Michael Niavarani

Da war er ziemlich böse auf mich...


Im Jahre 1993 übernahm der Schauspieler und Kabarettist Michael Niavarani von Martin Flossmann das Wiener Traditionskabarett „Simpl“ und war fortan mit der künstlerischen Leitung dieses Hauses betraut. Im Fernsehen wurde Niavarani durch TV-Serien wie „Dolce Vita & Co.“ und „Kaisermühlen Blues“ zum Begriff. Niavarani, der Chef-Komiker der ORF-TV-Reihe „Was gibt es Neues?“, wurde Österreichs beliebtester Kabarettist!

Michael Niavarani
Michael Niavarani

Als ich mein erstes Interview mit ihm führte, war er allerdings noch kein Star. Damals musste ich ihn in der Redaktion geradezu durchboxen, damit überhaupt eine Geschichte über ihn erschien.

Im Alter von 25 Jahren stand Niavarani vor seiner ersten großen Premiere als „Simpl“-Chef. Kurz danach erzählte er mir, wie er sich kurz davor gefühlt hatte.
Niavarani: „Vor der Premiere dachte ich, kopfschüttelnd: Mein Programm ist gar nicht lustig. Es ist alles nicht lustig … Ich habe mir tatsächlich schon überlegt, wie ich die Produktionskosten abzahlen würde, wenn das Kabarett in wenigen Wochen zusperren müsste.“

Obwohl ich den Michael Niavarani so sehr schätze – ich durfte sogar eine Homestory bei ihm machen und eine „Simpl“-Vorstellung als erster Reporter überhaupt hinter den Kulissen mitverfolgen –, hatte ich einmal ein großes Problem mit ihm …
Es ist viele Jahre her (1997), da rief ich ihn eines Abends auf seinem Handy an. Niavarani saß gerade in einem Lokal und sagte mir, dass er und seine langjährige Freundin und „Simpl“-Kollegin Sigrid Hauser privat von nun an getrennte Wege gehen würden.
Mehr noch: Seine neue Freundin wäre die ehemalige österreichische Songcontest-Starterin Bettina Soriat (später bekamen die beiden eine Tochter).
Niavarani, damals wortwörtlich: „Es hat sich ergeben, dass ich ein Verhältnis habe mit der Bettina Soriat …“

Sigrid Hauser wiederum, wurde nach einer Weile die neue Freundin des TV-Heimwerkers „Selfman“, Andreas Steppan, der sich wiederum von seiner Frau trennte.
Der launige Titel meiner damaligen Geschichte lautete: „Die eine kommt, die andere geht – so SIMPL ist das!“

Ich versuchte, den Partnerwechsel einigermaßen humoristisch zu beschreiben. Das Wortspiel im Titel fiel allerdings meinem damaligen Chefredakteur ein.
Nach Erscheinen dieser Geschichte meldete sich Michael Niavarani nicht bei mir. Er beklagte sich also nicht und ich dachte: „Passt schon. Alles okay.“
Irgendwie hatte ich aber doch ein schlechtes Gewissen …

Einige Zeit später sah ich mir eine Presse-Vorstellung im „Kabarett Simpl“ an. Danach ging ich zu Michael Niavarani hin und ersuchte ihn um ein Interview. Professionell, allerdings wesentlich kürzer und knapper als gewohnt, stand er Rede und Antwort.
Danach sagte er zu mir: „Ich bin dir eh nicht mehr böse ...“
Ich (verlogen ahnungslos): „Böse …?“
Er: „Ja. Böse!“
Ich (noch verlogener): „Warum denn ,böse‘?“
Er: „Gerald!??? Ich erzähle dir eine sehr private Geschichte, verlasse mich darauf, dass du sie entsprechend feinfühlig behandelst, und dann lautet der Titel: ,Die eine kommt, die andere geht – so SIMPL ist das!‘? Ich meine: Das Ganze war überhaupt nicht simpl für die Beteiligten.“
Ich (händeringend): „Aber die Überschrift war doch nicht von mir – sondern vom Chefredakteur!“
Er: „Und? Welchen Titel hattest du denn vorgesehen gehabt?“
Ich: „Hm ...? Weiß nicht ... Irgendwas mit: ,Liebes-Drama im Kabarett Simpl!’“
Niavarani: „Und …? Wäre DAS denn feinfühlig oder eher auch irgendwie reißerisch gewesen?“
Ich: „Aber eine Schlagzeile ist doch wichtig, damit die Leute überhaupt weiterlesen!“
Er: „Manche Schlagzeilen sind allerdings ziemlich entbehrlich!“
(…)

