Gitarre


engl.: guitar, ital.: chitarra, griech.: κιθάρα, (Kithara), abgeleitet von dem persischen: Setar „Dreisaiter“), franz.: guitare

 
 
 
 
 
 
 

 
 
 
Klassifikation Chordophon (Kastenhalslaute)
Zupfinstrument
Tonumfang
Klangbeispiel Tonleiter auf einer Konzertgitarre
Verwandte Instrumente Hawaiigitarre, Ukulele, Laute, Banjo, Mandoline


Die Gitarre (von griechisch κιθάρα, ursprünglich die Kithara, ein leierartiges Instrument) ist ein Musikinstrument aus der Familie der Kastenhalslauten, hinsichtlich der Tonerzeugung ein Saiteninstrument, von der Spieltechnik her ein Zupfinstrument.

Hinsichtlich der Tonerzeugung wird zwischen akustischen und elektrischen Gitarren unterschieden.


Aufbau

Eine Gitarre ist in drei verschiedene Teile untergliedert.

Klassische Gitarre in Front- und Seitenansicht, wichtige Teile beschriftet

Grundform

In der Regel besteht eine Gitarre im Wesentlichen aus einem Korpus, der als Resonanzkörper dient, einem damit verbundenen Hals, über den die Saiten laufen und der üblicherweise in einem Kopf endet.

Hals 

Während spezielle Formen der Gitarre (besonders spezielle E-Gitarren) quasi keinen Korpus und/oder keinen Kopf besitzen, ist allen Gitarren der Hals gemeinsam. Eine minimale Gitarre hat ausschließlich einen Hals, über dem zwischen Sattel (am Kopf) und Steg (auf dem Korpus) Saiten der Dicke nach geordnet aufgespannt sind.

Der Sattel einer Gitarre kann aus verschiedenen Materialien bestehen. Am verbreitetsten unter den Gitarren ohne Floyd-Rose-Tremolo sind Kunststoff und Knochen. Beide werden entweder in einer Nut vor dem „nullten“ Bund fixiert (Fender-style) oder einfach an das Ende des Griffbretts geleimt (Gibson-style). Kunststoff zeichnet sich dadurch aus, dass er preiswert und leicht zu bearbeiten ist. Bei Knochensätteln wird zwischen zwei verschiedenen Materialien unterschieden: der ausgekochte und nahezu weiße, gebleichte Knochen und sogenannte Vintage-Bone-Sättel, die aus nichtausgekochtem, ungebleichtem Rinderknochen bestehen. Diese werden auch „Fettsättel“ genannt, da sie aufgrund des im Knochen verbliebenen Fettanteils für eine Schmierung in den Kerben sorgen. Vintage-Bone-Sättel haben eine leicht gelbliche Färbung. Aufgrund ihrer guten Verarbeitbarkeit und der Schmiereigenschaften sind auch verschiedene Kunststoff-Graphit-Mischungen im Einsatz.

Bei heutigen Gitarren besteht der Hals meistens nicht aus einem Stück, sondern hat ein aufgeleimtes Griffbrett, über das die Saiten laufen. Diese Konstruktion hat zum einen Vorteile für die Stabilität des Halses, zum anderen hat die Wahl der Hölzer für Hals und Griffbrett einen erheblichen Einfluss auf den Klang und die Bespielbarkeit der Gitarre.

Bei klassischen Gitarren mit Darm- oder Kunststoffsaiten besitzt ein einfacher massiver Holzhals ausreichend Stabilität, um dem Zug der Saiten ohne störende Verformung standzuhalten. Viele Instrumente mit Stahlsaiten, vor allem Western-, bzw. Steelgitarren und E-Gitarren, sowie ganz besonders E-Bässe, besitzen jedoch noch einen in den Hals eingelassenen einstellbaren Halsspannstab (auch truss rod oder Trussrod). Dieser liegt etwa in der Mitte des Halses in einem gebogenen Kanal und bewirkt eine Vorspannung des Halses entgegen der Saitenzugspannung.

Typische Gitarren haben auf dem Hals Bünde. Diese helfen, die Saite beim Greifen zu verkürzen, um einen bestimmten Ton beim Anschlagen zu erzeugen. Jedes Bundstäbchen entspricht dabei einem Halbtonschritt. Ursprünglich bestanden die Bünde aus Darm, später wurden sie auch aus Elfenbein oder Silber gefertigt. Moderne Gitarrenbünde werden meist aus Neusilber gefertigt. Bünde aus festen Materialien sind unverrückbar in das Griffbrett eingelassen. Diese Bauweise erlaubt es eigentlich nicht, Zwischentöne zu erzeugen. Mit geeigneten Spieltechniken (z. B. Ziehen (=Bending), Bottleneck bzw. Slide) ist aber auch das möglich.

