Kurt Falk

Meine journalistischen Anfänge: Der Milliardär Kurt Falk gab mir das, was viele von uns brauchen: eine Chance!


Im Herbst 1993 war ich arbeitslos und schrieb einen Brief an den im Jahre 2005 verstorbenen österreichischen Zeitungsherausgeber Kurt Falk. Darin teilte ich ihm ein paar inhaltliche Vorschläge für seine damals noch junge, inzwischen eingestellte, österreichische Tageszeitung „Täglich Alles“ mit.

Ein paar Tage später wurde ich zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Meine journalistische Laufbahn davor war wenig berauschend. Mein Publizistik-Studium brach ich wegen Aussichtslosigkeit ab.
Nebenbei arbeitete ich für eine kleine Sportzeitung – die, kurz nachdem ich dort begann, eingestellt wurde.
Und das Hotel, in dem ich angestellt war, ging auch sehr bald in Konkurs.
Irgendwie kam ich mir damals vor wie Pierre Richard in dem Film „Ein Tollpatsch kommt selten allein“: Alles, was ich anfasste, ging schief …

Jetzt stand ich vor der „Täglich Alles“-Redaktion in Wien Floridsdorf. Gleich sollte ich dem berüchtigten Chef, Kurt Falk, gegenübertreten. Er galt als ziemlich streitbar: Eine Mitarbeiterin, die in der Redaktion nachdenklich an einem Bleistift knabberte, soll er entsetzt gefragt haben: „Sagen Sie, warum essen Sie mein Eigentum auf!?“

Ich stand vor seinem Büro, zitterte, hoffte aber auch: Würde sich mit der Bürotür jetzt gleich meine berufliche Zukunft öffnen?

Kurt Falk empfing mich persönlich. Salopp bekleidet, bat er mich, Platz zu nehmen.

Da saß er nun vor mir, der schwerreiche, erfolgreiche Mann, der in Österreich auch die „Kronen Zeitung“ und die Wochenzeitung „Die ganze WOCHE“ aufbaute. Und ihm gegenüber saß ich, der Arbeitslose. – Der Unerfahrene, der dem Zeitungszaren auf drei DIN-A4-Seiten erklären wollte, wie eine erfolgreiche Zeitung zu machen sei.

Falk überflog noch einmal meinen Brief an ihn, schmunzelte, dann sagte er im freundlichen Befehlston: „Ja! ,Mein Weg an die Spitze‘, das ist es! Das interessiert mich! Interviewen Sie, fürs Erste einmal, vier Prominente, die für Sie ,an der Spitze‘ stehen. Und fragen Sie diese Leute, wie sie das in diesem Land überhaupt geschafft haben, ja!? – Wie sie das in diesem Land überhaupt schaffen konnten … Wenn Ihre Arbeits-Ergebnisse vorliegen, Herr Vukits, starten wir in ,Täglich Alles‘ eine neue, doppelseitige Sonntagsserie mit diesen Leuten. Jede Woche erzählt ein anderer Prominenter über seinen Weg an die Spitze. Ich erwarte Ihre ersten vier Interviews in, na ja, sagen wir … in drei Wochen? Gut, abgemacht! Für jede Geschichte, die abgedruckt wird, bekommen Sie … 3000 Schilling (ca. 218 Euro). Viel Erfolg! Auf Wiedersehen, Herr Vukits!“

Und schon war ich wieder draußen. – Unverletzt und ungekränkt. Nicht einmal ansatzweise beleidigt fühlte ich mich.

Meine Güte, war ich stolz auf mich. Ich war 25 Jahre alt und durfte eine doppelseitige Sonntags-Serie über Promis in der damals zweitgrößten österreichischen Tageszeitung starten. Fortan sollte ich wöchentlich Prominente treffen und sie exklusiv interviewen. – Persönlichkeiten, die ich bislang nur aus dem Fernsehen kannte. Und dafür sollte ich als freier Mitarbeiter sogar echtes Geld bekommen: Meine Güte, war ich stolz auf mich …

Und auch meine Freunde waren ganz bestimmt unglaublich stolz auf mich, aber irgendwie wollten sie es mir nicht gleich so zeigen. Einer sagte: „Wenn du ab jetzt Promis interviewst, bin ich der Kaiser von China.“
Ein anderer meinte: „Für jedes Interview, das von dir erscheint, lege ich noch einmal 3000 Schilling drauf! Bruhu-Haha!“

Doch ich war schon ganz in meine Arbeit vertieft und stellte mir nun die Frage: Mit wem sollte ich beginnen? Mit welchem Promi soll ich meine neue Serie starten?
Hm ...?

Meine erste Interview-Vereinbarung traf ich mit Dr. Rudolf Kirchschläger. Er war zweimal Bundespräsident der Republik Österreich und galt als eine der honorigsten Persönlichkeiten unseres Landes. Ich dachte mir: Wenn ER mir zusagt, wenn ER mir ein Interview gibt, dann sollten sich andere Promis doch eigentlich auch „herablassen“.

Dabei hatte ich als Journalist weder einen Namen, und meine Promi-Serie, für die ich ihn als Interviewpartner gewinnen wollte, die gab es zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht …