bürgermeisterin Marita Kaiser im Dornweiler Hof. Die mit Fitnessriegeln gefüllten Brotzeitboxen „I love Illertissen“ sind das passende Geschenk für Wandersleute. Wir werden noch auf ein Getränk mit Herzpraline eingeladen und sind gespannt auf den Ausgang der Bürgermeister-Stichwahl. Es gibt hier ein Schloss, viel Kunst und Kultur, ein Bienenmuseum und eine Produktionsstätte für Viagra.

Unterwegs ist Hündin Nanga der Star. Sie schleppt immer wieder lange Äste heran, rast los und wir müssen aufpassen, dass wir nicht in die Kniekehlen getroffen werden. Auffallend sind die freundlich grüßenden Radler, Jogger und Spaziergänger. Die Spuren der Biber sind auch auf dieser Etappe allgegenwärtig. Außerdem sehen wir einen Buntspecht, einen Gänsesäger, etliche Schwäne und Möwen.

Dieser erste Abschnitt der Wimpelwanderung geht nach ca. 150 Km unkompliziert und fröhlich zu Ende. Wir nehmen vorerst Abschied voneinander, denn die weiteren 28 Tagesetappen werden erst im Sommer ab dem 17. Juli fortgesetzt.
unterwegs auf dem Iller-Radweg
freundlicher Empfang in Illertissen
Ankunft in Senden mit hängender Zunge

Etappe 7 von Senden nach Langenau am 17.07.2014
(29 km bei 27 Grad und viel Sonne)

Die vier Wimpelwanderer treffen sich früh morgens am Kemptener Bahnhof für die bevorstehende neuntägige Tour des Abschnittes C. Von Elisabeth erhalten wir den "Betreuungsauftrag", ein Auge auf Engelbert zu haben und ihn wohlbehalten zurück zu bringen. Wir werden unser Bestes tun :-)!

Unser neuer Renault Scenic bringt uns nach Senden. Dort am Rathaus sind Volker Korte vom Schwäbischen Albverein und Herbert Lohrmann zur Verabschiedung zur Stelle. Wir erfahren einiges über den Verein mit seinen insgesamt 120.000 wanderbegeisterten Mitgliedern und über die Stadt Senden, bevor wir gemeinsam den Weg antreten. Nach etwa 30 Minuten verlassen uns die beiden und wir fallen in den gewohnten "Trott".

Nicht schlecht staunen wir am Bahnübergang Gerlenhofen, dessen Schranken, Weichen und Signale wie zu Urzeiten per Hand und Kurbel betätigt werden. Trotz der oft befahrenen Strecke sieht es innen und außen aus wie in einem Museum.

Bei dieser Hitze ziehen wir meist auf Feldwegen durch endlose Getreidefelder und im Staub der Mähdrescher fallen uns die Kilometer schwerer als im März. Wir überqueren mehrfach Autobahnen und erreichen dann ein ganz  besonderes Fleckchen, den Pfuhler-Badesee. Nach kurzem Temperatur-Check gibt es eine erfrischende Abkühlung. Wie neugeboren überqueren wir nun die Donau,  auch "Weißwurst-Äquator" genannt.

Schon lange sehen wir den Kirchturm von Langenau und sind glücklich, um kurz vor 16 Uhr am Hotel von Rudi Hehrlein (Voritzender des Schwäbischen Alpvereines, Ortsgruppe Langenau) begrüßt zu werden.

Sogleich bekommen wir kühle Getränke und füllen die Speicher. Rudi gibt uns einige Insider-Tipps für die nächsten Etappen, schickt uns in die Waschstraße und kommt zum Abendessen wieder.

Nach diesem langen Etappentag mit netten Begegnungen freuen wir uns auf unsere Betten und denken dankbar an Andreas Geissler vom Heimatbund Allgäu, der mit viel Mühe für uns alle Unterkünfte gebucht und die zahlreichen Kontakte hergestellt hat.
Abschied in Senden
kleiner Bahnhof mit Schrankenwärterin
Die Sonne brennt ...

Etappe 8 von Langenau nach Heidenheim am 18.07.2014
(33 km bei 29 Grad und viel Sonne)

Nach einem reichhaltigen Frühstück treffen wir uns erneut mit Rudi Hehrlein am Rathaus. Einige Fotos werden geschossen und wir  werfen einen Blick ins historische Gebäude, in dem viele alte Metallsäulen und modernes Mobiliar stimmig ein besonderes Ambiente schaffen. Außerhalb der Stadt laufen wir wieder durch Weizen- und Maisfelder und Rudi zeigt uns Nagelfluhgestein. Noch ein gemeinsames Abschiedsfoto in Öllingen, dann macht sich unser Begleiter Rudi wieder auf den Heimweg. 

Die ortskundige Empfehlung führt uns weg von der ins GPS-Gerät eingespeicherten Route. Wir laufen nun nach Karte an einem alten Wasserturm vorbei ins Lonetal. Am Parkplatz Hohlenstein ist Schichtwechsel, denn wegen der Hitze und der Länge der Etappe wechseln wir uns häufiger beim Fahren des Begleitfahrzeuges ab.

In Eselsburg treffen wir uns wieder und wandern zu viert zu den „versteinerten Jungfrauen“. Laut der Sage wurden die Schwestern verwunschen und versteinert. Als wir bei ihnen ankommen, versucht Engelbert, zumindest eine von ihnen wach zu küssen – vergeblich. Wir folgen der Lone durch Herbrechtingen. In Neu Bolheim ist nochmal ein Fahrerwechsel angesagt.

Nun sind es nur noch wenige Kilometer bis nach Heidenheim. Dort treffen wir uns mit Elfriede Hezel und ihrem Mann Gerhard vom schwäbischen Albverein der Ortsgruppe Heidenheim. Sie zeigen uns das Schloss Hellenstein und die Stadt von oben. Nach der Rückfahrt zum Hotel erleben wir gemeinsam einen fröhlichen Abend, der noch lustiger wird, als Ursula und Reinhold Rabus dazu kommen.

So erzählt uns Ursula, dass sie seit mittlerweile 31 Jahren auf die Erfüllung eines Versprechens wartet, einen Wurstsalat ihres  Ehemannes. Wir erfahren auch einiges über die Eigenheiten des menschlichen Miteinanders. Die Heidenheimer nennen sich selbst gern „Horner“ oder auch „ Hoirna“ und die Bürger der angrenzenden Stadt Schnaidheim „Schnaider“ oder auch „Schnoita“.

Solche Abgrenzungen kennen die Bayern unter dem Motto „Mir san mia“ zur genüge. Für uns erstaunlich: auch nördlich der Donau kennen sich viele aus der Wanderszene sehr gut im Allgäu aus. ....
Wandern mit Rudi aus Langenau
endlich mal wieder g´scheiter Fels!
Schloss-Empfang in Heidenheim

Etappe 9 von Heidenheim nach Aalen am 19.07.2014
(32 km bei 30 Grad und viel Sonne)

Pünktlich wie immer starten wir am Rathaus. Gleich daneben steht der Brunnen der „Heidenheimer Knöpfle-Wäscherin“. Knöpfle sind in Scheiben geschnittene Hefeklöße. Laut der Sage wollte eine Frau ihrem Mann das Mittagessen im damals üblichen Henkelmann bringen. Sie stolperte und die Knöpfle landeten im Dreck. In ihrer Not wusch sie die Knöpfle dann im Brunnen.

Wir verlassen die Stadt, wandern bergauf, freuen uns über den schattigen Waldweg und die Aussicht auf Heidenheim und Schnaidheim. Es gibt viele Weggabelungen und zum wiederholten Mal preisen wir das GPS-Gerät, das uns Zeit und vor allem Irrwege erspart.

Plötzlich stehen auf einer Lichtung Biertische. Das Grillfeuer qualmt und offensichtlich fand hier eine Feier statt. Niemand ist zu sehen, Müll liegt herum und eine Luftmatratze. In einer Kiste befinden sich wenige ungeöffnete Flaschen. Zu zweit leeren wir eine davon. Freibier! Man dankt ...

Abwärts geht es nach Königsbronn. Wir treffen Karl. Er ist ist Landwirt, im Blaumann mit Deutschland-Hosenträgern, und weit gereist. Er erzählt uns von der Chinareise, die er mit seiner Frau in einer Reisegruppe unternahm, und den vielen auf Sprachbarrieren basierenden Missverständnissen. Sogar in Russland waren die beiden und haben Putin gesehen. 

Abwärts wandernd erreichen wir Königsbronn. Direkt neben dem Rathaus ist die Quelle der Brenz, der Brenztopf. Das Wasser sprudelt direkt aus dem kalkigen Karst. Wir genießen das Kneippsche Fußbad im kalten Brenzwasser.

Weiter geht es entlang des Waldrandes. Im Halbschatten laufen wir am Rande des Ortes Oberkochen hinauf auf eine bewaldete An- höhe. Genug Zeit und Muße für einen Austausch unserer Pflanzen-kenntnisse. Zum Verzehr stehen kiloweise Waldhimbeeren in Güteklasse 1a zum Verzehr bereit. In Aalen erreichen wir unser Hotel und freuen uns über die schönen Zimmer und den kühlen Biergarten.

Alle Achtung; der berühmt-berüchtigte dritte Tag verlief harmonisch. 
die Knöpfle-Wäscherin in Heidenheim
Bauer Karl erzählt uns von seiner China-Reise
jedes kühle Nass wird genutzt

Etappe 10 von Aalen nach Ellwangen am 20.07.2014
(27 km bei 30 Grad und viel Sonne)

Schon bald erreichen wir den Stadtrand von Aalen und wandern auf Blumen gesäumten Wegen auf und ab. Interessant ist der schattige Erzgrubenweg mit Hinweistafeln auf frühere Stollen. Es gab zusätzlich angelegte Stollen zum Ableiten des Grubenwassers.

