Thema des Workshops

Urbane Räume sind geprägt von einem rapiden Wandel in der Bevölkerung. Viele junge Menschen ziehen für ihr Studium oder eine Ausbildung in Großstädte, ganze Berufszweige senden ihre Mitarbeiter zeitweise in andere Städte. Anderseits verlassen ganze Bevölkerungsgruppen Großstädte beispielsweise aufgrund zu stark steigender Mieten. Gleichzeitig ermöglicht ein dichtes Mobilitätsangebot, durch gut ausgebauten öffentlichen Nah- und Fernverkehr sowie Autobahnnetze, ein einfaches Zurücklegen von größeren Entfernungen. Ein vielfältiges Angebot an Aktivitäten, Kunst und Kultur, sowie gute Perspektiven für Beruf und Bildung in Ballungszentren führen zu einem steigenden Zuwachs an Einwohnern und einem erhöhten Verkehrsaufkommen. Informationen zu diesen Angeboten sind zudem durch eine zunehmende Digitalisierung ubiquitär verfügbar. Digitale Kommunikationstechnologien, wie soziale Netzwerke, VoIP und Messeger-Dienste, bieten die Möglichkeit über Distanzen hinweg in Verbindung zu bleiben. Des Weiteren erlauben digitale Dienste, wie Google Maps, das schnelle und einfache Navigieren, auch bei spontanen Planänderungen. Die sich dadurch ergebende Schnelllebigkeit der Gesellschaft kann Risiken für Mensch und Natur mit sich bringen. Mit steigendem Gewahrsein über diese Risiken findet ein Wandel von Arbeits- und Lebensmodellen statt: Flexible Arbeitszeiten und sinkende Wochenstunden in vielen Bereichen führen zur steigenden Bedeutung der Freizeitgestaltung. Auch Konzepte aus der Mensch-Technik-Interaktion begleiten diesen Fokus einer ausgeglichenen und gesunden Lebensweise. Persuasive Anwendungen auf der Smartwatch oder Fitness-Tracker geben ad hoc gesundheitsfördernde personalisierte und kontextsensitive Verhaltensempfehlungen, um Risiken zu minimieren.

Diese Entwicklungen führen auf der einen Seite zu einer Neugestaltung des öffentlichen Raums. Die Nutzung der begrenzten öffentlichen Flächen wächst und fordert eine Neuinterpretation der Rolle von urbanen Objekten z.B. in der Vereinbarung der Angebote von Sport und Erholung. Auf der anderen Seite findet eine Neuverhandlung der gesellschaftlichen und sozialen Strukturen statt. Im Rahmen dessen stehen viele Bewohner sowohl einem Zuwachs an Möglichkeiten als auch den daraus resultierenden Herausforderungen gegenüber. Die Vielseitigkeit der Bewohner und eine hohe Bevölkerungsdichte bringen eine Vielzahl von Vorteilen für das alltägliche Leben mit sich. Eine heterogene Bevölkerungsmischung ermöglicht allen Bewohnern eines urbanen Raums, den Zusammenschluss zu interessenorientiert Gemeinschaften. Die hohe Bevölkerungsdichte in Kombination mit einer erhöhten Erwartung an die Mobilität des Einzelnen führt jedoch zu einer Anonymität des Individuums in urbanen Räumen. Dies stellt gerade Personen, die neu in ein soziales Umfeld kommen vor Herausforderungen. So wird unter anderem das soziale Umfeld von älteren Menschen kleiner, aus privaten oder wirtschaftlichen Gründen Zugezogene besitzen zu Beginn meist keine sozialen Strukturen. Aufgrund der hohen Mobilitätserwartung leben Familien immer häufiger getrennt voneinander, was zu Spannungen und sozialer Isolation führt.

Daneben verändert die Digitalisierung die Medienlandschaft und gesellschaftliche Teilhabe fundamental. Nachrichtenportale im Internet ersetzten zunehmend klassische Informationsmedien wie Tageszeitungen und Rundfunk. Dies stellt insbesondere Personen mit geringer Technologiekompetenz oder kognitiven Beeinträchtigungen vor Herausforderungen. Gleichzeitig bieten Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) vereinfachte Möglichkeiten Informationen zu verbreiten und so die gesellschaftliche und politische Meinungsbildung zu fördern.