Der Hals ist je nach Art der Gitarre am Griffbrett flach oder gewölbt, breit oder schmal. Hierbei haben klassische Gitarren eher einen breiten und flachen Hals, Stahlsaitengitarren eher schmale und gewölbte Hälse.

Kopf

Am Ende des Halses befindet sich der Kopf/die Kopfplatte, an der das eine Ende der Saiten an den Wirbeln befestigt ist. Mittels der Wirbel werden die Saiten gespannt und durch Regulierung der Spannung gestimmt. Der notwendige Druck auf den Sattel entsteht dabei durch die Abwinkelung der Saiten gegenüber dem Hals. Je nach Bauform wird diese Abwinkelung entweder durch die Abwinkelung der Kopfplatte oder durch andere geeignete Maßnahmen wie z. B. Saitenniederhalter oder gestaggerte Mechaniken (zum Ende der Kopfplatte niedriger werdende Wirbel) erzielt.

Spezielle Bauformen von Kopfplatten gibt es vor allem bei manchen neueren E-Gitarren. So gibt es beispielsweise Klemmsattel, bei denen die Saiten am Sattel arretiert werden, um besonderes in Verbindung mit Vibratosystemen eine bessere Stimmstabilität zu erzielen. Noch extremer ist der komplette Verzicht auf eine Kopfplatte. In beiden Fällen werden die Wirbel durch Stimmmechaniken am Steg ergänzt oder gar ersetzt. Das heißt, die eigentliche Stimmfunktion wandert an das andere Saitenende auf dem Korpus.

Korpus

Der Korpus ist je nach Bauform der Gitarre stark unterschiedlich ausgeprägt. Bei akustischen Instrumenten (im Gegensatz zu elektrischen) besteht er meistens aus einem leichten hölzernen Resonanzkörper, bestehend aus Boden, Zargen und Decke. Die Decke besitzt dabei ein meistens kreisrundes Schallloch. Es gibt jedoch, vor allem im Bereich der E-Gitarren, noch zahlreiche andere Bauformen wie z. B. Halbresonanz-Gitarren oder Solidbody-Gitarren (ohne Hohlkörper).

Auf dem Korpus befindet sich der Steg. An diesem ist das andere Ende der Saiten befestigt, oder – zumeist bei elektrischen Gitarren – unterhalb davon an einem Saitenhalter. Auch für den Steg gibt es zahlreiche unterschiedliche Bauformen mit unterschiedlichen Einstellmöglichkeiten für Saitenlage, exakte Mensur einzelner Saiten oder auch mit Sonderfunktionen (z. B. Tremolo-Hebel – eigentlich Vibrato).

Spezielle Bauformen

Gitarren gibt es in unterschiedlicher Größe und Mensur. So gibt es unter anderem Kindergitarren und auch speziell für kleinere Menschen angefertigte Instrumente wie zum Beispiel sogenannte Frauengitarren, die unter anderem von Künstlern wie Prince gespielt werden.

Beim Bau der Gitarre werden für den Korpus und den Hals traditionell Hölzer verwendet. Jedoch kommen auch hier vereinzelt andere Materialien, wie zum Beispiel Metall, Verbundwerkstoffe oder Carbon, zum Einsatz. Kleinteile wie der Steg bestehen je nach Preisklasse ebenfalls aus verschiedenen Materialien, z. B. Kunststoff, Horn, Holz oder gar Elfenbein. Die Mechanik kann je nach Fabrikat (teilweise) aus Holz, Kunststoff oder veredelten Metallteilen bestehen.

Bei den Hölzern werden in der Regel spezielle Klanghölzer verwendet, die beim Gitarrenbau je nach Art und Eigenschaften in unterschiedlichen Kombinationen verwendet werden. Es gibt dabei drei Klassen von (Akustik)-Gitarren: Bei der einfachsten sind Decke und Boden aus furniertem Sperrholz. Diese Bauweise ist kostengünstig herzustellen und darüber hinaus weniger anfällig für Risse, allerdings ist die Klangqualität in der Regel geringer als bei Gitarren aus Massivhölzern. Oft fallen die sogenannten Wandergitarren in diese Kategorie. Die nächste Stufe hat eine Decke aus massivem Holz, und die von der Klangqualität her beste Stufe (in der Preisklasse ab ca. 700 €) ist vollmassiv zusammengebaut. Bei den Massivdecken wird teilweise auf eine Lackierung verzichtet, da sie die Decke sonst versteift und damit den Klang beeinflusst. Ein schützender Klarlack ist jedoch als Versiegelung der Oberfläche immer vorhanden. Besonders farbig lackierte Instrumente bestehen meist aus Holz dritter Wahl, weil der Lack die Fehler kaschiert.

Kindergitarre

Eine Kindergitarre ist eine normale akustische Gitarre, die für die unterschiedlichen Körpergrößen der Heranwachsenden maßstabsgetreu verkleinert in drei bis vier unterschiedlichen Größen gefertigt werden. Die Gitarrengröße richtet sich nach der Körpergröße und der Armlänge. Der Hals mit dem Griffbrett ist etwas schmaler und dünner, damit eine Kinderhand den Hals umfassen und die Saiten ohne Behinderungen greifen kann. Auch hat sie eine tiefe Saitenlage und ist nicht mit Stahlsaiten besaitet, um den Fingerdruck zu entlasten.

Flamenco-Gitarren

Speziell Flamenco-Gitarren sind mit einem Golpeador bestückt, einer dünnen Kunststoffschicht, die das Schallloch von drei Seiten umgibt und die Gitarrendecke vor Beschädigungen schützen soll, z. B. bei Verwendung der perkussiven Technik Golpe. Ein Golpeador kann auch nachträglich an einer Gitarre angebracht werden.

Allgemein haben Flamenco-Gitarren dünnere Decken, Böden und Zargen, sie sind flacher gebaut. Ihr Klang ist in den oberen Lagen stärker, spricht schnell an und klingt schnell aus. Dies unterstützt den harten und brillanten Charakter des Flamencospiels, der sich gegen die anderen perkussiven Elemente dieser Musik durchsetzen können muss. Die Saitenlage war früher eher niedrig, wodurch durchaus erwünschte Nebengeräusche entstanden. Da Flamenco-Gitarristen jedoch heute oft einen konzertanten Stil pflegen, wird mitunter eine höhere Saitenlage verlangt. Don Antonio de Torres (1817–1892) gilt als erster Erbauer spezieller Flamenco-Gitarren.

Die Instrumente unterscheiden sich ansonsten nur noch in Details der Verarbeitung von anderen, vergleichbaren Modellen; z. B. werden die sogenannten Meistergitarren größtenteils oder komplett in Handarbeit hergestellt, während einfachere Modelle je nach Preisklasse mehr und mehr mit Maschinen gebaut werden. Durch die Genauigkeit und den Aufwand bei der Herstellung, bzw. bei Sonderanfertigungen, entstehen bei bestimmten exklusiven Instrumenten zwangsläufig Lieferzeiten (von teilweise bis zu 40 Jahren!). Auf die Tonqualität hat das aber nicht unbedingt einen Einfluss.

Gitarren für Linkshänder

Es reicht meist nicht, bei einer normalen Gitarre die Saiten „verkehrt“ aufzuziehen. Einige wenige, meistens spezialisierte Firmen, die vorwiegend Einzelstücke fertigen, bauen spiegelbildlich gestaltete Modelle, bei denen die Cutaways stimmen, die der Greifhand den Zugang zu den höchsten Bünden erleichtern sollen.

Gute Gitarren sind nicht symmetrisch gebaut. Die Stegeinlage ist schräg angeordnet, um das Spielen auf den hohen Bünden oktavrein zu halten. So haben die tiefen Saiten - bedingt durch ihren größeren Durchmesser - eine längere Schwingungslänge als die hohen, dünneren Saiten. Würde man auf einer Rechtshändergitarre die Saitenlage einfach umdrehen, würde durch den schrägen Steg aber die Oktavunreinheit verstärkt.