Der Sender des Braunberges stört wohl unseren Satellitenempfang. Fakt ist, das sonst absolut zuverlässige GPS-Gerät zeigt wechselnde Richtungen an. Bis wir das merken, sind wir längst falsch gelaufen. Mit Hilfe der guten, alten Karte und freundlichen Passanten kommen wir wieder auf den richtigen Weg. Endlich sind wir in Attenhofen, sehen das Schild auf der Straße „5 km bis Aalen“, obwohl wir bereits 12 km in den Beinen haben. Plötzlich ist der Fahrerplatz des Autos heiß begehrt, doch selbstverständlich wird der Wimpel brav weiter getragen.

Der Tipp von Rudi aus Langenau ist uns nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Wir wollen uns bei dieser Hitze endlich im Stausee Rainau-Buch abkühlen. Am Bahnhof Goldshöfe hüpfen wir alle vier in das Begleitfahrzeug, verbinden dort die Mittagspause mit einem Bad, bis wir eine Stunde später die Wanderung an demselben Fleck fortsetzen.

Der römische Limes verlief durch diese Gegend. Ein Stück der Originalmauer steht noch, doch der Wachtturm ist ein Nachbau. Wie ausgemacht treffen wir Inge und Rudolf vom Schwäbischen Albverein, Ortsgruppe Ellwangen, in Schwenningen. Die letzten Kilometer haben wir mit ihnen ortskundige Wanderführer, die uns an Weiden mit Auerochsen und Wildpferden vorbei führen.

In Ellwangen angelangt wird gerade ein Fest mit altertümlichen Tänzen und Musik gefeiert. Die beiden zeigen uns eine vielleicht einmalige Besonderheit der Stadt. Zwei Kirchen stehen dicht nebeneinander und sind durch eine Tür miteinander verbunden – eine evangelisch, eine katholisch.

Eine Rikscha ist der Hingucker schlechthin. Aus einem Müll- container wurde eine Rikscha, gezogen von einem Elektrofahrrad. Katrin darf Probe sitzen. Im Garten des Hotels erfrischen wir uns, schießen Fotos, lachen viel und vereinbaren, wie es am folgenden gemeinsam Morgen weitergeht.
unterwegs auf dem Erzgrubenweg bei Aalen
fröhliche Einkehr mit Inge und Rudi
mit lahmen Füßen ab in die fahrende Mülltonne

Etappe 11 von Ellwangen nach Crailsheim am 21.07.2014
(32 km bei 25 Grad und bewölktem Himmel)

Der Himmel ist grau und nachts hat es geregnet. Dennoch starten wir gutgelaunt in den Tag. Inge und Rudi holen uns um 8 Uhr ab. Auf dem Schlossberg erläutern sie uns, dass hier eine Jugend-herberge untergebracht ist und gerade ein Theaterstück „Die Hexe und die Heilige“ aufgeführt wird.

Das ist passend für Ellwangen, denn hier wurden im Mittelalter viele Frauen der Hexerei bezichtigt und zumeist nach kurzen Prozessen verbrannt.

Heute führt uns anfangs der fröhliche Rudi, bis er von unserer Route abbiegt und wir uns verabschieden müssen. Ab sofort übernimmt erneut das GPS-Gerät, das sich heute „zusammenreißt“. Der von uns ausgewählte und eingespeicherte Weg lässt allerdings zu wünschen übrig, denn wir sollen durch hohes, nasses Gestrüpp laufen und auf überwucherten Jägerpfaden. Obwohl wir im "Storchengang" durchs hohe Gras laufen, immer wieder Haken schlagen und Umwege auf gutem Untergrund suchen, sind unsere Füße bald nass und schrumpelig.

Was soll´s, das ist erträglich bei den Temperaturen zwischen 19 bis 25 Grad. Wir hatten heute Nässe von oben erwartet und sind glücklich, dass es warm und trocken ist und die Sonne sich sogar ab und zu blicken lässt.

Schlimmer sind die Blutsauger, die uns umschwirren und gnadenlos zubeißen. Auf Katrin und Gabi wartend, haben Engelbert und Christian das Glück, einen jungen Biber beim Fressen zu beobachten.

Dass wir uns beim Wandern abwechseln, hat sich mittlerweile gut eingespielt. Mal wandern wir zu zweit, mal zu dritt, jedoch niemals allein. Wir lernen jeden Tag Neues übereinander und voneinander. Und die vielen Begegnungen und Eindrücke erweitern den individuellen Horizont.

Zum gemeinsamen Abendessen werden wir von Heinrich, Brigitte, Waltraud und Otto von der Ortsgruppe Crailsheim abgeholt. Anschließend gibt es Kostproben selbstgebackener „Horaffen“ und schwäbischer Mundart.
Schlossbesichtigung in Ellwangen
wenig Spaß im nassen Gras
junger Bieber in der Nähe von Crailsheim

Etappe 12 von Crailsheim nach Rot am See am 22.07.2014
(25km bei 25 Grad und bewölktem Himmel)

Nachts gab es Starkregen, rund 40 l pro Quadratmeter, doch tagsüber bleibt es glücklicherweise wieder trocken. Mit Waltraud, Heinrich und Ehefrau Brigitte wandern wir zunächst zum Rathaus, wo wir vom OB Rudolf Michl verabschiedet werden.

Dann verlassen wir Crailsheim unter Waltrauds Führung und folgen dem Jagststeig. Die Jagst und die Zuflüsse sind randvoll und die Wanderwege verschlammt. Schon bald sind wir mehr als dreckig. Überall zeugen Moos und Modergeruch von der Feuchtigkeit der letzten Tage.

Wir wandern den Nebenfluss Gronach flussaufwärts. Gedanken an das Amazonasgebiet spuken durch den Kopf, solches Dickicht herrscht hier.

Flussteine sollen die Querungen erleichtern, doch bei diesem Hochwasser sind sie überspült, die Strömung zu stark. Wir hätten mehrfach queren müssen, keine Chance, Rückzug ist angesagt.

Und das, obwohl Christian, der mit dem Begleitfahrzeug vorgefahren ist, telefonisch ankündigt, dass er mit einer ganzen Schulklasse daran arbeitet, die Passagen zur oberhalb gelegenen Hammerschmiede wieder begehbar zu  machen.

Waltraud führt uns alternativ über den kleinen Ort Bölgental, wo wir eine Mittagspause einlegen. Ab jetzt wird der Weg flacher und einfacher, geht durch Felder, an der Wandruine des ehemaligen Anhäuser Klosters vorbei, entlang praller Johannisbeersträucher, über Wallhausen durch eine Birkenallee nach Rot am See.

Am Rathaus werden wir sieben herzlichst empfangen von dem Bürgermeister Gröner und Vertretern der Ortsgruppe des schwäbischen Wandervereins. Nach dem obligatorischen Erinnerungsfoto sitzen wir noch lange zusammen und freuen uns über ein reichhaltiges Buffet und lustige Geschichten. So erfahren wir auch, dass wir nun im Frankenland unterwegs sind.

Von unseren Gastgebern und wackeren Mitwanderern verab-schieden wir uns leichten Herzens, denn es gibt ja bald ein Wiedersehen in Bad Harzburg ...
Überreichung von Gastgeschenken in Crailsheim
mitten im Feld: eine alte Klostermauer
herzlicher Empfang in Rot am See

Etappe 13 von Rot am See nach Rothenburg ob der Tauber am 23.07.2014  (32 km bei 27 Grad und Sonne)

Am Rathaus von Rot am See warten wir auf eventuelle Mitwanderer und Bürgermeister Gröner gibt uns beim Abschied noch eine Kopie des Zeitungsartikels über unsere Verabschiedung in Crailsheim. Gerade als wir los wollen, kommen Werner und Fritz, die wir vom Vortag kennen, um die Ecke und bringen noch Martha und Otto mit.

So haben wir heute wieder ortskundige Wanderführer und starten gemeinsam in einen sonnigen Wandertag. Doch sobald wir Baden-Württemberg verlassen, hören wir plötzlich „Jetzt kommt Bayern, da kenne ich mich nicht aus.“ Macht nichts, denn die Gruppe folgt nun dem HW 4, der zugleich auch Jakobsweg ist.

Für eine Einkehr wird eine Wirtschaft im kleinen Ort Bettenfeld angesteuert. Hier sind die Quellen der Schandtauber, der wir flussabwärts folgen. Aus „Schaan“, das „klein“ bedeutet, wurde irgendwie „Schand-Tauber.“ Ab hier folgen wir einem schönen, oft schattigen Weg entlang des geologisch interessanten Bachbettes.

Bei der Mündung in die Tauber staunen wir über die imposanten Gebäude des Wildbades. Von hieraus steigen wir über eine alte Treppe aufwärts zum Spitaltor der hochgelegenen Altstadt von Rothenburg.

Die Bastion ist begehbar und innen stehen alte Fuhrwerke und eine Kanone. Wir gehen durch das Stadttor und die Hauptstraße „Am Plönlein“ entlang bis zum Rathaus. Dort treffen wir unseren Ansprechpartner Johann Kempter vom Gästeamt, der uns in den Kaisersaal mit seiner imposanten Holzdecke führt.

Auf einem großen Tisch steht der "Meistertrunk" für uns bereit, ein großer, bemalter Glasbecher mit Weißwein. 1831 rettete der damalige Bürgermeister die Stadt Rothenburg vor dem Nieder-brennen durch Belagerer, indem er es schaffte, den mit 3 Litern randvoll mit Wein gefüllten Glasbecher in einem Zug zu leeren. Alle Achtung! Unser Glas ist etwa zu einem Drittel gefüllt, wird herum gereicht und Schluck für Schluck gemeinsam geleert.

