Fritz Eckhardt

Krebs! Alkohol! - Sein letztes Interview mit mir


Der erste Star, der nach einem Interview mit mir starb (mein Gott, wie das klingt ...) war der Schauspieler Fritz Eckhardt. Sie erinnern sich? „Tatort“, „Hotel Sacher – Portier“.
Am Silvesterabend 1995 verstarb er.

Kurz davor gab er mir sein letztes Interview.

Den Interviewtermin vereinbarte ich mit seiner Sekretärin.
Der unvergessene Volksschauspieler wohnte damals im Wiener Hotel „Intercont“. Als ich sein Zimmer betrat, stand er zitternd, auf eine Krücke gestützt, vor mir. Zwei Bedienstete halfen ihm.
Fritz Eckhardt erzählte mir aus seinem Leben. Am meisten stolz sei er darauf gewesen, dass er niemals seinen Humor verloren hatte – auch nicht nach seinen Krebsoperationen.
Am Tag meines Interviews war seine Stimme sehr schwach.

Nach einer Weile – und völlig unvermutet – kam sein Alkohol-Geständnis.

Er berichtete mir von seinem Krankenhaus-Aufenthalt, der erst wenige Monate zurücklag. Er musste eingeliefert werden, weil er gestürzt war – da er so betrunken war. Sogar auf der Psychiatrie war er, „um mir die Sauferei abzugewöhnen“, wie er mir gestand. Er unterzog sich einer „wahnsinnig schweren Kur“, wie er sagte.

Schuld an seinem hohen Alkoholkonsum sei nicht etwa der Tod seiner Ehefrau acht Jahre zuvor gewesen. Vielmehr sei das Ganze bei ihm schleichend passiert. So kam es, dass er sich beim Heurigen anstatt Wein Schnaps bestellte. Dann kam Eckhardt drauf, dass ihn das Trinken auch beim Schreiben beflügelte. Es wurde immer mehr und mehr. Am meisten hatte er getrunken, als er nichts mehr zu tun hatte.

In den Jahren vor seinem Tod nahm Fritz Eckhardt 40 Kilo ab. Während unseres Interviews wirkte er frustriert und alleingelassen. Der unvergessliche TV-Star sagte Dinge wie: „Ich erinnere mich nicht gerne zurück.“ Und: „Es gab mehr schwere als schöne Stunden.“ Oder: „Die Arbeit mit Schauspielern fehlt mir überhaupt nicht. Es interessiert mich nicht. Es ist mir wurscht.“

Nach einer Stunde brach er das Gespräch ab mit den Worten: „So, und jetzt bitte die letzte Frage. Ich bin schon sehr müde“.

Wir reichten einander die Hand zum Gruß. Wenige Tage später telefonierten wir. Ich bedankte mich noch einmal für das Gespräch. - Etwas, das ich sonst nie getan habe. Aber ich ahnte, dass ich diesen Menschen nie mehr wieder sehen würde.
Und so war es dann auch.