Heutzutage bieten die meisten großen Hersteller von elektrischen Gitarren und Stahlsaitengitarren auch spezielle Linkshänder-Gitarren an. Aufgrund der geringeren Nachfrage und des gesteigerten Produktionsaufwandes sind sie allerdings zehn bis 30 Prozent teurer als Rechtshänder-Gitarren des gleichen Modells. Es werden zudem nur einige wenige Modelle aus der Modellpalette auch als Linkshand-Version angeboten. In den meisten Musikläden finden sie sich deshalb auch nur in geringer Stückzahl oder überhaupt nicht. Die Tatsache, dass es überhaupt Linkshänder-Gitarren gibt, stellt eine Eigenheit dieser Instrumentengattung dar. In der E-Musik findet man bisweilen Streicher, die ihren Bogen mit der linken Hand halten und entsprechende Instrumente spielen. Darüber hinaus gibt es viele Linkshänder; populäre Beispiele sind in der U-Musik z. B. Dire-Straits-Gitarrist Mark Knopfler, Blueslegende Gary Moore oder Oasis-Gitarrist Noel Gallagher, die ganz normale Rechtshänder-Gitarren spielen und sie auch wie Rechtshänder bedienen (die Anschlaghand ist die rechte, die Greifhand die linke).

zwölfsaitige (sechs-chörige) Gitarren

Die zwölfsaitige Gitarre wird ähnlich gestimmt wie die sechssaitige Gitarre. Zu den Saiten E, A, D und G kommt hier jedoch jeweils eine Oktavsaite, die H-Saite und die hohe E-Saite werden durch gleichgestimmte Saiten gedoppelt (Schema: eE aA dD gG hh ee). Die sechs so entstandenen Saitenpaare werden Chöre genannt. Durch sie ergibt sich ein vergleichsweise volleres Klangbild (Chorus-Effekt) als das einer sechssaitigen Gitarre. Zwölfsaitige Gitarren bespannt man ausschließlich mit Stahlsaiten, da Nylon- oder Darmsaiten für die enge Positionierung zu weit ausschwingen würden.

Die Oktavsaiten sind dünner als die zugehörigen „normalen“ Saiten und neigen im Vergleich zu diesen zum Reißen. Außerdem ist das Stimmen einer zwölfsaitigen Gitarre zeitaufwendiger und anspruchsvoller als das Stimmen einer sechssaitigen Gitarre. Der geringen Stimmstabilität der zwölfsaitigen Gitarre wegen, spielen einige Musiker, wie z.B. Albert Lee, bei Aufnahmen manchmal eine sechssaitige Gitarre und simulieren den angestrebten „12er-Sound“ durch das hinzugemischte Spiel auf einer weiteren sechssaitigen Gitarre, die nur mit den zusätzlichen Saiten der zwölfsaitigen/sechs-chörigen Gitarre bezogen ist.

Doppelhalsgitarre

Eine Sonderform ist mit einem zweiten Griffbrett und dem dazugehörigen Schallloch in der Korpusdecke ausgestattet. Damit können entweder unterschiedliche Bespannungen (z.B. Darm- und Stahlsaiten) oder verschiedene offene Stimmungen bespielt werden, ohne das Instrument wechseln zu müssen. Auch ist es möglich, einen der Hälse für eine zwölfsaitige Bespannung auszulegen. Instrumente mit einem dritten Hals sind selten, aber ebenfalls schon realisiert worden.

 

Elektrische Gitarren

 

Elektrische Gitarre

Hauptartikel E-Gitarre

Im Gegensatz zur akustischen Gitarre werden bei einer elektrischen Gitarre (E-Gitarre) die Saitenschwingungen über elektrische ferromagnetische Tonabnehmer (Pick-up) oder über Piezokristalle abgenommen und elektronisch verstärkt. Dies geschieht üblicherweise mit zur Verstärkung der E-Gitarre angepassten Gitarrenverstärkern. Der Korpus ist zumeist massiv. Außerdem gibt es elektroakustische Gitarren. Dabei handelt es sich um akustische Gitarren mit eingebautem Tonabnehmer. Dadurch kann der Ton wie bei der elektrischen Gitarre über einen Verstärker ausgegeben werden.

Jazzgitarre

Als Urform der Jazzgitarre (auch Plektrum- oder Schlag-Gitarre genannt ) wird das 1923 hergestellte Modell L5 der Gibson Mandolin-Guitar Manufacturing Company in Kalamazoo/USA angesehen. Für damalige Verhältnisse wartete die Gitarre mit Besonderheiten auf, die den Standard für alle danach gefertigten Instrumente dieses Genres bestimmen sollten. Dies war ein nach Vorbild des Geigenbaus hergestellter Korpus mit gewölbtem Boden und gewölbter Decke. Anstelle der sonst runden oder manchmal ovalen Schalllöcher waren zwei F-Löcher in die Decke eingearbeitet. Die Stahlsaiten waren in einem trapezförmigen Saitenhalter aus Metall am unteren Korpusende verankert, welche über einen zweiteiligen und damit höhenverstellbaren Steg führten. Der Hals – bis dahin in Höhe des 12. Bundes mit dem Korpus verbunden – gab bei der L5 volle 14 Bünde frei. Um dem Saitenzug des nun längeren Halses entgegenzuwirken, zog Gibson in einer Nut längs des Halses einen Stahlstab ein, der an seinem Austritt, unter dem Sattel auf der Kopfplatte, über eine Gewindemutter noch zusätzlich verstellbar war. Die Firma hatte lange Zeit ein Patent auf diese Konstruktion.