Am späten Abend begleiten wir den Nachtwächter bei seinem Rundgang. Sehr humorvoll erzählt er uns von der Geschichte Rothenburgs.
zwei Karten, viele Finger ...
endlich ein schattiges Pausen-Plätzchen
Ankunft in Rothenburg ob der Tauber

Etappe 14 von Rothenburg ob der Tauber nach Uffenheim am 23.07.2014  (32 km bei 27 Grad und Sonne)

Beim Frühstück besprechen wir den Tag und legen los. Am Rathaus treffen wir nochmal den gebürtigen Allgäuer Johann Kempter und bedanken uns für die Gutscheine für die äußerst unterhaltsame und gleichermaßen lehrreiche Abendtour mit dem Nachtwächter. Beispielsweise wissen wir jetzt, was „Torschlusspanik“ im Mittelalter bedeutete und was der Fußgänger in der engen Gasse zu erwarten hatte, wenn es von oben aus einem Fenster hieß: „Hab Acht!“.

Als die Einträge ins Gästebuch geschrieben sind, starten wir, verlassen das Altstadtgebiet durch die Stadtmauer und kommen in den Burggarten. Hinab geht es an die Tauber, die als träges Bächlein dahin fließt. Markus, ein Fotograf vom Deutschen Wanderverband, begleitet uns heute ein Stück des Weges.

In Tauberscheckenbach verlassen wir das Taubertal und wandern durch Wäldchen und Felder auf Schotterwegen. Bis zum nächsten vereinbarten Treffpunkt  benötigen Christian und Engelbert fast drei Stunden.

Im letzten Waldstück waren nämlich die in der Karte verzeichneten Waldwege mit Dornengestrüpp und Brennnesseln zugewachsen.
Nur mit Regenponchos und "Schlagstöcken" konnten sie sich mühsam ihren Weg bahnen. Bei diesen Torturen saust uns Vieren der Gedanke durch den Kopf: „Zum Glück sind heute keine Mitwanderer dabei“.

Endlich sind die Helden des Dickichts da und werden mit nicht mehr eiskaltem, doch immerhin noch kühlem alkoholfreiem Bier überrascht.

Gerade rechtzeitig, bevor der Bauer mit seinen Spritzmitteln anrückt, räumen wir das Feld. Die letzten Kilometer sind dem Damenduo vorbehalten und rasch erledigt, zumal der Mähdrescherstaub und die frisch ausgebrachte Gülle den Schritt beschleunigen.

In unserem Etappenort Uffenheim werden wir von Karl Scholl und weiteren Mitgliedern des Steigerwald-Clubs begrüßt. Für den kommenden Tag bekommen wir Wegzehrung und den 78 jährigen Erwin als Wanderführer übergeben.
Abschied in Rothenburg ob der Tauber
erste Wahnvorstellungen?
Empfang vom Steigerwald-Club in Uffenheim

Etappe 15 von Uffenheim nach Kitzingen am 25.07.2014
(30 km bei 25 Grad und Sonne)

Mit unserem rüstigen Mitwanderer Erwin (78) vom Steigerwald-Klub starten wir eine Stunde früher als sonst und nutzen als Abkürzung einen Radweg neben einer viel befahrenen Bundesstraße. Doch bald haben wir genug vom Asphalt und Lärm! Wir geben dem GPS-Gerät die Regie zurück, stapfen über einen Stoppelacker und erreichen zielsicher einen Steg, der über einen breiten Wasser-graben führt. Erwin ist verblüfft.

Da wir heute unser Etappenziel früh erreichen wollen, gehen wir zum bewährten „Staffellauf“ über. Zwei von uns fahren mit Erwin im Begleitauto, zwei wandern zügigen Schrittes etliche Kilometer auf der schmalen Landstraße. Überraschend hält ein Autofahrer an und bietet eine Mitfahrt an. Unsere Antwort: „Wir müssen wandern, herzlichen Dank.“

Der Wimpel wird erstmalig die Weinberge hinauf getragen, vorbei an lautlosen Windrädern und Silvanerreben. Von der Anhöhe blicken wir auf den Main und sehen in der Ferne die Türme Kitzingens. An der Brombeerhecke gibt es eine gemeinsame fruchtige „Vesper“, dann wechselt der Wimpel den Rucksack – Schichtwechsel. In einem Naturschutzgebiet sehen wir einen Grünspecht, Hasen und viele Krähen, die Samen pickend auf den Sonnenblumen im Feld sitzen.

An der Mainbrücke erwarten Christian und Erwin die Wanderer. Erwin trägt stolz die Wimpelstange und wird zum „Tages-wanderwart“ ernannt. Gemeinsam laufen wir am Main entlang und erreichen unser Abschnittsziel Kitzingen.

Am Informationscenter an der historischen Mainbrücke erwarten uns die Stadträtin Jutta, der Hofrat Walter und Volker vom Wander-verein Steigerwald, die uns auf fränkische Art empfangen. Leider können wir am hiesigen Weißwein nur nippen und greifen lieber zum eiskalten Wasser, denn wir fahren heute zurück ins Allgäu.

Die neun Wandertage sind schnell vergangen, die Erlebnisse sagenhaft. Es lief alles glatt, wir hatten eine tolle Zeit. So wünschen wir dem Team des Abschnittes C ebensolche Tage und nicht vergessen: „Lond it lugg!“ (Lasst nicht locker, Schreibweise egal!) Das B-Abschnitt-Team Katrin, Engelbert, Christian, Gabi
vorbei an Maisfeldern und ersten Weinbergen
wir haben den Main überquert ...
... und nach 417 km Kitzingen erreicht.

Etappe 16 von Kitzingen nach Volkach am 27.07.2014
(22 km bei 25 Grad und Sonne)

Wir, Lucia, Marita, Geli, Diethelm und Pedro starten als das nächste Team in den etwa 200 km langen Abschnitt von Kitzingen nach Bad Salzungen.

Um halb neun treffen wir uns am Rathaus Kitzingen mit unseren heutigen Mitwanderern Jürgen Wachowski, dem Verbands-wanderwart des Deutschen Wanderverbandes, seiner Frau Rebekka und Volker Dungs vom Steigerwald-Klub. Gemeinsam geht es zur Brücke über den Main.

Der Wimpel hat am Main nun erneut den "Weißwurst-Äquator" und gleichzeitig die halbe Strecke von Oberstdorf nach Bad Harzburg überwunden. Dass wir bereits zum 2. Mal diesen bayrischen Äquator überschreiten, liegt nicht daran, dass wir im Kreis gelaufen sind, sondern daran, dass diese werbewirksame Bezeichnung sowohl von den Schwaben für die Donau und als auch von den Franken für den Main verwendet wird.

Voller Erwartung laufen wir über die Mainbrücke und gehen dann entlang des Mains in Richtung Norden. Pedro ist heute der Fahrer, und kommt uns vom Etappenziel in Volkach zu Fuß entgegen.

In Hörbach machen wir im Biergarten vom „Schwarzen Ross“ Pause bei Fränkischen Spezialitäten wie Bratwurscht, Blaue Zipfel, Salat oder Tost Hawaii ;-)

Dann geht es weiter, meist auf Radwegen in Richtung Volkach. In der Vorstadt herrscht noch sonntägliche Ruhe bis wir das Stadttor erreichen. Hier finden wir Straßencafés und Heckenstuben.

Am Rathaus verabschieden wir unsere tapferen Mitwanderer mit einem kleinen Gruß aus dem Allgäu.

Es ist erstaunlich, dass 22 Kilometer einen Allgäuer ganz schön platt machen können. Offensichtlich sind wir Höhenmeter gewöhnt, aber keine Streckenkilometer – ok, bis auf Pedro, unserem Marathonläufer. Der bräuchte eigentlich noch eine Sporteinheit.

Nun freuen wir uns auf eine Dusche und auf einen guten Schoppen Frankenwein.
gut gelaunt startet ein frisches Team ...
... in den Abschnitt C
Ankunft in Volkach

Etappe 17 von Volkach nach Schweinfurt am 28.07.2014
(27 km bei 30 Grad schwüler Hitze)

Puh, was für ein Tag! Nach einem üppigen Frühstück wandern wir vorbei an Weinbergen, in denen die verschiedenen Rebsorten mit Schildern gekennzeichnet sind. Nach einigen Höhenmeter ist der Müller-Thurgau vom gestrigen Abend bereits ausgeschwitzt.
Plötzlich zieht es Diethelm zu Boden und er legt sich auf die Schienen. Die Frage: Selbstmord oder Mitfahrgelegenheit nach Schweinfurt? Wir haben ihn überzeugt und er wandert mit uns weiter. Der Weg führt uns vorbei an einer Schleuse und an Obstplantagen, in denen die Bäume voll hängen mit Mirabellen, Zwetschen, Kirschen und Walnüssen. Es ist Zeit für wir ein paar Liedchen aus unserem Gesangsbuch. Ok, wir müssen noch üben, aber das wird! Wir haben tolle Talente unter uns.

Pünktlich um 13 Uhr treffen wir Gebhard Pape (Vorstandsmitglied des deutschen Wanderverbandes) und 500 m weiter gibt es eine Überraschung! Ein gedeckter Tisch mit echtem Kaffeegeschirr, weißem Tischtuch, kaltem Bier, Weizen und Wasser sowie selbstgemachtem Mandarinenkuchen. Die guten Feen Ursula (Gebhards Frau) und Christel Braun (Mitglied der Wimpelwander-gruppe 2009) haben dieses fantastische Mahl für uns vorbereitet – sogar mit Sonnenschirm. Doch es hilft nichts – Schweinfurt ruft und weitere Mitwanderer warten an der Mainbrücke nach Bergrheinfeld auf uns.

Gemeinsam wandern wir durch nett angelegte Schrebergärten. In Schweinfurt-Oberdorf wird uns die Gedenkstätte des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers des II. Weltkrieges gezeigt. Dann endlich treffen wir am Rathaus in Schweinfurt ein, total verschwitzt. Nach einem kurzen Fotoshooting am Friedrich Rückert Brunnen (Dichter 1788-1866) werden wir zum Empfang beim Oberbürgermeister Sebastian Remelé ins Trauzimmer des Rathauses geladen und dort mit sehr netten Worten und erfrischenden Getränken begrüßt.