Die Digitalisierung des urbanen Lebensraums ist allerdings keines Wegs abgeschlossen. Eine Vielzahl von Ansätzen hat bereits einzelne Herausforderungen erkannt. Darüber hinaus gibt es ein großes Potenzial, das sich durch die verändernden Strukturen des urbanen Raumes ergeben. Dies umfasst sowohl Technologien zur Unterstützung des einzelnen Menschen als auch solche, die soziale Strukturen maßgeblich prägen. So können Assistenzsysteme insbesondere Personen mit Einschränkungen dabei helfen mit diesen umzugehen oder diese sogar zu kompensieren. Persuasive Technologien nutzen (u.a. soziale) Mechanismen, die eine positive Verhaltens- oder Meinungsänderung hervorrufen. Gleichzeitig erlaubt das einfache Sammeln von Meinungen und Daten neue Formen der Partizipation. Dies trifft insbesondere auf räumlich begrenze Entscheidungen, mit Unterstützung von ortsbezogenen Dienste, zu. Bei der Gestaltung derartiger sozio-technologischer Systeme werden zunehmend auch die Anforderungen des urbanen Raumes wichtig. Darüber hinaus ergeben sich insbesondere Fragestellungen in dem Bereich der Mensch-Computer-Interaktion, aber auch in verwandten Disziplinen, wie der Wirtschaftsinformatik oder Sozialpsychologie. Der hier vorgeschlagene Workshop soll für die genannten Aspekte ein Forum bieten, um diesbezüglich wissenschaftliche Arbeit zu fördern und neue Themen zu identifizieren.

Organisation und Durchführung

Der Workshop ist als Veranstaltung mit zwei Teilen geplant, welche sich über einen Tag erstrecken. Teilnehmer des Workshops werden im Vorhinein zur Einreichung von Beiträgen zu den oben genannten Themen eingeladen, welche im Rahmen von Kurzvorträgen (max. 15 Minuten) während des ersten Teils der Veranstaltung präsentiert werden. Ziel der Vorträge ist es, den Teilnehmern die Möglichkeiten der Mensch-Technik Interaktion in urbanen Räumen vorzustellen und erste Ideen zu sammeln. Im zweiten Teil des Workshops wird die technologische Verknüpfung von Informationsräumen und realen Räumen anhand von relevanten Einflussfaktoren diskutiert. Durch die Erarbeitung von Lösungsansätzen für zuvor diskutierte Problemstellungen in Kleingruppen sollen sowohl gemeinsame Projektideen generiert als auch Hilfsmittel für die gemeinsame Erarbeitung von Technologien für den öffentlichen Raum erstellt bzw. evaluiert werden. Diese Hilfsmittel werden im Vorhinein erarbeitet und durch den Workshop ergänzt. Somit sollen den Teilnehmenden Tools an die Hand gegeben werden, um auch im Anschluss an den Workshop in interdisziplinären Teams gemeinsame Ideen für Technologien im urbanen Raum zu erarbeiten.

Die beteiligten Institutionen bieten mit Vorerfahrungen in der Entwicklung und Evaluation von Technologien in urbanen Räumen einen Grundschatz an Kompetenzen, der die Erarbeitung von Lösungsansätzen im Workshop ermöglicht. Gleichzeitig verfügen die verschiedenen Akteure über ein Netzwerk an potenziellen Teilnehmern und Komitee-Mitgliedern aus diversen Disziplinen, welche (zukünftige) Stakeholder für Technologien im urbanen Raum sind. Die eingereichten Beiträge werden durch ein erfahrenes Programmkomitee intern begutachtet, um eine hohe Qualität der ausgewählten Beiträge sicherzustellen und den Teilnehmern des Workshops somit eine gute Diskussionslage bieten zu können.

Ansprechpartner

Anna Kötteritzsch, anna.koetteritzsch@unibw.de

Organisatoren

Julian Fietkau
Prof. Dr. Michael Koch
Anna Kötteritzsch
Forschungsgruppe Kooperationssysteme, Universität der Bundeswehr München

Lars Lischke - Forschungsgruppe Mensch-Computer-Interaktion, Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme, Universität Stuttgart

Sven Mayer - Forschergruppe Soziokognitive Systeme, Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme, Universität Stuttgart

Dr. Benjamin Weyers - Virtual Reality Group, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Paweł W. Wozniak -  Interaction Design, Department of Applied IT, Chalmers Univeristy of Technology