...und.seine.Bowlingtrophäen

       Willard und seine Bowlingtrophäen.

            Ein grotesker Kriminalroman

                                           von Richard Brautigan

             

ISBN 978-3-905802-01-6       


I wrote poetry for seven years to learn 
how to write a sentence,
because I really wanted to write novels.
 Richard Brautigan

Kritik-Replik 

Polly, put the kettle on!

(Der Kritikeur hats schweur)

So, so, Herr Reinhard Helling aus Hamburg ist enttäuscht. Wie schade. Ich dagegen bin überrascht. Wenn der Kritiker einer neuen Brautigan-Übersetzung sich nicht dazu durchringen kann, eine spezielle Informationsseite zu ebenjener Neuübersetzung zu lesen, auf Deutsch oder Englisch, sich die im Netz zu findenden Audiodateien nicht einmal anhört - ja, man muss Brautigan wirklich hören bzw. laut lesen!-, dann kriegt er die Kritik natürlich nicht gebacken. Auch dazu hätte er einiges im Vorfeld meiner Website entnehmen können. So jedoch ahnt er nichts von den für Brautigan so typischen durchaus beabsichtigten Wort- und den Klangwiederholungen, die ich nachgeahmt habe, er weiß nicht, dass es Synonyme gibt, die man beim Übersetzen für einen bestimmten Kontext bewusst wählt, noch dass viele Wege nach San Francisco bzw. zum Tee führen, sondern hält das, was ihm nicht geläufig ist, für holperig. Nun ja. Jedenfalls gibt er dies vor. Gern würde ich ihn zum Tee einladen, dann können wir abwechselnd Teewasser aufsetzen und -stellen, vielleicht stellen wir dann ja tatsächlich gemeinsam einen Unterschied fest?
Und dann unterhalten wir uns mal über Synonyme und die tausend Möglichkeiten, einen einzigen Satz zu übersetzen. Und vielleicht sogar mal über Rhythmus und Satzmelodie und Brautigans Metaphernmix - zum Beispiel wooden gold - und seine lyrische Prosa

Der von Helling inkriminierte übersetzte Satz

"Usually, she would jack him off or orally copulate him and he would very carefully
like cutting a diamond, clitorally masturbate her until she came." 

Hören Sie gar denn nicht, wie das   k l i n g t ,   Herr Helling? Und spüren Sie den Rhythmus nicht? Merken Sie nicht, dass im Original wie in meiner Übersetzung nicht nur die beschriebenen Praktiken an "Die Geschichte der O" anklingen, sondern auch die O-Klänge selbst sich ständig wiederholen? Wie schon in den gestooooohlenen Booooowlingtroooophäen? Ahnen Sie wirklich nicht, warum ich das Klangpaar orally und clit-orally statt einer nur den Inhalt rekapitulierenden prosaischen Wiedergabe ("masturbierte [...] ihre Klitoris" wie es Ihrer Meinung nach heißen "muss") als oral und klit-oral ins Deutsche gerettet habe? (Nein, so rede ich normalerweise auch nicht, aber so schrieb Brautigan - es klingt auch im Original ungewöhnlich.) Und warum habe ich she would jack him off mit hobelte sie ihn wiedergegeben? Ganz einfach - weil das die gleiche Silbenzahl hat wie das Original, während Ihr Gegenvorschlag ("holte ihm einen runter") ganze acht Silben hat und damit den Satzrhythmus zerstört. Das war übrigens nur einer der überaus poetisch klingenden Sätze - mal ganz abgesehen vom Inhalt -, über die ich besonders lange nachgedacht habe. Zumal copulate und masturbate im Deutschen - aber eigentlich auch im Englischen - sonst autoerotische Praktiken beschreiben. In der Alternative, die Sie mir als besser vorhalten ("holte sie ihm einen runter oder befriedigte ihn oral, und er masturbierte sehr vorsichtig, als würde er einen Diamanten schleifen, ihre Klitoris, bis sie kam."), ist die rhythmische Klangwiederholung orally copulate und clitorically masturbate ja völlig verloren gegangen, auch wenn der Inhalt schon korrekt wiedergegeben ist. Wie heißt es doch so schön? Der Ton macht die Musik. Und die Poesie einen Brautigan-Satz. Quod erat demonstrandum. 

In einem Punkt weiß ich mich mit Helling allerdings vollkommen einig:

"Bei jeder Übersetzung fliegen Späne. Umso wichtiger ist es, die Wortdiamanten des Autors so lange zu polieren, bis sie auch in der Zielsprache glänzen. Die ursprüngliche Farbe sollte sich dabei nicht verändern." (Reinhard Helling)

Das haben Sie wirklich sehr schön ausgedrückt, Herr Helling - ah, wie das funkelt! Nur ziehe ich einen anderen Schluss daraus. Nothing lost, nothing gained.
 
 
 Kritik von mtt in der NZZ vom 26. Juli 2008                                                               Christiane Bergfeld im Juli 2008

 

  
Playlist