Nun geht es auf ins Hotel unter die wohlverdiente Dusche. Wir sind platt! Aber es war schön. Eine zweite Dusche in Form eines kurzen und heftigen Schauers gibt es für uns noch auf dem Weg zum Abendessen im Fränkischen Bierhaus. Getreu dem Lokalmotto „Nach alter Tradition wird bei uns zamg’setzt und zamg’rutscht‘ genießen wir fränkische Spezialitäten und Rauchbier, Pils und Weinschorle.  Rundum ein schöner Tag!
jetzt schon am Ende?
das volle Verwöhnprogramm
auf dem Weg zum Schweinfurter Rathaus

Etappe 18 von Schweinfurt nach Bad Kissingen am 29.07.2014
(28 km bei 29 Grad und Gewitter)

Schweinfurt ist die Stadt der Wälzlager und die Stadt ist sehr stolz auf die Spitzweg-Ausstellung. Nach ca. einer Stunde erreichen wir den Stadtrand, wo sich unsere Begleiter mit der Prophezeihung „Jetzt wird es dann regnen bis Bad Kissingen“ verabschieden.

Wir wandern entlang Villengegenden, alten Höfen und netten Vororten. Auf der Strecke sehen wir immer wieder spezielle Kirchtürme: lang und spitz, wie eine Zipfelmütze. Einst hat ein Bischof darauf bestanden, dass alle Kirchtürme so gebaut werden.

Weiter geht es nach Ebenhausen, in der wir Gott sein Dank eine geöffnete und wirklich traditionelle Bäckerei mit dem Motto „Hier die läuft die Ware nicht vom Band, hier schafft man noch mit Herz und Hand“ für die Mittagsrast finden. Nach Zwetschgenploatz, Erdbeerkuchen, Salamisemmel und Kaffee sind wir wieder ausreichend gestärkt, so dass wir gleich mutig die Alternativroute der Bäckersfrau einschlagen: über den Wichtelberg, durch den Wald und die Betonstraße, die wir leider nicht finden.

Dann kam das große Gewitter, allerdings ohne Blitz nur mit Donner und dicken Regentropfen, die uns bis zur Stadtgrenze Bad Kissingen begleiten. Dort empfängt uns endlich die fränkische Saale, der wir durch den Kurpark folgen. Nach unserer wohl- verdienten Rast im Eiscafe können wir sofort in der Villa Arnold in dem nicht vorhandenen Spa-Bereich duschen.

Um 18 Uhr werden wir von Thomas Hammelmann (Vorstand Rhön-Klub Regionalverband Saale-Sinn) abgeholt. Im Zuge einer kleinen Stadtführung sehen wir den Max-Brunnen incl. Verkostung, Kurpark, Wandelhalle mit Quellentastings und Theater.

Dann kommt die große Überraschung: Das Feuertürmle. 96 Stufen führen zu einem sehr gastlichen Raum mit fantastischem Blick über Bad Kissingen und die Rhön. Gudrun und Marita haben für uns eine wundervolle Brotzeit angerichtet. Es ist ein herrlicher, feucht-fröhlicher Abend mit Wein, Weib, Schnaps und Gesang, aufgetischt vom Feinsten und mit wunderbaren Gesprächen. Als Abschieds-geschenk bekommen wir jeder ein Schnapsglas und Emblem mit dem Feuertürmle. Ein Tag, der sich bis zu einem Feuerwerk entwickelt.
vor dem Schweinfurter Rathaus
Wer war schon mal in Poppenhausen?
nur ein kurzer Schauer?

Etappe 19 von Bad Kissingen nach Bad Neustadt am 30.07.2014 (24 km bei 28 Grad, wechselhaft)

Heute geht es so richtig durch die Rhön! Wir starten mit unseren fünf Mitwanderern am Rathaus und erreichen zügig das Gradierwerk von Bad Kissingen, das noch in Betrieb ist. Dann wandern wir durch unwegsames Gelände. Die Strecken scheinen schon länger nicht mehr benutzt worden zu sein. Wir zweifeln zwar an unserem Navi, sind aber doch voller Hoffnung, das Ziel wie immer zu erreichen.

Unsere Mitwanderer halten gut unseren Wanderschritt mit, wir sind stolz auf sie. Wir sehen Kanufahrer auf der Fränkischen Saale, einen toten Fuchs am Wegrand und den bayerischen Löwen in Stein gehauen. Auf dem Teilstück des Schweinfurter Hausweges gibt uns das uns seit Tagen begleitende Getreide auf den Äckern weiterhin Rätsel auf. Roggen und Gerste kennen wir noch, der Rest wird morgen botanisiert.

Endlich stoßen wir auf einen Picknickplatz, an dem wir Brotzeit und einen selbstgemachten Schnäpsle genießen. Die Bad Kissinger prosten uns zu: „Schütt de Brü…“. Bei der Gelegenheit können wir auch gleich eine kleine fiese Zecke an Gelis Bein entfernen.

Kurz darauf treffen wir auf den Wart-Turm, der einen Panoramablick bis nach Bad Neustadt bietet. Das gestrige Gastgeschenk, die Flasche Müller-Thurgau, leeren wir hier in angemessener Atmosphäre mit unserem Mitwanderern.

Doch dann geht’s weiter nach Salz. Dort holen uns Michael Pfaff (Tourismusdirektor Bad Neustad) und Ernst Hellwig (Kulturwart) netterweise ab und geleiten uns zum Marktplatz in Bad Neustadt. Trotz unserer schwerer Beine folgen wir Ernst auf den Hohentor und sind augenblicklich von dem Ausblick beeindruckt.

Der Bürgermeister Bruno Altrichter empfängt uns in der Touristen-information mit netten Worten und einem kalten Getränk. Michael Pfaff erklärt uns noch anschaulich das Rhönschaf. Zu unserem Abendessen genießen wir die Klänge des Sängerkranz Bad Neustadt, der heute sein Wirtshaus-Singen im Fränkischen Hof veranstaltet. Nach einem guaten Essen können wir auch eifrig und lauthals mitsingen. Die Rhönlieder werden für uns bald zu Ohr- würmern! Tagesfazit: Unser Singpotenzial ist nach oben offen!
Entschuldigung, sind wir hier noch richtig?
Endlich! Ein Pausenplatz ist in Sichtweite
großer Empfang in Bad Neustadt

Etappe 20 von Bad Neustadt nach Mellrichstadt am 31.07.2014 (19 km bei 27 Grad und meist sonnigem Himmel)

Am Markplatz warten unsere Mitwanderer zum Fototermin und zeitigem Start. Entlang der Fränkischen Saale führt uns der Weg durch Wiesen, entlang einer Vielzahl von Getreidefeldern und immer parallel zur Frankenbahn gegen Norden. Nach gut einer Stunde verlässt uns unser Tourguide und Stadtführer Ernst und schwingt sich auf seinen Drahtesel wieder der Heimat zu.

Die kurzweilige Wanderung wird immer wieder versüßt durch viele reife Früchte an Sträuchern und Bäumen. In Unsleben pflückt Helmut reichlich Mirabellen und fordert uns zu einem Steine-weitspucken heraus, das Marita für das Allgäu-Team souverän gewinnt. Das Wasserschloss Unsleben ist eine sehenswerte Idylle. 

In Mittelstreu erwartet uns Diethelm und eine neue Mitwanderin Elisabeth mit einer deftigen Brotzeit vor der Friedhofsmauer. Gut gestärkt wandern wir mit munteren Wanderliedern auf den Lippen vorbei an prächtigen Gutshöfen dem Ziel entgegen. An einer Wasserzapfstelle gibt es noch eine erfrischende Dusche.

Hinter einer lang gezogenen Kurve und hohem Mais werden wir überrascht von 12 Mitwanderern des Rhönklubs Zweigverein Mellrichstadt. Wir werden von Ihnen entlang eines schattigen Waldweges bei kurzweiligen Gesprächen zum Kirschpark in Mellrichstadt geführt, wo uns bereits ein Pressefotograf erwartet.

Am Schloss empfängt uns der 1. Bürgermeister Eberhard Streit mit einer netten Ansprache, Apfel-Bier und Brotzeit. Um die schöne Atmosphäre in Schlossgarten zu unterstreichen, stimmen wir die traditionellen Lieder vom Frankenland und dem Kreuzberg in Begleitung eines Akkordeonspielers an.

Hartmut Berrisch, der Vorsitzender des Rhön-Klubs Mellrichstadt, führt uns sachkundig und redegewandt durch seine Heimatstadt. Im Goldenen Ross erwartet uns ein regionales Festmahl, zu dem uns der Bürgermeister großzügiger Weise einlädt.

Gegen frühen Abend müssen wir leider aufbrechen, denn unser heutiges Quartier liegt außerhalb in Ostheim. Der Spruch des Tages: "Trink zur rechten Zeit den Alkohol, sonst verdoddet`r". Es ist wieder ein super Tag gewesen und wir freuen uns auf morgen ...
Start in Bad Neustadt an der Saale
Wir singen und singen und ...
... bedanken uns für den Empfang in Mellrichstadt

Etappe 21 von Mellrichstadt nach Meiningen am 01.08.2014
(23 km bei 27 Grad und Sonne)

Am Mellrichstädter Marktplatz empfängt uns eine beeindruckend große Gruppe fröhlicher Mitwanderer. In Eussenhausen verlassen wir die Bundesstraße B19 und es geht gut bergauf in Seitenstraßen und durch Wald.

Dann erreichen wir „Die Schanz“ (ehemalige Grenzanlage), wo wir die Grenze nach Thüringen übertreten. Uns erwartet ein Empfangs-komitee unter anderem mit Hermann Josef Kiel (Vorsitzender Rhönklub Region Werra) und Peter Fleischer (Landesvorstand Wanderverein Rhönklub Thüringen).