In der musikalischen Entwicklung verdrängte die Jazzgitarre das bis dahin verbreitete Banjo. Es wurde zwar im traditionellen Jazz weiterhin eingesetzt, musste aber mit Anbruch der Swing-Ära das Feld der „edler“ klingenden Gitarre überlassen, die von da an in keiner Big Band und keinem Tanzorchester fehlen durfte. Problematisch für den Gitarristen jener Tage war jedoch die Situation, sein Instrument gegen die vorherrschenden Lautstärken in mittleren und großen Orchestern hörbar in Szene zu setzen. Der Instrumentenbau reagierte, indem die Resonanzkörper der Jazzgitarren zunehmend vergrößert wurden. Von den damals 16" (untere Korpusbreite) der ersten L5 betrugen die Maße gegen Ende der 1930er Jahre 18" bei Gibsons Super 400 und bei einigen Modellen von Epiphone und Stromberg sogar 19". Wirkliche Abhilfe schafften hier die ebenfalls in den 1930er Jahren begonnenen Versuche, die Schwingungen der Stahlsaiten durch elektromagnetische Tonabnehmer zu erfassen und diese von Verstärkern aus der frühen Radiotechnik übertragen zu lassen. Diese ersten Tonabnehmer wurden entweder freischwebend mittels entsprechender Halterungen zwischen Decke und Saiten platziert oder direkt auf die Decke montiert. Damit war es Jazzgitarristen möglich, neben den Aufgaben in der Rhythmus-Sektion nun auch als Solist aufzutreten. Die erste industriell in Serie gefertigte Jazzgitarre mit fest montiertem Tonabnehmer war die 1936 eingeführte Gibson ES-150. Der US-Jazzgitarrist Charlie Christian wurde mit diesem Modell zum Pionier des „bläserartigen“ Spiels (Läufe, Melodielinien und Soli) auf der elektrisch verstärkten Gitarre. Er ist besonders in Aufnahmen von 1939 bis 1941 mit Benny Goodmans Combo-Besetzungen zu hören.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs ergaben sich weitere Veränderungen im Bau der Jazzgitarre. Zum Spiel in den oberen Lagen, also aufwärts des 14. Bundes, musste die angrenzende Korpusflanke stets überwunden werden. Als Neuerung wurden Instrumente mit einem „Cutaway“ ausgestattet, einer Ausformung an der beschriebenen Stelle in den Korpus, womit die linke Schulter der Gitarre niedriger liegt als auf der rechten Seite. Der so gewonnene Raum gestattet der Greifhand auch oberhalb des 14. Bundes noch bequemes Spiel. Die dem Geigenbau entlehnten Wölbungen des Bodens und der Decke mussten aus entsprechend massiven Holzplanken herausgearbeitet werden, was hohe Handwerkskunst verlangte und deshalb auch sehr zeitaufwendig war. So ging man dazu über, Böden, Decken und Zargen aus Sperrholz zu fertigen, die dann in speziellen Pressmaschinen geformt wurden. Die sonst dazu verwendeten Hölzer (meistens Ahorn und Fichte) bildeten nur noch die äußere Furnierschicht, so dass der optische Eindruck nach dem Finish keinen Unterschied zur anderen Bauweise erkennen lässt. So konnten Gitarren schneller und kostengünstiger hergestellt werden. Für Spitzenmodelle kam diese Produktionsweise nicht zum Tragen, wenngleich massiv hergestellte Decken auch mit Zargen und Böden aus Sperrholz kombiniert wurden. Die Sperrholzgitarren klingen in der rein akustischen Anwendung mit den aus Massivhölzern hergestellten Instrumenten nicht gleichwertig. Doch dieser Vergleich trat zunehmend in den Hintergrund, da die Jazzgitarren immer häufiger nur noch elektrisch verstärkt gespielt wurden. Dazu hatten die namhaften Hersteller eigene Tonabnehmer (Pickups) im Programm, wie Gibson seinen „P 90“ oder die „New Yorker“ Pickups bei Epiphone. Andere ließen sich von Firmen wie DeArmond (z. B. Gretsch) beliefern, um die Elektrik ihrer Gitarren mit diesen Produkten auszustatten.

