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Walter Tanau - Ein Künstler der Verschollenen Generation

Der Begriff “Verschollene Generation” wurde um 1980 von dem Marburger Kunsthistoriker Rainer Zimmermann geprägt. Er beschreibt Künstler, die zwischen den beiden Weltkriegen ihre künstlerische Ausbildung begonnen oder beendet hatten, dann aber durch die Auswirkungen des Nationalsozialis­mus in ihrer Entfaltung behindert wur­den. Sei es durch Verfolgung oder, wie im vorliegenden Fall, durch den Einzug zur Wehrmacht und die Teilnahme am Zweiten Weltkrieg. Nach dem Krieg mussten diese Künstler von vorne anfangen, da die meisten ihrer Arbeiten im Krieg zerstört wurden. Während in der zweiten Hälfte des 20. Jahr­hunderts eine allgemeine Entwicklung zur Abstraktion erfolgte, hielten die Künstler der Verschollenen Generation an ihrem ge­genständlich expressionistischen Malstil fest und gerieten in Vergessenheit. Sie entsprachen nicht mehr dem Zeitgeist des Kunstmarktes. In jüngster Zeit erlebt die Verschollene Genera­tion einen bemerkenswerten Aufschwung. Museen, Galerien und Sammler zeigen zunehmendes Interesse, wodurch die Künstler wenigstens postum die ihnen gebührende Wert­schätzung erhalten. Bei der Auswahl der Bilder für diese Aus­stellung wurde versucht, einen möglichst repräsentativen Querschnitt durch das malerische Werk Walter Tanaus zu le­gen. Gezeigt werden Arbeiten aus allen Schaffensperioden des Künstlers: angefangen bei Kopien und Interpretationen be­rühmter Werke von Peter Paul Rubens, Carl Spitzweg, Auguste Renoir und Pieter Breughel, die Tanau zum Selbststudium an­fertigte, über Auftragsarbeiten zum Broterwerb bis hin zu Eigenkompositionen des Künstlers, die ihn in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zu seinem eigenen, unver­wechselbaren Stil finden ließen, den Experten als Expressiven Realismus beschreiben.
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