Peter Fleischer überbringt uns herzliche Grüße der thüringischen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht sowie Präsente in Form von zwei Büchern. Zu diesem historischen Augenblick wird uns allen Rotkäppchensekt spendiert. Einige Mitwandern verlassen uns und neue stoßen dazu.

Durch Wiesen und Wälder folgen wir dem Weg bis auf eine Anhöhe, die uns einen Ausblick auf Schillers Wirkungsstätte „Bauerbach“ ermöglicht . Nach einer Mittagsrast erreichen wir Untermaasfeld. Unsere Mitwanderer erklären uns, dass hier in einem historischen Gebäude ein berühmter Thüringer Knast untergebracht ist, den wir eigentlich besichtigen müssten. Doch zeitlich ist uns das leider nicht möglich und wir fühlen uns in Freiheit auch ganz wohl.

Nach wenigen Kilometern erscheinen die Basalt-Hartstein-Werke und kurz darauf das hübsch herausgeputzte Meiningen. Am Marktplatz folgen das offizielle Willkommen, einige Fotos und die große Verabschiedung von unseren eifrigen Mitwanderern.

Bernd Rußwurm spricht uns eine Einladung aus im Namen der Kulturreferentin Meiningens, Dana Kern, zu einem Stück der Inselbühne aus Leipzig im Elisabethenschlossgarten am heutigen Abend. Doch davor müssen wir unbedingt noch die Original Thüringer Bratwurst gekostet haben.

Unser Abend im Schlossinnenhof wird durch „Der Gott des Gemetzels“ herrlich abgerundet. Wieder geht ein erlebnisreicher Tag zu Ende und wir bedanken uns herzlich bei den Mitgliedern des Rhönklubs für ihre Gastfreundschaft.
Thüringen: Wir sind das "Wandervolk" ...
... und machen auch mal Pause
willkommene Stützen an der Strecke

Etappe 22 von Meiningen nach Wernshausen am 02.08.2014
(23 km bei 26 Grad und Sonne)

Mit Rolf Hesse als ortskundigen Wanderführer verlassen wir Meiningen auf geteerten Radwegen entlang der Werra vorbei am Schloss Landsberg. Viele Radfahrer des Werratal-Radweges kommen uns entgegen, so dass wir im Gänsemarsch laufen müssen. Bald erreichen wir den netten Ort Walldorf mit der historischen Wehrkirche, umrandet von dicken Sandsteinmauern und Türmen.

Wir kommen wieder an die Werra, wandern einige Zeit durch schattigen Wald mit üppigen Steinpilzen und erreichen Wasungen, eine Hochburg des Karnevals, laut Rolf: „größer, älter und schöner als der in Köln.“

Überraschung: Marita bereitet uns unter einem Baum ein Picknick mit Obst, Süße Stückchen, Kaffee und kalten Getränken. Einfach ein super Service – danke! Nun wandert Marita mit uns. Lucia übernimmt das Begleitfahrzeug und checkt das Gepäck im Hotel in Schmalkalden ein, bevor sie uns im Zielort wieder mit Wimpel-stange und Banner empfängt – supi!

Weiter geht es für die Wanderer entlang der Straße. Nach geraumer Zeit geht es im Wald ein Stück bergauf. Rolf verspricht uns, dass dies die letzte Steigung sei, worauf prompt die nächste folgt.  Plötzlich verliert sich der Weg im Mais – so’n Scheiß!!! Nach kurzer Küreinlage durch das Maisfeld kommen wir wieder auf unseren alten Weg.

Bald erreichen wir uns Ziel „Wernshausen“. Stolz tragen wir den Wimpel bis zum alten Rathaus, an dem uns der Bürgermeister Hartmut Kremmer freundlichst mit erfrischenden Getränken empfängt. Es folgt ein Abstecher zum Rennsteig. Lucia spendiert zu diesem Anlass am Kiosk einen Rennsteig-Kräuterlikör.

Jetzt aber heim, denn das Tagebuch muss noch geschrieben werden! Schon während des Essens schreiben wir, dass die Tasten rauchen – bis spät in die Nacht. Wir sind müde und doch zufrieden und in lustiger Stimmung. Aber wir denken auch leicht wehmütig an die morgige letzte Etappe. Nochmals lachen wir über das Zitat des Tages von Rolf: „Früher waren wir bildhübsch, heute ist nur noch das Bild hübsch.“
Aufbruch in Meiningen
Verabredung für den nächsten Tag
Nachtschicht für den Tagesbericht

Etappe 23 von Wernshausen nach Bad Salzungen am 03.08.2014 (24 km bei 23 Grad und Gewitter)

Mit Rolf, der uns schon seit drei Tagen begleitet, und weiteren Mit- wanderern gehen wir zunächst  auf leichten Waldwegen von Wernshausen nach Helmers, wo am Wegesrand einst eine Glas- hütte stand. Stetig ansteigend sehen wir rechts auf einer Anhöhe im Wald die Ruine Frankenburg. Nun verschwinden wir im schattigen, dämpfigen Wald und werden sofort von unzähligen Mücken und Bremsen attackiert. Um uns schlagend kämpfen wir uns Kilometer um Kilometer bergauf bis zum Gipfel des Pless (644m).

Dort empfangen uns weitere Mitglieder des Röhnklubs Zweigverein Breitungen mit einem tollen zweiten Frühstück. Doch zuerst ersteigen wir den Aussichtsturm und genießen die schöne Aussicht auf den „Monte Kali“ und auf unser Etappenziel Bad Salzungen. Die ersten dicken Tropfen fallen und wir verlegen das Frühstück in die nahe Wanderhütte. Draußen gewinnen Regen und Donner die Oberhand, drinnen verschwinden Wurst und Käse nach und nach vom Teller.

Frisch gestärkt verabschieden wir uns, bewaffnen uns mit Schirm und Regenponcho und verschwinden mit Rochus voraus im Regen. Auch auf dem Hochrhöner Premiumwanderweg sind Regen und Sturzbäche von nun an unsere Begleiter.

In Bad Salzungen geht es durch den Rathenaupark und am Burgsee entlang zum Rathaus. Dort treffen wir wir unsere Ablöse aus Oberstdorf, die nach der Wimpelübergabe den nächsten Abschnitt bis nach Heilbad Heiligenstadt bestreiten wird.

Als Ausklang folgen wir der Einladung zum Sommerfest des Rhönklubs Zweigverein Bad Salzungen. Trotz unserer verspäteten Ankunft in der Salzunger Hütte, wird ein großartiges Kuchenbuffet präsentiert. Die Auswahl ist sichtlich schwer. Zum Schluss gibt es noch eine Thüringer Bratwurst. Gottseidank haben wir in den letzten Tagen schon gelernt: nicht durchbrechen, kein Ketschup und wenn was drauf - dann nur Senf.

Jetzt aber geht es nach einer wunderbaren Woche wieder ins Allgäu zurück. Wir haben viele neue Wanderfreunde kennen gelernt, die immer um unser Wohl besorgt waren. Vielen Dank von der Wimpel-gruppe im „Abschnitt C“ Lucia, Marita, Geli, Peter und Diethelm
Zu Gast bei Wanderfreunden aus Breitungen ...
... und beim Rhönklub in Bad Salzungen
Wimpelübergabe an das nächste Team

Etappe 24 von Bad Salzungen nach Marksuhl am 04.08.2014
(20 km bei 24 Grad und Sonne-Wolken-Mix)

Wir, Ayse, Dagmar, Steffi und Heidi starten als das nächste Team in den Abschnitt von Bad Salzungen nach Treffurt. Am Rathaus in Bad Salzungen warten bereits unsere zwei Mitwanderer: Wanderwart Reinhard Libor mit seiner Frau Brigitte (Rhönklub Bad Salzungen).

Wir besichtigen das Keltenbad und Gradierwerk und erhalten von unserem ortskundigen Reinhard noch viele Hintergrundinfos. Man kann hier in bis zu 27 %iger Sole ohne künstliche Zusätze baden. Das lindert Hautprobleme, fördert die Entgiftung und stärkt das Immunsystem.

An der Werra entlang biegen wir auf den Frauenseerweg ab und laufen bis Unterrohn. Im Wald ist es sehr dämpfig und die Moskitos setzen auf Angriff.  Zum Glück finden wir auf dem Weg einen Lavendelstock und reiben uns zum Schutz mit den Blüten ein. Im kleinen Dörfchen Unterrohn treffen wir auf aufgeregt schnatternde Gänse, Eichhörnchen, Katzen und Hühner.

Ein Fußmarsch bergauf führt vorbei an Weizenfelder zum Zeppelin-Steindenkmal, das zum Andenken an die Landung des Luftschiffes L55 am 20.10.1917 auf der Rückfahrt von einem Angriff auf London errichtet wurde. Die Aussicht ist grandios, da passt ein Bierchen perfekt dazu.

Nach kurzer Verschnaufpause geht es dann weiter über den Werra-Burgensteig zur Dicken Eiche. Die Eiche wurde 1137 als Richtstätte urkundlich erwähnt. Heute rettet Heidi hier eine vom Aussterben bedrohte Blindschleiche.

Unsere nächste Rast machen wir am Flächennaturdenkmal Hautsee. Wir stärken uns mit einer Brotzeit und gehen die letzten vier Kilometer an. Über den Lulluspfad kommt uns Dieter Anacker (Thüringerwaldverein, Zweigverein Marksuhl) entgegen. Unsere heutige Endstation wird sichtbar und wir lassen den Tag beim Metzger mit Kartoffelsalat und Wurst gut gelaunt ausklingen.