Das war nur ein kleiner Auszug aus unserem damaligen Dialog. Wir diskutierten länger, doch es ist einfach sinnlos, mit Michael Niavarani zu diskutieren! Völlig sinnlos!
Zu seiner haushohen rhetorischen Überlegenheit gesellen sich eine ungeheure Schlagfertigkeit, ein unglaublicher Charme und ein ausgesprochen schelmisch-sympathischer Blick dazu.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Michael Niavarani in all seinen bisherigen Partnerschaften auch nur eine einzige Diskussion gegen eine Frau verloren hat!
Wenn er zum Beispiel einer Freundin gestehen würde: „Du, es tut mir sehr leid, aber es hat sich eben ergeben, dass ich dich vor ein paar Stunden betrogen habe“; wenn er dazu verblüffende Argumente liefert und gleichzeitig seinen treuherzigen Blick aufsetzt, dann nimmt ihn die betrogene Frau bestimmt sofort tröstend in ihre Arme. Und sie wird ihm wohl Stein und Bein schwören, sich auf der Stelle zu bessern. – Damit so etwas nie wieder passiert ...
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Einmal saß ich mit Michael Niavarani in einem Wiener Innenstadtlokal. Es kam die Kellnerin, um unsere Bestellung aufzunehmen. Als sie Niavarani ansah, schien sie sein Gesicht zwar zu kennen. Aber ihr fiel sein Name nicht gleich ein. Immer wieder deutete sie mit einem Zeigefinger auf ihn und sagte: „Sie sind doch der von … der von … ,Wetten, dass …?‘!“
Daraufhin schmunzelte Niavarani und meinte schlagfertig:
„WAS gibt es Neues …?“
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Bei einem Doppelinterview mit Michael Niavarani und seinem Kollegen Viktor Gernot begann Gernot einmal mit der folgenden Geschichte:
„Mit meinem Bühnenpartner Michael Niavarani bin ich immer wieder auch privat unterwegs. Wir waren auch schon mal gemeinsam in London, doch der Höhepunkt unserer gemeinsamen Urlaube war Amerika. Wir waren eine Woche lang in New York. Dort hat auch eine unserer größten Aktionen in Sachen ,Scheitern beim Anbraten von Frauen’ stattgefunden. Denn dort sind wir in einem Lokal erst nach einer ganzen Nacht draufgekommen, dass das ein Schwulen- und Lesbenlokal war! Und dass die sehr hübschen Kellnerinnen, überhaupt nichts von uns wollten.“

Michael Niavarani ergänzte: „Der Gernot hat in diesem Lokal sogar schon gesungen, am Klavier sitzend! Zwei Sängerinnen haben sich sogar nachher zu uns gesetzt, das waren Musical-Sängerinnen. Die waren total begeistert. Die kannten sogar das ,Theater an der Wien’. Wir haben uns wirklich sehr gut unterhalten. Und es war schon so knapp davor, dass man fragt: ,Zu dir oder zu mir?’ Nur waren die eben lesbisch … Dafür ist dann der homosexuelle Pianist mit uns bis zum Hotel mitgegangen, den wir daraufhin die ganze Woche nicht losgeworden sind. Er wollte sich immer wieder auf einen Kaffee mit uns treffen, er hat uns eben sehr sympathisch gefunden ...“

Gernot: „Das muss man sich vorstellen: Andere Männer kommen aus New York heim und prahlen: ,Pfau! Einen super Aufriss haben wir gemacht!’ Und wir zwei Trotteln braten eine Nacht lang die Lesben an.“