Allerdings beginnt 1950 die Dekade, in der Gibson mit der Les Paul und der ES 335 Furore machte und die radikal neukonzipierten Gitarren von Leo Fender aus Kalifornien den Markt gewaltig belebten. Diese Instrumente revolutionierten den Gitarrenbau und setzten Maßstäbe in einer Nachhaltigkeit, die bis in die heutige Zeit reichen. Die damit einsetzende Jagd nach Sustain, Effekten und Overdrive war nie das Terrain der Jazzgitarre. Dass sie trotz dieser Entwicklung von den führenden Herstellern weiterhin gefertigt wurde, hatte nicht nur traditionelle Gründe. Kein anderer Gitarrentyp bringt in der akustischen Spielweise perkussivere Anschläge und überträgt sauberer filigrane Rhythmusarbeit. Elektrisch verstärkt, mit guten Pickups, liefert sie aufgrund ihrer Resonanzstruktur klare, runde Töne mit Substanz. Mit diesen Vorzügen konnte die Jazzgitarre seit ihrer Entstehung immer neue Generationen von Musikern für sich begeistern.

Halbresonanzgitarre 

 
Semiakustikgitarre der Firma Epiphone

Die Halbresonanzgitarre (auch Semiakustik-Gitarre bzw. Halbakustikgitarre genannt) ist eine Variante der elektrisch verstärkten Vollresonanz-Gitarre und unterscheidet sich von dieser durch die regelmäßig geringere Korpustiefe. Gelegentlich sind auch die übrigen Korpusmaße kleiner ausgelegt als bei der Vollresonanz-Gitarre. Neben der reinen Halbakustik-Bauweise (engl. „Hollow Body“) ist die Verarbeitung eines massiven Mittelbalkens (Center-Block / Sustain-Block) anzutreffen, welcher in der Verlängerung des Halses bis an das untere Korpusende reicht und diesen in zwei Kammern teilt. Diese Instrumente werden häufig unter der Bezeichnung „Semi-Solids“ geführt, da das Klangverhalten der massiv gebauten E-Gitarre („Solid-Body“) näher kommt als der rein akustischen Version. Die Bezeichnung „Semi-Solids“ wird auch für massiv gebaute E-Gitarren verwendet, die im Korpusinneren mit größeren Resonanzkammern ausgestattet sind. Die typische Halbresonanzgitarre ist eine F-Loch-Gitarre in Single- oder Double-Cutaway-Bauweise (siehe Bild). Ebenso sind auch Modelle ohne F-Löcher erhältlich, um den unerwünschten Rückkopplungseffekt im Verstärkerbetrieb zu minimieren. Die elektrische Regelausstattung umfasst zwei Tonabnehmer, die samt Volumen- und Klangregelung auf der Decke angebracht sind.

E-Bass

Der E-Bass ist ein ähnliches Instrument. Er entstand aus dem Bemühen, den Kontrabass durch ein elektrisch verstärkbares Instrument mit gleicher Stimmung und gleichem Tonumfang, aber der Größe einer Gitarre zu ersetzen. Er hat in der Regel vier Saiten (es gibt aber auch Modelle mit fünf, sechs und mehr Saiten), die durchgehend in Quarten gestimmt werden. Deshalb sind die E-, A-, D- und G-Saite eine Oktave tiefer gestimmt als die korrespondierenden Saiten einer Gitarre. Wie die Gitarre ist der E-Bass ein oktavierendes Instrument, sein Ton erklingt also eine Oktave tiefer als die Notenschrift anzeigt.

Silent/Traveller Guitar

Silent Guitar und Traveller Guitar sind die Markennamen von korpuslosen Gitarren, die sich wie eine Konzert- oder eine Folk-/Westerngitarre spielen. Durch den fehlenden Resonanzkörper sind sie wesentlich leiser, aber auch kompakter als andere Gitarren. Der Ton kann darüber hinaus auch elektrisch abgenommen und verstärkt werden. Eine andere Art von Traveller Guitar, oder Reisegitarre, ist die in 1975 in Deutschland von Roger Field erfundene Foldaxe (in 1977 für kurze Zeit von Hoyer hergestellt, dann von Field weiterentwickelt), eine zusammenfaltbare E-Gitarre, die für Chet Atkins konzipiert war (in Atkins' Buch Me and My Guitars).



 Mit Dank an alle, die das zusammengetragen haben.

Gruß auch an Wikipedia