Wir freuen uns schon riesig auf den morgigen Tag, der bestimmt wieder spannend und lustig wird. Frisch auf und einen Jodlergruß, die Mädels aus Oberstdorf! PS: Ein großes Dankeschön an unsere zwei Wanderführer Reinhard und Brigitte!
unterwegs mit Reinhard und Brigitte
Bierpause am Zeppelin-Denkmal
auf dem Weg nach Marksuhl

Etappe 25 von Marksuhl nach Eisenach-Hörschel am 05.08.2014 (20 km bei 23 Grad und Wolken)

Am Rathaus in Marksuhl begrüßen uns Erika und Ulrich Bökel (Vorsitzender des Rennsteigvereins der Ortsgruppe Stedtfeld), Karl Döring und der Dieter. Gemeinsam mit unseren Wanderfreunden machen wir uns auf den Weg nach Hörschel und stimmen ein Lied an. Auf dem Lulluspfad geht es weiter auf den Sallmannsheuser Rennsteig. Wir sind mit voller Freude dabei und Heidi macht einen großen Luftsprung.

Über Stock und Stein gehen wir weiter zur Herrschaftsbrücke. Wir marschieren hoch zum Vachaer Stein und betreten dort zum ersten Mal den Rennsteig. Der Rennsteig ist der älteste deutsche Fern- wanderweg.

In einem kleinen, gemütlichen Unterschlupf machen wir Rast und Brotzeit. Kulinarische Köstlichkeiten werden uns von unseren Wanderfreunden angeboten. In Clausberg sind wir die Pferde-flüsterer und erfreuen uns an der tollen Landschaft. Wenige Meter später kommen uns weitere Wanderkameraden aus der näheren Umgebung entgegen. Unsere Wandergruppe wird immer größer.

Vorbei an weiteren nicht enden wollenden Weizenfelder geht es zu einem Aussichtpunkt, von dem aus man einen herrlichen Blick auf die Wartburg hat. Der nächste Halt ist am Grenztor. Hier erhalten wir vom ehemaligen Bürgermeister Siegfried Lieske aus Neuenfeldt einen Einblick in die bestimmt nicht leichten Zeiten vor der Wende.

Weiter auf unserer Etappe nach Hörschel bietet sich die Gelegen- heit für ein Gruppenbild am Rennsteig Stein. Auf den letzten Kilometern zum heutigen Endpunkt unserer Etappe zeigt uns Manfred Kaiser, Ortsgruppenführer vom Rennsteigverein, eine Linde, die er zu seinem 60-igsten Geburtstag pflanzte.

In Hörschel angekommen darf noch jeder von uns einen Stein in die Werra werfen. Das soll Glück bringen und einen 100 Jahre alt werden lassen.

Und zum Schluss überraschen uns die Frauen der Wanderfreunde im Vereinsheim des Rennsteigvereins mit kühlen Getränken. Nochmals vielen Dank für die Begleitung und die Gastfreundschaft. Frisch auf und auf ein Neues ...
Freudensprünge - die Stimmung ist toll!
im zügigen Schritt nach Eisenach
historische Aufnahme vom Rennsteig (1992)

Etappe 26 von Eisenach-Hörschel nach Treffurt am 06.08.2014
(21 km bei 26 Grad und Sonne)

Erika und Ulrich vom Rennsteigverein holen uns zum Empfang im Rathaus ab. Andreas Ludwig, zweiter Bürgermeister von Eisenach,  und seine Mitarbeiter begrüßen uns herzlich und betrachten sehr interressiert den Wanderwimpel.

Zusammen mit Ulrich Böckel (Vorstandsmitglied des Rennsteig-vereins), Heidi Brandt (Vertreterin des Wartburgkreises) und Heidi Günther (Geschäftsführerin Eisenach-Wartburgregion Touristik GmbH) können wir Erfahrungen im Tourismusbereich austauschen. Außerdem erfahren wir viel Interessantes aus der Eisenacher Stadtgeschichte und über den kulturellen Reichtum der Region.

Mit tollen Geschenken im Gepäck und unserem Wimpel fahren wir zurück nach Hörschel. Dort machen wir unser Startfoto am Rennsteigbeginn und stimmen zusammen das Runstlied an.

Peter von der Ortsgruppe Eisenach-Hörschel begleitet uns. Die Sonne strahlt wie unsere Gesichter, denn nun geht es endlich los.

Durch die wunderschöne und fruchtbare Landschaft kommen wir an einem Biogutshof vorbei. Der Blick über die Weizenfelder reicht bis zum Horizont.

Wir erreichen Creuzburg an der Werra und kehren am Dorfplatz ein.

Es folgt ein strammer Marsch „zum Wisch“. Der steile Anstieg lohnt sich, denn der Ausblick ist grandios.

Nach dem Ort Scherbda geht es vorbei an einem Schotterkieswerk und Apfelbäumen, die leckere Früchte tragen.

Mitten im Wald und auf einem Wiesenweg singen und lachen wir und das Ende der Etappe kommt immer näher.

Es waren drei super schöne und aufregende Tage, doch nun sind unsere Obersdorfer Kollegen an der Reihe, den Wimpel weiter zu tragen.

Wir bedanken uns bei all den Thüringern, die uns so nett auf unseren Etappen begleitet haben.
Empfang im Eisenacher Rathaus
wir verabschieden uns und ...
übergeben den Wimpel an das nächste Team

Etappe 27 von Treffurt nach Geismar am 07.08.2014
(23 km bei 23 Grad und bewölktem Himmel)

Startpunkt der 27. Etappe ist Treffurt, eine schöne Fachwerkstadt im Werratal. Das Wanderteam hat wieder gewechselt und nun wandern Angelika, Brigitte, Ingrid, Wolfgang und Florian weiter nach Norden.

Erster Bürgermeister Michael Reinz schickt uns in seinem Dienst-zimmer hoch über dem Marktplatz zu unserer ersten Wimpel-wanderung los. Er ist Kenner des Allgäus, da er im Brauereidorf Rettenberg auf einem Bauernhof gerne Urlaub macht. Seine fachkundigen Tipps führen uns sofort in das Naturschutzgebiet der Region Werratal und in das Eichsfeld. Ausgedehnte Buchenwälder und zwei schöne Premiumwanderwege sind unsere stetigen Begleiter auf dieser Etappe.

Roland Geißler, unser Mitwanderer aus Leinfelde, hat uns als Wanderbuchautor der Region viel auf dem Weg nach Geismar zu erzählen. Von vielen Sehenswürdigkeiten berichtet er uns.
Ebenso wandert Herbert Kretschmer, Vorsitzender des Hessisch Waldeckischer Gebirgs- und Heimatverein mit.

Vorbei am Höhenzug Adolfsburg geht es entlang des ehemaligen Grenzstreifens. Eine Agentenschleuse mit Stasi-Tunnel ist noch erhalten geblieben und viele Grenzsteine liegen auf unserem Weg.

Entlang der Mainzer Köpfe wandern wir zur 480 Meter hohen Plesse mit einem wunderbaren Blick über den Ort Wanfried als auch in die Ferne. Der rund 50 Meter hohen Aussichtsturm wird ebenfalls von uns erklommen.

Weiter vorbei an der Keupelskuppe ist das Eichsfelder Kreuz an der ehemaligen Grenzlinie unser letzter Haltepunkt vor Geismar. Der Kindergarten St. Ursula in Geismar bereitet uns einen herzlichen Empfang.  Die Kindergartenkinder haben mit ihrer Kindergarten-leiterin Frau Steurer extra drei Lieder für uns einstudiert. Mit einem herzhaften „Hallo“ werden wir von über 25 Kindern singend begrüßt.

Erster Bürgermeister Martin Kozber und zweiter Bürgermeister Gerhard Kistner haben schon frische Getränke für uns Wanderer bereitgestellt. Und so erfahren wir auch, dass der Orgeltisch seiner- zeit als Geschenk vom Bistum Fulda in die Kirche nach Geismar kam und deswegen heute dort eine Orgel mit 32 Registern steht.
Verabschiedung am Rathaus in Treffurt
Aussichtspunkt Plesse auf 480 Meter
Empfang im Kindergarten St. Ursula in Geismar

Etappe 28 von Geismar nach Bernterode am 08.08.2014
(17 km bei 25 Grad und viel Sonne)

Ausgangsort zur 28. Etappe ist die 1269 erstmals urkundlich erwähnte Gemeinde Geismar, die am südlichen Eichsfeld an der Gemarkungsgrenze zwischen Hessen und Thüringen liegt.

Dort stehen auch schon unsere heutigen Mitwanderer Jürgen, genannt „Otto“, Karl der „Süße“, Walter, Klaus, Edeltraut und Siggi, die „allerbeste Mitwanderin“, vom Werratalverein Eschwege sowie Karl aus Waldkappel, ein äußerst erfahrener Wimpelwanderer bereit.

So heißt es „Frisch auf“ und wir marschieren pünktlich an der Kirche zu Geismar los. Im Werratal ist noch der Frühnebel zu sehen, aber wir wandern der strahlenden Sonne durch schöne Wiesen entgegen und schon bald erreichen wir nach strammen Schritten den Nachbarort Wilbich.

Durch Obstgärten hindurch erklimmen wir sodann den 429 m hohen Eßberg. Oben angekommen steht uns nach dem Anstieg zwar der Schweiß auf der Stirn, jedoch haben wir die meisten Höhenmeter damit schon erreicht.

Im schattigen und bei hochsommerlichen Temperaturen etwas kühleren Westerwald durchwandern wir auf dem Naturparkwander- weg die ausgedehnten Buchenwälder des Junkerholz.

Unser Ziel ist das Martinfelder Fenster, von wo aus man einen herrlichen Blick auf das namensgebende Martinfeld und unseren nächsten Etappenort Bernterode hat.

Nur knapp fünf Kilometer entfernt befindet sich der Mittelpunkt Deutschlands. Bei einer stärkenden Brotzeit stellt sich heraus, dass unsere Begleitung letztes Jahr Oberstdorf als Wanderhauptstadt kennengelernt hat und der Werratalverein im September nochmals einen Ausflug nach Oberstdorf unternehmen wird.

Kurzentschlossen ist man sich einig, sich wieder zu sehen. Siggi stimmt ein Wanderlied an und so ging es fröhlich wandernd hinab nach Martinfeld. Nochmals ist ein kurzes steiles Stück in der Mittagssonne zu überwinden, um dann im kühlen Wald entlang nach Bernterode zu wandern.
Morgensonne in Geismar
am Martinfelder Fenster
Zielort Bernterode glücklich nach 17 km erreicht

Etappe 29 von Bernterode nach Heilbad Heiligenstadt
am 09.08.2014
(18 km bei 22 Grad, starkem Wind und Wolken)

Startort der heutigen Etappe ist der kleine Ort Bernterode, der gleich zwei katholische Kirchen besitzt. Begleitet werden wir heute von Frank Ibold, einem vom Freistaat Thüringen zertifizierten Natur- und Landschaftsführer für den Naturpark Eichsfeld - Hainich - Werratal. Wie sich im Laufe der Wanderung herausstellt, hat er aber noch wesentlich mehr Talente. So führt er uns sehr schnell auf die 520 m hohen Dieteröder Klippen mit herrlichem Blick auf die Täler und Berge des Naturparks. Er kann uns selbstverständlich alle Orte und Höhenzüge erklären.

Wir kommen an einem Feld mit schönsten Nordmanntannen vorbei und erreichen auf einem Naturlehrpfad das Naturparkzentrum am ehemaligen Bahnhof von Fürstenhagen. Im erhalten gebliebenen Wasserturm für Dampflokomotiven befindet sich heute jedoch ein interaktives Informationszentrum. Wir Wimpelwanderer können zwar nicht alle Tierstimmen zielsicher erraten, aber in die Besucherliste tragen wir uns gerne ein.

Über dem malerische Fachwerkdorf Lutter legen wir eine Pause ein und Frank packt auf einmal seine selbstgemachten Eichsfelder Würste aus: Mutzbraten, Eichsfelder Feldgiecker und Eichsfelder Runde. „Eure Brotzeit könnt ihr wieder mitnehmen!" sagt er und schneidet die Wurst für uns auf. Neben der Tätigkeit als Wander-führer ist Frank nämlich noch Hotelier, Gastronom, Metzger und Landwirt mit eigenem Dammwild und Rinderzucht. Hmm, die Wurst ist so lecker und bald sind die ganzen Würste zur großen Freude von Frank verspeist.

Von der Maienwand, 437 m über NN auf steiler Muschelkalk-Felswand, blicken wir noch ein letztes Mal über die malerische Landschaft der Region Eichsfeld, bevor es singend mit unserer neuen Mitwanderin Elisabeth aus Heiligenstadt über den Iberg hinab in den Kurort geht.

Dort wartet schon das finale Wimpelwanderteam für den letzten Wanderabschnitt bis nach Bad Harzburg und empfängt uns mit Laola-Wellen vor dem Rathaus.

Mit vielen neuen Eindrücken verabschiedet sich das Team „Oberstdorf“ mit einem herzlichen „Frisch auf!“
Start zur 29. Etappe in Bernterode
früher fuhren Züge hier - heute wandern wir
Loala-Wellen in Heilbad Heiligenstadt

Etappe 30 von Heilbad Heiligenstadt nach Duderstadt
am 10.08.2014
(28 km bei 25 Grad, Regen und Sonne)

Am Rathaus treffen wir uns nochmal mit dem Team aus Oberstdorf, mit dem wir am Abend zuvor Etappengeschichten ausgetauscht und viel gelacht haben. Dort werden wir begrüßt von Elisabeth Kruse, der ehrenamtlichen Wegewartin der Stadt, und Heidelinde Liepe, der Nachtwächterin. Wir erfahren, warum Heiligenstadt einen "Möhrenkönig" hat: Eine Ziege fraß die als Torriegel verwendete Möhre und schon konnten die Ritter in die Stadt einfallen.

Elisabeth führt uns aus der Stadt und zeigt uns das Tillmann-Riemenschneider-Geburtshaus und den Geisleden-Bach, der sich gabelt in den "faulen" Arm mit Wasserfall und den "fleißigen" Arm, der die Mühlen der Stadt angetrieben hat.

Im Kurgarten queren wir die Leine, die 14 km jung noch ein Bächlein ist. Wir queren die A38 und haben einen letzten Blick auf Heiligenstadt und die bewaldeten Hügel Dün und Iberg, die zum Eichsfeld gehören. Ab Reinholterode wandern wir allein weiter, kommen durch Steinbach und rasten an der Wallfahrtskapelle in Etzelsbach, an der Papst Benedikt 2011 vor 90.000 Gästen predigte.

Über einen weiteren Höhenzug mit Wäldern und Feldern geht es durch Berlingerode hinauf. Der Grenzlandweg besteht aus Betonplatten, auf denen die patrouillierenden DDR-Kolonnen-Fahrzeuge rollten. Der Wachtturm steht am höchsten Punkt und ist jetzt zusammen mit dem 3,20 m hohen Grenzzaun, den Fahrzeug-sperren, der Ausleuchtung und den Hundegehegen Teil des Museums des früheren Grenzüberganges Teistungen. 1394 km Grenze teilten bis 1989 Ost- und Westdeutschland. Immer perfektere Methoden wurden ausgedacht und umgesetzt, um Menschen von der Flucht abzuhalten.

Nachdenklich und betroffen, wandern wir von Thüringen nach Niedersachsen. In Duderstadt staunen wir über die bildhübschen Fachwerkhäuser und das imposante Rathaus. Bernhard Elsler, der 431 km Wanderwege betreut, erwartet uns bereits. Während der Einkehr erzählt er, dass allein innerhalb der Stadtmauer 330 Fachwerkhäuser stehen, für deren Fassadengestaltung die Farben exakt festgelegt sind. Im Hotel angekommen sind wir gerade rechtzeitig einem kräftigen Gewitterguss entkommen.
im Gefolge der Nachwächterin
Überschreitung der früheren Grenze
wohlverdientes Bier in Duderstadt

Etappe 31 Duderstadt nach Herzberg am Harz am 11.08.2014 (28 km bei 22 Grad und viel Sonne)

Am Rathaus in Duderstadt warten schon Erich Kerl und Erich Gott- schlich auf den Start der 31. Etappe. Wir verlassen das schmucke Duderstadt auf dem Europäischen Fernwanderweg E6 , wandern über Hügel durch Wälder und Felder und überqueren die Rhume.

Die Quelle der Rhume liegt idyllisch mitten im Laubwald und ist eine der größten Karstquellen Europas. Wir werden hier bereits erwartet und der Chor vom Zweigverein Rhumspringe stimmt  unter Leitung von Anni Bachmann Wanderlieder an.

Werner Beckmann (Hauptpressewart Harzklub) hält alles mit seiner Kamera fest. Karl Leyrer (Hauptwanderwart Harzklub) überreicht uns die Brockenhexe, die diesjährige Harzer Wandertagsplakette und ein Fläschchen des hiesigen Kräuterschnapses Schierker Feuerstein mit "26 lebenswichtigen Vitaminen", wie er sagt.

Auch drei Harzer Bürgermeister, Franz Jokobi von Rhumspringe, Gerd Walter von Herzberg und Andreas Simon von Bad Harzburg, sind zur Begrüßung gekommen. Schön, denn Wandern ist Begeg- nung! Zur Stärkung wird eine deftige Brotzeit gereicht.

Da wir heute noch nach Herzberg wollen, müssen wir weiter. Durch den schönen Mischwald geht es bergauf. Wir sind nun 17 Wanderer, denn es begleiten uns auch Alfred Heineke (Vorsitzender des Zweig-vereins Bad Harzburg), Klaus Petersen (Hauptwegewart Harzklub), Rudi Schusterbauer (Wanderwart Rhumspringe) und weitere Mitglieder der Zweigvereine Pöhlde und Herzberg.

Bald sind wir am Harzblick angelangt, wo uns die Harzer Berge benannt werden. Hinab geht es nach Pöhlde, wo eine Überraschung auf uns wartet. Der mitgewanderte Bürgermeister Gerd Walter lädt alle zu einem Umtrunk in seinen Garten ein. Es ist sehr gemütlich und nicht nur die Allgäuer neigen "zum Verhocken". Dennoch wird zum Aufbruch gedrängt, denn es sind noch 5 km bis Herzberg.

Dort sind wir am Abend noch zu einem Empfang eingeladen. Hermann Schulze (Vorsitzender des Zweigvereins Herzberg) begrüßt uns herzlich und die Mitglieder des Brauchtumvereins Pöhlde singen und musizieren. Was für ein erlebnisreicher Tag!
Was für ein Empfang vom Harzklub!
  in großer Schar nach Herzberg am Harz
  Bierpause beim Bürgermeister in Pöhlde

Etappe 32 von Herzberg am Harz nach Sieber am 12.08.2014
(14 km bei 19 Grad und Sonne-Wolken-Mix und viel Wind)

Am Rathaus erwartet uns im Innenhof der 2. Bürgermeister Wolf- gang Weipert, der uns mit ein paar aufmunternden Worten und Informationen zu Herzberg auf die Strecke schickt. Mit sechs Mitwanderer passieren wir eine Papier- und einer Wellpappenfabrik, bevor wir in den lichten Mischwald eintauchen.

Etwa sieben Kilometer geht es aufwärts zum „Großen Knollen“, dem Hausberg der Herzberger Wanderer. Die Wege sind in gutem Zu- stand, die Beschilderung hervorragend. Ehrensache für die mitwan-dernden Wanderwarte, die hier regelmäßig das hüfthohe Gras mähen, die Äste wegharken und nasse Senken mit Kies auffüllen.

Ab und zu blinzelt die Sonne durch die dichten Wolken und verwandelt die Nässe des nächtlichen Regens in wabernde Nebelschwaden. An der nächsten Rasthütte namens „Jägerfleck“ erleben wir die Tradition der „Mittwoch-Wanderer“. Es gibt Schnaps aus dem Flachmann und ein Leckerli. Hermann kommt genau rechtzeitig mit seinem 50-jährigen Traktor angetuckert.

Wir erreichen die Kuppe des „Großen Knollen“ (687 m über N.N.) und werden von Heinz Bengs (1. Vorsitzender des Harzklub, Zweigverein Sieber) und Achim Reuper, der uns nach Sieber führen wird, begrüßt. Doch vor dem Abstieg wird eingekehrt. Vom Restaurant aus haben wir die Aussicht nach Thüringen bis zum Inselsberg. Der rund 30 m hohe steinerne Turm auf dem Gipfel ist 110 Jahre alt. Oben angekommen sehen wir den Brocken, mit
1142 m der höchste Berg im Harz.

Wir gehen abwärts Richtung Sieber und kommen an einen früheren Kohlemeilerplatz. Achim erzählt uns, davon gab es 220 für die Holzkohleherstellung. Rund um Sieber wurde Eisenerz abgebaut, für dessen Verhüttung Holzkohle gebraucht wurde.

Rund um das Dorf haben die sehr aktiven Siebener einen Erlebnis- pfad eingerichtet mit interessanten Stationen, die zum anfassen und ausprobieren einladen. Auch die Fachwerk-Kirche mit dem 35 m hohen Turm ist ein echter Hingucker, denn sie ist komplett mit Schiefertafeln verkleidet. Bei dem abendlichen Grillfest mit musika-lischen Einlagen erleben wir erneut große Gastfreundschaft. Vielen Dank an Iris, Markus, Heinz, Uli und Eure Vereinsfreunde.
steiler Aufstieg zum Großen Knollen
vor dem "Vereinslokal" am Hausberg-Gipfel
gemütlicher Hüttenabend in Sieber

Etappe 33 von Sieber nach Altenau am 13.08.2014
(17 km bei 21 Grad und Sonne-Wolken-Mix)

Achim Reuper wird uns heute bis zur Stieglitzecke bringen. Auch Brigitta und Gesine-Maria vom Harzklub schließen sich uns an. Die beiden sind gerade auf ihrem "Hexenritt" von Cuxhaven nach Vienenburg gewandert und ebenfalls auf dem Weg nach Bad Harzburg. Zunächst besichtigen wir eine nachgebaute Köhlerhütte (Köthe) und das Modell eines Holzkohlemeilers.

Wir wandern weiter aufwärts auf einem Weg, der den Wald in den Nationalpark und in den Naturpark Harz teilt. Im Nationalpark wird alles komplett der Natur überlassen. An der Stieglitzecke erreichen wir einen Parkplatz, wo wir von der Kiepenfrau Sabine Barnert, Max Henner-Schiers (1. Vors. ZV Altenau) mit Hund Berry, Alfred Heineke (1. Vors. ZV Bad Harzburg), Harald Linder (Schriftführer) und dem Fotografen Udo Barnert in Empfang genommen werden.

Bei ein paar Getränken aus dem Kofferraum gibt es einen gemüt-lichen Plausch. Heinz Bengs kommt noch dazu und verblüfft uns, indem er uns das keine drei Stunden vorher aufgenommene Foto im Rahmen überreicht. "Jungs, wie habt Ihr das so schnell gemacht?"

Der Oker, die hier noch ein Bach ist, folgen wir abwärts. Es kommt ein besonders attraktiver Streckenabschnitt entlang eines schmalen Kanals, der mit Trockenmauern angelegt wurde, um die Silberminen zu betreiben. Mit sanftem Gefälle fließt das Wasser im Kanal. Früher wurde die Wassermenge genauestens gesteuert und die Kanäle im Winter abgedeckt, um sie vor Vereisung zu schützen.

Bald sind wir am Waldrand und schauen über eine Wiese hinab auf Altenau. Gemeinsam schlendern wir durch den Ort, sehen die Altenauer Flagge an Häusern wehen und kehren zum Abschluss ein, um das hier gebraute Altenauer Bier zu kosten.

Wir sagen "Tschüss" zu unseren kundigen Begleitern und fahren mit dem Auto über Torfhaus nach Bad Harzburg. Dort werden wir die nächsten fünf Nächte verbringen. Im Hotel treffen wir Anke und Carina, die das Allgäu bei der Tourismus-Börse vertreten werden.

Es gibt noch einige „Hausaufgaben“ zu erledigen, denn wir haben Neues über die Abläufe der Veranstaltungen der nächsten Tage und die Erwartungen an die Wimpelgruppe erfahren.
Besichtigung von Kohlemeiler und Köthe
für Hund Berry sind wir noch zu langsam, aber ...
... der Wanderwimpel nähert sich stetig Altenau

Etappe 34 von Altenau nach Bad Harzburg am 14.08.2014
(17 km bei 20 Grad und Sonne-Wolken-Mix)

Auf der letzten Etappe führen uns Alfred Heineke und Karl Leyrer. Über vierzig Wanderer vom Harzklub und Werratalverein begleiten uns. Auch Bernhard Mainzer, der die Wimpelwanderung 2013 ge- plant und uns so viele Tipps gegeben hat, ist mit dabei.

Wir starten und es geht sofort aufwärts. Da es nachts geregnet hat, sind die Wege nass, die Luft dunstig im Wald und über den Mooren. Auf schmalen Pfaden gelangen wir zur Oker, müssen nochmal durch Matsch, bevor wir in der Marienteichbaude einkehren.

Am Marienteich befindet sich die „Waldschule“, die der Harzklub konzipierte, errichtete und betreibt. Dabei handelt es sich um ein  hölzernes Gruppenhaus, Schautafeln zum Leben in Reisig- und Steinhaufen vor Ort, ein Insektenhotel und die Ameisenhaufen der roten Waldameise, die hier „ausgewildert“ wurde.

Wir gehen abwärts entlang des munteren Moorbaches Radau. Deutlich sind die Hochwasserspuren von vor zwei Wochen zu sehen. Ein Teil der Radau wird zum angelegten Radauwasserfall, einem idealen Fotomotiv für ein letztes Gruppenbild.

Am Ortseingang von Bad Harzburg begrüßen uns freundlich Jürgen Wachowsky (Wanderwart des Deutschen Wanderverbandes), Karl Stiefenhofer (1. Vorsitzender Heimatbund Allgäu), Andreas Simon
(3. Bgm Bad Harzburg), Annett Drache (Organisatorin des Harz- klubs) sowie weitere gute Bekannte der letzten Tage und der gesamten Wimpelwanderung.

Mit unserer dekorierten Wimpelstange gehen wir nebeneinander durch die immer dichter werdende Menschenmenge zur Bühne. Hunderte Male wird die Wimpelgruppe fotografiert. Auf der Bühne erwarten uns Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß (Präsident des Deutschen Wanderverbandes) und die Bürgermeister Ralf Abrahms von Bad Harzburg und Laurent Mies von Oberstdorf.

Wir dürfen von der 34-tägigen 830 Kilometer langen Wanderung berichten. Nach dem Empfang bleibt uns nur wenig Zeit bis zur offiziellen Auftaktveranstaltung im Kursaal. Mit Musik marschieren wir ein und lauschen dann den Reden und Darbietungen. Und damit findet unsere Wimpelwanderung ein sehr feierliches Ende ...
mit vielen Wanderfreunden auf der letzten Etappe
  am Radau-Wasserfall in Bad Harzburg
Eröffnung des Deutschen Wandertages 2014

Während des Deutschen Wandertages vom 15. - 18.08.2014

Die Tage vergehen wie im "Hexenflug". Dem Motto "Weltkultur erwandern - Mythen erleben" folgen wir sehr gern.

Der vielgefragte Alfred Heineke nimmt sich die Zeit, uns die Luchse bei den Rabenklippen, den Brocken und das Eckertal, das Kreuz des Ostens und den Burgberg zu zeigen.

Anschließend erkunden wir die wunderschönen Städte Quedlinburg, Wernigerode und Claustal-Zellerfeld. Das Museum des 1910 still-gelegten Silberbergwerks mit der Grube Samson und der Wasser- kunst in St. Andreasberg ist Teil des Weltkulturerbes. Zum Schutz für die Bergleute wurden Kanarienvögel mit einem speziellen Dauer- gesang gezüchtet. Die "Harzer Roller" wurden weltweit exportiert und in den Bergwerken als "Frühwarnsystem" eingesetzt. Viele Familien lebten von der Zucht, dem Vogelkäfigbau und Handel.

Nach diesem Ausflug bekommen wir den Sonderpreis des Deutschen Wanderverbandes überreicht, den wir der Wanderjugend spenden. Wir sind auch zur Feierstunde eingeladen und bekommen für unser "Gipfelbuch" Grußworte vom niedersächsischen Minister-präsidenten Stephan Weil und dem DWV-Präsidenten Dr. Hans- Ulrich Rauchfuß.

Danach beginnt der lange Festumzug. Immer wieder umarmen uns "alte Bekannte" von unterwegs, die mit ihren Vereinen zu diesem traditionellen Ereignis angereist sind.

Am Montag ist es soweit: Vor der Kaiserpfalz in Goslar geben wir den Wimpel an Bad Harzburg ab und verabschieden uns von unseren Wanderfreunden aus dem Harz. Diese werden den Wanderwimpel im nächsten Jahr zum nächsten Austragungsort Paderborn tragen.

Wir jedoch haben unseren "Auftrag" nun erledigt. Nur die Doku-
mentation der Wimpelwanderung muss jetzt noch erstellt und beim Deutschen Wandertag 2015 übergeben werden.

Jetzt fahren wir aber erst einmal zufrieden und erleichtert zurück ins Allgäu ...
  Rahmenprogramm: im Kanarienvogel-Museum
  die Präsidenten tragen sich im Gipfelbuch ein
Übergabe des Wanderwimpels